Barorezeptor

Im menschlichen Körper registrieren Barorezeptoren (Drucksinneskörperchen, auch Pressorezeptoren genannt) den Druck des fließenden arteriellen Blutes auf die Gefäßwände. Als Mechanorezeptoren werden sie durch Dehnung der Gefäßwand aktiviert. Das Maß ihrer Aktivität, das heißt die Frequenz der gesendeten Signale ist abhängig vom Grad der Gefäßwanddehnung.

Ihre Impulse gelangen zur Medulla oblongata, einer Teilstruktur des Zentralnervensystem (ZNS). Dort verursachen sie eine Hemmung (Inhibition) von Neuronen, deren Aufgabe die Erhöhung der Pulsfrequenz (die Anzahl der Herzschläge pro Minute) ist. Aktive Barorezeptoren verhindern daher eine Erhöhung der Pulsfrequenz.

Barorezeptoren befinden sich vor allem in den Gefäßwänden (Adventitia und Media) der Aorta aber auch in den meisten weiteren Schlagadern. Ihre Aufgabe ist es, den arteriellen Blutdruck auf einem konstanten Niveau zu halten und so die bedarfsgerechte Blutversorgung der einzelnen Organe zu gewährleisten. Fällt beispielsweise der Blutdruck (z. B. beim hypovolämischen Schock), nimmt die Dehnung der Aortenwand ab und die Aktivität der Barorezeptoren sinkt. Als Folge nimmt auch die Frequenz ihrer Signale an die Medulla oblongata ab. Die Neuronen der Medulla oblongata senden nun, nach dem Wegfall der Barorezeptor-vermittelten Inhibition, Signale zum Herzmuskel, zum Schrittmacher und an verschiedene Venen und Arterien des Körpers. Barorezeptoren sind ständig aktiv: Auch bei gleichbleibenden Drücken im physiologischen Bereich werden kreislaufregulierenden Neuronen ständig Impulse zugeleitet.

Als Reaktion auf diese Signale beschleunigt sich die Pulsfrequenz. Dies erhöht die Menge des vom Herzen ausgegebenen Blutes. Die Laufzeit der Barorezeptoren liegt bei etwa einer Sekunde, sodass bei einem spontanen Druckabfall schon das nächste Herzintervall verkürzt werden kann.[1] Die Arteriolen und Venen ziehen sich zusammen, es fließt weniger Blut zu nicht lebensnotwendigen Organen. Durch diese beiden Reaktionen kehrt der Blutdruck in den Arterien rasch zum Normalwert zurück. Die Umverteilung des Blutes geschieht über eine Ausschüttung von Adrenalin und wird hauptsächlich über β-Rezeptoren vermittelt. Aber auch andere Katecholamine wie Noradrenalin werden bei niedrigem Blutdruck ausgeschüttet und haben eine gefäßverengende Wirkung.

Barorezeptoren registrieren aber nicht nur eine Änderung des Drucks, sondern auch „wie schnell“ dieser abläuft, also die Änderungsgeschwindigkeit.

Barorezeptoren sollen auch das umstrittene Phänomen der Wetterfühligkeit bedingen.

Einzelnachweise

  1. Klaus Golenhofen: Basislehrbuch Physiologie – 4. Auflage (Urban & Fischer) – Seite 241

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Barorezeptor — Baro|re|zẹptor [gr. βαρος = Schwere, Gewicht u. ↑Rezeptor] m; s, ...to̱ren (meist Mehrz.): Ganglienzelle, die auf Druckschwankungen z. B. mit Engstellung von Blutgefäßen antwortet …   Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke

  • Barorezeptor — Ba|ro|re|zep|tor der; s, ...oren (meist Plur.) <zu ↑baro... u. ↑Rezeptor> ↑Ganglienzelle, die auf Druckschwankungen z. B. mit Engstellung von Blutgefäßen antwortet (Med.) …   Das große Fremdwörterbuch

  • Intrazellulärer Rezeptor — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

  • Membranrezeptor — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

  • Primärer Rezeptor — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

  • Rezeptoren — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

  • Sekundärer Rezeptor — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

  • Sensorisches Neuron — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

  • Sinneszelle — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

  • Sinneszellen — Als Rezeptor wird in der Biologie auf zellulärer Ebene eine spezialisierte Zelle bezeichnet, die bestimmte äußere und innere chemische oder physikalische Reize in eine für das Nervensystem verständliche Form bringt, oder auf molekularer Ebene ein …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”