Tympanon (Architektur)
Tympanon am Löwentor in Mykene
Apollonstatue aus dem Westgiebel des Zeustempels von Olympia

Das Tympanon oder Tympanum ist in der Architektur eine Schmuckfläche in Giebeldreiecken oder im Bogenfeld von Portalen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In der antiken Architektur, insbesondere dem Tempelbau, ist das Tympanon die dreieckige Giebelfläche, die schon wegen ihrer Größe und Frontalität hervorgehoben war und mit figürlichem oder ornamentalem Dekor versehen wurde. Dieser Dekor besteht an griechischen Tempeln oft aus vollplastischen Figuren. Anfangs waren die Giebel mit mächtigen Reliefs gefüllt, wie etwa am bald nach 600 v. Chr. errichteten Artemistempel in Kerkyra, dessen Westgiebel mittig die Gorgo Medusa mit ihren Kindern, flankiert von Panthern einnimmt. Ganz in die Zwickel des Giebelfeldes verschoben finden kleinere Szenen ihre Darstellung, etwa ein Blitze schleudernder Zeus im Kampf gegen Giganten. Beinahe freiplastisch, aber immer noch von sich gegenüberstehenden Löwen geprägt ist auch der um 570 v. Chr. entstandene Giebelschmuck des ersten Ringhallentempels auf der Athener Akropolis, in dessen Zwickeln unter anderem Herakles gegen Triton kämpft. Nach der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. ändert sich das Kompositionsschema und die Tiergruppen werden nun ihrerseits in den Zwickel untergebracht, bevor sie ganz aus den Giebeln verschwinden. Die zentrale Komposition wird jetzt von Götterkämpfen oder aufgereihten Figurengruppen eingenommen. Die Wertschätzung, die man diesen Figurengiebeln entgegenbrachte, zeigt sich am Fund der Figuren vom spätarchaischen Apollontempels in Delphi, dessen Giebelskulpturen nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 373 v. Chr. regelrecht bestattet wurden. Als Thema der einzelnen Giebeldarstellungen tritt immer stärker der lokale Bezug hervor. So zeigt der Ostgiebel des Zeustempels in Olympia die Vorbereitungen für das Wagenrennen zwischen Pelops und Oinomaos, dem mythischen Herrscher des bei Olympia gelegenen Pisa; es ist der Ursprungsmythos des Heiligtums selbst, der hier an hervorgehobenster Position dargestellt wird. Und ähnlich verhält es sich mit der Geburt der Athena im Ostgiebel des Parthenon oder dem Streit um das attische Land zwischen Athena und Poseidon auf dessen Westseite. Am Giebel des jüngeren Kabirentempels in Samothrake aus dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. schließlich wurde vermutlich eine rein lokale Kultsage des Heiligtums dargestellt, die von keinem übergeordneten Interesse für Griechenland war.

An römischen Tempeln treten die Giebelfiguren zugunsten eines Reliefs zurück oder die Giebelfelder bleiben schmuck- und figurenlos.

Im christlichen Kirchenbau befindet sich das Tympanon als halbkreis- oder spitzbogenförmiges Bogenfeld über den Portalen. Romanische Tympanonreliefs weisen überwiegend Majestas Domini-Motive oder Weltgerichstdarstellungen auf.

Felder über Türen vor allem in der neuzeitlichen Baukunst seit der Renaissance werden als Supraporte bezeichnet.

  • in Byzanz vermutlich schon im 4. und 5. Jahrhundert mit Mosaiken geschmückt,
  • bei romanischen Kirchen zum Teil schmucklos (zum Beispiel bei norddeutschen Feldsteinkirchen)
  • ab der Gotik – vor allem in Deutschland und Frankreich - reich mit Reliefs versehen - auch vollplastische Figuren kommen vor.

Weitere Bilder

Tympanon-Kunst in Thailand

Siehe auch

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