Basler Nachrichten
Basler Zeitung
Beschreibung Schweizer Tageszeitung
Verlag Basler Zeitung Medien
Erstausgabe Januar 1977
Erscheinungsweise werktäglich
Auflage
(WEMF 2008)
93'324 Exemplare
Chefredakteur Matthias Geering
Herausgeber Matthias Hagemann
Weblink Website der baz

Die Basler Zeitung (kurz baz) ist die grösste Zeitung im Raum Basel (Schweiz). Sie ging im Januar 1977 aus der Fusion der linksliberalen National-Zeitung mit den bürgerlich-konservativen Basler Nachrichten hervor und wird von der Basler Zeitung Medien herausgegeben. Die Basler Zeitung nimmt in der Nordwestschweizer Zeitungslandschaft eine dominierende Stellung ein (WEMF-beglaubigte Auflage 2008: 93'324 Exemplare).

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Basler Zeitung erscheint in sechs Bünden in zwei verschiedenen Formaten: Der erste Bund ist der Politik gewidmet, der zweite und dritte regionalen Themen, der vierte der Wirtschaft und der fünfte dem Sport. Diese Bünde erscheinen im traditionellen Schweizer Zeitungsformat (320 x 475 mm), wohingegen der sechste Bund zur Kultur im Tabloidformat beiliegt. Am Samstag wird der baz das Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers beigelegt (nur für Abonnenten). Am Freitag erscheint eine Grossauflage, die im Kanton Baselland, wo die Basler Zeitung in Konkurrenz zur Basellandschaftlichen Zeitung steht, gratis verteilt wird.

Matthias Hagemann ist sowohl Verwaltungsrats-Präsident der Basler Zeitung Medien als auch Herausgeber der Basler Zeitung. Der Chefredaktor der Basler Zeitung ist Matthias Geering, der Verlagsleiter Roland Steffen.

Vorgängerzeitungen

National-Zeitung

Die erste Ausgabe der Schweizerischen National-Zeitung erschien 1842 in Basel aus Opposition gegen das Ancien Régime. Ab 1877 nannte sich die Zeitung nur noch National-Zeitung (NZ). Lange Zeit war die NZ wie die Basler Nachrichten eine bürgerliche Zeitung, bis sie anfangs der 1960er Jahre mit den Radikalen (der heutigen FDP) brach und sich ein gesellschaftskritisch linksliberaler Trend in der Zeitung bemerkbar machte. Das zeigte sich besonders deutlich bei der Berichterstattung über den Zürcher Globuskrawall: Im Gegensatz zu fast allen anderen Schweizer Tageszeitungen bemühte sich die NZ um eine ausgewogene Darstellung der Jugendunruhen, kritisierte die von den Zürcher Behörden befohlenen Knüppelaktionen der Polizei aufs Schärfste und warb um Verständnis für die rebellierende Jugend. Die Ereignisse von 1968 prägten nicht nur die Sicht der Artikel der NZ, sondern auch das politische Bewusstsein einiger Redaktoren. Die zu dieser Zeit diskutierte Demokratisierung erreichte eine Neustrukturierung der Redaktion: Als erste Zeitung der Schweiz erhielt die National Zeitung am 1. Mai 1970 ein Redaktionsstatut, das der Redaktion ein Mitspracherecht zusicherte, zum Beispiel bei der Anstellung, Umbesetzung und Entlassung eines Redaktors und bei verlegerischen Entscheiden publizistischer und technischer Natur. „Wir haben keinen Chefredaktor und wir brauchen auch keinen“, lautete die Devise. Die demokratische Struktur wurde aber zunehmend autoritärer.

Der Geschäftsgang der Zeitung verlief unerfreulich: 1974 erlitt sie einen grossen Rückgang des Inserateverkaufs. Gegenüber der Zeit vor der damals akuten Ölkrise verkaufte sie dreissig Prozent weniger Anzeigen. Schon der damalige Verleger Hans Rudolf Hagemann stellte fest: „Das Inserat ist der rentabelste Artikel, den wir verkaufen.“ Im Juni 1975 verkündete er unter anderem folgende Sparmassnahmen:

  • Der Verkaufspreis einer Zeitungsausgabe wurde von 70 auf 80 Rappen erhöht.
  • Bei Trägerdienst, Fuhrpark, Spedition und der Herstellung der Börsenseite arbeitete die «National Zeitung» mit den «Basler Nachrichten» zusammen.
  • Der Zeitungsumfang wurde um eine weitere Seite gekürzt.
  • Das Honorarbudget wurde um zehn Prozent gekürzt.
  • Drei Redaktoren wurden entlassen und drei Bildredaktorinnen wurden zu Sekretärinnen degradiert. Weitere Entlassungen folgten.

Bereits im Jahr 1945 hatte die National-Zeitung die Mehrheit am Baslerstab übernommen. Die National-Zeitung konnte alleine nicht bestehen; als erste grosse Pressefusion der Schweiz schloss sie sich 1977 mit den Basler Nachrichten zur BaZ zusammen.

Basler Nachrichten

Die Basler Nachrichten (BN) wurden 1844 als Nachfolgerin des 1729 gegründeten Avis-Blattes unter dem Titel Allgemeines Intelligenzblatt der Stadt Basel gegründet und waren eine liberal-konservative Tageszeitung. Im Jahre 1856 änderten sie ihren Namen in Basler Nachrichten aus der Schweiz und für die Schweiz und ein Jahr später in Basler Nachrichten. Zwischenzeitlich befand sich das Blatt in radikaler Hand, aber ab 1902 waren die Basler Nachrichten wieder ein bürgerlich-konservatives Blatt. Es stand den Banken nahe: Während langer Zeit präsidierte der Privatbankier Alfred E. Sarasin den Verwaltungsrat. Zugleich war er auch Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Zwischen 1912 und 1924 sowie zwischen 1944 und 1972 erschienen die Basler Nachrichten zweimal täglich, in einer Morgen- und einer Abendausgabe. In der Regel war Ersteres ein Nachrichten-, Letzteres ein Kommentar- und Meinungsblatt, wobei die Denkweise der Zeitung meistens derjenigen der Liberalen Partei ähnelte. Das Blatt etablierte sich als eine der führenden Tageszeitungen der deutschsprachigen Schweiz. Im Jahr 1976 wiesen die Basler Nachrichten eine Auflage von 34'000 Exemplaren auf.

Die Zeitung blieb aber defizitär und kämpfte wie die National Zeitung mit finanziellen Problemen. Die BN galten als das Blatt vom Basler Daig und wurden von der Wirtschaft jährlich mit siebenstelligen Beträgen als Konkurrenz zur National Zeitung gestützt. Die BN schrieben für eine Minderheit, die als elitär empfunden wurde und durch den starken Zuwachs der Stadt Basel an Bedeutung verlor: Die meisten der neuen Einwohner identifizierten sich nicht mit der spezifisch baslerischen Denkweise der BN.

Die erste grosse Zeitungsfusion der Schweiz

Im Jahr 1977 ereignete sich in Basel die erste grosse Zeitungsfusion der Schweiz: Die National-Zeitung und die Basler Nachrichten wurden zur Basler Zeitung (damals als BaZ abgekürzt). Der Zusammenschluss wird im allgemeinen als „Fusion“ bezeichnet, in wirtschaftlicher Betrachtung handelt es sich aber um einen Verkauf: Die National-Zeitung AG übernahm die Aktiven und Passiven der Basler Berichtshaus AG (des Verlagshauses der Basler Nachrichten), die darauf liquidiert wurde. Die bisher konkurrierenden Verleger begründeten den Zusammenschluss folgendermassen:

„Dieser, nach eingehenden Verhandlungen und in allseitiger Übereinstimmung zustande gekommene, zukunftsweisende Entschluss gründet auf der Erkenntnis, dass nur eine vereinte Anstrengung die immer schwierigeren wirtschaftlichen und technischen Probleme der Presse zu lösen und dem Leser zugleich eine Tageszeitung zu bieten vermag, die seinen hohen Ansprüchen von heute genügt.“

zitiert nach Max Jäggi: So ging die „National-Zeitung“ kaputt. Pressefreiheit als Verlegerfreiheit, Band 3 der Reihe Mediaprint, Basel: Schweizerische Journalisten-Union (SJU), 1978, S. 48.

Von den „eingehenden Verhandlungen“ drang nichts an die Öffentlichkeit: Obwohl immer wieder Hinweise auf eine Fusion aufkamen (zum Beispiel die gemeinsame Börsenseite), wurden diese stets kategorisch dementiert. Die meisten Mitarbeiter der NZ erfuhren die Fusionsnachricht aus der Zeitung. Die Mitarbeiter der BN wurden in einer kurzfristig einberufenen Sitzung informiert. Die Fusion wurde als eine Verarmung der Meinungskultur angeprangert. Anhänger der BN sahen darin einen Verrat am Liberalismus, während Sympathisanten der NZ die Basler Wirtschaftskreise beschuldigten, sich so auf einfache Art eine kritische, unbequeme Zeitung vom Hals geschafft zu haben. Die beiden Zeitungen hatten sich auch über ihre Gegensätze definiert. Von nun an mussten sie gemeinsam für eine breitere Leserschaft schreiben.

Für die Redaktoren der NZ nahm mit der Fusion das Mitbestimmungsrecht, das die Redaktion der BN nicht kannte, stark ab. Die Fusion verletzte die Redaktionsstatute beider Zeitungen. Mehr Macht sprachen sich der Verlag und der Verwaltungsrat zu, der von Vertretern der Chemie und der Banken dominiert wurde. Die Gewerkschaften stellten neben dem Verlust von mehr als hundert Arbeitsplätzen fest: „Einmal mehr wird klar, dass Pressefreiheit im ‚freien’ Markt blosse Verlegerfreiheit ist.“[1] Mit dem Kampf gegen die Umstrukturierung der Redaktion der NZ und dem Protest gegen die Fusion organisierten sich in der Schweiz erstmals Journalisten in grösserem Mass in einer Gewerkschaft, in der Schweizerischen Journalisten-Union (SJU). Dabei wurde auch mit den technischen Mitarbeitern zusammengespannt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Max Jäggi: So ging die „National-Zeitung“ kaputt. Pressefreiheit als Verlegerfreiheit, Band 3 der Reihe Mediaprint, Basel: Schweizerische Journalisten-Union (SJU), 1978, S. 50.

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