Baroja
Das Denkmal für Pío Baroja im Parque del Buen Retiro in Madrid

Pío Baroja y Nessi, (* 28. Dezember 1872 in San Sebastián; † 30. Oktober 1956 in Madrid) war ein spanischer Schriftsteller und ein Vertreter der Generación del 98.

Er studierte Medizin in Madrid, wo er auch den Großteil seines Lebens verbrachte. Während des Spanischen Bürgerkriegs lebte er, wie viele Intellektuelle und Autoren seiner Zeit, in Frankreich. 1955, ein Jahr vor seinem Tod, wurde er zum Mitglied der Real Academia Española ernannt.

Im Jahre 1872 am 28. Dezembertag kommt der kleine Pío Baroja y Nessi als Sohn eines Bergwerkingenieurs baskischen Ursprungs und einer lombardischen Mutter in San Sébastian zur Welt. In dieser „Herkunftsmischung“ sucht Baroja oft den Grund für seinen inneren Zwiespalt. Der Vater arbeitete damals für mehrere Zeitungen, schrieb Gedichte und Aufsätze in spanischer wie in baskischer Sprache. Hier hat der Sohn sein literarisches Interesse geerbt, doch reden tat Baroja selten über seinen Vater. Das Verhältnis zur Mutter ist inniger, stärker. Häufiges Umziehen aufgrund des Berufes des Vaters schob sich nach 1880 immer mehr in den Mittelpunkt. Das Herausgerissenwerden aus einem bekannten Kreis und das Hineingestelltwerden in einen neuen bestimmen nun sein Leben und verwehren ihm jegliche Chance auf wahre, lange Freundschaften. Am Instituto de San Isidro in Madrid erreichte Pío im Alter von 15 Jahren sein „bachillerato“ , um sich dann einem verhaßten Medizinstudium zu widmen, hoffte aber insgeheim in der Universität seinen Drang nach Erkenntnis und Wahrheit zu stillen. Das Studium der Medizin brachte nicht seinen gewünschten Erfolg, zweimal fiel er durch die Zwischenprüfung an der Faculdad de San Carlos in Madrid. Baroja wechselte seinen Studienort nach Valencia, wohin der Vater versetzt wurde. Verbittert vertiefte er sich in sein Studium und erlangte im Jahre 1893 die Schlußprüfung. Mit einer „psychophysischen“ Studie über den Schmerz erlangt er seinen Doktorgrad, die allerdings mehr durch Theorien als experimentelle Grundlagen gestützt wurde und im Allgemeinen einen pessimistischen Blick Barojas auf das Leben ähnlich wie Schopenhauer gab. Besonders bezeichnend war in seiner Studie, dass das Leben im Normalzustand weder Lust noch Schmerz, sondern ein Gefühl der Gleichgültigkeit auslöse. Nach dem Examen betätigte sich Baroja als Amtsarzt im kleinen Städtchen Cestona im Baskenland. Zu jener Zeit entstehen seine ersten Erzählungen, mit denen er versucht Land und Leute der baskischen Heimat einer breiten Masse bekannt zu machen. Sein dortiger Aufenthalt war kurz, er begleitete seinen Vater und nach andauernder Stellungslosigkeit, versuchte er sich zusammen mit Bruder Ricardo in Madrid mit einer Bäckerei, bei welcher sich erst nach einiger Zeit der Erfolg einstellte. Pío Baroja y Nessi gehört zu den berühmten Mitgliedern der „generación del 1898“, die der nationalen Erschütterung, aufgrund einer außenpolitischen Katastrophe, zur totalen Ablehnung der jüngsten Vergangenheit und der Verdammung der traditionellen Kunst, Ideale, Moral und der Politik strebt. Die Novellensammlung „Vidas Sombrías“ wird im Jahre 1900 seine erste Veröffentlichung nur mit minderem Erfolg. Hier paart sich schärfste Beobachtungsgabe mit feinster seelischer Empfindsamkeit. Wenig später wurden er und José Azorín vorgestellt, um die beiden versammelte sich eine Gruppe junger Intellektueller, die sich vom vorherigen schematischen Spanienbild lösen wollten. Dort fand sich der Schweizer Paul Schmitz wieder, der Baroja weitgehend in die Ideen und Denkweisen Nietzsches einführte, welcher ihn fortan neben Schopenhauer prägte. In den nächsten Jahren gründete und arbeitete er an verschiedenen Zeitschriften mit, wie z.B. „El Globo“ oder „Juventud“, die nationale Wiedergeburt, demokratische Strukturen, Sozialismus und Lehren des politischen Anarchismus widerspiegelten. Erst im Jahre 1902 gelang Baroja der schriftstellerische Durchbruch mit dem Roman „Camino de Perfección“, der stellvertretend für das Ringen seiner Generation stand. Pío war ein leidenschaftlicher Reisender, der seine gewonnenen Eindrücke in vielen seiner Romane einarbeitet. Beeindruckt war er ebenfalls von Deutschland, dessen Geistesleben er führend in der europäischen Gemeinschaft sah. Politisch trat er nicht gern hervor, ihm schien es ein zu schmutziges Geschäft und doch war er ein offensichtlicher Gegner der Diktatur Primo de Riveras. In Pío Barojas Abendteuerroman findet die in uns allen lebende Sehnsucht nach dem Heldischen einen starken Ausdruck. In seinem Werk werden Probleme spanischer Leute reflektiert, die seit dem Jahre 1898 mit sich um die neue Gestalt Spaniens ringen. Demuth schreibt, Baroja handele eigentlich immer von sich und teile seine Bücher in zwei Gruppen: „unos, los he escrito con más trabajo que gusto; otros, los he escrito con más gusto que trabajo“ Im Alter von 83 Jahren stirbt Pío Baroja y Nessi am 30. Oktobertag des Jahres 1956 in Madrid.

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