Basdorf bei Berlin
Basdorf
Gemeinde Wandlitz
Koordinaten: 52° 44′ N, 13° 26′ O52.72666666666713.43944444444458Koordinaten: 52° 43′ 36″ N, 13° 26′ 22″ O
Höhe: 58 m ü. NN
Fläche: 13,4 km²
Einwohner: 5190 (31. Dez. 2007)
Eingemeindung: 26. Okt. 2003
Postleitzahl: 16348
Vorwahl: 033397

Basdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Wandlitz. Die Gemeinde gehört zum Landkreis Barnim im Bundesland Brandenburg. Bis zum Jahr 2003 war Basdorf eine selbstständige Gemeinde innerhalb des Amtes Wandlitz. Heute leben im Wandlitzer Ortsteil Basdorf 5190 Einwohner (Jahr 2007).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Basdorf befindet sich auf dem westlichen Teil der Barnim-Hochfläche, dem sogenannten Niederbarnim. Die Höhe über Normalhöhennull (NHN) nimmt von Süd nach Nord leicht ab. Der höchste Punkt mit 69,3 Meter über NHN liegt an der südwestlichen Grenze zur Gemeinde Mühlenbecker Land im Landkreis Oberhavel. Mit 52,5 Metern über NHN ist der nordwestliche Grenzgraben zur Zühlsdorfer Siedlung Fuchswinkel, die auch zum Mühlenbecker Land gehört, der niedrigste Punkt des Ortes. Die Höhe der alten Ortsmitte an der Kirche beträgt 58 Meter, die des neuen Zentrums am Markt 64 Meter über NHN.

Nachbarorte

Angelegt an der Chaussee Richtung Prenzlau liegt das alte Zentrum Basdorfs mit der Dorfkirche etwa 8,5 km nördlich der Berliner Stadtgrenze direkt an der Bundesstraße 109. Der Bahnhof der Regionalbahnlinie NE 27, auch Heidekrautbahn genannt, befindet sich ca. ein Kilometer südlich der Kirche in Richtung Berlin. Angrenzende Gemeinden sind im Nordosten die Stadt Bernau mit dem Stadtteil Waldsiedlung, im Westen die Gemeinde Mühlenbecker Land mit dem Ortsteil Zühlsdorf. Die nördliche Ortsteilgrenze zum benachbarten Ortsteil Wandlitz der Großgemeinde Wandlitz liegt etwa 400 Meter hinter dem Basdorfer Friedhof an der B 109. Die Straßenbebauung der beiden Ortsteile geht hier ineinander über. Südöstlich und südlich bilden die Straße Waldkorso und das Rennegestell die Grenze zwischen den Ortsteilen Basdorf und Schönwalde.

Naturraum

Das alte Dorf an der Kirche liegt inmitten von Wiesen und landwirtschaftlichen Flächen. Die Siedlungsgeschichte brachte es mit sich, dass neue Siedlungen nach Süden in den Wald der Bernauer Heide hineingebaut wurden. So sind die neueren Ortsteile alle vom Wald umschlossen. Auf dem Ortsteilgebiet von Basdorf befinden sich keine Seen. Die einzigen Wasserflächen sind Gräben, die die Wiesen um den alten Ortskern netzartig durchziehen und ins nordöstlich von Basdorf entspringende Tegeler Fließ entwässern. Dieses fließt südlich des alten Dorfes in südwestliche Richtung und verlässt bei Dammsmühle Basdorfer Gebiet.

Geschichte und Siedlungsstruktur

Dorfkirche am Anger

Der Name Basdorf, als Basdorp 1375 erstmalig urkundlich erwähnt, ist wahrscheinlich aus dem Namen Bartholomäusdorf entstanden. Zunächst lag das Dorf in der Gerichtsbarkeit des Schlosses Biesenthal, 1475 ging es durch Kauf an das Kloster Lehnin, wo es bis 1542 verblieb. Durch die Reformation kam Basdorf an das Amt Mühlenbeck. Im Erbregister sind zu der Zeit 13 Kossäten und 8 Hüfner eingetragen. Geprägt ist der Ort durch das alte Angerdorf, in dem eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert steht, die zweite an dieser Stelle. Es handelt sich um eine Saalkirche mit Netzgewölben, geschnitzter Kanzel und einer Sakramentsnische. Der Holzturm wurde im 18. Jahrhundert aufgesetzt. Vor der Kirche befindet sich ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Ortes mit der Inschrift DIESER STEIN SEI ZEUGE VON EURER VÄTER NOT – 19 VON DEN UNSRIGEN SANKEN IN DEN TOD.

Alter Ortskern von Basdorf

Ein Wohngebiet in Basdorf ist die so genannte Waldsiedlung, auch Milch-Siedlung genannt. Dieser Name ist auf den Initiator der Siedlung, den Generalfeldmarschall der Luftwaffe Erhard Milch (1940), zurückzuführen. Hier stehen Doppelhäuser aus Holz, die früher zu den Brandenburgischen Motorenwerken (Bramo) gehörten; diese Häuser wurden zwischen 1930 und 1940 hier errichtet. In den Bramo-Werken wurden unter anderem Flugzeugmotoren für die Luftwaffe gebaut. Dort hat der später berühmte französische Dichter und Chansonnier Georges Brassens als 21-Jähriger ab März 1943 ein Jahr lang als Zwangsarbeiter zubringen müssen.

Ehemalige Polizeikasernen

Am südlichen Eingang von Basdorf liegt ein altes Kasernengelände aus der Zeit des Nationalsozialismus (Baracken). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen für die Kasernierte Volkspolizei genutzt, aus der später die Bereitschaftspolizei der DDR hervorgegangen ist. In den 1960er Jahren wurden die Kasernenanlagen durch Neubauten in Großplattenbauweise erweitert, um eine größere Anzahl von Volkspolizisten unterbringen zu können. Dies zog umfangreiche Infrastruktur-Veränderungen nach sich (Straßenbau, Polytechnische Oberschule, neue Wohngebiete wie der Heinrich-Heine-Ring).

Nach der Auflösung der Volkspolizei der DDR diente das Gelände bis September 2006 der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg, die anschließend nach Oranienburg umgezogen ist. - Am bewachten Eingang stehen jedoch auch im Sommer 2007 noch Schilder mit den Angaben Landeskriminalamt Brandenburg und Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg.

früheres Gemeindewappen von Basdorf

Mit Auflösung der Bezirke der DDR und Neugründung des Landes Brandenburg am 3. Oktober 1990 war Basdorf eine selbstständige Gemeinde im Kreis Bernau. Die Verwaltungsaufgaben wurden seit dem 1. Juli 1992 durch das Amt Wandlitz innerhalb des Landkreises Barnim wahrgenommen. Mit der Umwandlung des Amtes zur Gemeinde Wandlitz durch Landesgesetz zum 26. Oktober 2003 verlor der Ort Basdorf seine Selbstständigkeit. Die ehemalige Gemeinde ist seitdem Ortsteil der Großgemeinde Wandlitz. Eine Verfassungsbeschwerde aller amtsangehörigen Gemeinden gegen die kommunale Neugliederung vor dem Verfassungsgericht des Landes Brandenburg wurde am 16. Juni 2005 zurückgewiesen.

Politik

Ortsvorsteher

Peter Liebehenschel (seit 13. Oktober 2008; Wählervereinigung „Bürger für Basdorf Schönwalde“)

Ortsbeirat

Am 28. September 2008 fanden die letzten Kommunalwahlen statt. Die Wahlbeteiligung betrug 42,5 % der wahlberechtigten Einwohner. Danach setzt sich der aus neun Personen bestehende Ortsbeirat wie folgt zusammen:[1][2]

Partei / Wahlbewerber Stimmenanteil (%) Sitze
Die Linke 36,6 3
Basdorfer Bürgerinitiative 31,2 3
SPD 16,5 2
CDU 15,7 1

Der Ortsbeirat hat beratende Funktion für die Gemeindevertretung von Wandlitz bezüglich der Entscheidungen des Gremiums, die den Ortsteil Basdorf betreffen. Einige der Vertreter des Ortsbeirates sind gleichzeitig Gemeindevertreter.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Durch Basdorf führt die Bundesstraße 109, die im 19. Jahrhundert im Zuge der Anlage einer Postkutschenverbindung ihren Ursprung hat.

Basdorf hat Anschluss an die Regionalbahn 27 (Heidekrautbahn), mit der man bis nach Berlin-Karow (Anschluss an die S-Bahn Berlin) oder bis nach Groß Schönebeck (südlicher Zipfel der Schorfheide) bzw. Wensickendorf fahren kann. 1924 errichtete die Eisenbahngesellschaft in Basdorf eine Betriebswerkstatt, 1935 kam eine Triebwagenhalle hinzu. In Basdorf wurde bis zur Abschaffung des Dampfbetriebes auf dieser Bahnlinie (etwa Mitte der 1960er Jahre) Kohle nachgefüllt und Wasser nachgetankt, außerdem war der Ort Verladebahnhof für Gütertransporte. Das weitläufige Betriebsgelände mit den Werkstätten und Lokschuppen kündet noch heute von den alten Bahnzeiten. 1998 ging das Streckennetz der Heidekrautbahn wieder in den Besitz der Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) über, die ihren Sitz in Basdorf hat. Im Dezember 2005 wurde der Fahrbetrieb durch die NEB Betriebsgesellschaft mbH, einer Tochtergesellschaft der NEB, übernommen.

Im Bahnbetriebswerk der Eisenbahn in Basdorf gibt es ein Eisenbahn-Museum, das vom Verein „Berliner Eisenbahnfreunde e.V.“ eingerichtet wurde und getragen wird.

Infrastruktur

Neues Zentrum von Basdorf

Bis etwa 1991 gab es im Ort ein Kino, welches danach nicht mehr benutzt wurde. Basdorf besitzt mehrere Tankstellen, des weiteren praktizieren hier mehrere Ärzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte, es gibt Handel für Blumen und Gewächse, die Freiwillige Feuerwehr Basdorf, eine öffentliche Bibliothek, diverse Supermärkte, eine Apotheke, eine Oberschule mit Grundschule, eine Sporthalle mit Sportplatz, ein Hotel, Ferienwohnungen bzw. Pensionen, ein Altenpflegeheim, eine Postagentur, mindestens eine Videothek, eine Bowling-Anlage. Dort, wo sich die meisten Handelsagenturen niedergelassen haben, entstand ein „modernes Ortszentrum“, das den Namen Marktplatz Basdorf erhielt.

Am Rande von Basdorf wurde ein völlig neues Gewerbegebiet Am Sandweg angesiedelt mit Autohäusern, Werkstätten, Handwerksbetrieben, einem Recyclinghof und weiteren Gewerken.

Bildung

In Basdorf besteht eine Oberschule mit angeschlossener Grundschule. Die 29 Lehrer der Schule führten im Jahr 2008 nach Angaben des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport 35,4 % der Schüler zur Fachoberschulreife (Landesdurchschnitt: 32,2 %) und 10,4 % zur Berechtigung des Besuchs der gymnasialen Oberstufe. In den Prüfungen der zehnten Klassen wurde ein Notendurchschnitt (Notenskala 1 bis 6) im Fach Deutsch von 3,6 (Landesdurchschnitt: 3,1) und Mathematik von 4,0 (Landesdurchschnitt: 3,6) erreicht.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Feste

Osterfeuer

Eine touristische Attraktion ist jedes Jahr ein Jahrmarkt mit dem größten Osterfeuer in Brandenburg, das zusammen mit einem abschließenden Feuerwerk großen Zulauf auch aus dem nahen Berlin hat (teils bis zu 10.000 Zuschauer).

Brassens-Festival

Seit 2004 findet jährlich Mitte September das Brassens-Festival statt. Es bringt Künstler aus Frankreich und Deutschland zusammen, um die Chansons von Georges Brassens aber auch seiner Zeitgenossen und Freunde einer deutschen Zuhörerschaft bekannter zu machen. Dazu zählen Jacques Brel, Charles Trenet, Barbara, Charles Aznavour, Edith Piaf, Gilbert Bécaud u.a.m. Organisiert wird dieses Festival vom Verein Brassens in Basdorf e.V., „Les amis des amis de Brassens“. Dieser Verein wurde am 10. März 2003 gegründet. Georges Brassens, eine Chanson-Legende, wird auch heute noch in Frankreich von der Jugend verehrt. Er war als Zwangsarbeiter in Basdorf tätig, bis er von einem Heimat-Urlaub nicht zurückkehrte und in Paris untertauchte. Seine ersten Chansons schrieb er in Basdorf. Seine damaligen, noch lebenden Freunde, besuchen oder wirken mit an diesem Brassens-Festival. Das Festival findet in der Brassens-Bibliothek, im Bahnmuseum und in verschiedenen Kulturstätten in Berlin in französischer und deutscher Sprache statt.

Wandlitz Open

Am 21. Juni 2008 startete im Ortsteil Basdorf das „Wandlitz Open“ als weiteres Sport- und Spielangebot in der Gemeinde, das zukünftig jährlich ausgerichtet werden soll und alle Ortsteile der Großgemeinde Wandlitz einbezieht. Die Veranstaltung orientiert sich an den zuvor in Basdorf erfolgreich durchgeführten Sportvergleichen „Offenes Basdorfer Sportfest“. An der Premierenveranstaltung beteiligten sich bereits Jugendliche aus Basdorf, Wandlitz, Schönwalde, Klosterfelde und Eberswalde. Die Auftritte bzw. Wettbewerbe boten eine große Vielfalt: Musik und Tanz, Leichtathletik, Volleyball, Vorführungen der Freiwilligen Feuerwehr, Mädchenfußball und noch vieles andere.[4]

Wappenfest

Auf dem neuen Marktplatz von Basdorf organisierten die anliegenden Gewerbetreibenden im Jahr 2005 ein buntes Spiel- und Rummelprogramm für die Gäste und Einwohner, das unter dem Namen „Wappenfest“ erfolgreich war. Im September 2008 fand das zweite Wappenfest statt. Der Ortsbeirat Basdorf, die Werbegemeinschaft Basdorf, zahlreiche Kultur- und Sportvereine sowie Musikgruppen boten ein buntes abwechslungsreiches Programm für die Besucher.[5]

Literatur

  • Astrid Schaefer: Basdorf – Spaziergang durch die Geschichte eines Barnimer Dorfes, Chronik des Ortes 2008

Einzelnachweise

  1. Märkische Oderzeitung, 30. September 2008, Seite 18
  2. Bekanntgabe der Feststellung der endgültigen Wahlergebnisse der Kommunalwahl vom 28. September 2008, Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz Nr. 12/2008 / Amtliche Bekanntmachungen, Seite 5
  3. „Heidekraut Journal“, Bürgerblatt für die Orte der Gemeinde Wandlitz, Jahrgang 2008, Heft 19, Seite 4: „Wandlitzer Schulen in Fakten“
  4. Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 26. Juli 2008, Seite 14: Neues aus der Jugendkoordination - „Wandlitz Open“, Premiere für das Sport- und Spielevent für die ganze Gemeinde
  5. Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 26. Juli 2008, Seite 35: Wappenfest in Basdorf - Werbegemeinschaft Basdorf e.V.

Quellen

  • Basdorf – Klosterfelde – Lanke – Prenden – Schönwalde – Stolzenhagen – Wandlitz – Zühlsdorf - ein Informationsheft des eh. Fremdenverkehrsvereins Märkische Seenlandschaft Wandlitz e.V., ca. 1992
  • Auf der Heidekrautbahn - Fahrzeugkatalog (und kleine Chronik), Hrsg. Berliner Eisenbahnfreunde e.V., Berlin 1998

Weblinks


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