Baseler Mission

Die Basler Mission war eine ökumenische, missionarische Organisation aus Basel, welche vom Jahr 1815 bis 2001 bestand und in weiten Teilen der Welt tätig war. Sie ist heute Teil der mission 21.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Basler Mission

1815 - 1914

Gründung und Organisation Im Umfeld der Handelsstadt Basel und des süddeutschen Pietismus wurde 1815 die „Evangelische Missionsgesellschaft Basel“ als Tochtergesellschaft der Deutschen Christentumsgesellschaft gegründet (kurz: Basler Mission). Die Basler Mission profitierte vom organisatorischen Talent und den internationalen Kontakten der Basler Handelsleute. Die württembergischen Pietisten stellten bis ins 20. Jahrhundert mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden in Übersee und bis zum zweiten Weltkrieg alle vollamtlichen Direktoren der Zentralstelle in Basel.

Ab 1816 wurden Seminaristen aufgenommen, die ab 1820 als Missionare tätig waren. Zuerst wollte man am Basler Seminar Missionare ausbilden, die dann für andere Missionsorganisationen in Übersee arbeiten sollten. Schon bald wurde aber in Basel über ein eigenes Missionswerk nachgedacht.

Missionsfelder

Erste Missionsprojekte fanden im südrussischen Kaukasus und im westafrikanischen Liberia statt. Wichtige Missionsgebiete wurden Westafrika, Südindien, China und Indonesien.

Goldküste: Im Jahr 1828 wurden erste Missionare an die damalige Goldküste (heutiges Ghana) entsandt. Die Missionare wollten unter den Bauern eine christliche Dorfgemeinschaft aufbauen und nutzten in Kirche und Schule die örtlich vorkommenden Sprachen. Vor allem im ersten Jahrhundert der Basler Ghana-Mission starben viele Missionare an Krankheiten.

Südindien: In Südindien, den heutigen Staaten Karnataka und Kerala, nahm die Basler Mission ihre Arbeit im Jahr 1834 auf. Auch hier nutzte die Basler Mission für das Kirchen- und Schulwesen die Lokalsprachen. Aus kleinen Werkstätten entwickelten sich „Missionsindustrien“, da die zum Christentum übertretenden Inder und Inderinnen ihre Kastenzugehörigkeit und die damit verbundene Berufstätigkeit verloren.

China: Seit 1847 begann die Arbeit der Basler Mission in China, dem heutigen Hongkong und der gegenüberliegenden Provinz Guangdong. Dies war das einzige Missionsfeld, das davor nicht einer deutschen oder englischen Kolonie angehörte.

Kamerun: Die Basler Mission übernahm in Kamerun ab 1885 die Missionsarbeit der englischen Baptisten. Dabei spalteten sich Baptistengemeinden von der Basler Mission ab und gründeten die „Native Baptist Church“.

1914 - 1950

Im Jahr 1913 konnte die Mission ein Budget von ungefähr 2’500'000 Schweizer Franken verzeichnen und war mit ihren 635 aktiven Mitarbeitern eine Institution von beachtlichem Ausmaß. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges erlebte die Basler Mission aber ein abruptes Ende ihrer Blütezeit. Die christlichen Nationen befanden sich in einem Krieg, welcher auch in den Kolonien ausgefochten wurde. Europäische Grossmächte versuchten ihre Herrschaftsgebiete in Asien und Afrika weiter auszubreiten. Dies behinderte, oder verunmöglichte die Arbeit der Missionare in fast allen Missionsfeldern auf der Welt. So wurden die deutschen Mitarbeiter der Missionen sowohl von den Briten, wie auch den Franzosen vertrieben, oder sie hatten dem Marschbefehl ihrer Heimat Folge zu leisten. Hinzu kam eine steigende Armut in Europa, wodurch die Mittelbeschaffung enorm erschwerte wurde. Während des Krieges kam die Arbeit in den Feldern nahezu zum Erliegen.

In der Zwischenkriegszeit änderte sich nicht viel an der Expansionspolitik europäischer Nationen in den Kolonien. Die Wiederaufnahme der Arbeit in den Missionsstationen wurde dadurch zu einer mühsamen Angelegenheit. Jedoch gelang der Basler Mission die Rückkehr in fast allen Feldern (außer in Französisch-Kamerun) und mithin erfolgte ein erstaunlicher Wiederaufbau der Missionstätigkeit. Im Jahr 1920 kam es sogar zu der Übernahme einer neuen Station in Kalimantan/Indonesien (Südborneo). Da aber während des Krieges in vielen Gebieten kaum Missionare vor Ort waren, kam es in diesen lokalen Umfeldern vermehrt zu einem Bewusstsein eigener Kraft und Autonomie. Es bildeten sich lokale Kirchen welche die Missionen bei ihrer Rückkehr einverleibten. So trafen die Missionare bei ihrer Rückkehr sowohl auf neue, einheimische Kirchen aber auch auf völlig verwahrloste Stationen.

Jedoch war dieser Wiederaufbau nur von kurzer Dauer. Die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er verwies die Basler Mission erneut in ihre Schranken. Die Situation verschlimmerte sich kurz darauf, aufgrund der Ereignisse in Deutschland dramatisch. Die Basler Mission wurde durch die Regierung Hitlers insofern direkt betroffen, als dass die NSDAP den internationalen Geldfluss enorm erschwerte. Indirekt, aber nicht minder einschneidend wurde die Basler Mission durch den Kirchenkampf betroffen. 1939 wurden die meisten der deutschen Mitarbeiter der Mission interniert und die schweizerischen Missionare waren erneut auf sich allein gestellt. Die Beziehung zwischen der Basler Mission und dem dritten Reich sind umstritten. Unumstritten ist jedoch das Engagement von Alphonse Koechlin, dem Präsidenten der Basler Mission von 1936-1959, für den Zusammenhalt der transnationalen Ökumene in feindlichen Lagern. Erst in den frühen 1950er der Nachkriegszeit erfuhr die Basler Mission einen erneuten Aufschwung.

1950 - 2001

Der wirtschaftliche Aufschwung im Nachkriegseuropa führte dazu, dass die Basler Mission wieder wachsen konnte. Knapp unter 400 Mitarbeiter in Übersee zählte die Mission in den frühern 1960er Jahren. Die hohe Anzahl an Mitarbeitern lässt sich auf die Verbesserungen der Lebensumstände in den Missionsgebieten zurückführen, zum einen durch den technischen Fortschritt, welcher Wochenlange Schiffsreisen ersetzte, zum anderen führten die Weiterentwicklungen in der medizinischen Behandlung und die Erforschung der Tropenkrankheiten dazu, dass die Missionsarbeit weniger gesundheitliche Risiken barg.

Neu war, dass die Basler Mission nicht mehr Missionare auf eine lebenslange Mission sendete. Die Missionare absolvierten in Basel einen mehrmonatigen „Vorbereitungskurs für Einsätze in Übersee“ nach welchem sie ein paar Jahre in eine Mission entsandt wurden. Missionare wurden zudem nur noch auf Anfrage der Partnerkirchen auf eine Mission geschickt.

Die Basler Mission arbeitete unter einem Konzept der Partnerschaft, welches die Missionen im klassischen Sinn, nicht mehr als Missionen betrachtet sondern als Partnerkirchen. Die Partnerkirchen sind selbständig und können auf das Know-how der Basler Mission zurückgreifen. So wurde der Missionar zum Mitarbeiter. Aufgrund der Vielfalt der Konfessionen der Partnerkirchen agierte die Basler Mission als ökumenische Organisation. Sie trug zur Gründung von zwei weiteren Organisationen bei: dem EMS (Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland) und der KEM (Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen in der Schweiz) welche zusammen mit der Basler Mission eine Missionsgemeinschaft bildete. Beide dieser neuen Organisationen waren verantwortlich für wichtige Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit. Im Laufe der Jahre weitete sich die Arbeit der Basler Mission auch auf Südamerika aus, wodurch die Mission in fast allen Teilen der Welt tätig war.

2001 gründete die Basler Mission zusammen mit vier anderen Missionswerken, bzw. -gesellschaften mission 21, welche den operativen Teil der Tätigkeiten aller Missionsgesellschaften übernahm. Die Basler Mission ist heute Trägerverein von der mission 21.

Ideen bei der Gründung

Missionsgesellschaften sind als eine Reaktion engagierter Christen des Abendlandes auf Berichte über die Existenz nicht abendländlicher, nichtchristlicher Kulturen entstanden. Die Erweckungsbewegung und die Einflüsse des württembergischen Pietismus sind als treibende Kräfte für das Aufstreben der Basler Mission zu sehen.

Das Seminar in Basel wurde ursprünglich mit der Absicht gegründet, Missionare auszubilden, welche dann in Übersee für andere Organisationen arbeiten sollten. Als die Basler Mission selber tätig wurde war ihr Ziel mit Bauern eine christliche Dorfkultur aufzubauen und sie zu animieren ein christlich geprägtes Leben zu führen.Die Basler Mission legte Wert darauf, dass in den vor Ort errichteten Schulen in der „Eingeborenensprache“ und nicht in der Kolonialsprache unterrichtet wurde. Die Missionare strebten jedoch danach das Zusammenleben in den Missionen nach süddeutschem, pietistischem Vorbild zu gestalten.

Personen in der Basler Mission

Schulung oder Arbeit bei der Basler Mission

  • Samuel Gobat: Arbeitete für die Church Mission Society CMS, Missionar in Äthiopien, Bischof des anglikanisch-preussischen Bistums Jerusalem.
  • J.L. Karpf und Johannes Rebmann: Arbeiteten für die Church Mission Society CMS in Ostafrika, erste Europäer auf dem Kilimandscharo.
  • Sigismund Wilhelm Koelle und J.F. Schön: Arbeiteten für die Church Mission Society CMS, Kulturforschung in Sierra Leone. Koelle sammelte Kanuri Literatur mit Hilfe des Kanuri Ältesten Ali Eisarna Gazirma.
  • Johann Gottlieb Christaller und Johnnes Zimmermann: Basler Missionare in Ghana, schrieben die ersten Wörterbücher der Twi- und Ga-Adangme-Sprachen.
  • Hermann Gundert: Basler Missionar in Südindien, verfasste Wörterbücher für Malayalam.
  • Ferdinand Kittel: Basler Missionar in Südindien, verfasste Wörterbücher für Kannada (ehemals Kanaresisch).

Direktoren/Inspektoren der Basler Mission

Ethnographische Sammlung der Basler Mission

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Missionshäuser ethnografische Sammlungen anlegten. Der Grundstock der ethnografischen Sammlung der Basler Mission geht zurück auf Dr. Christian Barth aus Calw, welcher 1860 seine rund 650 gesammelten Objekte an das neu erbaute Missionshaus in Basel verschenkte. Bereits zwei Jahre später hatte die Mission einen Katalog verfasst, welcher insgesamt 1558 Objekte unterschiedlichster Art verzeichnete und bis heute als museale Pioniertat gilt. Der Katalog, den die Mission zweimal überarbeitete, war geografisch gegliedert und umfasste naturwissenschaftliche, sowie Kultus-, Industrie- und Kunstobjekte. Diese Gliederung bewährt sich noch bis heute. Der ursprüngliche Zweck der Sammlung war ihre didaktische Funktion, sie diente bei der Ausbildung der neuen Missionare an der Missionarsschule in Basel. Schon bald jedoch sollte die Sammlung „ein möglichst getreues Bild des Zustandes, vor allem des religiösen Zustandes der Völker“ wiedergeben. Wie dies in den Vorbemerkungen des Kataloges zu lesen ist.

Die erste öffentliche Missionsausstellung datiert auf das Jahr 1908. Aufgrund des grossen Erfolges wurde die Sammlung zu einer Wanderausstellung, welche in einer 50 jährigen Geschichte an über 40 Orten in der Schweiz und im benachbarten Ausland zu sehen war. Man weiss von über 250'000 Besuchern. Die Ausstellungsgeschichte der Sammlung endete im Jahr 1953 mit der Ausstellung unter dem Titel: „Licht aller Völker“. 1981 wurde die gesamte Sammlung, welche bis zu diesem Zeitpunkt aus 12888 Objekten bestand, an das Museum für Völkerkunde, das heutige Museum der Kulturen in Basel übergeben.

Quellen

BIEDER Werner: Erfahrungen mit der Basler Mission und ihrer Geschichte. Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige: Basel, 1991
JENKINS Paul: Kurze Geschichte der Basler Mission. Schriftreihe Texte und Dokumente Nr.11. Basler Mission: Basel, 1989
www.inforel.ch/index.php?id=i1155, accessed on 18. November 2008
Artikel Basler Mission im Historischen Lexikon der Schweiz, accessed on 18. November 2008

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Missĭon — (lat.), Sendung, Auftrag; insbes. der Inbegriff aller Unternehmungen, welche die Verbreitung des Christentums unter nichtchristlichen Völkern bezwecken. Die Geschichte der M. fällt zusammen mit der der Ausbreitung des Christentums. Die ersten… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Baseler Missionsgesellschaft — Baseler Missionsgesellschaft, abgesehen von der Brüdergemeine die älteste Missionsanstalt Deutschlands und der Schweiz, positiv evangelischer, interkonfessioneller Richtung, außer in der Schweiz auch in Süddeutschland kollektierend. 1815 durch… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kamerun — (hierzu die Karte »Kamerun«; engl. Cameroons, so benannt nach dem Fluß K., portug. Riodos Camarões, »Fluß der Krabben«), deutsche Kolonie an der Westküste Afrikas, grenzt im W. an die Bai von Biafra, im NW. an die brit. Kolonien Süd und Nord… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Goldküste — Goldküste, brit. Kolonie an der gleichnamigen Küste Westafrikas (s. die Karte bei Art. »Guinea« und »Togo«), am Nordrand des Meerbusens von Guinea, 500 km lang, zwischen 3° westl. und 1°15´ östl. L. und 5°30´ bis 11° nördl. Br., wird im W. von… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gundert — Gundert, Hermann, Missionsschriftsteller, geb. 4. Febr. 1814 in Stuttgart, gest. 25. April 1893 als Vorstand des Kalwer Verlagsvereins in Kalw, ging 1835 als Missionar nach Madras, schloß sich 1838 der Baseler Mission in Malabar an, übersetzte… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Malabar — Malabar, Küstenstrich im SW. der vorderind. Halbinsel (s. Karte »Ostindien«), zwischen den Westghats und dem Meer und den Kaps Dilli (12°8 nördl. Br.) und Komorin, 540 km lang, umfaßt die Tributärstaaten Kotschin, Travankor und den zur… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Leipziger evangelisch-lutherische Missionsgesellschaft — Leipziger evangelisch lutherische Missionsgesellschaft, Name eines spezifisch konfessionellen Missionsvereins, der vor allem das Erbe der schon 1705 begründeten dänischen Mission unter den Tamulen in Ostindien übernommen hat, seit 1893 aber auch… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Graul — Graul, 1) Karl, deutscher Missionar, geb. 6. Febr. 1814 in Wörlitz bei Dessau, gest. 10. Nov. 1864 in Erlangen, übernahm 1844 die Direktion der evangelisch lutherischen Missionsanstalt in Dresden, die 1848 nach Leipzig verlegt wurde. Im Gegensatz …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Dharwar — (Darvar), Hauptort des Distrikts D., 11,745 qkm mit (1891) 1,051,314 Einw. in der britisch ind. Präsidentschaft Bombay, 737 m ü. M., 110 km von der Küste, durch Eisenbahn mit Goa und Bangalor verbunden, hat ein verfallenes Fort, eine Kirche der… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kanāra — (Canara), Küstenlandschaft des südlichen Indien, an der Malabarküste, zwischen 13°52 –15°31 nördl. Br., begrenzt im W. vom Arabischen Meer, im O. von den Westghats, zerfällt administrativ in: Nordkanara, 10,129 qkm mit (1901) 454,490 Einw.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”