Tripolis
طرابلس
Tripoli
Tripolis
Tripolis (Libyen)
Tripolis
Tripolis
Basisdaten
Staat Libyen
Munizip Tripolis
Fläche 250 km²
Einwohner 1.780.000 (Oktober 2007)
Dichte 7.120 Ew./km²
ISO 3166-2 LY-TB
Innenstadt von Tripolis: Central Business District
Innenstadt von Tripolis: Central Business District
32.88333333333313.166666666667

Tripolis (arabisch ‏طرابلس‎, DMG Ṭarābulus, früher Oea, ital./engl. Tripoli von gr. Τρίπολη ‚drei Städte‘) ist die Hauptstadt Libyens und hat etwa 1.780.000 Einwohner (Stand Oktober 2007).

Tripolis ist der politische, wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes. Zur Unterscheidung von der im Arabischen gleichlautenden libanesischen Stadt Tripoli wird Tripolis im Arabischen oft auch Tarābulus al-gharbiyya / ‏طرابلس الغربية‎ /‚Westliches Tarabulus‘ genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Stadt liegt im Nordwesten des Landes am Mittelmeer, durchschnittlich 84 Meter über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet von rund 250 Quadratkilometern erstreckt sich etwa 40 km längs der Küste bei einer Bebauungstiefe von drei bis zehn Kilometer.

Klima

Tripolis befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 20,5 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 334 Millimeter im Mittel.

Der wärmste Monat ist der August mit durchschnittlich 27,7 Grad Celsius, der kälteste der Januar mit 13,4 Grad Celsius.

Der meiste Niederschlag fällt im Monat Dezember mit 67,5 Millimetern im Mittel. Zwischen Juni und August fällt fast kein Niederschlag.[1]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tripolis
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 17,9 19,1 20,7 23,7 27,1 30,4 31,7 32,6 31,0 27,7 23,3 19,3 Ø 25,4
Min. Temperatur (°C) 8,9 9,5 11,2 13,7 16,7 20,1 21,7 22,7 21,4 18,0 13,4 9,9 Ø 15,6
Niederschlag (mm) 62,1 32,2 29,6 14,3 4,6 1,3 0,7 0,1 16,7 46,6 58,2 67,5 Σ 333,9
Regentage (d) 9,4 6,4 5,8 3,3 1,5 0,6 0,2 0,0 2,3 6,8 6,9 9,1 Σ 52,3
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30,4
20,1
31,7
21,7
32,6
22,7
31,0
21,4
27,7
18,0
23,3
13,4
19,3
9,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Quelle: World Meteorological Organisation Die klimatologischen Daten basieren auf den monatlichen Durchschnittswerten von 1961–1990

Geschichte

Tripolis Altstadt

Die Stadt Tripolis wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern unter dem Namen Oea gegründet. Unter den sizilischen Griechen wurde die Region der drei Städte Oea, Sabratha und Leptis Magna Tripole (gr. Τρίπολη, dt. ‚drei Städte‘) genannt. Später ging der Name der Region auf die größte dieser drei Städte über. Tripolis bildete im Altertum ein mittelbares Gebiet Karthagos, die so genannte Regio Syrtica.

Nach dem zweiten Punischen Krieg wurde es von den Römern Numidien überlassen und nach dessen Unterwerfung der römischen Provinz Africa zugeschlagen. Unter Septimius Severus wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. die Provincia Tripolitana mit Oea als Hauptstadt gebildet, auf die sodann der Name Tripolis überging. Die wirtschaftliche Blütezeit endete mit dem Niedergang des Römischen Reichs.

Nach Einfällen nomadischer Völker und der Vandalen sank die Bevölkerung von etwa 30.000 auf 7.000 Personen. Nach der Invasion der Araber im 7. Jahrhundert teilte Tripolis die Geschicke der Berberei. Es gehörte längere Zeit zu Tunis und wurde Ende des 15. Jahrhunderts unabhängig. 1509 wurde Tripolis von Spaniern unter Graf Pietro von Navarra erobert und ein spanischer Statthalter eingesetzt. Kaiser Karl V. überließ sie 1530 den Johannitern als Lehen, aber schon 1551 wurde sie von Türken unter Turgut Reis (Dragut) erobert, der daraufhin vom Sultan zum Bey von Tripolis ernannt wurde.

1711 machte sich der türkische Pascha Ahmad Qaramanli (der Große) fast unabhängig von der Pforte, indem er nur noch Tribut zahlte, und begründete die Dynastie der Qaramanli (1711–1835). Der 1728 unternommene Kriegszug der Franzosen gegen Tripolis endete mit der fast gänzlichen Zerstörung der Stadt. 1801 kam es wegen des Seeräuberunwesens zum Amerikanisch-Tripolitanischen Krieg. Erst die französische Eroberung Algiers (1830) machte der auch von Tripolis ausgehenden Seeräuberei ein Ende.

1835 sah sich die Pforte durch die in Tripolis herrschende innere Zerrüttung zum Einschreiten veranlasst und machte der Herrschaft der Familie Karamanli ein Ende, worauf Tripolis als Vilayet dem Osmanischen Reich einverleibt wurde.

Im Italienisch-Türkischen Krieg wurde Tripolis 1911 von Italien besetzt und 1912 völkerrechtlich an Italien abgetreten. Unter dem italienischen Kolonialregime kam es zu massiven Versuchen der Italianisierung durch forcierte Zuwanderung; zeitweilig zählte die Stadt etwa ein Drittel italienischer Bevölkerung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt am 23. Januar 1943 von britischen Truppen besetzt. Nach der Unabhängigkeit Libyens (1951) unter König Idris und der Bildung eines Einheitsstaates wurde Tripolis 1963 Hauptstadt des Landes. Die wirtschaftlich dominierende Rolle der italienischen Minderheit blieb von diesen politischen Veränderungen zunächst weitgehend unberührt. Erst nach der Machtübernahme durch das libysche Revolutionsregime im Sommer 1969 begann 1970 ein Exodus der italienischen Bevölkerung. Symbolhafte bauliche Veränderungen, wie zum Beispiel der Umbau der Kathedrale von Tripolis zu einer Moschee, spiegelten diese politischen Veränderungen wider.

1986 war die Stadt Ziel US-amerikanischer Luftangriffe, die von der US-Regierung als Vergeltung für die vermeintliche Unterstützung terroristischer Aktivitäten durch Libyen befohlen wurden (Operation El Dorado Canyon).

Während des libyschen Bürgerkriegs war die Stadt bis zu seiner Eroberung durch libysche Rebellen im August 2011 fest im Griff der Gaddafi-Regierung, die dort auch ihren Hauptsitz hatte. Demonstrationen wie im östlichen Landesteil wurden schnell aufgelöst. Im Laufe des internationalen Militäreinsatzes war Tripolis daher mehrfach Bombenangriffen der NATO ausgesetzt.

Bevölkerungsentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die rasante Einwohnerentwicklung seit 1970 ist z. T. auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Satellitenbild von Tripolis
        Jahr         Einwohner
1890 40.000
1905 30.000
1911 29.800
1915 50.000
1929 65.900
1931 74.700
1936 98.900
1938 108.200
        Jahr         Einwohner
1954 129.700
1960 183.500
1964 212.600
1970 264.000
1973 481.295
1978 550.400
1984 591.062
2005 1.150.990
2007 1.780.000

Sehenswürdigkeiten

Triumphbogen des Kaisers Mark Aurel
Festung as-Saraya al-Hamra
Gamal-Abdel-Nasser-Moschee am Algerien-Platz

Zu den zahlreichen Museen der Stadt gehören:

  • Naturhistorisches Museum
  • Archäologisches Museum
  • Ethnographisches Museum
  • Epigraphisches Museum: mit Schriften aus der phönizischen, römischen und byzantinischen Periode
  • Islamisches Museum

Bauwerke

Bedeutende Bauwerke in Tripolis sind:

Wirtschaft

Die größte Stadt in Libyen verfügt gleichzeitig über dessen wichtigsten Hafen und ist Zentrum des Handels und der Produktion des Landes. Baumaterial, Nahrungsmittel, Textilien, Kleidung und Tabakprodukte werden in der Stadt hergestellt. Der internationale Flughafen Tripolis liegt 34 km südlich des Zentrums. Seine Kapazität (2007: 1,5 Millionen Passagiere) soll demnächst durch 2 neue Terminals auf 20 Millionen Passagiere erweitert werden.

Ein wichtiger Arbeitgeber der Stadt war zudem früher die Daewoo Motor Company. Seit der Schließung des Werkes versucht das italienische Unternehmen Tesco Ts eine Wiederbelebung der Automobilherstellung Libyens mit der Serienproduktion des Saroukh el-Jamahiriya. Im Nutzfahrzeugsektor dagegen ist die Trucks and Bus Company mit einem Zweitwerk in Tripolis ansässig. Durch die Position als Marktführer im Inland ist das Unternehmen zudem einer der wichtigen Arbeitgeber in der Region.

Bildung

In Tripolis befinden sich die Al-Fatih-Universität, Hochschule für Kunst und Kunsthandwerk, Hochschule für Elektronik, Hochschule für Technologie und die Hochschule für Telekommunikation.

In der Stadt sind auch die Nationalarchive mit einer großen Sammlung von Dokumenten zur Geschichte von Tripolitanien und die Regierungsbibliothek untergebracht.

Gebäude der Nationalen Seehandels-Gesellschaft

Städtepartnerschaften

Literatur

  • Heinrich Rebsamen: Tripolis, in: Geographica Helvetica 18 (1963), S. 319–323 (Digitalisat)
  • Hans Stumme: Märchen und Gedichte aus der Stadt Tripolis in Nordafrika, 1898 (Ditigalisat)
  • Klaus Braun, Jacqueline Passon: Vom Berberzelt in die Moderne; in: Rüdiger Glaser, Klaus Kremb (Hrsg.): Afrika; Darmstadt 2010, S. 69–79

Weblinks

 Commons: Tripoli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis

  1. World Meteorological Organization (WMO), Wetterinformation für Tripolis; die Daten beziehen sich auf die Jahre 1961–1990

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