Barrie Kosky

Barrie Kosky [N 1](* 1967 in Melbourne/Australien) ist Opern- und Theaterregisseur. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Kosky, Enkel jüdischer Einwanderer aus Russland, Polen und Ungarn ging auf die Melbourne Grammar School wo er 1981 in Brecht's Der aufhaltsame Aufstieg und Fall des Arturo Ui auf der Bühne stand und später sein erstes Theaterstück inszenierte. Nach einer profunden musikalischen Ausbildung in Klavier und Musikgeschichte an der University of Melbourne wandte er sich der Regie zu, stand aber in vielen seiner Produktionen auch immer wieder selbst auf der Bühne oder saß am Klavier [N 2]. Barrie Kosky kennt keine strenge Trennung in Sprech- und Musiktheater. So etablierte er in allen seinen Inszenierungen an Sprechtheaterhäusern Musik und Gesang als wichtige theatrale Ebene. In vielen Inszenierungen begleitet er das Geschehen auf der Bühne selbst am Klavier ("Poppea", "Das verräterische Herz", "Der verlorene Atem" ...) oder verbindet die Musik eines Orchesters mit der Bühnenhandlung ("Das Schloss" ...). Musik und Gesang sind bei Kosky nie Begleitung oder Untermalung des Bühnengeschehens, sondern integraler Bestandteil des theatralen Geschehens.

Karriere

Zu seinen Inszenierungen in Australien gehören unter anderem Senecas Oedipus und O’Neills Mourning becomes Electra bei der Sydney Theatre Company, Shakespeares King Lear bei der Bell Shakespeare Company, "The Golem" von Larry Sitsky, Verdis Nabucco, Wagners Der fliegende Holländer und Alban Bergs Wozzeck am Sydney Opera House, Oedipus Rex an der Queensland Opera, Goethes Faust I und II bei der Melbourne Theatre Company; die moderne Oper Orestia von Liza Lim, Mozarts Die Hochzeit des Figaro und Rossinis Der Barbier von Sevilla an der Victoria State Opera, "The Knot Garden" von Michael Tippett und "The Burlesque Tour" mit dem Sänger und Entertainer Paul Capsis beim Melbourne Spoleto Festival.

1990 bis 1997 war Barrie Kosky künstlerischer Leiter der "Gilgul Theatre Company". Dort inszenierte er Der Dybbuk, "Es brennt ...", "Levad", "The Wilderness Room" und "The Operated Jew" - alles Werke, mit denen Kosky sich Fragen jüdischer Kultur und jüdischer Identität zuwandte.

1996 übernahm er die künstlerische Leitung des Adelaide Festival.

Von 2001 bis 2005 war er Codirektor des Wiener Schauspielhauses. Dort führte er Regie bei Euripides' Medea, "Boulevard Delirium" - einem Abend mit dem Sänger und Entertainer Paul Capsis, der sich Gesangsdiven von Judy Garland bis Jannis Joplin widmete -, bei Shakespeares Macbeth, "Das verräterische Herz" nach E. A. Poe sowie bei der "Jewtopia-Trilogie" ("Dafke!!", "Der verlorene Atem" und "Das Schloss"), bei der er sich - anschließend an seine Arbeit als Leiter der Gilgul-Company - abermals mit jüdischer Identität und jüdischen Künstlern von Kafka über Schumann bis zu Houdini und Sarah Bernhardt auseinandersetzte. Weiters zeigte er mit Poppea - bei der er die Musik Monteverdis mit Songs von Cole Porter kombinierte und Offenbachs Hoffmanns Erzählungen zwei Inszenierungen, die mit Sängerinnen und Sängern, Schauspielerinnen und Schauspielern Oper und Schauspiel verbanden und eine einzigartige Form des musikalischen Theaters weiterentwickelten.

Nach seinem Engagement am Schauspielhaus entwickelte Kosky sich zu einem gefragten Opernregisseur im deutschsprachigen Raum. Für die Berliner Staatsoper inszenierte er Monteverdis L’Orfeo und an der Komischen Oper Berlin einen vielbeachteten Le Grand Macabre von György Ligeti, dem Inszenierungen von Figaros Hochzeit und Glucks Iphigenie auf Tauris folgten. An der Wiener Staatsoper hatte 2005 seine Inszenierung des Lohengrin Premiere. 2006 inszenierte er zusammen mit Tom Wright den achtstündigen Abend "The Lost Echo" - basierden auf Ovid's Metamorphosen und Euripides' "The Bacchae - für die Sydney Theatre Company. Im selben Jahr inszenierte er am Aalto-Theater Essen Wagners Der fliegende Holländer und sorgte damit für einen Eklat; dem folgte im Dezember des selben Jahres Tristan und Isolde (nominiert für den Faust-Preis) sowie Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Brecht/Weill. 2008 hatte seine Inszenierung von Kiss Me, Kate an der Komischen Oper Berlin Premiere, die von der TheaterGemeinde Berlin zur "Aufführung des Jahres" gewählt wurde. Am selben Haus folgten Rigoletto (September 2009) und Rusalka (Februar 2011).

Des Weiteren inszenierte er Brittens A Midsummer Night's Dream in Bremen sowie Peter Grimes und Janaceks Aus einem Totenhaus für die Staatsoper Hannover und Vivaldis Orlando furioso für das Theater Basel.

Im Herbst 2008 gab Barrie Kosky mit Strindbergs Ein Traumspiel sein viel beachtetes Debüt am Deutschen Theater Berlin. Die englische Version des Solos "Das verräterische Herz" ("Tell-Tale Heart") zeigte er außerdem beim Edinburgh International Festival und beim Sydney International Festival.

2009 begann er seinen Ring-Zyklus in Hannover, den er im Juni 2011 abschloss. 2010 inszenierte er Strauss' Die schweigsame Frau an der Bayerischen Staatsoper. Außerdem führte er im Dezember des gleichen Jahres Regie bei einem Doppelabend mit "Dido und Aeneas" von Henry Purcell und "Herzog Blaubarts Burg" von Béla Bartók an der Oper Frankfurt.
Zu seinen nächsten Arbeiten gehören "Castor et Pollux" an der English National Opera London[N 3] und "Der Kaufmann von Venedig" am Schauspiel Frankfurt[N 4].

Ab 2012 folgt Barrie Kosky Andreas Homoki als Intendant der Komischen Oper Berlin.[1]

Auszeichnungen

Preisträger:
TheaterGemeinde Berlin (2008) Aufführung des Jahres für "Kiss me, Kate" (Komische Oper Berlin)
Faustpreis (2009) für: "Aus einem Totenhaus" (Staatsoper Hannover) - Beste Regie Musiktheater

Nominiert:
Nestroy (2002) für: Medea (Schauspielhaus Wien) - Beste Regie
Faustpreis (2007) für: "Tristan und Isolde" (Aalto-Theater Essen) - Beste Regie Musiktheater

Literatur

  • Bauer, Jürgen (2008): No Escape. Aspekte des Jüdischen im Theater von Barrie Kosky. Edition Steinbauer, Wien. 208 Seiten, zahlr. Abbildungen. ISBN 978-3-902494-34-4
  • Kosky, Barrie (2008): On Ecstasy. Melbourne University Publishing, Melbourne. ISBN 978-0-522-85534-0

Weblinks

Offizielle Biografie von Barrie Kosky
Interview mit Barrie Kosky auf dem Brisbane Festival (englisch)

Einzelnachweise

  1. Komische Oper Berlin: Barry Kosky neuer Intendant. Focus Online, 24. Juni 2008, abgerufen am 17. September 2008.

Fußnoten

  1. Manchmal wird Barrie Kosky falsch buchstabiert: Barry Kosky, Barrie Koski, Barrie Koskie.
  2. Wie zum Beispiel in seiner Produktion von Monteverdi's Poppea
  3. Spielplan English National Opera
  4. Spielplan Schauspiel Frankfurt



Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Barrie Kosky — Barrie KoskyBarrie Kosky s name is sometimes misspelled as Barry Kosky, Barrie Koski, Barrie Koskie.] (born 1967 in Melbourne) is an Australian theatre and opera director.Kosky also plays the piano, as he did in his production of Monteverdi s… …   Wikipedia

  • Kosky — Barrie Kosky (* 1967 in Melbourne) ist ein australischer Regisseur und lebt in Berlin. Nach ersten Arbeiten am Studententheater zeigte Kosky viele Theater und Operninszenierungen in Australien. Zu seinen Inszenierungen in Australien gehören unter …   Deutsch Wikipedia

  • Kosky — is a surname and may refer to: *Barrie Kosky (1967–), Australian theatre and opera director *David Kosky, American cinematographer *Eric Kosky, American cinematographer *Fritz Van Kosky, better known as Fritz the Cat, American rap producer,… …   Wikipedia

  • Susanne Wolf — Susanne Felicitas Wolf (* 24. Januar 1964 in Mainz) ist eine deutsche Autorin und Dramaturgin. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werke 2.1 Buch und Regie 2.2 Textbücher …   Deutsch Wikipedia

  • Komische Oper (Berlin) — Komische Oper Berlin 2007 Eingang der Komischen Oper Die Komische Oper Berlin ist ein Opernhaus in der Dorotheens …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Kos–Koz — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Nestroy-Theaterpreis/Beste Regie — Stefan Bachmann (2.v.l.), Beste Regie 2008 Seit 2000 wird beim Nestroy Theaterpreis der Beste Theaterregisseur geehrt. Statistik Am häufigsten honorierte/r Regisseur/in Es hat noch niemand zweimal gewinnen können …   Deutsch Wikipedia

  • Nestroyverleihung 2002 — Die Nestroyverleihung 2002 war die dritte Verleihung des Nestroy Theaterpreises und fand am 12. Oktober 2002 im Volkstheater (Wien) statt. Von den GewinnerInnen in den insgesamt 11 Kategorien, wurden 4 schon im Vorfeld, die restlichen 7 erst bei… …   Deutsch Wikipedia

  • Stadttheater Basel — Das Theater Basel ist das Stadttheater der Stadt Basel. Im Spielplan stehen Schauspiel, Oper, Operetten und Ballett. Da das Theater Basel kein eigenes Orchester hat, wird in der Regel das Sinfonieorchester Basel herangezogen. Für… …   Deutsch Wikipedia

  • Susi Stach — (* 1961 in Wien) ist eine österreichische Schauspielerin und Schauspieldozentin. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Auftritte (Auswahl) 2.1 Filmografie …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”