Barkal
Barkal
Dschebel Barkal

Dschebel Barkal

Höhe 287 m
Lage Sudan, Nordafrika
Geographische Lage 18° 32′ 12″ N, 31° 49′ 42″ O18.53672531.828358333333287Koordinaten: 18° 32′ 12″ N, 31° 49′ 42″ O
Barkal (Sudan)
Barkal
Berg Barkal in Hieroglyphen
Dw
Z1
O39 A6 N18
N18
N18
niwt

Der Reine Berg
in einer Inschrift von Arikamaninote

Der Barkal (287 m) (arabisch ‏جبل بركل‎ Dschabal Barkal, DMG Ǧabal Barkal; ägyptisch: ḏw wˁb - der reine Berg; oft auch Jebel Barkal oder Gebel Barkal, das erste Wort ist jeweils die Transkription für das arabische Wort Berg, Barkal bedeutet „heilig“) ist ein kleiner Berg im Norden Sudans.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Barkal liegt ca. 30 Kilometer flussabwärts vom 4. Nilkatarakt und vom neuen Merowe-Staudamm, am rechten Ufer des Nils, etwa zwei Kilometer südwestlich von Karima und rund 400 Kilometer nördlich von Khartum. Die Entfernung zum Nil beträgt etwa 1,5 Kilometer.

Berg Barkal und dessen Umgebung

Der Tafelberg ragt etwa 100 Meter aus dem Umland heraus, die fast senkrechten Sandsteinflanken sind 80 bis 95 Meter hoch und nur von der etwas weniger steilen Nordseite zu besteigen. Da der Berg aus großer Entfernung zu sehen ist, wurde er als Orientierungspunkt von Händlern benutzt, die aus dem Norden nach Südwesten Richtung Darfur oder südostwärts nach Meroe unterwegs waren. Vor der senkrechten Felswand am Südende des Berges befindet sich eine etwa 70 Meter hohe freistehende Felsnadel. Früher wurde angenommen, es handle sich um eine stark verwitterte Kolossalsstatue. Neuere Untersuchungen konnten das widerlegen, doch scheint diese Spitze schon in der Antike von Bedeutung gewesen zu sein. Der Felsen lässt sich als Uräusschlange deuten, dem Symbol ägyptischer Könige. Taharqa (um 690–664 v. Chr.) und Nastasen, der in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. regierte, haben hier ihre Namen anbringen lassen.

Geschichte

Blick vom Jebel Barkal nach Nordosten. Amuntempel, die Stadt Karima und die Flussoase des Nils

Spätestens seit Thutmosis III. im 15. Jahrhundert v. Chr., von dem die frühesten ausgegrabenen Ruinen stammen, galt den Ägyptern der Barkal als südliches Gegenstück zur Tempelanlage in Karnak und als Wohnort des Gottes Amun. Daher wurde das Gebiet zwischen Karnak und Barkal ab der 18. Dynastie zur Provinz Oberägypten erklärt. Bis zur 20. Dynastie war der Barkal das wichtigste religiöse Zentrum der Ägypter in Nubien. Während dieser Dynastie zogen sich die Ägypter allmählich aus Nubien zurück, der Barkal blieb ein politisch ungesichertes Gebiet, und der Amun-Kult verschwand für eine Übergangszeit. Nach 1000 v. Chr. herrschten lokale nubische Fürsten. Mit der Entstehung des kuschitischen Reiches, dessen erste Hauptstadt im 8. Jahrhundert v. Chr. Napata mit dem Barkal als Zentrum war, wurde der Amun-Kult wiederbelebt. Unter Kaschta (regierte um 760–747) begann die Erneuerung und Erweiterung der ägyptischen Tempel. Sein Sohn und Nachfolger Pije (regierte um 747–716) ließ den in Ruinen liegenden großen Amuntempel vom Berg Barkal wieder aufbauen.

Tempelbezirk

In der Ebene im Osten, direkt am Fuße des Berges befinden sich die Ruinen einiger Tempel und Grabbauten, die 1916–1920 von George A. Reisner ausgegraben wurden. Eine erneute Untersuchung der Tempelruinen erfolgte 1987–1989 durch das Museum of Fine Arts, Boston unter der Leitung von Timothy Kendall. Weiter östlich ergrub ein Team der Universität Rom die Reste eines großen Palastes aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. 1994 fanden die Italiener dort zwei Löwenstatuen.

Zum Tempelbezirk gehört der B.500 genannte Amun-Tempel; auf der gegenüberliegenden westlichen Seite des Berges sind von der Durchgangsstraße aus die Pyramiden vom Berg Barkal zu sehen. Einige der Tempel waren teilweise aus den typischen altägyptischen Steinblöcken Talatat errichtet. Die Säulen und Eingänge bestanden aus Sandstein, während für die meisten Mauern ungebrannte Lehmziegel verwendet wurden. Die Bauweise sollte ägyptische Traditionen fortsetzen. Die Bauten bilden zusammen mit den Funden in Sanam die antike Stadt Napata. Daher erhielten der Berg Barkal, Sanam und weitere Fundstätten der Umgebung 2003 von der UNESCO den Status Weltkulturerbe.

Tempel von Mut und Hathor

Hathor-Säulen des Tempels B 300

Die nach dem Amun-Tempel am besten erhaltenen Ruinen des B.300, auch Tempel von Mut, liegen knapp 200 Meter westlich von diesem an der Südspitze des Barkal unterhalb der Felsnadel. Der ursprüngliche Bau für die Göttin Mut aus der Zeit des Neuen Reiches war ein freistehender Tempel. Unter Taharqa wurde ein neuer Tempel mit einem Pylon und axialen Säulenreihen im Innern um 680 v. Chr. zur Hälfte in den Felsen hineingebaut. Zwei Säulen des Mut-Tempels mit Kapitellen, die Hathorgesichter zeigen, wurden wieder aufgerichtet. 25 Meter westlich befand sich der ähnlich große und ebenso teilweise in den Felsen gebaute Tempel B.200 für die Göttin Hathor. Beide Tempel huldigen einem Sonnenkult, dem Mythos vom Auge des Re. Der Hathor-Tempel besaß drei Altarräume, für Hathor, Tefnut und eine weitere unbekannte Göttin.

Weitere Tempel innerhalb des Tempelbezirks

B.600 war ein kleiner Tempel, der unter Thutmosis IV. um etwa 1400 erstmals errichtet wurde, durch einen Steinschlag zerstört worden sein musste und vermutlich gegen Ende der napatäischen Zeit neu aufgebaut wurde. Um dieselbe Zeit wurde auch der durch Steinschlag beschädigte, daneben liegende und aus dem 7. Jahrhundert stammende B.700 wiederhergestellt.

Den ursprünglich aus Lehmziegeln errichteten Tempel B.800 (Tempel des Alara) ließ Kaschta mit einem Pylon aus Steinquadern erweitern und dessen Zugang mit einer Reihe Steinwidder säumen. Zwischen diesen Tempeln wurden geringe Reste von weiteren Tempeln und Profanbauten ausgegraben. Die erste Bauphase des Palasten (B.1200) aus Lehmziegeln fällt vermutlich auch in die Zeit von Kuschta.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Dows Dunham: The Barkal Temples. Museum of Fine Arts, Boston 1970
  • Timothy Kendall: Excavations at Gebel Barkal, 1996. Report of the Museum of Fine Arts, Boston, Sudan 1997
  • Timothy Kendall: Die Könige vom Heiligen Berg. Napata und die Kuschiten-Dynastie. In: Dietrich Wildung (Hrsg.): Die Pharaonen des Goldlandes. Antike Königreiche im Sudan. Reiss-Museum, Mannheim 1998, S. 161–171
  • Karl Richard Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. 1849–1859. Textband V S. 249 ff.

Weblinks

 Commons: Jebel Barkal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kendall 1998, S. 163

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