Barolo (Wein)
Barolo, wie fast alle aus dem Nebbiolo gekelterten Weine, verfügen über eine meist intensive granatrote Färbung, die bereits in der Jugend orangefarbene Reflexe annehmen kann. Sie stehen damit in direktem Kontrast zu hochwertigen Bordeauxweinen, die in ihrer Jugend tiefdunkel gefärbt sind.

Der Barolo ist ein trockener Rotwein, der in Italien angebaut wird. Er zählt unter Weinkennern neben dem Brunello und dem Amarone zu den besten Rotweinen Italiens. Schon in den 1860er Jahren, zur Zeit der italienischen Einigung, galt der Barolo als Wein der Könige, und auch seit seinem erneuten Aufschwung ab ca. 1980 gilt er als Festtagswein.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Bezeichnung Barolo taucht bereits 1730 in einem Briefwechsel zwischen englischen Handelsleuten, dem Botschafter des Hauses Savoyen in London und den Oberaufsehern des Piemonts auf.[1] Damals handelte es sich allerdings um einen süßlichen Wein aus Nebbiolotrauben. Die Nebbiolotrauben wurden häufig erst Ende Oktober geerntet. Ab Mitte November, spätestens jedoch Anfang Dezember waren die Temperaturen jedoch bereits so winterlich, dass die Alkoholische Gärung im Weinkeller zum Erliegen kam und der Wein nicht komplett vergoren war.

Camillo Benso Graf von Cavour spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des modernen Barolo

Der heutige Barolo entstand im 19. Jh. durch den Impuls der Marquise von Barolo, Giulia Falletti. Der französische Önologe Louis Oudart war von Camillo Benso von Cavour zwischen 1832 und 1849 von Reims in das Piemont geholt worden. Bei seinen Reisen durch Europa, wobei er Politik und Landwirtschaft studierte, war Cavour zu Erkenntnis gekommen, dass in seiner Heimat bessere Weine zu machen seien, als bislang bekannt. Um die Ergebnisse des eigenen Weines zu verbessern bzw. um ihn dem Bordeaux anzunähern, arbeitete Cavour mit Oudart sowohl an Umstellungen im Weinberg als an Veränderungen der Produktionsmethoden. Im Keller setzt Oudart auf die Techniken aus der kühlen Champagne. Insbesondere bei den Kellerarbeiten konnte Oudart auf die Unterstützung der ebenfalls französischstämmigen Giulia Falletti zählen. Die am 27. Juni 1785 geborene Marchesa di Barolo war vor ihrer Hochzeit mit dem Markgrafen Falletti eine Juliette Victoria Françoise Colbert, eine direkte Nachfahrin von Jean-Baptiste Colbert [2]. Der neue Weintypus fand schnell Gefallen in Turin und gehörte schnell zu den Lieblingsgetränken im Haus Savoyen. Carlo Alberto di Savoia mundeten die Weine aus dem Haus Falletti sehr. Emanuele Alberto (* 1851; † 1894), Graf von Mirafiori und Sohn von Vittorio Emanuele II. erschloss die Weinberge um das königliche Jagdhaus Fontanafredda in Serralunga d'Alba. Aus dieser engen Verknüpfung der damaligen Herrscherdynastie mit dem Barolo stammt wohl der Ausspruch Wein der Könige und König der Weine.

Neben den königlichen Anwesen wurde die Vermarktung der Weine bis in die Mitte des 20. jahrhunderts durch Handelshäuser dominiert. Sie kauften bei den Nebenerwerbswinzern die Jahresproduktion auf und bauten die Weine aus. Erst ab den 1960er Jahren füllten erste Winzer die eigenen Weine ab und vermarkteten die Ware eigenständig. Seit dieser Zeit wird der Ruf nach einer Lagenqualifikation innerhalb von Barolo immer lauter. Bereits im Jahr 1880 veröffentlichte der Agronom Lorenzo Fantini mit seinem Werk Monografia della Viticoltura ed Enologia della Provincia di Cuneo eine erste Klassifizierung von Einzellagen. Aktuell bedienen sich einige Händler der Klassifizierung, die der Winzer Renato Ratti im Jahr 1985 in seinem Werk Barolo il grande veröffentlichte. Aber auch der bekannte Weinkritiker Luigi Veronelli versuchte sich ohne Erfolg an einer offiziellen Einstufung der Einzellagen.

Seit 1966 hat er die Qualitätsstufe DOC und seit 1980 Italiens höchste, DOCG. Die damit einhergehende Dynamisierung des Gebiets ist atemberaubend. Während in den 1970er Jahren der Barolo fast ein Ladenhüter war, gab es Ende der 1980er Jahre ca. 12 Erzeuger mit einem Volumen von ungefähr 100.000 Flaschen. Momentan (2004) erzeugen ca. 50 Winzer die zehnfache Menge.

Lage

Die Herkunft des Barolo liegt in den Langhe-Bergen im Piemont. Die Gemeinde Barolo, ca. 15 km südlich von Alba gelegen, gab dem Wein seinen Namen. Neben Barolo sind Rebflächen in Castiglione Falletto und Serralunga d’Alba sowie Teilbereiche in den Gemeinden La Morra, Monforte d’Alba, Roddi, Verduno, Cherasco, Diano d’Alba, Novello und Grinzane Cavour zugelassen. Alle Gemeinden befinden sich innerhalb der Provinz Cuneo. Auf den historischen Kernbereich von Barolo, Castiglione Falletto, La Morra, den nördlichen Teil von Monforte d’Alba und Serralunga d’Alba entfällt mehr als 80 Prozent der Produktion; auf La Morra fast ein Drittel der bestockten Rebfläche. Im Jahr 1909 fügte die Landwirtschaftskomission von Alba die Gemarkungen Grinzano sowie Teile von Verduno und Novello hinzu. Im Jahr 1966 wurden die Gemeinden Diano d'Alba, Roddi und Cherasco dem Produktionsgebiet anlässlich der Heraufstufung zur DOC-Region zugeschlagen. Bis heute konnte sich die Nebbiolo-Traube in den beiden letztgenannten Gemeinden nicht durchsetzen.

Herstellung

Im Gegensatz zu vielen anderen großen Rotweinen ist der Barolo kein Verschnitt, sondern wird zu 100%, also sortenrein aus der Nebbiolorebe hergestellt. Traditionell wird der Wein bis zu 24 Tage lang mit Schalenkontakt in großen Eichenfässern, sogenannten botti, vergoren. Dadurch entsteht eine massive Konzentration von Fruchtaromen einerseits, aber auch ein extremer Tanningehalt (siehe auch Corilagin). Die Tannine verlangen eine Alterung des Weines von 15 bis 20 Jahren. Seit den späten 1970er Jahren gibt es einen Trend zu Weinen, die viel früher getrunken werden können. Heute wird der Schalenkontakt meist auf bis zu 17 Tage beschränkt. So ist der Wein bereits nach 5 bis 6 Jahren trinkbar.[3] Dennoch bleibt der Barolo ein sehr tanninhaltiger Wein, der sich dem Neuling nicht auf Anhieb erschließt. Um die Geschmacksintensität zu gewährleisten ist die Produktion pro Hektar Anbaufläche begrenzt auf 80 Doppelzentner Trauben, entsprechend 52 Hektoliter Wein oder 6933 Flaschen Wein zu 75 cl. Die DOCG-Bestimmungen wurden in den letzten Jahren umgearbeitet, die Mindestlagerzeit wurde auf 2 Jahre im Fass und 1 Jahr in der Flasche heruntergesetzt und als Fassholz ist nicht mehr ausschließlich slawonische Eiche zulässig. Auch ist es jetzt möglich, den Barolo im Barrique reifen zu lassen.

Aktuelle Entwicklung

Im Anbaugebiet selbst brennt ein Kampf zwischen den sogenannten Modernisten und den Traditionalisten, wobei es um die Machart des Weines und die Zulassung anderer Rebsorten (die den Wein „weicher“ machen sollten) geht. Es wird immer mehr üblich, den Wein nach Lagen getrennt zu vinifizieren und zu verkaufen (Vigna ... ). Da im Barolo-Gebiet jedoch keine gültige Lagenbewertung vorhanden ist (im Gegensatz etwa zum Burgund), kann von der Lagenbezeichnung allein nicht auf die Qualität des Weines geschlossen werden.

Im Allgemeinen beginnen die Preise für Barolo bei ca. 16 Euro, nach oben gibt es keine Grenzen. Seit 2003 stockt der Verkauf aufgrund der hohen Preise sowie des schwächelnden Dollar, so dass es wahrscheinlich zu Preiskorrekturen nach unten kommen wird.

Als außergewöhnlich gut gelten die Jahrgänge 1983, 1989, 1997, 1998, 2000, 2001, 2003 und 2004. Einen Überblick über die Qualitätseinstufungen der verschiedenen Jahrgänge und über die zur Produktion des Barolo zugelassenen Orte und Winzer erhält man in der Enoteca Regionale del Barolo[4], die sich in den alten Kellergewölben des Schlosses von Barolo befindet. Dort findet auch jedes Jahr im Mai die offizielle Vorführung des neuen Jahrgangs statt.

Beschreibung

  • Aussehen: je nach Reife zunächst granat- bis rubinrot, später ins Orangenfarbene spielend
  • Geschmack: voller, körperreicher, trockener Rotwein mit hohem Tannin- und Alkoholgehalt (mind. 13%)
  • Mindestsäuregehalt: 5 ‰
  • Mindesttrockensubstanz: 23 ‰
  • Trinktemperatur: 16 - 18 °C

Produktionsmengen

  • Weinjahr (1990/91) 49354 Hektoliter
  • Weinjahr (1991/92) 55222 Hektoliter
  • Weinjahr (1992/93) 52860 Hektoliter
  • Weinjahr (1993/94) 51757 Hektoliter
  • Weinjahr (1994/95) 53836 Hektoliter
  • Weinjahr (1995/96) 37709 Hektoliter
  • Weinjahr (1996/97) 50014 Hektoliter

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Barolo, Atlas der Etiketten, Associazioni Vignaioli Piemontesi (Hrsg.), Turin, 2000
  2. The life of the Marchesa Giulia Falletti di Barolo von Silvio Pellico, veröffentlicht bei Richard Bentley London, 1866
  3. C. Foulkes und M. Broadbent, Weinenzyklopädie, Köln, 2000, ISBN 3-934519-28-8
  4. Enoteca Regionale del Barolo

Literatur


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