Baron von Steuben
Friedrich Wilhelm von Steuben

Friedrich Wilhelm Ludolf Gerhard Augustin von Steuben (* 17. September 1730 in Magdeburg, Herzogtum Magdeburg; † 28. November 1794 in Steuben, USA im heutigen Oneida County) war ein preußischer Offizier und US-amerikanischer General. Er reorganisierte die Kontinentalarmee im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Inhaltsverzeichnis

In der preußischen Armee

Friedrich Wilhelm von Steuben

Friedrich Wilhelm von Steuben wurde am 17. September 1730 in der Festung Magdeburg als Sohn des preußischen Ingenieurhauptmanns Wilhelm Augustin von Steuben geboren. Am Siebenjährigen Krieg nahm er zuerst im 34. Regiment teil, später im Freibataillon des Oberstleutnants Johann von Mayr. Dieses Bataillon wurde bekannt durch seinen Vorstoß aus dem preußisch besetzten Sachsen nach Franken im Mai/Juni 1757. Steuben lernte dabei die Kriegsführung dieser leichten Truppen kennen, die unabhängig operierten und durch plötzliche, überraschende Angriffe den Feind störten. 1758 ernannte ihn von Mayr zu seinem Adjutanten. 1759 wurde v. Steuben als Quartiermeister-Leutnant ins Große Hauptquartier Friedrichs des Großen versetzt. 1761 geriet er als Adjutant des Generalmajors von Knobloch in russische Kriegsgefangenschaft, wurde nach der Thronbesteigung Peters III. aber sofort freigelassen.

Als Auszeichnung für seine Verdienste im Krieg nahm Friedrich der Große ihn als Hauptmann in die von ihm selbst geleitete Sonderklasse zum Erlernen der Kriegskunst auf. Meinungsverschiedenheiten mit dem Generaladjutanten des Königs führten aber zu seiner Versetzung nach Wesel. 1762 nahm Steuben als hoch dekorierter Stabskapitän Friedrichs seinen Abschied aus der preußischen Armee. 1764 wurde er Hofmarschall des Fürsten Josef Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen. Am 28. Mai 1769 wird er von Markgraf Carl Friedrich von Baden-Durlach als 168. Mitglied in den badischen Hausorden der Treue (eine ritterliche Ordensgemeinschaft, die den zweifelsfreien Nachweis einer adeligen Herkunft voraussetzt und mit der Verleihung des Freiherrentitels verbunden ist) aufgenommen. Mehrere Dienstreisen in dieser Zeit führen ihn ins Ausland, unter anderem nach Frankreich.

Generalinspekteur der Kontinentalarmee

Friedrich Wilhelm von Steuben
Briefmarke von 1980

1777 lernte Steuben auf Veranlassung des französischen Kriegsministers Claude-Louis, Comte de Saint-Germain den amerikanischen Botschafter in Paris, Benjamin Franklin, kennen. Auf dessen Empfehlung ging er nach Nordamerika, wo zwei Jahre zuvor der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausgebrochen war, und trat in die amerikanische Kontinentalarmee ein. Die Ansicht, seine Auswanderung nach Amerika hätte etwas mit einer drohenden Anklage wegen homosexueller Handlungen, damals noch als Sodomie bezeichnet, zu tun, ist bis heute anzutreffen.[1][2][3]

Die Kontinentalarmee war zu diesem Zeitpunkt in einem sehr schlechten Zustand. Das Heer bestand nur noch aus rund 5.000 Mann. Einheitliche disziplinarische und dienstliche Strukturen existierten praktisch nicht. Steuben baute die Armee im Lager von Valley Forge ab 1778 als Generalmajor und Generalinspekteur taktisch und operativ auf und um (Regeln für die Ordnung und Disziplin der Truppen der Vereinigten Staaten, 1779). Er sorgte für die Disziplinierung, die Organisation und die Einübung der Truppen und war zeitweilig Generalstabschef George Washingtons. Er gilt als Architekt der amerikanischen Unabhängigkeit auf militärischer Ebene, da es ihm gelang, untereinander zerstrittene und militärisch unerfahrene Gruppen von Freischärlern in eine schlagkräftige Armee zu verwandeln. In den einzelnen Gefechten trugen zudem die von ihm befehligten Truppenteile maßgeblich zum Sieg bei. Seine taktischen Anweisungen bildeten die Grundlage für den amerikanischen Sieg in der Schlacht von Monmouth, dem Wendepunkt des Krieges, am 28. Juni 1778.

1780 wurde Steuben Nathanael Greenes Generalquartiermeister in Virginia, wo er auch selbständig operierte und mit kleinen Einheiten bedeutende Erfolge errang. Bis 1784 blieb Steuben zudem Generalinspekteur des Heeres. In der Entscheidungsschlacht von Yorktown, der „deutschen Schlacht“ im Oktober 1781, befehligte Steuben die 3. Division und hatte wesentlichen Anteil am Sieg.

Im Anschluss an die Unterzeichnung des Friedensvertrages in Paris im Jahre 1783 schied Steuben mit allen militärischen Ehren aus dem aktiven Dienst aus. Trotz seiner Verdienste musste er nach Beendigung des Krieges sieben Jahre warten, ehe der Kongress seine Ansprüche auf Entschädigung seiner Verluste und auf eine Pension erfüllte – nachdem ihn einige Einzelstaaten bereits mit Landschenkungen bedacht hatten.

Steuben lebte nach seiner Verabschiedung teils in New York, teils auf seinen Herrensitzen Bellisarius Hall und Oneida in Oneida County. Er hatte eine Reihe öffentlicher Ämter inne, u. a. das Ehrenamt eines Regenten der Universität des Staates New York und den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft in New York (gegründet 1784).

Am 28. November 1794 starb Steuben auf seiner Farm in Oneida County New York, USA, nahe dem später nach ihm benannten Ort Steuben (New York), kinderlos an einem Schlaganfall. Als Erben setzte er zwei jüngere Soldaten ein, denen er besonders nahe stand: William North und Benjamin Walker.[4]

Freimaurerei

Steuben war ein sehr aktiver Freimaurer, er wurde um 1778 in die „Trinity Lodge Nr. 12“ in New York aufgenommen.

Nachruhm

General-von-Steuben-Denkmal in Magdeburg
Steuben-Denkmal in Potsdam

Noch heute findet im September ihm zu Ehren die Steubenparade auf der Fifth Avenue in New York statt. Auch in anderen Städten, z. B. Philadelphia, gibt es die events of German pride. In den USA wurden eine Reihe von Ortschaften und Countys nach Steuben benannt:

  1. eine Stadt in Maine, siehe Steuben (Maine)
  2. eine Stadt im Staat New York, siehe Steuben (New York)
  3. eine Stadt in Wisconsin, siehe Steuben (Wisconsin)
  4. Steubenville im Staat Ohio,
  5. das Steuben County in Indiana,
  6. und Steuben County im Staat New York

In Cuxhaven wurde die Pier für Auswandererschiffe als Steubenhöft benannt. Bis 1993 gab es in Gießen eine Steuben-Kaserne. Viele Städte in Deutschland benannten außerdem Straßen nach Friedrich Wilhelm von Steuben.

Quellen und Zitate

Werke

  • Regeln für die Ordnung und Disziplin der Truppen der Vereinigten Staaten, 1793

Zitate

Als ich mein Schwert zur Verteidigung dieser Staaten zog, tat ich es mit dem Entschluß, daß nur der Tod mich zwingen solle, es niederzulegen (Friedrich Wilhelm von Steuben am 4. Dezember 1782 an den Präsidenten des amerikanischen Kongresses Elias Boudinot) [5]

Steuben ging nach Amerika, wo er sich bekanntlich große Verdienste um die militärische Organisation der Rebellen erwarb. Hier sagte er schon 1793 einem deutschen Besucher (…), die französischen Freiwilligen, über deren Untüchtigkeit ihre eigenen Generale (…) nicht genug klagen konnten, führten denselben Krieg, den die amerikanischen Farmer geführt hätten, und sie würden ebenso unüberwindlich sein (Franz Mehring) [6]

Literatur

  • Friedrich Kapp: Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Berlin 1858. (Leseprobe)
  • Werner Giesebrecht (Hrsg.): Friedrich Wilhelm von Steuben. Leben, Zeit und Zeitgenossen. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Bonn, Stuttgart und Würzburg anläßlich der 250. Wiederkehr von Steubens Geburtstag am 17. September 1980. 2 Bände (Aufsätze und Objektbeschreibungen). Berlin und Würzburg 1980.
  • Franz Fabian: Die Schlacht von Monmouth. Friedrich Wilhelm von Steuben in Amerika. 1. Auflage 1961; 5. Auflage. Militärverlag der DDR, Berlin 1988, ISBN 3-327-00583-4
    • Franz Fabian: Steuben. Ein Preuße in Amerika. Vision, Berlin 1996, ISBN 3-928-78714-4 (ergänzte und erweiterte Neuausgabe des Buches: Die Schlacht von Monmouth)
  • Armin M. Brandt: Friedrich Wilhelm von Steuben. Preußischer Offizier und amerikanischer Freiheitsheld, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2006, ISBN 3-89812-312-X
  • Jürgen Brüstle: Friedrich Wilhelm von Steuben. Eine Biographie. Tectum Verlag, Marburg 2006.
  • John McAuley Palmer: General von Steuben. 2. Auflage, Societäts-Druckerei, Frankfurt/Main 1984.
  • Eugen Lennhoff, Oskar Posner und Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon, Überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1932, München 2003, ISBN 3-7766-2161-3

Anmerkungen

  1. Baron von Steuben
  2. Baron von Steuben and Homosexuality
  3. http://www.gse.harvard.edu/hepg/sum96.html
  4. Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann, Seiten 678f.
  5. zitiert nach Franz Fabian: Die Schlacht von Monmouth., 5. Aufl., S. 4
  6. in Die Neue Zeit, (1892/1893), Band 1, S. 162, zitiert nach Franz Fabian, a.a.O., Umschlagtext

Weblinks


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