Triticale

Triticale
x Triticale
Triticale auf einem Feld

Triticale auf einem Feld

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: x Triticale
Wissenschaftlicher Name
Triticale
Muntzing
Körner von Weizen (links), Roggen (Mitte) und Triticale (rechts)

Triticale (auch: Triticosecale Wittmack) ist ein Getreide. Es ist eine Kreuzung aus Weizen (Triticum aestivum L.) als weiblichem und Roggen (Secale cereale L.) als männlichem Partner. Der Name ist aus TRITIcum und seCALE zusammengesetzt.[1] Die umgekehrte Kreuzung ergibt Secalotricum. Geschmack und Inhaltsstoffe der Triticale liegen zwischen denen von Weizen und Roggen. Seine Grannen sind ca 3–5 cm lang und vierkantig.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Bei der Kreuzung entsteht eine Hybride. Die Kreuzungsnachkommen sind hochgradig steril. Deshalb müssen die Chromosomensätze durch Behandlung der Keimlinge mit Colchizin, dem Alkaloid der Herbstzeitlosen, künstlich verdoppelt werden, um fertile Pflanzen zu erhalten (sogenannte „primäre” Triticale). Zugelassene marktübliche Sorten gehen heutzutage immer auf Kreuzungen Triticale x Triticale (so genannte „sekundäre” Triticale) zurück.

Triticale wurde gezüchtet, um die Anspruchslosigkeit des Roggens mit der Qualität des Weizens zu verbinden. Erste fertile Triticale wurden im 19. Jahrhundert gefunden. Die gezielte Züchtung wurde erst nach der Entdeckung des Colchizins in den 1930er Jahren möglich, z. B. in Schweden, Schottland und der UdSSR. Die ersten Triticalesorten mit weiter Verbreitung wurden in Polen gezüchtet.

Vom Weizen stammen die Vorteile der guten Backfähigkeit, der hohen Erträge und das kurze Stroh, vom Roggen stammen die Vorteile der geringen Ansprüche an das Klima und an die Bodenqualität.

Man kann zwischen Sommertriticale (welche keine Winterruhe benötigt und deshalb im Frühjahr ausgesät wird) und Wintertriticale unterscheiden (welche im Herbst ausgesät wird). Sommertriticale ist in Europa fast ohne Bedeutung und wird eher in den Tropen und Subtropen angebaut.

Seit dem Jahr 2009 stehen die ersten Triticale-Hybriden in den offiziellen Sortenprüfungen. In Frankreich befindet sich die erste Hybridtriticale-Sorte vor der Markteinführung.

Anbau (in Deutschland)

Anbauen kann man Triticale auf allen Böden innerhalb Deutschlands. Allerdings ist auf guten Standorten der Weizen im Ertrag überlegen und auf nährstoffarmen Sandböden bringt Roggen höhere Erträge. Der Anbau konzentriert sich auf klimatisch weniger günstige Lagen beispielsweise in den Mittelgebirgen. Die Aussaat erfolgt Mitte September bis Mitte Oktober mit 150–200 kg pro ha. Auch eine sehr späte Aussaat ist aufgrund der guten Winterhärte von Triticale möglich. Des Weiteren hilft eine späte Saat eine starke Düngung zu verhindern und vermindert erheblich den Wildkrautdruck. Die Robustheit von Triticale gegenüber Pilzkrankheiten machte lange Zeit keine bis sehr wenige Fungizidbehandlungen nötig. In den letzten Jahren haben sich Pilzerkrankungen aber immer mehr auch auf Triticale ausgebreitet, so dass dieser Vorteil kleiner wird. Geerntet werden sollte in der Vollreife, wobei der Zeitpunkt sortenabhängig meist zwischen der Roggen- und Weizenernte liegt. Unter optimalen Bedingungen sind Erträge bis zu 120 dt pro ha möglich. Unter weniger günstigen Bedingungen auf typischen Anbaustandorten liegen die Erträge bis zu 25 % über den Weizenerträgen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Sein Anbau und Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung sind immer noch relativ gering. In Deutschland lag die Anbaufläche 2009 bei rund 401.000 ha. Der Durchschnittsertrag lag im gleichen Jahr bei ca. 62,7 dt/ha. Es wurden in Deutschland etwa 2,5 Millionen Tonnen Triticale geerntet (zum Vergleich: Weizen 25,1 Millionen Tonnen, Roggen 4,2 Millionen Tonnen).

Im Jahr 2008 wurden laut FAO weltweit 14 Mio. t Triticale geerntet (zum Vergleich: Weizen ca. 689,9 Mio. t, Roggen ca. 17,75 Mio. t).

Die größten Triticaleproduzenten weltweit (2008)[2]
 Rang  Land  Menge 
(in Tsd. t)
   1 PolenPolen Polen    4.459
   2 DeutschlandDeutschland Deutschland    2.381
   3 FrankreichFrankreich Frankreich    1.820
   4 WeissrusslandWeißrussland Weißrussland    1.818
   5 UngarnUngarn Ungarn    508
   6 AustralienAustralien Australien    503
   7 LitauenLitauen Litauen    311
   8 SchwedenSchweden Schweden    263
   9 TschechienTschechien Tschechien    255
   10 OsterreichÖsterreich Österreich    250
    Welt    14.020

Nutzung

Neben der überwiegenden Anwendung (> 50 %) als Futtergetreide kann es auch für die menschliche Ernährung (Backwaren, Bier etc.) genutzt werden. Brot wird allerdings wegen der teilweise ungünstigen Backeigenschaften (zu hohe Amylaseaktivität und damit verbunden schlechte Verkleisterungseigenschaften der Stärke) in der Regel aus Gemischen mit Weizen bzw. Roggen erzeugt. Die einzelnen Triticale-Sorten sind unterschiedlich geeignet.

Eine Nutzung als Energiegetreide ist derzeit noch relativ selten und wird erforscht. Für die Bioethanolproduktion ist Triticalekorn geeignet, aufgrund der hohen Stärkegehalte von Triticale zahlen Produzenten von Bioethanol beim Ankauf höhere Preise als für Roggen.[3]. Zudem wurden von den Universitäten Gießen und Kassel Triticalesorten identifiziert, die hohe Biomasseerträge pro Fläche liefern und somit auch für die Gewinnung anderer Kraftstoffe und Biogas nutzbar sind.[4]

Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild von Triticale ist je nach Sorte sehr unterschiedlich. So gibt es Typen, die eher Weizen ähnlich sind und andere die dem Roggen ähneln. Sorten mit langem oder kurzem Stroh oder überlangen Ähren kommen ebenfalls vor. Auch das Korn ist in Form, Aussehen und Inhaltsstoffen, je nach Sorte, sehr verschieden.

Literatur

  • Barker, T.C. and G.Varughese (Hrsg.): Combining ability and heterosis among eight complete spring hexaploid triticale lines. In: Crop Sci. Nr. 32, 1992, S. 340-344.
  • Weissmann S., E. A. Weissmann (Hrsg.): Hybrid triticale -prospects for research and breeding Part I: Why hybrids?. In: Proc 5th Int Tritcale Symp.. Nr. 1, Radzikov 2002, S. 187-191.
  • Warzecha, R. (Hrsg.): Hybrid triticale -prospects for research and breeding Part II. In: ITC. Poznan 2002.
  • Weissmann E.A., A.K. Werner and S.Weissmann (Hrsg.): Leistungsvergleich von Liniensorten und F1-Hybriden bei Wintertriticale in amtlichen Prüfungen der Jahre 1998-2000. In: Vortrag Pflanzenzüchtung. Nr. 49, 2000, S. 39-48.
  • Wolfgang Schuchert: Triticale, Verbreitung, Erträge, Verwendung. Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung, Köln.
  • G. Röbbelen, S. Smutkupt: Reciprocal intergeneric hybridizations between wheat and rye. In: Wheat Information Service. Nr. 27, Kyoto 1968, S. 10.
  • G. Oettler: The fortune of a botanical curiosity – Triticale: past, present and future. In: The Journal of Agricultural Science. Nr. 143, Cambridge 2005, S. 329-346.
  • B. Rodemann, H. Mielke: Zum Anbau und Pflanzenschutz des Triticale. In: bba-Mitteilungen. Nr. 409, Berlin/Braunschweig 2007.
  • Wilfried Seibel (Hrsg.): Warenkunde Getreide - Inhaltsstoffe, Analytik, Reinigung, Trocknung, Lagerung, Vermarktung, Verarbeitung. Agrimedia, 2005, ISBN 3-86037-257-2.

Quellen

  1. Diplomarbeit über Triticale
  2. FAO, Faostat [1], Statistik der FAO 2010
  3. Bioethanolhersteller wollen Triticale einsetzen. Ernaehrungsdienst.de vom 9. Juli 2007
  4. "Biomasse für SunFuel®" - Hessische Forschungsergebnisse auf Hannover Messe vorgestellt. Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz vom 24. April 2008.

Weblinks


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