Basisemotion
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Emotionstheorien sind Ansätze zur Erklärung, was Emotionen sind, wodurch sie verursacht werden und wie sie sich auf das Verhalten von Lebewesen auswirken. Es gibt verschiedene Arten, Emotionstheorien zu kategorisieren:

  • Klassifikation anhand dessen, ob Emotionen in ihnen als dimensional oder kategorial eingestuft werden. Hierbei können sie in zwei Klassen eingeteilt werden. Zum einen gibt es die dimensionale Klassifikation von Emotion, die Emotionen als Ausprägung auf bestimmten Dimensionen ansieht. Zum anderen gibt es die kategoriale Klassifikation von Emotion, die Emotion als Mischung aus bestimmten Basisemotionen ansieht.
  • Klassifikation anhand der Annahmen über die Natur von Emotionen. Verhaltenstheorien bzw. behavioristische Theorien definieren Emotionen als beobachtbare Verhaltensweisen, die durch bestimmte Vorkommnisse (Reize) ausgelöst werden. Mentalistische Emotionstheorien sehen Emotionen als mentale Zustände und Syndromtheorien verstehen Emotionen als Syndrome aus Verhalten und mentalen Zuständen.
  • Klassifikation anhand der zentralen Fragestellungen der Theorien. Evolutionspsychologische Emotionstheorien befassen sich mit der evolutionären Entwicklung und Bedeutung von Emotionen, im Gegensatz zu Lernpsychologischen Emotionstheorien, die sich damit beschäftigen, inwieweit und auf welche Weise Emotionen erlernt werden. Kognitive Emotionstheorien hingegen stellen dar, welche Bedeutung Einschätzungen von Objekten für Emotionen haben, während Neuro- und psychophysiologische Theorien erklären, was im Körper und besonders im Gehirn passiert, wenn ein Lebewesen Emotionen zeigt.


Inhaltsverzeichnis

Dimensionale Klassifikation von Emotionen

Es wird angenommen, dass die Emotion das Resultat einer mehr oder minder starken Ausprägung auf mehreren bestimmten Dimensionen ist. Es besteht jedoch Uneinigkeit darüber, welche Dimensionen dies sind.

Wilhelm Wundt nahm etwa die folgenden drei Dimensionen an:

  • Spannung - Lösung
  • Lust - Unlust
  • Erregung - Beruhigung

Kategoriale Klassifikation von Emotionen

Verfechter dieser Theorie gehen davon aus, dass sich die Emotionen aus bestehenden Basisemotionen zusammensetzen. Das sind Emotionen, die nicht weiter auf andere Emotionen zurückgeführt werden können bzw. Emotionen, aus denen sich alle anderen - komplexeren - Emotionen zusammensetzen.

Lothar Schmidt-Atzert führte dazu eine Untersuchung durch, bei der Versuchspersonen Listen mit Begriffen von emotionaler Bedeutung dargeboten wurden. Die Aufgabe bestand darin, die subjektiv wahrgenommene Ähnlichkeit der einzelnen Begriffe einzuschätzen. Dann wurden diese Begriffe je nach eingeschätzter Ähnlichkeit zu Gruppen subsumiert und als Basisemotionen deklariert.

Robert Plutchik extrahierte schließlich acht Basisemotionen, die jeweils noch in ihrer Intensität verschieden stark ausgeprägt sein konnten und ringförmig angeordnet wurden. In dem Ring wurden die Emotionen so angeordnet, dass ähnliche Emotionen dabei möglichst nah beieinander lagen und unähnliche Emotionen weit voneinander entfernt waren. Emotionen, die sich aus zwei in diesem Ring direkt benachbarten Emotionen zusammensetzten, bezeichnete Plutchik als primäre Dyaden (auch Primäremotionen genannt), solche die aus einer Zusammensetzung von Emotionen entstand, bei denen eine Emotion dazwischen lag als sekundäre Dyaden und solche bei denen zwei Emotionen dazwischen lagen als tertiäre Dyaden - die beiden letzteren Typen werden auch als Sekundäremotionen bezeichnet. Hierbei waren die tertiären Dyaden komplexere Emotionen als die sekundären Dyaden, welche wiederum komplexer als primäre Dyaden waren, welche wiederum komplexer als die Basisemotionen waren. Emotionen, die sich aus Emotionen aus gegenüberliegenden Bereichen zusammensetzten, waren schließlich so verschieden, dass sich ihre Wirkung wieder aufhob.

Diese acht Basisemotionen sind

Sie haben sich (nach Plutchik) aus evolutionären Kontexten entwickelt. Insbesondere war mit jeder Emotion auch ein Handlungsimpuls verkettet - bei Furcht etwa eine Fluchttendenz.

Die Theorie der Basisemotionen stieß häufig auf Kritik, da von unterschiedlichen Forschern nicht immer die gleichen Basisemotionen - insbesondere noch nicht einmal die gleiche Anzahl von Basisemotionen - gefunden werden konnte. So nahm man an, dass eine solche empirische Breite in den Ergebnissen nicht auf ein fundamentales Konstrukt, wie das der Basisemotionen zurückgeführt werden kann. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Benennung der Basisemotionen vielleicht durchaus verschieden sein kann, das was die einzelnen Forscher aber konkret darunter verstanden, wohl dasselbe sein konnte. Dennoch ändert dies nichts an der Tatsache, dass diese Basisemotionen tatsächlich bestehen können - wenngleich stichhaltige empirische Belege dafür bisher fehlen. Vgl. 10 basale Affektdimension, Artikel Affekt

Zwei-Komponenten-Theorie (Schachter & Singer)

Stanley Schachter (1922-1997) und Jerome E. Singer entwickelten 1962 die Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion. Nach dieser Theorie ist emotionales Erleben das Resultat eines Wahrnehmungsprozesses. Ausgehend von der Wahrnehmung einer physiologischen Erregung wird eine angemessene Erklärung dafür gesucht (Kausalattribution), wobei situationsbedingte Informationen berücksichtigt werden, d.h. die gleiche physiologische Erregung kann in unterschiedlichen Situationen zur Wahrnehmung unterschiedlicher Emotionen führen.

Kognitive Bewertungstheorien: z.B. Kognitive Emotionstheorie von Arnold

Kognitive Bewertungstheorien erklären Emotionen als Resultat der Interpretation und der Erklärung der Begebenheit. Emotionen sind dabei nicht das Resultat physiologischer Erregung. Vertreter der kognitiven Bewertungstheorien sind Magda Arnold (1960); Richard Lazarus (1966); Andrew Ortony, Clore und Collins (1988).

Emotionen entstehen aufgrund zweier Kognitionen: der Faktischen Kognition (Überzeugung, dass ein Sachverhalt vorliegt oder vorliegen wird) und der evaluativen Kognition (Bewertung eines Sachverhalts in positive / negativ). Der Glaube, dass ein Sachverhalt vorliegt oder bevorsteht, veranlasst das Individuum den Sachverhalt anhand der Wünsche zu bewerten. Somit werden Sachverhalte positiv bewertet, wenn sie den Wünschen entsprechen oder förderlich sind, wohingegen Sachverhalte negativ bewertet werden, wenn sie entgegen den Wünschen stehen. Die Emotion selbst besteht im Erleben eines an das Emotionsobjekt annähernden oder meidenden Handlungsimpulses, welcher durch die Einschätzung verursacht wird.

Arnold fand, dass emotionsrelevante Einschätzungen auf mindestens 3 Faktoren variieren:

  • Bewertung: positiv/negativ?
  • Anwesenheit/Abwesenheit: ist ein Sachverhalt gegenwärtig und sicher vorhanden oder liegt er in der Zukunft und ist unsicher?
  • Bewältigbarkeit: leicht/schwer/gar nicht zu bewältigen?
    • bei zukünftigen Ereignissen: eingeschätzte Fähigkeiten einen positiven Sachverhalt herzustellen, bzw. einen negativen Sachverhalt zu vermeiden
    • bei gegenwärtigen Ereignissen: eingeschätzte Fähigkeiten einen positiven Sachverhalt beizubehalten, bzw. einen negativen Sachverhalt zu beenden oder sich anzupassen
Beispiele
  • Sachverhalt ist anwesend / er ist positiv / leicht beizubehalten => Freude
  • Sachverhalt ist anwesend / er ist negativ / nicht zu bewältigen. => Traurigkeit
  • Zukünftiger Sachverhalt / positiv / mit Anstrengung herbeizuführen => Hoffnung
  • Zukünftiger Sachverhalt / negativ / nicht sicher verhinderbar => Furcht
  • Gegenwärtiger Sachverhalt / negativ / nur mit Anstrengung beseitigbar => Ärger

Literatur

  • Ortony, A., Clore, G.L., & Collins (1988): The Cognitive Structure of Emotions. Cambridge: Cambridge University Press.

Siehe auch

Links

Emotion - Psychologische Modelle


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