Tüsiyetü Khan Cachundorz

Tüsiyetü Khan Cachundorz

Der Tüsiyetü Khan Cachundorz (andere Schreibweise u. a.: Caqundorji, Tsagun Dorji, reg. 1655–1691, gest. 1699) war ein Khan der Khalka-Mongolen.[1] Er dominierte zwar die inneren Machtkämpfe der Khalka, wurde aber 1688 von dem Dschungaren-Fürsten Khungtaidschi Galdan besiegt und musste sich danach unter den Schutz der Mandschu-Verwaltung (Kaiser Kangxi, reg. 1661–1722) stellen.

Cachundorz war der Sohn des Tüsiyetü Khan Gombodorz und sein Bruder Zanabazar (1635–1723) war der erste Jebtsundamba Khutukhtu, d.h. die religiöse Autorität der Khalka. Gleich zu Beginn seiner Regierung schickte Cachundorz zusammen mit anderen Fürsten seine Söhne zum "Dienst" (d. h. als Geiseln) an den Kaiserhof und erhielt die Ernennung zum "Regenten" (Zasag).

In den 60ern brachten unter den Khalka-Fürsten Streitigkeiten aus, die sie innerhalb von drei Jahrzehnten wie ein Strudel in den Abgrund sogen und an denen Cachundorz nicht gerade unschuldig war. Nach dem Tod des Jasaktu-Khan Norbu 1661 ernannte sich Wangsuy (unrechtmäßig) zum Jasaktu-Khan und wurde noch 1662 vom Altan Khan Lobzang angegriffen und ermordet. Cachundorz hatte aber für Wangsuy Partei ergriffen, sandte nun seine Truppen gegen den Mörder und zwang ihn zur Flucht, woraufhin dessen Khanat seine Bedeutung verlor.[2] Danach setzte er Mergen als neuen Jasaktu-Khan ein, der sich jedoch nicht vom Mandschu-Kaiser Kangxi im Amt betätigen ließ. Zudem hatten sich seine Untertanen unter den Schutz von Cachundorz begeben. Also setzte der Kaiser Kangxi 1670 einen neuen Jasaktu-Khan ein: Cengün, der seine Leute von Cachundorz zurückforderte. Zur Schlichtung des Streits berief der Kaiser ein Fürstentreffen in Chüren Bilcir 1686 ein.

Da Cachundorz dem Jasaktu-Khan letztlich nur die Hälfte der Leute zurückgab, verbündete sich der neue Jasaktu-Khan Sar mit dem Dschungarenherrscher Khungtaidschi Galdan (reg. 1676–1697). Cachundorz besiegte und tötete Sar, wurde aber kurz darauf in zwei Schlachten von Galdan vernichtend geschlagen und musste in Richtung der Gobi flüchten (1688). Da auch im Machtbereich der Chechen-Khane gerade politische Instabilität herrschte (der neue Khan Ilden Ravdan war 1688 verstorben und der rechtmäßige Erbe war minderjährig) gab es keine weitere Gegenwehr der Khalka. Die Niederlage von Cachundorz (und seinem Sohn Galdandorji) löste eine große Flüchtlingswelle zu den südlichen Mongolen aus, die den Mandschu unterstanden. Cachundorz und sein Bruder, der Lama Zanabazar ersuchten den Kaiser Kangxi um Schutz und unterstellten sich diesem ohne weiteres Zögern 1691 in einer Zeremonie in Dolon Nor, zusammen mit den anderen Fürsten. Cachundorz wurde im Amt bestätigt, obwohl er ohne Rücksprache mit dem Kaiser gehandelt und den Jasaktu-Khan getötet hatte. In den Jahren 1690 und 1696 wurde Galdan dann von den Truppen des Kaisers Kangxi (unter Mithilfe der Khalka) zurückgedrängt und geschlagen.

Anmerkungen

  1. Die Khalka gliederten sich im 17. Jh. in vier große Gruppen aus der Nachkommenschaft von Dayan Khans Sohn Geresenje (gest. 1549): die des Tüsiyetü-, Chechen-, Jasaktu- und des Altan-Khan. Dazu gab es mit dem Jebtsundamba Khutukhtu Zanabazar noch eine religiöse Autorität, deren Wort bei allen vier Gruppen galt. Der erste Tüsiyetü-Khan Abdai bekam 1587 seinen Titel vom Dalai Lama, und sein jüngerer Bruder Tümengken bekam den Titel Sajn Noyan. Die jüngere Linie der Sajn Noyan-Khane verselbständigte sich aber erst zur Mandschu-Zeit 1725.
  2. Lobzang wurde zuletzt 1682 von dem Jasaktu-Khan überrascht und gefangen genommen, und um 1691 verschwand er.

Literatur

  • Udo Barkmann: Geschichte der Mongolen, Bonn 1999
  • Michael Weiers (hrsg.): Die Mongolen: Beiträge zu ihrer Geschichte, Darmstadt 1986
  • Rene Grousset: Die Steppenvölker, Essen 1975

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Liste der Biografien/Tu — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Khalkha — Dieser Artikel befasst sich mit dem Volk Chalcha, zur Sprache siehe Mongolische Sprache, zum gleichnamigen Fluss siehe Chalcha (Fluss). Die Chalcha Mongolen sind mit etwa 70% der Bevölkerung die dominierende ethnische Gruppe in der unabhängigen… …   Deutsch Wikipedia

  • Zanabazar — Öndör Gegeen Zanabazar (mong. өндөр гэгээн Занабазар; * 1635; † 1723) war der erste Jebtsundamba Khutukhtu (mong. Жавзандамба хутагт), das religiöse Oberhaupt des Lamaismus in der (Äußeren) Mongolei. Er ist damit eine der großen Figuren im… …   Deutsch Wikipedia

  • Dorjee — Dorje (auch: Dorjee, Dorji, Dordsche; wylie: rdo rje, THDL: Dorjé, Transkription der VRCh: Dorjê) bezeichnet: das essentiellste Symbol des Vajrayana Weges, siehe Vajra Dorje ist der Namensbestandteil folgender Gottheiten: Dorje Phagmo, tantrische …   Deutsch Wikipedia

  • Dorji — Dorje (auch: Dorjee, Dorji, Dordsche; wylie: rdo rje, THDL: Dorjé, Transkription der VRCh: Dorjê) bezeichnet: das essentiellste Symbol des Vajrayana Weges, siehe Vajra Dorje ist der Namensbestandteil folgender Gottheiten: Dorje Phagmo, tantrische …   Deutsch Wikipedia

  • Khungtaidschi Galdan — (auch: Galdan Boshigt Khan * 1632 oder 1644; † 4. April(?) 1697) war der Herrscher der Dschungaren (reg. ab 1676). Unter ihm expandierte das Dschungarenreich in alle Richtungen und wurde erst 1690 und 1696 von der Qing Dynastie unter Kaiser… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”