Baskische Sprachpolitik

Dieser Artikel behandelt die Sprachpolitik im spanischen Baskenland. Die linguistischen Eigenschaften des Baskischen werden im Artikel Baskische Sprache behandelt.

Inhaltsverzeichnis

Die rechtlichen Grundlagen der „Sprachnormalisierung“

Die spanische Verfassung von 1978 regelt den Status der auf spanischem Territorium gesprochenen Sprachen. Im Artikel 3 heißt es dazu:

«El castellano es la lengua oficial del Estado. Todos los españoles tienen el deber de conocerla y el derecho de usarla. Las demás lenguas españolas serán también oficiales en las respectivas Comunidades Autónomas, de acuerdo con sus Estatutos. La riqueza de las distintas modalidades linguísticas de España es un patrimonio cultural que será objetivo de especial respeto y protección.»

„Das Spanische (Kastilische) ist die offizielle Sprache des Staates. Jeder Spanier hat die Pflicht, sie zu kennen, und das Recht, sie zu verwenden. Die anderen spanischen Sprachen gelten auch offiziell in den jeweiligen Autonomen Regionen, im Einklang mit ihren Statuten. Der Reichtum der verschiedenen sprachlichen Ausdrucksweisen Spaniens ist ein Kulturgut, das besonderen Respekt und Schutz verdient.“

Der weitere Status der Sprachen ist in den Autonomiestatuten geregelt. Die Autonomiestatuten sind institutionelle Grundnormen, deren Ratifizierung mittels Organgesetzen erfolgt.

In Artikel 6 der Ley Orgánica 3/1979 heißt es:

«1. El euskera, lengua propia del Pueblo Vasco, tendrá como el castellano, carácter de lengua oficial en Euskadi, y todos sus habitantes tienen el derecho a conocer y usar ambas lenguas.

2. Las instituciones comunes de la Comunidad Autónoma, teniendo en cuenta la diversidad sociolingüística del País Vasco, garantizarán el uso de ambas lenguas, regulando su carácter oficial, y arbitrarán y regularán las medidas y medios necesarios para asegurar su conocimiento.

3. Nadie podrá ser discriminado por razón de la lengua.»

„1. Das Baskische, die ursprüngliche Sprache des baskischen Volkes, soll wie das Spanische den Status einer offiziellen Sprache im Baskenland einnehmen, und alle Bewohner haben das Recht, beide Sprachen zu kennen und zu sprechen.

2. Unter der Berücksichtigung der soziolinguistischen Diversität des Baskenlandes garantieren die regionalen Einrichtungen der Autonomen Region den Gebrauch beider Sprachen, regulieren ihren offiziellen Charakter und regulieren und bestimmen die erforderlichen Maßnahmen und Mittel, um ihre Beherrschung zu sichern.

3. Niemand soll aus sprachlichen Gründen diskriminiert werden.“

Das Baskische in der Verwaltung

Nach der Einführung des Baskischen als offizieller Sprache dauerte es noch bis 1989, bis Programme zur Stärkung des Baskischen als Verwaltungssprache aufgelegt wurden. Ziel war es, zu garantieren, dass in der Verwaltung anteilig so viele bilinguale Sprecher wie in der baskischen Gesellschaft anzutreffen sind. In allen Bereichen der Verwaltung wurden Sprachkurse in den Arbeitstag integriert oder schichtweise Angestellte für die Sprachkurse freigestellt. Für die erste Planungsperiode des Programms von 1990 bis 1995 wurde knapp 9.000 Angestellten (ca. 34 % der baskischen Angestellten im Öffentlichen Dienst) ein obligatorischer Plan zum Erlernen der Sprache vorgelegt, der von fast 90 % der Angestellten erfüllt wurde. Die folgende Planungsperiode lief bis 2002 und hatte zum Ziel, dass 70 % der Angestellten im Öffentlichen Dienst sowohl Spanisch als auch Baskisch mündlich wie schriftlich beherrschen. Unterstützt werden die Bemühungen im Verwaltungswesen durch UZEI, eine Institution, die sich mit den Bereichen Terminologie und Lexikografie beschäftigt und die alte und teilweise mit recht einfachen Begriffen arbeitende baskische Sprache modernisiert. Es werden neue technische, juristische und verwaltungstechnische Begriffe entwickelt, die den Anforderungen einer sich rapide verändernden Welt genügen. Außerdem wurde als Hilfsinstrument für die Angestellten des Öffentlichen Dienstes die Datenbank Euskalterm geschaffen, in der die Angestellten bei Fragen zur sich entwickelnden Verwaltungssprache nachschlagen können.

Das Baskische im Erziehungssystem

Eine wesentliche Rolle im baskischen Erziehungswesen spielen die Ikastolak, die baskischen Sprachschulen. Entstanden waren sie schon 1920 und hatten bis 1937 einen starken Einfluss auf das Erziehungswesen im Baskenland. Unter der Herrschaft Francos wurden sie verboten und erst Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre wurden vereinzelt wieder Ikastolak zugelassen. Anfangs konzentrierten sich die Ikastolak auf die Vermittlung des Baskischen an Erwachsene, später entwickelten sie sich zu einem Alternativangebot für die Regelschule. Inzwischen kann man an einigen Ikastolak einen regulären Hochschulabschluss erwerben. Nachdem die Schülerzahlen in den 1960ern und 1970ern stark zugenommen hatten, wurden die Ikastolak nach der Transición zur wichtigen Stützen baskischer Sprachpolitik. Nach dem Statut von Guernica gewann die baskische Sprache aber auch in der Regelschule an Bedeutung. 1982 wurden im Gesetz Nr. 10 – auch Ley Básica de Normalización del Uso del Euskera genannt – vier Schulmodelle benannt, die auch noch heute ihre Gültigkeit haben:

Modell X: Es wird ausschließlich auf Spanisch gelehrt.

Modell A: Baskisch ist Unterrichtsfach.

Modell B: Jeweils 50 % des Unterrichts wird auf Baskisch und auf Spanisch gehalten.

Modell D: Der Unterricht findet auf Baskisch statt mit Spanisch als Unterrichtsfach.

Die Sprachpolitik der Regierung der Autonomen Region des Baskenlandes scheint erfolgreich zu sein, was die Etablierung des Baskischen als Unterrichtssprache angeht. Besonders interessant ist jedoch, dass die Entwicklung nicht hin zu einer wirklichen Bilingualität im Erziehungssystem zu führen scheint, sondern das Modell D begünstigt, bei dem das Spanische nur als Unterrichtsfach vermittelt wird. Im Bereich der Universitätsbildung wurden verschiedene Modelle für Universitätsabschlüsse geschaffen, aus denen die Studenten ihren Abschluss wählen können. Bei Modell A wird der komplette Studieninhalt auf Baskisch vermittelt. Modell B1 vermittelt den Stoff der Hauptfächer im ersten und zweiten Studienjahr auf Baskisch, während bei Modell B2 der Unterricht im ersten Jahr komplett auf Baskisch stattfindet und in den darauffolgenden Jahren nur die Hauptfächer auf Baskisch angeboten werden. Bei Modell C findet der Unterricht nur im ersten Jahr komplett auf Baskisch statt, danach auf Spanisch, Modell D vermittelt schließlich nur die Hauptfächer im ersten Jahr auf Baskisch. Die vermehrten Anstrengungen im schulischen und universitären Sektor brachten auch die Notwendigkeit einer besseren Ausbildung der Lehrer und einer besseren Ausstattung der Schulen und Universitäten mit sich. Zu diesem Zweck wurden im Rahmen des IRALE-Programms großflächig Lehrer durch Baskischsprachkurse weitergebildet. Außerdem wurden Lehrmaterialien entwickelt: in gedruckter Form wie auch audio-visuelles Material und Lernsoftware.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die baskische Regionalregierung in den letzten Jahren ihre personellen, finanziellen und organisationellen Bemühungen um die baskische Sprache vor allem im Bildungswesen beträchtlich verstärkt hat. Der Erfolg dieser Politik hat die baskische Regierung veranlasst, für die laufende Planungsperiode den Schwerpunkt ihrer Politik wieder mehr in Richtung Erwachsenenbildung zu verlagern, um das Baskische wieder als Alltagssprache in den Familien zu etablieren, nachdem – Angaben der Euskaltzaindia zufolge – die Jugend in ihrem Freundeskreis zum großen Teil wieder Baskisch spricht.

Die baskische Sprache in den Medien

Im Jahr 1938 waren die baskischsprachigen wie auch die zweisprachigen Medien – zu dieser Zeit ausschließlich Zeitungen –, z. B. La Voz de Navarra, El Día, Euzkadi Argia und Ekin, von Francisco Franco verboten und die vielfältige Presselandschaft zerstört worden. In den 1970er Jahren sendete der illegale Rundfunksender „Radio Euskadi – die Stimme des baskischen Untergrunds“ auf Kurzwelle von einem Standort in den französischen Pyrenäen aus. Bis Anfang der 1980er Jahre lag die Presselandschaft im Baskenland vollständig brach, so schwankte der Marktanteil der baskischsprachigen Zeitungen zwischen 0 % und 4 %, und 1980 sendete das spanische Fernsehen wöchentlich 18 Minuten auf Baskisch gegenüber 5.400 Minuten auf Spanisch. Nach dem Autonomiestatut von Guernica begann – mit Hilfe finanzieller Unterstützung der EAJ/PNV-Regierung – der Wiederaufbau der baskischen Medien. So wurde 1982 mit Euskal Irrati Telebista der erste Fernsehsender gegründet, der im gesamten Baskenland sendet. Die baskische Regierung subventioniert außerdem Presseerzeugnisse, sofern sie einen Selbstfinanzierungsanteil von mindestens 30 % aufweisen können. Trotz der intensiven Unterstützung durch die Regierung hat sich die ursprüngliche Vielfalt im Bereich der baskischsprachigen Druckerzeugnisse jedoch noch nicht wieder eingestellt. Selbst die den radikalen Nationalisten nahestehende Zeitung Gara verfasst nur einen Teil der Artikel auf Baskisch, da mit der spanischen Sprache immer noch eine breitere Leserschaft erreicht werden kann.


Bis 2003 war die 1990 gegründete Zeitung Euskaldunon Egunkaria die einzige vollständig auf Baskisch geschriebene Tageszeitung. Mit einer täglichen Auflage von 12.000 Exemplaren erreichte sie auch nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Egunkaria wurde 2003 auf Veranlassung des spanischen Richters Baltasar Garzón unter dem Verdacht der ETA-Finanzierung geschlossen. Der Nachfolger von Egunkaria ist die ebenfalls nur auf Baskisch erscheinende Tageszeitung Berria.

Ein weiteres vollständig baskischsprachiges Medium ist die wöchentlich erscheinende Zeitschrift Argia mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Daneben existieren noch Zeitschriften für Jugendliche – mit Auflagen zwischen 2.500 und 8.000 Exemplaren – und Magazine, die sich mit Spezialthemen wie Literatur, Wissenschaft, Religion oder Wirtschaft beschäftigen, deren Auflage aber 1.500 Exemplare nicht übersteigt. Zusätzlich werden von vierzig Gemeinden lokale Zeitungen finanziert und kostenlos verteilt, um die baskische Sprache zu fördern.

Im Bereich des Radios und des Fernsehens hat sich in den letzten Jahren einiges getan, vor allem die baskischsprachigen Radiostationen haben in den letzten Jahren einen stetigen Hörerzuwachs zu verzeichnen, die aktuelle Zahl liegt bei ca. 330.000 Hörern täglich, verteilt auf die drei großen Radiostationen Euskadi Irratia (gegründet 1982), Radio Euskadi, das über Satellit mit einem halbstündigen Programm täglich in der ganzen Welt zu empfangen ist, sowie den 1990 gegründeten Jugendsender Euskadi Gaztea. Einen kleineren Anteil der Hörerschaft stellen die zahlreichen Lokalsender wie Radio Vitoria. Neben dem bereits erwähnten Fernsehsender Radio Televisión Vasca (baskisch Euskal Irrati Telebista) wurde mit dem Canal Vasco ein Fernsehsender für die Basken in Nord- und Südamerika gegründet, der auf Spanisch mit baskischen Untertiteln sendet. Insgesamt ist der gesamte Medienbereich trotz der Fortschritte der letzten Jahre noch im Aufbau begriffen und muss immer noch von der Regierung der Autonomen Gemeinschaft mit beträchtlichen Mitteln subventioniert werden. Die steigenden Sprecherzahlen lassen aber vermuten, dass der Markt für baskischsprachige Medien weiterhin stark wachsen wird.

Siehe auch

 Portal:Basken – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Basken


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