Bashō
Denkmal von Matsuo Bashō in Hiraizumi, Präfektur Iwate
Matsuo Bashō, Denkmal in Ōgaki, Präfektur Gifu

Matsuo Bashō (jap. 松尾芭蕉 Matsuo Bashō; * 1644 in Ueno; † 28. November 1694 in Osaka), eigentlich Matsuo Munefusa, war ein japanischer Dichter. Er gilt als bedeutender Vertreter der japanischen Versform Haiku. Bashō und seine Schüler erneuerten die bis dahin humorvoll spielerische Haikai-Dichtung und erhoben sie in den Rang ernsthafter Literatur.

In eine Samuraifamilie niederen Ranges hineingeboren, widersetzte er sich dieser Lebenswelt. Stattdessen wurde er ein Wanderer, der den Weg und die Geschichte des Zen studierte und sich klassischer chinesischer Poesie zuwandte. Im Alter von 22 Jahren zog er in die Einsamkeit eines buddhistischen Klosters bei Kyōto, später lebte er in scheinbar glücklicher Armut von den bescheidenen Zuwendungen seiner vielen Studenten. Ab 1667 wohnte er in Fukagawa bei Edo (heute Tokio) bei seinem Freund Sugiyama Sampu, wo er anfing, Haiku zu dichten.

Die Struktur seiner Haiku spiegelt die Einfachheit seiner meditativen Lebensweise wider. Wenn er das Bedürfnis nach Einsamkeit verspürte, zog er sich zurück in sein basho-an: Eine Hütte, die aus Bananenblättern gemacht war (basho), daher auch sein Pseudonym. Er versah viele seiner Verse mit einer mystischen Qualität und versuchte, die großen, weltbewegenden Themen durch einfache Naturbilder auszudrücken, vom Vollmond im Herbst bis zu den Flöhen in seiner Hütte. Basho gab dem Haiku eine ganz neue Anmut. Er vertiefte im Haiku den Zen-Gedanken und begriff Poesie als einen ganz eigenen Lebensstil (Kado, der Weg der Poesie). Basho war der festen Überzeugung, Poesie könne eine Quelle der Erleuchtung sein. „Erlange Erleuchtung, dann kehre zurück in die Welt der normalen Menschlichkeit”, riet Basho. Und weiter: „Tritt nicht in die Fußstapfen der alten Meister, aber suche, was sie suchten”. Seine Aufmerksamkeit für den Kosmos der Natur entwickelte die Versform des Haiku von einem bis dahin unbedeutendem Zeitvertreib gehobener Klassen zu einem Hauptgenre japanischer Poesie.

Die letzten zehn Jahre seines Lebens machte Basho zahlreiche Reisen. Er zeichnete dabei Bilder, um seine kontemplative Poesie anzuregen. Ebenso arbeitete er mit Dichtern vor Ort in der dem Haiku nah verwandten Versform des Renga. Zusätzlich schrieb Basho auch Haibun, eine Kurz-Prosa-Poesie in Form von Reisetagebüchern, wie z. B. das berühmte Oku no Hosomichi („Die schmale Straße in den fernen Norden”, 1689).

Inhaltsverzeichnis

Das Frosch-Haiku

Das so genannte „Frosch-Haiku“ ist das bekannteste Haiku Bashos und dürfte zu den meistzitierten Haiku überhaupt gehören:

古池や furu ike ya Alter Teich
蛙飛び込む kawazu tobi komu Ein Frosch springt hinein
水の音 mizu no oto Klang des Wassers

Chronologie

Dieser Artikel oder Abschnitt besteht hauptsächlich aus Listen, an deren Stelle besser Fließtext stehen sollte.
  • 1656: Bashos Vater stirbt. Vielleicht stand Basho um diese Zeit schon in Diensten des Todo Yoshitada, eines jungen Verwandten des Feudalherrn, der die Gegend beherrschte.
  • 1662: Die frühesten bekannten Verse Bashos entstehen.
  • 1666: Yoshitada stirbt. Basho dankt ab und führt lange Zeit ein unstetes Leben. Vielleicht lebte er eine Zeit lang in Kyoto.
  • 1672: Basho widmet dem Schrein in Ueno das Muschelspiel. Zieht später nach Edo, um einen neuen Beruf zu ergreifen.
  • 1676: Schreibt zusammen mit einem anderen Dichter in Edo einige hundert Verse lange renku. Im Sommer kurzer Besuch in Ueno.
  • 1678: Schreibt kritische Anmerkungen zu Haiku-Wettbewerben in 18 Runden.
  • 1680: Die besten Gedichte von Toseis Zwanzig Schülern werden veröffentlicht, genannt „Der ländliche Haiku-Wettbewerb“ und „Der immergrüne Haiku-Wettbewerb“. Lässt sich in der ersten „Basho-Hütte“ (basho-an) nieder.
  • 1682: Die Basho-Hütte durch Feuer zerstört. Basho findet in der Provinz Kai für einige Monate ein Unterkommen.
  • 1683: Stellt die „Geschrumpften Kastanien“ zusammen. Bashos Mutter stirbt in Ueno. Neue Basho-Hütte wird erbaut.
  • 1684–1685: Basho begibt sich auf eine Reise, deren literarisches Ergebnis das „Verwitterte Skelett“ ist. In Nagoya führt Basho eine Gruppe von Dichtern an, die „Die Wintersonne“ dichten.
  • 1686: Basho schreibt die „Kritischen Notizen zum Neujahrs-Renku“.
  • 1687: Reist nach Kashima und schreibt „Ein Besuch im Schrein von Kashima“. Nimmt als Richter an einem Haiku-Wettbewerb teil, der in der „Weiten Ebene“ veröffentlicht wird. Unternimmt eine Reise entlang des Tokaido, aus der die berühmten Werke „Die Aufzeichnungen einer wettergegerbten Schultasche“ und „Ein Besuch am Schrein von Sarashina“ hervorgehen.
  • 1688: Kehrt im Herbst nach Edo zurück.
  • 1689: Reise in die nördlichen Provinzen von Honshu. Auf dieser Wanderung sammelt Basho Material für das „Oku no Hosomichi“ („Der enge Pfad zum tiefen Norden“ oder „Auf schmalem Pfad durchs Hinterland“), ein Klassiker der japanischen Literatur.
  • 1690: Besucht Freunde und Schüler in Kyoto. Wohnt während des Sommers einige Monate lang in einer Hütte am Biwas-See.
  • 1691: Wohnt einige Wochen lang im „Haus der fallenden Persimonen“ und schreibt „Das Saga-Tagebuch“. Veröffentlicht „Der Mantel des Affen“. Kehrt gegen Jahresende nach Edo zurück.
  • 1692: Die dritte Basho-Hütte wird gebaut. Schreibt ein haibun über die Verpflanzung von Bananenbäumen.
  • 1693: Schreibt, was heute als „Kritische Kommentare einer Herbstnacht“ bekannt ist. Schließt seine Tür und verweigert für eine Zeit lang jeden Besuch.
  • 1694: Veröffentlicht „Ein Sack voll Holzkohle“. Bricht zu einer weiteren langen Sommerreise auf. Erkrankt schwer und stirbt am 28. November in Osaka.

Werke in deutscher Übersetzung

  • Matsuo Bashō, Leiko Ikemura: 111 Haiku. Ammann, ISBN 3-250-01047-2
  • Matsuo Bashō: Sarumino. Das Affenmäntelchen. Herausgegeben und aus dem Japanischen übertragen von G.S. Dombrady. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Mainz, 1994. ISBN 3-87162-034-3
  • Matsuo Bashō: Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland. Aus dem Japanischen übertragen sowie mit einer Einführung und Annotationen versehen von G.S. Dombrady. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Mainz, 1985. ISBN 3-87162-002-5
  • Shōmon. Das Tor der Klause zur Bananenstaude. Haiku von Bashōs Meisterschülern Kikaku, Kyorai, Ransetsu. Herausgegeben und aus dem Japanischen übertragen von Ekkehard May. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Mainz, 2000. ISBN 3-87162-050-5
  • Shōmon II. Haiku von Bashōs Meisterschülern: Jōsō, Izen, Bonchō, Kyoriku, Sampû, Shikō, Yaba. Herausgegeben und aus dem Japanischen übertragen sowie mit einer Einführung und Annotationen von Ekkehard May. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Mainz 2002. ISBN 3-87162-057-2

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