Barockschloss Rammenau
Frontansicht des Hauptgebäudes
Rückseite des Hauptgebäudes

Das Schloss Rammenau in Rammenau bei Bischofswerda im Landkreis Bautzen ist eines der schönsten erhaltenen barocken Landschlösser Sachsens.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Anlage des Barockschlosses Rammenau befindet sich am Nordrand der Gemeinde Rammenau. Diese liegt etwa 30 Kilometer ostnordöstlich von Dresden und zirka 20 Kilometer westlich von Bautzen im Westlausitzer Hügel- und Bergland und gehört zum Landschaftsschutzgebiet Westlausitz. Bis 450 Meter hohe bewaldete Hügel umrahmen den Ort, in dem im Mittelalter mehrere Teiche angelegt wurden. Das Schloss liegt in der Nähe des Oberteiches.

Geschichte

Das Rittergut Rammenau wurde erstmals 1597 urkundlich erwähnt.[1] Seine anfänglichen Besitzer waren von Ponickau, von Staupitz, von Kottwitz und von Seydewitz.[2] Von letzterer, in Konkurs geratener Familie kaufte 1717 Ernst Ferdinand von Knoch, Kammerherr bei August dem Starken, das Anwesen. Er ließ von 1721 bis 1731 von Johann Christoph Knöffel ein zweigeschossiges barockes Schloss völlig neu errichten und dahinter einen Barockgarten anlegen.

Das Schloss Rammenau um 1850
Johann Centurius
Graf von Hoffmannsegg

1744 ersteigerte Franz Josef von Hoffmann das von Knoch wegen Konkurses verlassene Schloss. Sein Erbe trat 1749 sein Neffe, der kursächsische Geheime Rat Johann Albericius von Hoffmann, an. 1758, während des Siebenjährigen Krieges, diente das Schloss dem preußischen König Friedrich dem Großen kurzzeitig als Hauptquartier.[3] Im Jahre 1778 wurde von Hoffmann als „von Hoffmannsegg“ in den Reichsgrafenstand erhoben.[4] Sein Sohn, der Botaniker und Entomologe Johann Centurius Graf von Hoffmannsegg verkaufte 1794 das Gut Rammenau an seinen Schwager, den preußischen Rittmeister Friedrich von Kleist.[5] Dieser ließ das Innere des Schlosses im klassizistischen Stil verändern und den Garten in einen englischen Landschaftspark verwandeln. 1820 kaufte Johann Centurius von Hoffmannsegg das Schloss als seinen Alterssitz zurück.

1879 erwarb der Königliche Kammerherr und Klostervogt in Marienstern Hans Curt Christoph Ernst von Posern das Gut von der Familie von Hoffmannsegg. Seine Witwe, eine geborene Freiin von Humboldt (1853-1914), heiratete den General der Kavallerie Eugen von Kirchbach. Nach ihrem Tod übernahm ihre Tochter Margarete Gisela Gabriele Alexandra von Helldorff, geborene von Posern, das Schloss. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Schloss auch als Lazarett genutzt. Einer der letzten Eigentümer wurde in der Novelle Der grüne Posern von dem Dichter Borries von Münchhausen beschrieben.[6]

1945 wurde das Schloss durch die Rote Armee besetzt und die Familie von Helldorff durch die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Ab 1951 nutzte die Hochschule für Bildende Künste Dresden Räume im Schloss als Sommeratelier und zu schulischen Zwecken. 1961 begann die museale Nutzung mit dem Fichte-Museum, das 1967 um eine Abteilung zur Geschichte des Schlosses erweitert wurde. 1968 wurde das Schlossrestaurant eröffnet. 1972 wurde auf dem Schlossgelände der DEFA-Film Aus dem Leben eines Taugenichts mit Dean Reed gedreht.

Obwohl erste Restaurierungsarbeiten bereits 1948 begannen und in dem in der DDR möglichen bescheidenen Rahmen weitergeführt wurden, konnte eine umfassende Instandsetzung erst in den 1990er-Jahren erfolgen, nachdem die Rammenauer Anlage komplett mit Schloss, Park und Wirtschaftshof in den Besitz des Freistaates Sachsen kam und Staatlicher Schlossbetrieb wurde.

Die Anlage

Die Schlossanlage erreicht man durch das zweigeschossige Torhaus mit barockem Turmaufbau. Das Torhaus ist Teil des Wirtschafts- oder Meierhofes, dessen einstöckige Gebäude (ehemals Ställe und Lager) sich an das Torhaus anschließen. Der Wirtschaftshof wird von zwei Kavaliershäusern abgeschlossen, die zum Ehrenhof, dem Vorplatz des Hauptgebäudes, überleiten.

Das Schloss ist eine zweistöckige Dreiflügelanlage mit hohem Mansarddach. Die Fassaden sind zum Hof und dem Garten durch Mittelrisalite und flache Lisenen gegliedert. Giebel als auch Dächer tragen barocke Schmuckelemente. Sowohl vom Hof als auch vom Garten führen Freitreppen über Terrassen ins Haus. Aus einer Empfangshalle mit Kreuzgewölbe führt eine dreiläufige Treppe mit barocken Formen ins Obergeschoss. Empfangshalle und Treppenhaus zeigen eine illusionistische Architekturmalerei.

Im Erdgeschoss befinden sich die Schlossgaststätte und einige Museumsräume und im Obergeschoss die weitestgehend im Originalzustand wieder hergestellten Schauräume des Schlosses. Wegen des ehemaligen Innenausbaus zu verschiedenen Zeiten, finden sich Räume im barocken (Chinesisches Zimmer) aber überwiegend im klassizistischen Stil (Pompejanisches Zimmer, Bulgarisches Zimmer, Goldenes Zimmer). Das Zentrum des Obergeschosses bildet der über zwei Etagen reichende Spiegelsaal.

Hinter dem Schlossgebäude befindet sich ein fünf Hektar großer Park. Seit 1962 trug er den Namen Fichte-Park nach dem in Rammenau geborenen deutschen Philosophen, dessen Denkmal er auch enthält. Neuerdings wird er aber meist nur Schlosspark genannt. In dem als englischen Garten angelegten Park, in dessen Gestaltung die landwirtschaftlich genutzte Umgebung durch Sichtbeziehungen eingebunden wurde, finden sich seltene Pflanzen, ein Teich mit Wasserspielen, ein See und, den Ehrenhof einbezogen, zahlreiche Statuen und Putti.

Nutzung

Hier bedient die Kammerzofe

Neben dem Besuch des Schlosses als Museum zur Demonstration adeliger Wohn-und Lebensweise in Sachsen zur Zeit des Barock und des Klassizismus bietet Schloss Rammenau zahlreiche weitere Möglichkeiten. Es werden thematische Führungen durchgeführt. Im Spiegelsaal finden regelmäßig Konzerte statt und Leseveranstaltungen im Gartensaal.

Veranstaltungen gibt es aber auch außerhalb des Haupthauses, wie Sonderausstellungen im Kavalliershaus-Ost oder Sommerkonzerte im Park. Die Internationalen Oberlausitzer Leinentage Ende August sind seit 14 Jahren ein Treffen von Designern und Kunsthandwerkern aus zahlreichen europäischen Ländern zum Thema „Rund ums Leinen“. In den Räumen des Wirtschaftshofes aber auch des Hauptgebäudes finden Tagungen, Geschäfts- und private Feiern statt.

Die Gastronomie der Schlossgaststätte bietet spezielle historisch orientierte kulinarische Veranstaltungen unter dem Thema „Bei der Kammerzofe zu Gast“ an.

Galerie

Weitere Bilder in Commons.

Literatur

  • O. Moser: Rammenau. In: Markgrafenthum Oberlausitz, Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859. S. 65–67 (Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3. Digitalisat der SLUB Dresden)
  • Cornelius Gurlitt: Rammenau. Das Schloss. In: Amtshauptmannschaft Bautzen (II. Teil), Meinhold, Dresden 1908, S. 255–263 (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 32. Digitalisat der SLUB Dresden)
  • Georg Dehio: Rammenau. In: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mitteldeutschland. 2. Auflage, Berlin 1914. (E-Text bei Gutenberg.org)
  • Andrea Hessler/Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, Sächsische Schlösserverwaltung (Hg.): Sächsische Schlösser, Burgen und Gärten; Dresden 1994; S. 9-16.
  • Falk Lorenz: Park mit vielen Gesichtern. Schloßpark Rammenau; in: Ernst Panse (Hg.): Parkführer durch die Oberlausitz; Lusatia Verlag: Bautzen 1999; S. 80-83; ISBN 3-929091-56-9.
  • Roswitha Förster: Barockschloss Rammenau; Edition Leipzig: Berlin 2002; ISBN 3-361-00551-5.
  • Gartenlust - Lustgarten. Die schönsten historischen Gärten in Deutschland, Verlag Schnell & Steiner, 2003, S.222-223, ISBN 3-7954-1535-7
  • Sabine Schneider: Klassizistische Raumdekoration im Schloss Rammenau. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Heft 2/2005, S. 48-53.
  • Falk Dießner: Ernst Ferdinand von Knoch und das Barockschloss Rammenau. Vom Aufstieg und Niedergang einer anhaltisch-sächsischen Adelsfamilie. Sax-Verlag, Markkleeberg 2009, ISBN 978-3-86729-049-4.

Einzelnachweise

  1. Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen
  2. Schlossarchiv.de
  3. Helmut Petzold: Der Alte Fritz in Rammenau in Das Rammenauer Brevier, 1988, Museum Barockschloss Rammenau in Zusammenarbeit mit dem Fichte-Freundeskreis
  4. Ernst Heinrich Kneschke in Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 4, S. 414
  5. Aus dem Ahnenbuch der Familie von Kleist
  6. Börries von Münchhausen: Der grüne Posern in Doch was lebendig war, Herausg.: Liselotte Greife, Mohland Verlag, 2000, ISBN 3-932184-58-0

Weblinks

 Commons: Barockschloss Rammenau – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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