Uhrzeit

Die Uhrzeit ist die Angabe eines Zeitpunkts, ausgedrückt meist in Stunden, Minuten und Sekunden ab Mitternacht eines Tages im Kalendersystem. Sie wird in Abhängigkeit vom Ort – heute Zonenzeit der Zeitzone, früher Ortszeit – gemessen. Der Tag ist nach dem heute üblichen System in 24 Stunden, die Stunde in 60 Minuten und die Minute in 60 Sekunden unterteilt.

Uhrzeit und Kalenderdatum ergeben eine eindeutige Zeitangabe. Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird die Zeit manchmal als Zahl zwischen 0 und 1 angegeben (Dezimalzeit). 8 Uhr morgens entspricht dann 0,333… Tagen, kombiniert mit einer fortlaufenden Tagzahl, so dass sich für jeden Zeitpunkt eine eindeutige Zahl ergibt. Damit sind Zeitangaben in beliebiger Genauigkeit möglich.

Bis in die mittlere Neuzeit waren andere Stundenzählungen als die heutige 24-Stunden-Zählung verbreitet. Zur Zeit der Französischen Revolution wurde ein erfolgloser Versuch unternommen, den Tag in 10 Stunden mit je 100 Minuten und 100 Sekunden einzuteilen. Der Nullpunkt der Uhrzeit lag noch bis in das ausgehende 19. Jahrhundert auf Mittag (weil sich dieser über die Beobachtung der Sonne leichter bestimmen lässt).

Inhaltsverzeichnis

Schreibweise

Der Duden[1] merkt an, dass im deutschsprachigen Raum verschiedene Schreibweisen mit Ziffern üblich sind. Ziffern und Punkte werden aber generell ohne Leerzeichen geschrieben. Beispiele: 9 Uhr, 17:30 Uhr, 0.12 Uhr, 1930 Uhr, 14:31:52 Uhr, 00:25:35 Uhr

Deutschland

Die Schreibweise von Uhrzeiten im Büro- und Verwaltungsbereich regelt für Deutschland die DIN 5008 (die auch das Datumsformat festlegt). Sie gliedert die Teile von Uhrzeiten mit Doppelpunkten. Die DIN 5008 empfiehlt, Stunden, Minuten und ggf. Sekunden zweistellig anzugeben. Wenn man nur die Stunde angibt, soll man das allerdings einstellig tun. Die Bezeichnung „Uhr“ ist stets durch ein (möglichst geschütztes) Leerzeichen abzutrennen.

Beispiele:

  • 9 Uhr (aber nicht: 09 Uhr)
  • 09:31 Uhr (aber nicht: 9:31 Uhr)
  • 09:01:12 Uhr (aber nicht: 9:01:12 Uhr oder gar 9:1:12 Uhr)

Österreich

Die Schreibweise von Uhrzeiten in Schriftstücken in Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und im privaten Bereich regelt für Österreich die Ö-NORM A 1080 „Richtlinien für Textgestaltung“ (die auch das Datumsformat festlegt). Sie gliedert die Teile von Uhrzeiten mit Doppelpunkten. Sie empfiehlt, Stunden, Minuten und ggf. Sekunden zweistellig anzugeben, insbesondere in tabellarischen Aufstellungen. Im Fließtext wird bei Stundenangaben keine führende Null angegeben. Die Bezeichnung „Uhr“ ist stets durch ein (möglichst geschütztes) Leerzeichen abzutrennen.

Beispiele:

  • 9 Uhr oder 09 Uhr (letzteres nur bei tabellarischer Aufstellung)
  • 9:31 Uhr oder 09:31 Uhr (letzteres nur bei tabellarischer Aufstellung)
  • 9:01:12 Uhr oder 09:01:12 Uhr (letzteres nur bei tabellarischer Aufstellung, keinesfalls aber 9:1:12 Uhr)

Schweiz

Laut den Schreibweisungen der Bundeskanzlei[2] sollte zwischen den Stunden und den Minuten ein Punkt und kein Doppelpunkt verwendet werden. Ferner wird bei Uhrzeiten von eins bis neun Uhr die vorangehende Null normalerweise (Ausnahme: Uhrzeiten in Listen) weggelassen.

Beispiele:

  • 15.00 Uhr
  • 9.20 Uhr (in Listen auch: 09.20 Uhr)

Amerika

Die in den USA geläufige Schreibweise (sog. 12-Stunden-Darstellung) unterteilt den Tag in zweimal zwölf Stunden. Um die Stunden am Nachmittag von denen am Vormittag zu unterscheiden, werden die Abkürzungen a.m. (von lat. ante meridiem „vor dem Mittag“) und p.m. (von lat. post meridiem „nach dem Mittag“) verwendet.

Beispiele:

  • 07:00 a.m. bedeutet 07:00 Uhr
  • 07:00 p.m. bedeutet 19:00 Uhr
  • 12:00 a.m. bedeutet 00:00 Uhr
  • 12:00 p.m. bedeutet 12:00 Uhr

Taktische Zeit

Bei der Bundeswehr verwendet man das Date-Time-Group-Format. Bei dieser Schreibweise werden die Minuten direkt an die Stunden angeschlossen. Anstelle von 6.00 Uhr wird 0600 geschrieben (gesprochen „Null Sechshundert“), 0630 (für 6.30 Uhr) wird „Null Sechs Dreißig“ gesprochen.

Wird die taktische Zeit mit einem Datum kombiniert, lautet die Schreibweise 010630Amar11 (06:30 Uhr am 1. März 2011) oder 131030Bjun11 (10:30 Uhr am 13. Juni 2011). Der Buchstabe „A“ steht in diesem Fall für die in Deutschland im Winterhalbjahr gültige Mitteleuropäische Zeit (MEZ), der Buchstabe „B“ für die Sommerzeit (MESZ). Wird ein „Z“ verwendet, steht dieses für die Koordinierte Weltzeit (UTC). Die Monate werden wie im Englischen abgekürzt: jan, feb, mar, apr, may, jun, jul, aug, sep, oct, nov, dec.

Sprechweise im Deutschen

Je nach Region sind unterschiedliche Aussprachen gängig. So wird 17:15 Uhr im Westen Deutschlands, d. h. genauer westlich der Linie Lübeck–Saarbrücken, sowie in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs, in der Schweiz, in Liechtenstein und in Vorarlberg gewöhnlich als „viertel nach fünf“ bezeichnet und 17:45 Uhr als „viertel vor sechs“, während östlich dieser Linie und in Österreich „viertel sechs“ bzw. „drei viertel sechs“ üblich ist, analog zu „halb sechs“. In Teilen Österreichs ist auch die Sprechweise „viertel über fünf“ verbreitet.[3] Minuten bezieht man auf die halben oder auch Viertelstunden, also etwa 05:40 Uhr „zwanzig vor sechs“, „zehn nach halb sechs“ oder auch „fünf vor drei viertel sechs“.

17:15 [Uhr] wird allgemein „siebzehn Uhr fünfzehn“ gelesen, seltener: „siebzehn fünfzehn“, förmlich (etwa Zeitansagen am Bahnhof): „siebzehn Uhr [und] fünfzehn Minuten“ – die Digitalschreibweise wird nur ausnahmsweise direkt in „fünf Uhr fünfzehn [nachmittags]“ übersetzt, so dass die 24-Stunden-Zählung im täglichen Gebrauch die sonst im deutschsprachigen heimische 12-Stunden-Zählung (Kleine Uhr) verdrängt.

Der Gebrauch von um ist uneinheitlich. In einigen Regionen bezeichnet um die volle Stunde: „Um fünf“ (analog zu „halb fünf“). In einigen Fällen wird damit jedoch ein geringes Zeitfenster um eine genaue Uhrzeit herum angedeutet, z.B. wenn es um den Zeitpunkt eines Treffens geht: „Wir treffen uns um halb sechs“ oder „Wir treffen uns um fünf Uhr dreißig“ (aber auch: „Wir treffen uns fünf Uhr dreißig.“). Die Bezeichnung von Zeitabschnitten variiert ebenfalls regional: „Der Zoo ist ab 10 [Uhr] geöffnet.“ vs. „Der Zoo ist ab um 10 [Uhr] geöffnet.“ Die „ab-um“-Sprechweise ist teilweise in Brandenburg und in Sachsen-Anhalt verbreitet.

Beispielsweise in der Schifffahrt kennt man auch die Angabe auf zwei Uhr. Diese hat aber mit einer Zeit nichts zu tun, sondern ist eine dem Zifferblatt einer Analoguhr abgeschaute Richtungsangabe.

Ortszeit

Gesetz betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung

Traditionell wird die Uhrzeit in Bezug auf den Sonnenstand gemessen. Der höchste Stand der Sonne (Mittag) lässt sich eindeutig feststellen und dient als Referenzmaß (12 Uhr).

Da der Zeitpunkt von Mittag (bzw. Mitternacht) an Orten, die nicht auf dem gleichen Längengrad liegen, unterschiedlich ist, besitzt jeder Längengrad seine eigene wahre Ortszeit (OZ). Diese wahre Ortszeit ist ausreichend, solange keine Reisen mit Uhren zwischen Orten unterschiedlicher Ortszeit durchgeführt werden. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn entstand die Notwendigkeit, Zeiten zwischen verschiedenen Orten zu synchronisieren. Das führte zur Einführung von Zeitzonen. In Deutschland wurde zum 1. April 1893 mit dem Gesetz betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung (RGBl. 1893, S. 93) die mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrades östlich von Greenwich als gesetzliche Zeit festgelegt. Der 15. Längengrad läuft durch Görlitz, weshalb dort ein Meridiandenkmal steht.

Eine weitere Komplikation ist die Tatsache, dass die Laufbahn der Erde um die Sonne keine Kreis-, sondern eine Ellipsenbahn darstellt und die Erdachse zu dieser geneigt ist. Daher ist der zeitliche Abstand zwischen aufeinanderfolgenden Sonnenhöchstständen (Mittag) von Tag zu Tag nicht konstant. Die lokale wahre Sonnenzeit führt also zu Tagen unterschiedlicher Länge. Um gleichlange Tage zu erreichen, wird eine so genannte mittlere Sonnenzeit gleich langer Tage definiert, die heute fast überall gebräuchlich ist. Die Differenz zwischen der mittleren Ortszeit und wahren Ortszeit nennt man Zeitgleichung. Bei der mittleren Ortszeit ist also der Höchststand der Sonne nicht immer zur gleichen Uhrzeit, die Sonne steht dann zu Mittag (12:00 OZ) aber im Normalfall nicht im Süden, das gilt auch für den Referenzmeridian einer Zeitzone, und für 12:00 Zonenzeit (Bei Orten, die mehr als etwa 4° – entspricht einer Viertelstunde – vom Bezugsmeridian entfernt liegen, steht die Sonne nie um 12:00 Zonenzeit im Süden).

Uhrzeit in der Datenverarbeitung

In manchen Betriebssystemen wird auch das Datum aus der Uhrzeit generiert, indem von einem definierten Zeitpunkt ausgehend die Millisekunden gezählt werden, so zählt Java die seit 1970 verstrichenen Millisekunden. In der Microsoft-DOS-Zeitrechnung wurden die seit 1980 vergangenen 10-ms-Zeitabschnitte gezählt, in der Windows-Zeitrechnung werden die seit 1601 vergangenen 100-ns-Zeitabschnitte gezählt.

Das heute am weitesten verbreitete interne Datum von Computersystemen und im Internet, die Unixzeit, zählt die seit 1970 vergangenen Sekunden, so entspricht z. B. dem 1. Januar 2011 00:00 Uhr (MEZ) die dezimale Unixzeit 1293836400.

In Computer-Netzwerken wird die Systemzeit unter anderem über das Network Time Protocol synchronisiert.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 25., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Mannheim 2009, S. 118.
  2. Schweizerische Bundeskanzlei (Hrsg.): Schreibweisungen. Weisungen der Bundeskanzlei zur Schreibung und zu Formulierungen in den deutschsprachigen amtlichen Texten des Bundes. 11. Februar 2008. Siehe Seite 84, Abschnitt 5.3.5
  3. Karte nach einer Umfrage der Universität Augsburg

Weblinks


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