Barock-Antiqua
Beispiel für eine Barock-Antiqua

Die Barock-Antiqua ist eine Schriftklasse nach DIN 16518.

Zeitlich fällt die Entwicklung der dritten Schriftklasse nach DIN 16518 in die Zeit des Barocks, der früher verwendete Begriff Übergangs-Antiqua, auch Vorklassizistische Antiqua, beschreibt diese Schriftklasse jedoch besser, da sie als Bindeglied zwischen der vom Schreiben geprägten Renaissance-Antiqua und den geplanten, durchdachten Formen späterer Klassen fungiert, und eher eine Beruhigung des Schriftbildes denn ein barockes Auftreten hat.

Im englischen Sprachraum ist statt Barock-Antiqua die Bezeichnung Transitional geläufig, sowie in Frankreich Réales, in Holland Realen und in Italien Transizionali.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Barock-Antiqua lässt sich in drei Unterarten aufteilen: die holländische, englische und französische. Die holländische Barock-Antiqua ist Mitte des 17. Jahrhunderts von den Schriftschneidern Anton Janson, Christoffel van Dijck und Johann Michael Fleischmann entwickelt worden. Sie ist durch ihre schlanke Linie charakterisiert und zeigt noch Reminiszenz an die Renaissance-Antiqua. Die Hauptvertreter im England des 18. Jahrhunderts waren William Caslon und John Baskerville. Dank dieser beiden Schriftschneider erhielt England einen angesehenen Rang im Schriftschaffen. Im Gegensatz zur holländischen, ist die englische Art kräftiger und auf fettfein gestimmt. Die französische Art entstand 1692, als sie von dem französischen König in Auftrag gegeben wurde. Philippe Grandjean schnitt daraufhin die Romain du Roi. Diese Schrift durfte nur von der königlichen Hofdruckerei verwendet werden, weswegen Pierre Simon Fournier eine ähnliche schuf, mit verbesserter Form für den allgemeinen Gebrauch. Diese Art richtet sich schon nach der Klassizistischen Antiqua.

Bekannte Vertreter

Merkmale

Immer noch dem Schreiben mit der Breitfeder nachempfunden, versinnbildlicht sie den virtuosen, spielerischen Umgang mit diesem Schreibinstrument. Nicht mehr der Federzug, sondern das Drehen, Verkanten und auf die Spitze stellen der Feder ist sichtbar. Bei der Barock-Antiqua ist der Kontrast zwischen Grund- und Haarstrichen stärker betont als bei der Renaissance-Antiqua. Die Haarstriche verfeinern sich und die Grundstriche verstärken sich. Die Serifen werden verfeinert, die Rundungen beim Übergang des kräftigen Grundstrichs zum abschließenden Serif kleiner gehalten. Gleichzeitig stehen die horizontalen Schwingungen der Serifen flacher, nahezu eben. Die Achse der Rundungen ist bei einzelnen Schnitten bereits senkrecht. Die Versalien, die bisher verkürzt waren, erhalten die gleiche Höhe wie die Oberlängen der Gemeinen. Wegen der Strichstärkenkontraste, der Schattenachse, die in den meisten Fällen beinahe senkrecht verläuft, der Form der Serifen, die nicht abgerundet sind und der Tropfenendungen des g oder des a, ist es schwierig, diese Schrift mit einer Feder zu realisieren.

Siehe auch

Quellen

  • Karl Vöhringer: Druckschriften kennenlernen unterscheiden anwenden. Verlag Forum und Technik, Stuttgart 1989, (Fachtechnische Schriftenreihe der Industriegewerkschaft Medien 1, ZDB-ID 1064778-8).

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