Basler Fähren
Basler Fähre

Die vier Basler Fähren verbinden Grossbasel mit dem Kleinbasel. Es sind Fussgängerfähren, die die Strömung des Rheins nutzen, um ihn ohne zusätzlichen Antrieb zu überqueren (Gierfähre).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Basel nur einen Rheinübergang, die Mittlere Brücke. So richtete man nach und nach vier Fähren als fliegende Fussgängerbrücken ein. Die Fähren konnten einen rentablen Betrieb führen, bis immer mehr Brücken (siehe Basler Rheinbrücken) die beiden Ufer des Rheines miteinander verbanden. Aber seit sich eine Fährenstiftung für die Fahrzeuge und den Betrieb einsetzt, benützen wieder mehr Passagiere die Fähren. Sie sind nun eine Touristenattraktion und prägen den Charakter des Stadtbilds der Rheinstadt.

Die Basler Rheinfähren gehören zum vertrauten Stadtbild Basels und zählen zu den Sehenswürdigkeiten Basels. Kleinbasel und Grossbasel waren bis 1879 nur durch die Mittlere Rheinbrücke (1225) miteinander verbunden. Später kamen die übrigen Brücken dazu; 1879 die Wettsteinbrücke, 1882 die Johanniter- und 1934 die Dreirosenbrücke. 1854 gelangte der Präsident der Basler Künstlergesellschaft, Ratsherr Johann Jacob Im Hof-Forcart, mit einem Schreiben an die Regierung des Kantons Basel-Stadt, man möge auf der Höhe des damaligen Harzgrabens (beim ehemaligen Kartäuserkloster und heutigem Bürgerlichen Waisenhaus) eine Rheinfähre bewilligen. Mit dem Reinerlös soll dann an einem geeigneten Ort ein Haus für Versammlungen und Ausstellungen errichtet werden. Am 19. Juli 1854 erteilte die Regierung der Basler Künstlergesellschaft die Konzession für die Harzgrabenfähre, die auf den Namen «Rheinmücke» getauft wurde. 1872 konnte aus dem Ertrag die Kunsthalle Basel am Steinenberg eingeweiht werden. 1877 musste die Harzgrabenfähre der Wettsteinbrücke weichen, an ihrer Stelle wurde die Münsterfähre im selben Jahr in Betrieb genommen.

Bereits 1853 führte eine Fähre beim Birskopf zu Birsfelden nach dem Kleinbaslerufer an der Grenzacherstrasse. Diese hatte aber nicht genügend Passagiere zu verzeichnen, weshalb sie im Jahre 1873 eingestellt wurde. Auf Drängen der Birsfelder Bevölkerung wurde diese Fähre 1906 etwas oberhalb der einstigen Stelle wieder eingesetzt. Nach dem Bau des Kraftwerkes Birsfelden im Jahre 1950 verschwand sie endgültig. Im Basler Kantonsgebiet folgten in relativ kurzen Abständen weitere Rheinfähren, so 1862 die Klingentalfähre (Vogel Gryff), 1877 die Münsterfähre (Leu), 1894 die St. Alban (Wild Ma), 1895 bis 1934 Dreirosenfähre, die 1989 als Johanniterfähre (Ueli) wieder in Betrieb genommen wurde.

Die Taufe der Rheinfähren erfolgte im Jahre 1944 durch den Basler Verkehrsverein; die Namen beziehen sich auf die Drei Ehrenzeichen Kleinbasels und die Ueli-Figur, die am Vogel-Gryfftag jeweils im Januar Geld für die Bedürftigen Kleinbasels sammelt. Heute befinden sich die vier Fähren im Besitz der «Stiftung Basler Fähren», welche die Schiffe an private Fährmänner verpachtet. Der «Fähri-Verein Basel», dem rund 4000 Mitglieder angehören, unterstützt die Stiftung als Gönnerverein und macht es so möglich, dass die Rheinfähren ohne Staatsbeiträge dem Stadtbild erhalten bleiben.

Fähren

Mit der Ausnahme der neueren St. Alban-Fähre sind die Fähren flache, dem Weidling ähnliche Boote aus Holz. Der Bug ist leicht nach oben gezogen, und im vorderen Drittel befindet sich eine Plattform, über welche man das Schiff bei den Landungsstellen besteigen bzw. verlassen kann. Das Mitteldrittel besitzt zwei Längsbänke, und daran anschliessend folgt ein halbrund gedecktes Haus. In diesem bedient der Fäärimaa (Fährmann) das Steuerruder, und die Fahrgäste finden darin bei schlechtem Wetter Platz.

Die Fähren sind nach den Wappenhaltern der drei Ehrengesellschaften Kleinbasels getauft, den Hauptfiguren des traditionellen Umzuges des Vogel Gryffs.

Folgende Fähren verkehren regelmässig (Reihenfolge: rheinabwärts):

  • St. Alban-Fähre – «Wild Maa»
  • Münster-Fähre – «Leu»
  • Klingental-Fähre – «Vogel Gryff»
  • St. Johann-Fähre – «Ueli»

Funktionsweise

Die Fähren sind sogenannte Rollfähren. An der Fähre ist ein Schwenkhebel befestigt, welcher über ein langes Drahtseil, dem Gierseil, an einer Reiterrolle hängt. Diese Reiterrolle kann sich auf einer dicken, quer über den Rhein gespannten Stahltrosse frei bewegen.

Nach dem Abstossen vom Landungssteg legt der Fährmann den Schwenkhebel auf die dem Land zugewandte Seite und bringt mit Hilfe des Steuerruders die Fähre in einen Winkel von etwa 45° in die Strömung des Rheines. Mit ihrer gewaltigen Kraft drückt die Strömung das Schiff zur Seite weg und schiebt es so über den Fluss. Kurz vor dem Anlegen stellt der Fäärimaa das Boot wieder etwas gerader, um es sanft an den Landungssteg zu dirigieren.

Der Fährimaa kann bei niedrig oder wenig Wasser mit dem Schwellbrett "seitliches Brett im vorderen drittel der Fähri" die Lateralfläche (Wasserangriffsfläche) der Fähri vergrössern und so die Fahrt beschleunigen. Manche Fährimänner helfen manchmal mit einem Ruder etwas nach, damit die Fähri schneller im Seil hängt und fahrt aufnimmt.

Betrieb

Die Fähren haben jahreszeitlich abhängige Fahrpläne und verkehren ausser bei Hochwasser und Nebel bei jeder Witterung. Wenig Wasser bei gleichzeitigem Wind gegen die Flussrichtung kann auch zur Einstellung des Fährbetriebs führen. Die Fähren gehören nicht dem Tarifverbund Nordwestschweiz an.

Spruch

Die Fäärimänner und neuerdings auch Fäärifrauen sehen täglich unterschiedliche Passagiere, und dabei erfahren sie einiges von deren Sorgen und Ansichten. Da ist sicher auch die eine oder andere Lügengeschichte dabei; deshalb sagt man in Basel oft, wenn man eine Geschichte nicht ganz glauben will:

Verzell du daas em Fäärimaa!

Weblinks

 Commons: Basler Fähren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
47.5581317.59421947

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