Basketball in Deutschland

Basketball in Deutschland wird vom Deutschen Basketball Bund (DBB) in Hagen organisiert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anfänge bis 1944

Bereits fünf Jahre nach der Erfindung des Basketballsports 1891 durch James Naismith wurde der Sport erstmals in Deutschland ausgeübt. Der Turninspektur August Hermann wurde durch seinen nach Amerika ausgewanderten Sohn über den neuen Sport informiert und ließ 1896 in Braunschweig auf Körbe werfen. Im selben Jahr veröffentlichte er das Regelheft Korbball[1]. Diese Anfänge verliefen jedoch im Sand.

Basketball wird in Deutschland regelmäßig seit 1932 gespielt, als Hugo Murero nach einem Besuch in der italienischen Militärsportschule das Spiel in der Heeressportschule Wünsdorf einführte. Bei der Weiterentwicklung unterstützten ihn amerikanische Gaststudenten in Berlin. Gleichzeitig kam der sogenannte Vater des deutschen Basketballs Hermann Niebuhr 1930 am amerikanischen Robert-College in Istanbul mit dieser Sportart in Kontakt. Niebuhr war Lehrer an der dortigen Deutschen Schule. Nach seiner Rückkehr 1933 initiierte er in Bad Kreuznach und bei Lehrgängen im westdeutschen Raum Basketball und verfasste erste Lehrhefte. Zur gleichen Zeit wurde Basketball auch von einigen ausländischen Studenten an deutschen Universitäten wie Berlin, Breslau, aber auch in Gera eingeführt. Die erste offizielle Basketballabteilung eines deutschen Vereines wurde 1935 beim TV 1848 Bad Kreuznach gegründet. Umgeschulte Handballer nahmen 1935 an den Akademischen Weltspielen in Budapest teil, das erste internationale Auftreten deutscher Basketballer. Im Vorfeld des Basketballturniers bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin wurde vor allem aus Soldaten eine Nationalmannschaft aufgestellt, die allerdings erst in letzter Minute gemeldet wurde. Die deutsche Olympiamannschaft verlor alle drei Spiele. Willi Daume, der zur Kernmannschaft gehörte, aber nicht eingesetzt wurde, hat die ungenügende Vorbereitung scharf kritisiert. Nach 1936 wurde Basketball stärker gefördert und von den Reichsbundsportlehrern Murero und Theo Clausen in ganz Deutschland verbreitet. Die erste offizielle Deutsche Meisterschaft wurde am 29. und 30. April 1939 auf einem Turnier der vier besten von 19 Gaumeistern in Hamburg ausgetragen. Meister wurde der Luftwaffen-Sportverein SpandauLSV Spandau mit einem 47:16 über den TV 1848 Bad Kreuznach. Nach Angaben des NS Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL) waren 1939 rund 5000 Basketballer, darunter über 500 Frauen, in 206 Vereinen aktiv. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam bis 1944 der Spielbetrieb in Deutschland nach und nach ganz zum Erliegen. Bis 1942 konnte die Nationalmannschaft von 19 Länderspielen insgesamt vier Begegnungen gewinnen.

Neubeginn im Nachkriegsdeutschland

Nach dem Krieg gestaltete sich der Neubeginn des organisierten Basketballs in Deutschland schwierig. Gleichwohl wurde das Spiel neben deutschen Spielern, die vor dem Krieg Basketball kennengelernt hatten,vor allem durch die amerikanische Militärverwaltung unterstützt. Aber auch britische und französische Soldaten sowie frühere Zwangsarbeiter aus den baltischen Staaten (DPs) verhalfen zu größerer Popularität. In den westlichen Besatzungszonen gründeten sich ab 1947 die Landesverbände und verschiedene Vorläuferorganisationen des DBB. Bereits in November 1947 fand in Darmstadt die erste Nachkriegsmeisterschaft statt. Für die Damen war dies mit dem Titelträger TS Turnerschaft Jahn 1883 München die erste Meisterschaft. Am nächsten Meisterschaftsturnier 1948 nahm mit Berlin-Eichkamp auch eine Mannschaft aus der Britischen Besatzungszone West-Berlins teil. Nach der Gründung der Bundesrepublik im Mai 1949 wurde am 1. Oktober in Düsseldorf der (westdeutsche) Deutsche Basketball Bund als erste eigenständige Organisationgegründet.

Bei der Basketball-Europameisterschaft 1951 in Paris bestritt die Nationalmannschaft der Bundesrepublik die ersten Nachkriegs-Länderspiele. Die Mannschaft wurde am Ende 12. von 17 teilnehmenden Nationen. 1952 gab es das erste Länderspiel der Damen. 1953 wurde im Vereinssport der so genannte Ost-West-Spielbetrieb wieder aufgenommen, der zuvor eingestellt worden war. Dabei fanden jedoch nur wenige Spiele statt. 1953 trat es bei der Herren-Europameisterschaft inMoskau einmalig ein gesamtdeutsches Team, das aus acht westdeutschen und vier ostdeutschen Sportlern bestand. Von 1953 (Herren) und 1954 (Damen) bis 1990 ermittelte die DDR eigene Meister. Ab 1958 bestand der (ostdeutsche) Deutsche Basketball-Verband (DBV) als Nachfolger der Sektion Basketball. 1990 löste er sich auf, als fünf neue ostdeutsche Landesverbände dem DBB beitraten.

In Westdeutschland qualifizierten sich bis 1966 die bestplatzierten Mannschaften der Oberligen für die Endrunde der deutschen Meisterschaft. In der Spielzeit 1966/1967 wurde die damals noch zweigeteilte Basketball-Bundesliga eingeführt. 1975 ging als Jahr der Reformen in die deutsche Basketballgeschichte ein. Außer dem Start der eingleisigen 1. Bundesliga und der neuen zweiteiligen 2. Bundesliga der Herren wurde auch das Unentschieden im deutschen Basketball abgeschafft. Gemäß den Regeln der FIBA wird seitdem in Ligaspielen ein Sieger nach Verlängerung(en) ermittelt. Bei den Damen startete die Bundesliga 1971 in zwei Gruppen. 1982 wurde auch sie eingleisig mit einer zweigleisigen 2. Bundesliga (Nord und Süd) als Unterbau.

Deutscher Basketball im internationalen Kontext

1956 verlegt der Basketball-Weltverband Fédération Internationale de Basketball (FIBA) seinen Sitz von Bern nach München. Er zog 2002 nach Genf. In München verbleibt der europäische Zweig der FIBA.

Die erste Regelung für ausländische Spieler wird 1963 eingeführt. Die Mannschaften konnten je Spiel einen und je Saison zwei Ausländer einsetzen. Diese Regel galt 25 Jahre bis 1988. Danach waren in den ersten Bundesligen der Damen und Herren je Spiel zwei und pro Spieljahr drei Ausländer spielberechtigt. Ab 1996 wurden infolge des Bosman-Urteils Deutsche und Spieler mit EU-Staatsangehörigkeit gleichbehandelt. Die Einschränkung auf zwei/drei Ausländer galt nur noch für Spieler von außerhalb der Europäischen Union.

Der erste deutsche Basketballspieler, der einen Vertrag im Ausland erhielt, war Dr. Klaus Schulz, der bereits Ende der 1960er Jahre bei Estudiantes Madrid auflief. Schulz spielte ausserdem für den FC Bayern München und die deutsche Basketball-Nationalmannschaft. Norbert Thimm, der ab 1972 bei Real Madrid unter Vertrag stand, war erst der zweite deutsche Legionär. 1985 fand erstmals eine Basketball-Europameisterschaft in Deutschland statt. Im gleichen Jahr wurden auch mit Uwe Blab und Detlef Schrempf zwei Deutsche für die NBA gedraftet. Beide spielten dort zuerst für die Dallas Mavericks. 1987 folgte ihnen Christian Welp nach. 1998 wurde mit Dirk Nowitzki der bisher erfolgreichste deutsche Spieler für die NBA gedraftet. Nowitzki gelang 2011 mit den Dallas Mavericks der Gewinn des Meistertitels der NBA und er wurde zum wertvollsten Spieler der Finalserie gekürt.[2]

Im Reformjahr 1975 wurde auch die Europäische Profi-Basketball-Liga (EPBL) beschlossen. Mit der Bundesrepublik Deutschland, Belgien, der Schweiz, Spanien und Israel stellten fünf Staaten je ein Team mit US-amerikanischen Profibasketballern. Für Deutschland nahmen die Munich Eagles teil. Dieser Versuch scheiterte. In den Wettbewerben des Europapokals und bei Internationalen Meisterschaften kamen die deutschen Teilnehmer über Achtungserfolge nicht hinaus.

1983 waren es die Spielerinnen des DJK Agon 08 Düsseldorf, die den ersten zählbaren Erfolg für eine deutsche Basketballmannschaft erzielten, als sie den zweiten Platz beim Europapokal der Landesmeister belegten. Im Halbfinale hatte man überraschend TTT Riga ausgeschaltet, die wegen ihrer 2,13m Spielerin Uljana Semjonowa lange als unbesiegbar galten. Den ersten Titel gewann Alba Berlin 1995 mit dem Korac Cup. Im Jahr darauf machte es ihnen der BTV 1848 Wuppertal bei den Damen nach und gewann den Europapokal der Landesmeister.

Nationale Wettbewerbe

BBL, Meisterschaft der Herren

Hauptartikel: Basketball-Bundesliga

Die Basketball Bundesliga wurde in der Spielzeit 1966/1967 eingeführt. In der Nord- und der Südstaffel spielten je zehn Mannschaften. Durch die Konzentration auf die spielstärksten Mannschaften sollte das Niveau des deutschen Basketballs angehoben werden. Dem gegenüber standen höhere Reisekosten. Aus diesem Grund verzichtete mit Alemannia Aachen eine qualifizierte Mannschaft auf ihr Teilnahmerecht[3]. Die Gründungsmitglieder waren:

Gruppe Nord[4]
ASC Gelsenkirchen
SSV Hagen
VfL Osnabrück
Oldenburger TB
ATV Düsseldorf
MTV Wolfenbüttel
SSV Hellas Göttingen
TSV Hagen 1860
Post SV Hannover
Tusa Düsseldorf
Gruppe Süd[5]
MTV 1846 Gießen
GW Frankfurt
USC Heidelberg
FC Bayern München
TSV Schwaben Augsburg
TSV 1860 München
TV 46 HeidelbergArtikelzuordnung fraglich
BC Darmstadt
MTSV Schwabing München
SV Möhringen-Stuttgart

Zur Saison 1971/1972 wurde das Teilnehmerfeld auf jeweils 8 Mannschaften reduziert. Ab der Spielzeit 1975/1976 war die Bundesliga erstmals eingleisig. Die zuvor notwendigen Endrunden- und Finalduelle zur Ermittlung des deutschen Meisters waren nicht mehr notwendig. Nach 18 regulären Spieltagen hatten die zehn teilnehmenden Mannschaften den Meister ausgespielt. Schon im Vorfeld wurde kritisiert, dass durch diese Regelung die Saisonspiele mit der größten Spannung und den intensivsten Emotionen ersatzlos gestrichen wurden. Bereits im Folgejahr 1976 wurde der Modus korrigiert. Die Bundesliga blieb weiterhin eingleisig, doch im Anschluss an die reguläre Saison wurde eine Endrunde ausgespielt, für die sich die besten sechs Mannschaften qualifizierten. Es gab jedoch noch keine Play-off-Begegnungen im heutigen Sinne. Stattdessen wurden die Punkte der Hauptrunde mitgenommen und es spielte erneut jede Mannschaft mit Hin- und Rückspiel gegen jede andere[6]. Seit 1983/1984 gibt es Play-offs, für die vier Teilnehmer in einer Qualifikationsrunde ausgespielt wurden. 1985 wurde die Liga auf 12 Mannschaften erweitert von denen sich die besten acht für die Play-offs qualifizierten.

Dieser Modus hatte bis 1990/1991 bestand, als erneut eine Nord- und eine Südgruppe in der Bundesliga eingeführt wurden, um dem Mannschaften mehr Heimspiele und damit Zuschauereinnahmen zu garantieren. Die Liga blieb eingleisig. In 22 Saisonspielen spielte jedes Team zwei Mal gegen jedes andere. Zusätzlich gab es ein weiteres Hin- und Rückspielpaar gegen die regionalen Gegner der Gruppe. In der regulären Saison gab es so je Team 32 Spiele. Die jeweils ersten vier Teams der Gruppen spielten den Meister unter sich aus, die anderen mussten an einer Abstiegsrunde zur zweiten Bundesliga teilnehmen.

1994 wurde die Bundesliga selbständig; die Bundesligisten organisieren den Spielbetrieb und die Vermarktung der Liga eigenständig. Es wurde ein Namenssponsor gefunden. Die Bundesliga firmierte unter den Namen Veltins Basketball Bundesliga. Im Folgejahr 1995 wurde die Nord/Süd-Regionalisierung aufgehoben und die Liga auf 14 Mannschaften erweitert. 1999 wurde die Trennung von BBL und DBB für 10 Jahre vertraglich geregelt. Der DBB trat seine Vermarktungs- und Veranstaltungsrechte an die BBL ab. Es wurde eine jährliche Amateurausgleichsabgabe in Höhe von 600.000,– DM fällig. Der Name der Liga wird 2001 auf s.Oliver Basketball-Bundesliga geändert, bevor sie ab 2003 wieder ihre ursprüngliche Bezeichnung Basketball Bundesliga erhält. Im gleichen Jahr wurde die Liga auf 16 Teams aufgestockt, 2006 dann auf 18 Mannschaften. Seit Beginn der Saison 2009/2010 lautet der Name der Liga Beko Basketball-Bundesliga.


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