9x19mm
Dieser Artikel erläutert die Patrone 9 mm Parabellum; für die als 9 mm Makarow oder 9x18 PM bekannte Patrone siehe 9,2 x 18 mm.
9 mm Parabellum
Bild:9_19_parabellum_FMJ.jpg
Allgemeine Information
Kaliber: 9 x 19 mm
Hülsenform: konische Hülse, randlos
Maße
Ø Hülsenschulter: 9,93 mm
Ø Hülsenhals: 9,65 mm
Ø Geschoss: 9,03 mm
Ø Patronenboden: 9,96 mm
Hülsenlänge: 19,15 mm
Patronenlänge: 29,70 mm
Gewichte
Geschossgewicht: 4,08–9,53 g
Gesamtgewicht: 24,9–25,4 g
Technische Daten
Geschwindigkeit V0: 300–580 m/s
max. Gasdruck: 2350 (CIP) Bar
Geschossenergie E0: 380–700 J

Die Patrone 9 mm Parabellum ist die weltweit am weitesten verbreitete Pistolen-Patrone. Sie findet auch Verwendung in Maschinenpistolen, Revolvern und Gewehren.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Maße der 9x19mm Parabellum
7,65 mm Para - 9 mm Para Kegelstumpf + Ovigal

Auf Drängen der Gewehr-Prüfungskommission, die für die im Test befindliche Parabellum-Pistole ein größeres Kaliber mit erhöhter zielballistischer Leistung forderte, entwickelte Georg Luger, Waffenkonstrukteur bei der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) aus der 7,65 mm Parabellum die Patrone 9 mm Parabellum. Er kürzte dazu die Hülse der 7,65 mm von 21 mm auf 19 mm und weitete den Hülsenmund auf für ein 9-mm-Geschoss.

Da bei der Patrone 9 mm Parabellum die Gesamtlänge und der Durchmesser des Hülsenbodens identisch zu den Maßen der 7,65 mm Parabellum ist, konnte die Konstruktion der Parabellum-Pistole – bis auf das Laufkaliber – beibehalten werden.

Parabellum, abgeleitet aus dem Lateinischen: Si vis pacem, para bellum. („Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor“), war neben einem seit 1900 eingetragenen Warenzeichen auch als Parabellum-Berlin die Telegrammadresse der DWM, Berlin.

Als Pistolenpatrone 08 eingeführt, war die Patrone mit einem Vollmantel-Kegelstumpf-Geschoss ausgestattet, welches ein Geschossgewicht von 124 grain bzw. 8 Gramm aufwies.

Erste Fertigungsstätten waren das Werk Karlsruhe der DWM, die Königlich Preußische Munitionsfabrik Spandau, das Bayerische Hauptlaboratorium in Ingolstadt und die Königlich Sächsische Munitionsfabrik Dresden.

Geschichte

Da ein Teil der eigenen Truppenangehörigen das Kegelstumpf-Geschoss als Dum-Dum-Geschoss betrachteten und man somit gegen die Haager Landkriegsordnung verstoßen würde, wurde 1916 das Vollmantel-Kegelstumpf-Geschoss durch ein Vollmantel-Ogival-Geschoss ersetzt. Versuche zeigten, dass die Änderung der Form keine Auswirkungen auf die Leistung des Geschosses hatte.

Ab 1930 wurde statt des bislang eingesetzten Zündsatz 88 der neuentwickelte Zündsatz 30 verwendet. Diese unter dem Markenzeichen Sinoxid registrierte Zündung war nicht mehr korrosiv und verursachte kein Ausbrennen der Läufe mehr.

1938 erfolgte die Einführung von Stahlhülsen, um die Verwendung des „Sparmaterials“ Messing zu verringern. Durch den Einsatz von Maschinenpistolen (MP 38 und später MP 40) wurde ein enormer Verbrauch an Pistolenmunition prognostiziert. Problematisch war die Funktion der Pistole 08 mit den Stahlhülsen, so dass die noch vorhandenen Messinghülsen für die Verwendung mit der 08 reserviert werden mussten.

Eine weitere Sparmaßnahme trat 1941 in Kraft:
Die Einführung der Pistolenpatrone 08 mit Eisenkern. Bis auf einen geringen Teil – wo das Geschoss Berührung mit dem Lauf hat – wurde teures Blei durch Eisen ersetzt. Das Geschossgewicht reduzierte sich dadurch auf ca. 6,1 Gramm bei einigermaßen gleichbleibenden ballistischen Werten.

Im späteren Verlauf des Krieges wurde die Pistolenpatrone 08 SE eingesetzt. Dieses Geschoss war aus Sinter-Eisen (SE), ein homogenes Gefüge aus Eisenspänen, das unter Zuführung von Temperatur und Druck hergestellt wurde.

1982 wurde die Patrone unter der Bezeichnung 9 × 19 mm in der NATO standardisiert. Neben den Kalibern 5,56 × 45 mm, 7,62 × 51 mm und 12,7 × 99 mm (.50 Browning), welche alle aus den USA stammen, handelt es sich bei der 9 × 19 mm um die einzige NATO-Patrone, die in Deutschland entwickelt wurde.

Für den Einsatz der Patrone bei der Polizei wurde am 11. Juni 1999 von der Innenministerkonferenz die Erarbeitung der "technischen Richtlinie „Patrone 9 mm x 19, schadstoffreduziert“" beschlossen. Aufgrund dieser Richtlinie wurde in der Folge 9 x 19 mm Munition mit Deformationsgeschossen für die Polizei entwickelt.[1]

Im Jahr 2004 führte die Bundeswehr im Rahmen des Programms Infanterist der Zukunft das Kaliber 4,6 × 30 mm mit der Maschinenpistole MP7 A1 ein und leitete damit die Nachfolge der 9 mm Luger ein. Die Patrone 4,6 × 30 mm wurde, wie die 9 mm Luger, ebenfalls in Deutschland bei dem Handfeuerwaffenhersteller Heckler & Koch entwickelt.

Im Jahr 2003 entschied die Conference of National Armament Directors (CNAD) als höchstes NATO-Beschaffungsgremium, dass eine Standardisierung des Nachfolgekalibers der 9 × 19 mm bis auf weiteres ausgesetzt werden sollte, da die ballistischen Leistungen der beiden im Wettbewerb verbliebenen Kaliber 4,6 × 30 mm von Heckler & Koch und 5,7 × 28 mm von Fabrique Nationale d'Armes de Guerre aus Belgien als nahezu identisch eingestuft wurden. Hierzu war es gekommen, weil Heckler & Koch massive Einsprüche in Bezug auf das vorangegangene NATO-Erprobungsverfahren geltend gemacht hatte, welches in den Jahren 2001/2002 mit rund einjähriger Dauer im NATO-Erprobungszentrum in Bourges (Frankreich) durchgeführt worden war.

Laborierungen

diverse Geschossformen

Heute gibt es zusätzlich zu dem Standard-Ovigalgeschoss je nach Einsatzzweck eine Angebotsfülle unterschiedlicher Geschossmaterialien, -gewichten und -formen. Beispielsweise Leuchtspur, Subsonic für Schalldämpfer, Hohlspitz oder Teilmantel.

Synonyme

  • 9 mm
  • 9 mm Luger
  • 9 mm NATO
  • 9 mm × 19
  • 9 mm × 19 NATO
  • 9 mm Para
  • Pistolenpatrone 08 (Deutschland)
  • Pistolenpatrone 41 (Schweiz)

Literatur

  • Joachim Görtz: Die Pistole 08. Verlag Stocker-Schmid AG, Zürich 2000, ISBN 3-7276-7065-7
  • Frank C. Barnes: Cartridges of the World 6th Edition. Editor Ken Warner, ISBN 0-87349-033-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Entwicklungsgeschichte der 9mm Deformationsgeschosse für den deutschen Polizeieinsatz

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