Barmen (Jülich)
Barmen
Stadt Jülich
Koordinaten: 50° 57′ N, 6° 18′ O50.956.370Koordinaten: 50° 57′ 0″ N, 6° 18′ 0″ O
Höhe: 70 m ü. NN
Fläche: 5,38 km²
Einwohner: 1.307 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Jan. 1972
Postleitzahl: 52428
Vorwahl: 02461

Barmen ist ein Stadtteil von Jülich im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Barmen liegt geschützt am Hang des Rurtales in der Jülich-Zülpicher Börde. Nachbarorte sind Floßdorf (Stadt Linnich), Koslar und Merzenhausen. Auf der anderen Rurseite liegen die Orte Tetz und Broich.

Geschichte

Barmen ist ein alter Siedlungsraum. Schon in der Steinzeit siedelten Menschen auf der Barmener Heide, wie zahlreiche Funde belegen. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Prümer Urbar im Jahr 893. In Barmen findet man zwei Adelssitze, nämlich Schloss Kellenberg, das von der gräflichen Familie Hoensbroech bewohnt wird und Haus Overbach, heute Sitz des gleichnamigen Gymnasiums. Weiterhin ist die Feste Barmen der Herren von Barmen im Bereich des heutigen Eschenhofs zu vermuten, der sich direkt neben der Pfarrkirche befindet. Die alte Barmener Stammburg wurde im Streit mit dem Jülicher Grafen im Jahre 1352 eingeäschert, etwa zeitgleich wurden die beiden heute noch erhaltenen Adelssitze erstmalig erwähnt. Zahlreiche Baudenkmäler, die in die Denkmalliste der Stadt Jülich eingetragen wurden, befinden sich in Barmen. Weitere Informationen zu den einzelnen Denkmälern sind in der Liste der Baudenkmäler in Jülich zusammengefasst.

Am 1. Januar 1972 wurde Barmen in die Stadt Jülich eingegliedert.[1]

Kirche

St. Martinus

Der älteste Teil der St.Martinus-Kirche ist der romanische Turm aus dem 12.Jahrhundert. Es wird vermutet, dass dieser Teil der im 14.Jahrhundert zerstörten Burg Barmen war. Das Langhaus und das linke Seitenschiff wurden im 15.Jahrhundert, das rechte Seitenschiff im 16.Jahrhundert erbaut. Die Ausstattung der Kirche ist erwähnenswert: im Kircheninneren befindet sich der einzige Apostelbalken im Rheinland. Er stammt aus dem Jahr 1545, ist 6,40 m breit und 42 cm hoch und stellt alle 12 Apostel dar. Über diesem Balken hängt ein Triumphkreuz aus der 2.Hälfte des 15.Jahrhunderts. Auch befindet sich in der Kirche ein Antwerpener Retabel, der sogenannte Bitterleidensaltar aus dem Jahr 1520. Zur damaligen Zeit gab es viele solcher Altäre in der Umgebung von Jülich, jedoch sind nicht alle erhalten. 1880 wurde der Altar restauriert wobei noch ein Sockel und ein Tabernakel hinzugefügt worden sind. Im rechten Seitenschiff befindet sich ein barocker Marienaltar, aber die Muttergottesfigur stammt erst aus dem Jahr 1863. Die alten Kirchenfenster sind nicht mehr vorhanden. Die neuen wurden 1964 von Josef Höttges entworfen und in der Glasmalerei Oidtmann in Linnich angefertigt. Die Fenster thematisieren die 7 Schmerzen Mariens. Im Kirchenschiff befinden sich außerdem noch eine gotische Antoniusfigur und einige alte Grabplatten aus dem 17.Jahrhundert. Die Deckenmalereien im rechten Seitenschiff entstanden wohl im 16.Jahrhundert. Ebenfalls erwähnenswert ist das mittelalterliche Geläut der Kirche. 1439 wurden 2 Glocken mit den Schlagtönen g' und as' vom Kölner Glockengießer Christian Kloit gegossen. Die dritte und zugleich kleinste Glocke stammt aus der Zeit um 1150. Sie wird nur als Sterbeglocke und als Viertelstundenschlagglocke verwendet. Auffällig ist ihre Zuckerhutform. Die Glocken wurden 1985 saniert. Dabei wurden neue Joche, Klöppel und Motoren eingebaut. Der ca. 7 m hohe Glockenstuhl stammt vermutlich noch aus dem 15.Jahrhundert. Die beiden Glocken von 1439 erklingen regelmäßig zu den Gottesdiensten. Die Glocken wurden auch zusammen mit dem Kirchturm saniert. Dieser wurde neu verputzt und auch neu gedeckt. Bis zum Jahr 1985 wurden die Glocken noch von Hand geläutet.

Natur

Sehenswert in Barmen ist vor allem die Natur, so wird das Dorf durch fünf Naturschutzgebiete eingerahmt und auch durchzogen. Der Grundstein des Naturschutzgebietes rund um Barmen und um das Schloss Kellenberg wurde durch Reinhard Graf von und zu Hoensbroech um 1952 gelegt. Der Baggersee als Naherholungsgebiet und Refugium für seltene Tierarten bietet, ebenso wie die Rur, eine Oase der Entspannung. Die Rur im Bereich Barmens ist der einzige Flusslauf in NRW, der in seinem ursprünglichen Flussbett fließt, ohne dass er jemals begradigt oder kanalisiert wurde. Insofern stellt dieser Rurmäander nicht nur für die Tierwelt eine einzigartige Landschaft dar. Ein Mühlenteich verläuft quer durch die Ortschaft.

Bildung

In Jülich-Barmen befindet sich das staatlich anerkannte Gymnasium Haus Overbach. Der ehemalige Rittersitz wurde 1918 vom Reichsgrafen von und zu Hoensbroech an die Oblaten des hl. Franz von Sales verkauft und fortan als Schule genutzt.

Vereine

Trotz oder gerade aufgrund der geringen Einwohnerzahl gibt es eine Vielfalt an ortsansässigen Vereinen. Hierzu zählen:

  • Mai-Club Barmen gegr. 1911
  • Tennisclub Grün-Weiß Barmen
  • SC Salingia Barmen (Fußball)
  • Angelsportverein Barmen-Broich
  • Jülich Dukes (Baseball)
  • Schützenbruderschaft St. Martinus
  • Karnevalsgesellschaft Bärmer Sandhase
  • Freiwillige Feuerwehr Barmen
  • Baseballclub Jülich Dukes

Der größte Ortsverein ist der Mai-Club. Er zählt derzeit rund 450 Mitglieder (Stand: August 2011).

Verkehr

Den öffentlichen Personennahverkehr stellen die RVE durch die Buslinie 279, die DKB durch die Buslinie 281 und ein Anruf-Sammel-Taxi sicher.

Dorfwettbewerb

Im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft konnte Barmen folgende Preise erringen:

  • Kreis- und Landeswettbewerb 1979: Silber
  • Kreis- und Landeswettbewerb 1981: Silber
  • Kreiswettbewerb 1987: Teilnahme
  • Kreiswettbewerb 2005: Kreissieger, Gold
  • Teilnehmer und Auswahl beim Bundeswettbewerb "100 Dörfer 2006". Dorfaktionstag: 14. September 2006
  • Kreiswettbewerb 2008: Kreissieger, Gold
  • Landeswettbewerb 2009: Silber

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.

Literatur

  • Ulrich Coenen: Architektonische Kostbarkeiten im Kreis Düren. 2. Aufl., Aachen 1989.
  • Ulrich Coenen: Von Juliacum bis Jülich. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Vororte von der Antike bis zu Gegenwart, 2. Aufl., Aachen 1989, ISBN 3-925714-17-0
  • Ulrich Coenen: Stadt Jülich = Rheinische Kunststätten, Heft 368, Neuss 1991, ISBN 3-88094-696-5
  • Holtz, Helmut: Barmen - Ein Rundgang durch die alten Dorfstraßen, Jülich 1987.
  • Holtz, Helmut: Barmen - Geschichte und Geschichten, Jülich 1989.
  • Holtz, Helmut (Hrsg.): 1100 Jahre Barmen (893 - 1993) - Eine Dokumentation des Kultur- und Verkehrsvereins e.V. Barmen zum 1100jährigen Ortsjubiläum, Jülich 1993.

Weblinks

 Commons: Barmen (Jülich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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