A-Modell (Sozionik)

Sozionik (engl. Socionics; ein Kofferwort aus society (Gesellschaft) und bionics (Bionik)) ist eine psychologische Theorie zur Temperament-Klassifizierung, die in den 1970ern von der Litauerin Aušra Augustinavičiūtė (Pseudonym 'Augusta') in der ehemaligen Sowjetunion entwickelt wurde. Das System baut auf den Erkenntnissen von C.G. Jungs „Psychologische Typen“ und Freuds Theorie zum Bewussten und Unbewussten auf. Der Kerngedanke, mit dem Augusta die Jungsche Typologie zu erklären versucht, stammt schließlich von dem im Westen relativ unbekannten polnischen Psychologen Antoni Kepinski, der eine Theorie des informationellen Metabolismus entwickelt hat, die jeden Menschen als ein System versteht, das Informationen mit seiner Umwelt austauscht, indem er sie nach einem spezifischen Programm aufnimmt, verarbeitet und aussendet.

Das System ähnelt dem des Myers-Briggs-Typindikators (Myers-Briggs type indicator, MBTI) – auch wenn es unabhängig davon entwickelt wurde – und Keirsey und ist in Russland und Osteuropa ähnlich weit verbreitet wie MBTI in den USA. Trotz stetig wachsender Bekanntheit (vor allem im englischsprachigen Raum) ist es außerhalb Osteuropas noch relativ unbekannt. Mitunter liegt das auch daran, dass es Primärliteratur oft nur auf Russisch gibt.

Das Institut für Sozionik – International Institute of Socionics (IIS) – wurde 1991 gegründet und hat den Hauptsitz in Kiew, Ukraine. Unter anderem ist es an der Weiterentwicklung des Modells beteiligt und gibt seit 1994 sechsmal jährlich ein Journal heraus. Direktor ist Dr. Alexandre Boukalov.

Inhaltsverzeichnis

Sozionik

Sozionik stellt eine Temperament-Klassifizierung in 16 verschiedenen Persönlichkeitstypen (Typen des informationellen Metabolismus, kurz TIM) dar und benutzt dafür verschiedene Typen-Bezeichnungen. Unter anderem stehen Viertupel zur Verfügung, die denen von MBTI gleichen. Trotzdem können Sozionik- und MBTI-Funktionen und -Typen nur bedingt verglichen werden.

Bei Sozionik wird mehr Wert auf Funktions-Attribute (introvertiertes Fühlen -Fi, extravertiertes Denken – Te, etc.) gelegt, als auf Hauptfunktionen (F, T, etc.) wie es bei MBTI respektive Keirsey der Fall ist. Wie bei anderen Jung-basierenden Modellen, wird auch hier davon ausgegangen, dass die Funktionen und Typen angeboren sind und sich nicht durch äußere Einflüsse verändern lassen. Die Funktionen werden dabei viel weiter differenziert als bei anderen Jung’schen Systemen.

Im Gegensatz zu anderen Klassifizierungen verbinden einige Anhänger der Sozionik körperliche und psychologische Ausprägungen und versuchen, zwischen beiden eine Korrelation zu finden (im Sozionik-Jargon Visual Identification, kurz V.I. genannt). Allerdings kann bzw. sollte V.I. nicht isoliert, sondern in Verbindung mit einer Personenbeschreibung genutzt werden. Auch wird mehr Wert auf die Beziehungen zwischen Typen als auf den Persönlichkeitsstypus selber gelegt. So versuchen Sozioniker, die Beziehung von Personen aufgrund ihrer Klassifikation voraussagen zu können.

Dichotomien

Man unterscheidet vier Dichotomien:

  • introvers – extravers
  • rational – irrational
  • Ethik – Logik
  • Sensorik – Intuition

Ethik und Logik (bei MBTI und Jung: Denken und Fühlen) werden den rationalen Aspekten zugeordnet, Sensorik und Intuition den irrationalen (nicht mit „unvernünftig“ zu verwechseln, sondern eher im Sinne von empirisch zu verstehen). In MBTI wird rational judging und irrational perceiving genannt, wobei beide anders aufgefasst werden. [1]

Aspekte

Die Theorie der Aspekte ist Fundament und Grundbaustein der Sozionik.

Durch jeden Aspekt wird ein Teil der menschlichen Welt und insbesondere die Beziehung des Menschen zu diesem Teilbereich beschrieben.

Auf der Basis von vier Dichotomien unterscheidet man acht verschiedene Aspekte. Zur Vereinfachung und Visualisierung können auch Symbole benutzt werden:

rationale irrationale

introvertiertes Fühlen
extravertiertes Fühlen


introvertiertes Denken
extravertiertes Denken

introvertierte Sensorik
extravertierte Sensorik


introvertierte Intuition
extravertierte Intuition


Ethik (Fühlen) (F)

introvertiertes Fühlen (Fi); R von lat. relatio; Symbol: weißer Winkel; Beziehungsethik
Kompetenz: subjektive, emotionale Beziehungen, Sympathie/Antipathie (Liebe, Freundschaft, Feindschaft), Vertrauen, ethische Normen des Menschen in der Gesellschaft, Moral, Sittlichkeit
extrovertiertes Fühlen (Fe); E von lat. emoveo; Symbol: schwarzer Winkel; Emotionsethik
Kompetenz: innere Prozesse, Erregbarkeit, Emotionen, emotionale Zustand, Erlebnis, Stimmung, innere Welt eines Menschen oder einer Gruppe, theatralisches Verstellungsvermögen

Logik (Denken) (T)

introvertiertes Denken (Ti); L von griech. logos; Symbol: weißes Quadrat; Strukturlogik
Kompetenz: Gesetzmäßigkeit, (Spiel-, Grammatik-)Regeln, Gedankengang, Deduktion, Logik, Analyse, Verallgemeinerung, Recht, genealogische Verwandtschaft, Hierarchie
extrovertiertes Denken (Te); P von lat. profiteor; Symbol: schwarzes Quadrat; Handlungslogik
Kompetenz: Bewegung, Taten, Handlung des Objektes; Fakten; Arbeit eines Menschen oder Gesellschaft. Organisierung, Durchführung, Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit, Qualität


Sensorik (S)

introvertierte Sensorik (Si);S von lat. sensus; Symbol: weißer Kreis; Empfindungssensorik
Kompetenz: Wahrnehmung (des Geschmacks, Geruchs), Selbstbefinden, Gesundheit; ästhetisches Gespür, Form und Äußeres, kunstvolle Bewegung; Genuss, Komfort
extrovertierte Sensorik (Se); F von lat. factor; Symbol: schwarzer Kreis; Willensensorik
Kompetenz: Energie, Kraft, Qualität, Wert des Objektes; Kontrolle über Raum, Mobilisation, Aktivität; Zielstrebigkeit, Wille, präsente Fähigkeiten, Macht

Intuition (N)

introvertierte Intuition (Ni); T von lat. tempus; Symbol: weißes Dreieck; Zeitintuition
Kompetenz: Dauer einer Handlung; zeitliche, historische Schemata; objektive und subjektive Geschichte; Rechtzeitigkeit, Balance, Zeitgestaltung; Voraussagen, Tendenz, Tempo
extrovertierte Intuition (Ne); I von lat. intueor; Symbol: schwarzes Dreieck; Möglichkeitsintuition
Kompetenz: Eigenschaften und potentielle Fähigkeiten, Talente eines Objektes, Menschen, einer Theorie; Zweck, Konstruktion, Möglichkeiten und Perspektive, Abstraktion

A-Modell

Im sogenannten A-Modell werden bei allen 16 Typen (TIMs) acht verschiedene Funktionen unterschieden. Jede Funktion wird mit jeweils einem Aspekt eindeutig besetzt. Nach der Vorstellung des informationellen Metabolismus ergeben sich Wechselwirkungen zwischen den Funktionen der TIMs und der Welt. Die Funktionen empfangen, interpretieren, beurteilen und generieren Informationen der Aspekte, die ihnen zugeordnet sind. Jede der acht Funktionen wirkt jedoch auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Intensität.

Jede Funktion kann

  • stark oder schwach
  • bewusst oder unbewusst (mental – vital)
  • akzeptiv oder produktiv (acceptve – creative)

sein.

  1. starke bewusste akzeptive – Basisfunktion (Program function)
  2. starke bewusste produktive – Kreativitätsfunktion
  3. schwache bewusste akzeptive – Rollenfunktion
  4. schwache bewusste produktive – Verletzbarkeits-Funktion (PoLR = Place of least resistance)
  5. schwache unbewusste akzeptive – Suggestiv-Funktion (Suggestive function)
  6. schwache unbewusste produktive – Aktivierungsfunktion (Hidden agenda)
  7. starke unbewusste akzeptive – Kontrollfunktion
  8. starke unbewusste produktive – Standardfunktion (Demonstrative function)

Die ersten vier Funktionen gehören zu den bewussten, wobei die ersten beiden (dominant und auxiliar, 1+2) stark und die letzten beiden (teritiär und inferior, 3+4) schwach ausgeprägt sind; die letzten vier Funktionen sind unterbewusst, wobei hier die ersten beiden (5+6) schwach und die letzten beiden (7+8) stark ausgeprägt sind. Die ungeraden Funktionen sind akzeptiv, die geraden produktiv.

Je zwei Funktionen sind in einem Block zusammengefasst, dessen Bezeichnungen von Freud entlehnt sind, aber andere Bedeutungen haben.

Funktion
1 2
4 3
6 5
7 8
ein TIM
Rolle
akz prod
prod akz
prod akz
akz prod
Block
Ego
Super-Ego
Super-Id
Id
Stärke
Stark
schwach
schwach
Stark
Ring
mental
bewusst
vital
unbewusst

Die Anordnung der Zahlen im A-Modell mag anfangs seltsam wirken. Verbindet man die ersten und letzten vier Zahlen, ergeben diese ein um 90° gedrehtes U, welches bei den bewussten Funktionen mit der Öffnung nach links und bei den unbewussten Funktionen mit der Öffnung nach rechts zeigt.


Es wird behauptet, dass bestimmte Funktionen für verschiedene Verhaltensweisen und psychische Krankheiten verantwortlich seien:

1. und 5. Funktion → Wille 2. und 6. Funktion → Autorität
3. und 7. Funktion → Neurose 4. und 8. Funktion → Phobie

Weblinks: [2], [3], [4], [5], [6], [7], [8], [9], [10]

Beziehungen

Die Beziehungen machen den Kernteil der Sozionik aus, weil Auschra ihnen einen höheren Stellenwert zuteilt als den einzelnen Typen. Es gibt 16 Beziehungstypen (für jeden Typus einen), von denen 12 bidirektional bzw. symmetrisch und 4 unidirektional bzw. asymmetrisch sind (siehe unten die Ringe). Die Beziehung zu anderen Typen wird durch die Funktionen bestimmt und durch Namen ausgedrückt. Beziehungen zum eigenen Typus (nicht zur eigenen Person) werden als „Identität“ (identical) bezeichnet. Wichtig ist ebenfalls die „Dualität“ (dual), denn zu dieser besteht in der Regel eine langzeitlich stabile Bindung. Daneben gibt es noch diverse andere wie „Spiegelung“ (mirror), „Aktivierung“ (activity), „Gegensätzlichkeit“ (contrary) und „Quasi-Identität“ (quasi-identical).

Weblinks: Übersichtstabelle über alle Beziehungen, Beschreibungen zu Beziehungen, http://www.geocities.com/tommylove9000/categories.html, http://www.geocities.com/tommylove9000/intertype.html, Socionics: Are Human Relations Predictable?

Die beiden asymmetrischen Beziehungen (die je einen Sender bzw. Lieferanten und einen Empfänger bzw. Kunden haben), bilden aufgrund ihrer Asymmetrie Ringe – je zwei rechte und linke.

Befehlsring

linker Ring:
ENTp > ENFj > ESFp > ESTj >
ISFp > ISTj > INTp > INFj >
rechter Ring:
ESFj > ENFp > ENTj > ESTp >
INTj > ISTp > ISFj > INFp >
Der Befehlsring wird im Englischen als order (dt. Ordnung, Reihenfolge) mit den Untertypen instructor und instructee bezeichnet. Manchmal wird die Relation auch als benefit (dt. Wohltat) mit den Untertypen benefactor und beneficiary bezeichnet. In einer solchen Beziehung wird von einer Benachteiligung des Empfängers (in der Liste rechts vom Sender) ausgegangen. Jeder Ring hat je eine Person aus einem Quadra, jedoch mit unterschiedlicher Reihenfolge.

Kontrollring

linker Ring:
ENTp > ISTj > ESFp > INFj >
ISFp > ENFj > INTp > ESTj >
rechter Ring:
ESFj > ISTp > ENTj > INFp >
INTj > ENFp > ISFj > ESTp >
Der Kontrollring heißt im Englischen supervision (dt. Revision) und besitzt die Untertypen supervisor und supervisee. Auch in dieser Beziehung wird von einer Benachteiligung des Empfängers (in der Liste rechts vom Sender) ausgegangen.

Weblinks: http://www.typelab.ru/ru/1.3.rels/assim.html (russisch)

Quadren

Ein Quadra ist eine synergetische Gruppe von jeweils vier Typen, die sich gegenseitig ergänzen. In einem Quadra sind je zwei Duale vorhanden; die jeweils oberen und unteren beiden Typen in einem Quadra bilden ein Paar. Duale haben perceiving und judging gemeinsam und sind sonst unterschiedlich.

Sozionik geht davon aus, dass Personen in einem Quadra sich gut verstehen und schnell stabile Bindungen entstehen können. Die großen Gegensätze innerhalb der Quadra-Mitglieder sorgen nicht für Ablehnung, sondern für Anziehung.

Es sollen alle Quadren ungefähr gleichoft in der Bevölkerung vorkommen.

Die Beziehungen zu anderen Typen im eigenen Quadra sind:

  • Aktivierung (activity; gegensätzlich bis auf Intro- bzw. Extraversation)
  • Spiegelung (mirror; gegensätzlich bis auf die Dimensionen des eigenen #Klubs)
  • Identität (identical; Dimensionen und Funktionen sind identisch) und
  • Dualität (dual; gegensätzlich bis auf judging bzw. perceiving)
Die vier Quadren
Alpha Quadra
  1. Der Erfinder – Don Quijote (ENTp)
  2. Der Vermittler – Dumas (ISFp)
  3. Der Bonvivant – Victor Hugo (ESFj)
  4. Der Analytiker – Descartes (INTj)
Beta Quadra
  1. Der Stratege – Shukow (ESTp)
  2. Der Lyriker – Jessenin (INFp)
  3. Der Mentor – Hamlet (ENFj)
  4. Der Pragmatiker – Maxim Gorki (ISTj)
Gamma Quadra
  1. Der Diplomat – Caesar (ESFp)
  2. Der Kritiker – Balzac (INTp)
  3. Der Unternehmer – Jack London (ENTj)
  4. Der Bewahrer – Theodore Dreiser (ISFj)
Delta Quadra
  1. Der Psychologe – Huxley (ENFp)
  2. Der Meister – Jean Gabin (ISTp)
  3. Der Verwalter – Sherlock Holmes (ESTj)
  4. Der Humanist – Dostojewski (INFj)

Beschreibung der Quadren:

Mitglieder aus dem Alpha-Quadra bringen gerne neue Ideen und Möglichkeiten mit ein. Sie starten Reformen, aber sind häufig nicht entschlossen genug um sie erfolgreich zu Ende zu bringen. Konflikte mögen sie nicht und versuchen sie daher zu vermeiden. Intuitive Typen dieses Quadras sind oft idealistische Träumer, während sensorischen Typen Leiter von gestaltlosen, nicht demokratischen Regimen sind.

Personen des Beta-Quadras profilieren sich durch Einbringung von bereits erprobten Anordnungen und Organisationen. Sie sind sehr aktiv und haben einen ausgeprägten Kampfgeist, begleitet von dramatischen Emotionen. Intuitive Betas sind oft religiöse oder romantische Schriftsteller, sensorische fühlen sich im Militär wohl. Viele Diktatoren stammen aus diesem Quadra.

Anhänger des Gamma-Quadras zeichnen sich durch kritisches Denken aus und weisen veraltete Ideen und Greueltaten zurück. Personen dieses Quadras sind willensstark, aber milder als Anhänger des Beta-Quadras. Intuitive Mitglieder sind praktisch-orientierte Intellektuelle, sensorische werden oft zu guten Politikern.

Für das Delta-Quadra versucht, ihre Umwelt zu stabilisieren und sind in der Regel das konservativste Quadra. Sie werden daher auch oft Perfektionisten genannt. Intuitive Personen sind meist aufmerksame Beobachter von Talenten, während sensorische versuchen, viel zu erreichen ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Politiker dieses Quadras sind erfolgreich in stabilen Gesellschaften.

Die „Blütezeit“ von Personen der Quadren steigen mit den Buchstaben an: bei den Alphas liegt sie im Kindesalter, bei den Deltas dagegen im späten Erwachsenenalter.

Klubs

Ähnlich wie in Quadren, werden auch je vier Typen in Klubs (engl. clubs) kategorisiert – jedoch nicht gegensätzliche sondern ähnliche Typen. Klubs haben in der Sozionik keinen so hohen Stellenwert wie Quadren.

Personen in einem Klub stehen in den Beziehungen „Spiegelung“ (mirror), „Kontrast“ (contrast) und „Quasi-Identität“ (quasi-identity) zueinander. Die Klubs teilen sich wie folgt auf:

Bezeichnung Typen
„Praktiker“ (Pragmatists): sensorisch und logisch ESTJ     ISTJ     ESTP     ISTP
„Sozialmenschen“ (Socials): sensorisch und ethisch ESFJ     ISFJ     ESFP     ISFP
„Forscher“ (Researchers): intuitiv und logisch ENTJ     INTJ     ENTP     INTP
„Humanitäre“ (Humanitarians): intuitiv und ethisch ENFJ     INFJ     ENFP     INFP

Praktiker haben ST gemeinsam und sind praktisch und konkret in ihren Fähig- und Tätigkeiten. Visionen mögen sie wenig, sondern machen Dinge lieber auf konventionelle Art. Ihre eigenen Gefühle kennen sie nicht gut und sind oftmals abrupt gegenüber anderen. Sie können gut Autoritäten sein, ebenso wie welchen befolgen. Diesen Klub trifft man oft im Management und der Armee an.

Sozialmenschen haben SF gemeinsam und sind wohl am meisten an sozialen Kontakten und materiellen Werten interessiert. Sie verstehen es, sich ins rechte Licht zu rücken und wissen, wie sie auf andere wirken. Eine Schwäche dieses Klubs ist die hohe Subjektivität und die geringe Skepsis. Dadurch überschätzen sie sich oft und werten Ereignisse mitunter zu persönlich. Sozialmenschen trifft man oft im Dienstleistungsbereich an.

Forscher haben NT gemeinsam und sind analytisch und erfinderisch. Sie lieben es, zu denken und entwickeln mit ihrer reichhaltigen Vorstellungskraft oft ungewöhnliche Lösungsansätze. Doch bei der Implementation dieser scheitern sie oft, wegen geringen sozialen Fähigkeiten und wegen Vernachlässigen der Details. Diesen Klub findet man oft in Laboren und Fakultäten.

Humanitäre haben NF gemeinsam und haben eine hohe Vorstellungskraft bezüglich sozialen Beziehungen. Sie wissen, was in anderen vorgeht und können wohl am Besten mit Menschen umgehen. Ihre Emotionen sind aber auch gleichzeitig ihre Schwäche, denn durch sie können schon kleinste Probleme Stimmungsschwankungen auslösen und zu Depressionen führen. Da ihre Phantasie ihren Pragmatismus überwiegt, sind sie vermutliche die am wenigsten praktischen Personen aller Klubs. Humanitäre trifft man oft in der Literatur und den Massenmedien an.

Weblinks: Socionics: Talents and Relations, The „Clubs“ (or Attitudes To Kinds of Activities)

Typen

Nachdem die Priorität der ersten beiden Funktionen aus Intuition/Sensorik (N/S) und Ethik/Logik (F/T) bekannt sind, können alle anderen Funktionen und der Sozionik-Typ interpoliert werden. Introversation und Extroversation sowie perceiving und judging ergibt ergibt sich aus der dominierenden Funktion:

  • ist sie introvertiert oder extrovertiert so ist es auch der Sozionik-Typ;
  • ist sie eine irrationale Funktion (Ni/Ne/Si/Se), so handelt es sich um einen perceiver;
  • ist sie rational (Fi/Fe/Ti/Te), so folgt daraus ein judger (in MBTI: judging oder perceiving wird aus der ersten extrovertieren Funktion geschlossen).

Die perceiving- und judging-Funktion wird immer klein geschrieben und ans Ende gestellt; Introversation und Extroversation hingegen wird groß geschrieben und an den Anfang gestellt.

Jeder Typus lässt sich auf verschiedene Weisen benennen:

  • mit den Funktionen oder deren Symbolen (z. B. Ni Fe für INFp)
  • Die Bezeichnung oder die dem Typ zugeordnete Person kann synonym verwendet werden, z. B. Der Mentor oder Hamlet für ENFj
  • als Tupel:
    • als Zweitupel: dabei werden die Einbuchstaben-Bezeichnungen der ersten beiden Funktionen benutzt (z. B. RI für INFj). Diese Notation wird in der Praxis selten angewandt.
    • als Dreitupel, dessen ersten beiden Buchstaben die dominierenden Funktionen angeben und dessen letzter das Attribut der ersten Funktion spezifiziert (z. B. SLI für sensorisch logisch introvertiert (ISTp)). In Sozionik-Kreisen ist diese Notation am weitesten Verbreitet.
      • Langform des Dreitupels, z. B. intuitiv-logisch extrovertiert für ILE (ENTp).
    • als Viertupel, der die Extremwerte der Dimensionen Intuition, Sensorik, Ethik und Logik (N/S/F/T) zusammenfasst (z. B. ENTp). Besonders durch MBTI-Einflüsse wird diese Notation häufig verwendet.

Unter Umständen existieren auch weitere Möglichkeiten.

Typologie-Tabelle
Wertigkeit Wahrnehmung Entscheidung Dominante Bezeichnung Typus Stereotyp kurz A-Modell Ego
Extrovertiert Intuition Logik rational Jack London ENTj Unternehmer
(Entrepreneur)
LIE Te Ni Fe Si
Fi Se Ti Ne
irrational Don Quijote ENTp Erfinder
(Searcher)
ILE Ne Ti Se Fi
Si Fe Ni Te
Ethik rational Hamlet ENFj Mentor EIE Fe Ni Te Si
Ti Se Fi Ne
irrational Huxley, auch:
Tom Sawyer
ENFp Psychologe IEE Ne Fi Se Ti
Si Te Ni Fe
Sensorik Logik rational Stirlitz, auch:
Sherlock Holmes
ESTj Verwalter
(Director)
LSE Te Si Fe Ni
Fi Ne Ti Se
irrational Shukow ESTp Stratege
(Legionnaire)
SLE Se Ti Ne Fi
Ni Fe Si Ti
Ethik rational Hugo ESFj Bonvivant
(Enthusiast)
ESE Fe Si Te Ni
Ti Ne Fi Se
irrational Caesar, auch:
Napoleon
1
ESFp Diplomat
(Politician)
SEE Se Fi Ne Ti
Ni Te Si Fe
Introvertiert Intuition Logik rational Robespierre, auch:
Descartes
INTj Analytiker LII Ti Ne Fi Se
Fe Si Te Ni
irrational Balzac INTp Kritiker ILI Ni Te Si Fe
Se Fi Ne Ti
Ethik rational Dostojewski INFj Humanist EII Fi Ne Ti Se
Te Si Fe Ni
irrational Jessenin, auch:
Bradbury
INFp Lyriker
(Dreamer)
IEI Ni Fe Si Te
Se Ti Ne Fi
Sensorik Logik rational Maxim Gorki ISTj Pragmatiker
(Inspector)
LSI Ti Se Fi Ne
Fe Ni Te Si
irrational Gabin ISTp Meister
(Craftsman)
SLI Si Te Ni Fe
Ne Fi Se Ti
Ethik rational Dreiser ISFj Bewahrer
(Conservator)
ESI Fi Se Ti Ne
Te Ni Fe Si
irrational Dumas ISFp Vermittler
(Mediator)
SEI Si Fe Ni Te
Ne Ti Se Fi

1 Der Typus „Caesar“ wird historisch bedingt fälschlicherweise auch als „Napoleon“ bezeichnet. Dazu siehe [11] (russisch)

Die Typen im A-Modell visualisiert
ILE (ENTp)
SEI (ISFp)
ESE (ESFj)
LII (INTj)
EIE (ENFj)
LSI (ISTj)
SLE (ESTp)
IEI (INFp)
SEE (ESFp)
ILI (INTp)
LIE (ENTj)
ESI (ISFj)
LSE (ESTj)
EII (INFj)
IEE (ENFp)
SLI (ISTp)

Beschreibung und Informationen zu den einzelnen Typen: [12] [13] [14] [15] [16]

Korrelation mit MBTI

Die Sozionik-Typen und -Funktionen sind nicht zwangsläufig mit denen von MBTI oder Keirsey vergleichbar. Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass bei introvertierte Typen perceiving und judging vertauscht wird. In Einzelfällen mag das durchaus vorkommen, allerdings ist eine Verallgemeinerung falsch. Der Mythos stammt von der Anordnung und Interpretation der Funktionen.
Beispiel am Falle eines INTP:

  • INTP: Ti, Ne, Si, Fe
  • INTp: Ni, Te, Si, Fe
  • INTj: Ti, Ne, Fi, Se

Was anfangs diffus anmutet wird schnell klar: bei einem INTP (MBTI) stimmen die ersten beiden Funktionen mit dem eines INTj und nicht INTp (Sozionik) überein. Daraus kann man aber weder auf eine Vertauschung noch auf eine Beibehaltung der Typen in beiden Systemen schließen, sondern muss Personen unter Umständen in beiden Systemen getrennt zuordnen. [17]
Der Vergleich hinkt aber insofern, als die Funktionen bei beiden Systemen ebenfalls anders aufgefasst werden. Daher sind die Typen oftmals nicht vertauscht, sondern werden lediglich in andere Richtungen hin interpretiert. Hierbei wird schnell klar, dass MBTI zu Jungs Typen eine neue Dimension judging/perceiving (J/P) hinzugefügt hat, während sich J/P bei Sozionik mit der Dimension rational/irrational deckt. Bei MBTI folgt J/P immer aus der ersten extravertierten Funktion, bei Sozionik immer aus der ersten Funktion.

Weitere Unterschiede zwischen MBTI und Sozionik sind, dass MBTI die politische Korrektheit wahrt und die Beschreibungen weitgehend positiv ausfallen, während Sozionik mehr auf negative Züge wie Neurosen eingeht. In MBTI respektive Keirsey wird der Typ meist durch Fragebögen ermittelt, bei Sozionik meist durch Beobachtung, Interviews, V.I. oder externe Daten. Fragebögen sind in der Sozionik verpönt, weswegen es nur wenige inoffizielle gibt und kein offizieller geplant ist. Stattdessen kann man von der offiziellen Sozionik-Seite einen multifaktoriellen Test (MT) herunterladen. Ausgefüllt und kombiniert mit Fotos sowie einer kurzen Selbstbeschreibung, können Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit den Persönlichkeitstyp vorhersagen.

Des weiteren hat Sozionik neben den 16 Typen zusätzlich noch 32 Untertypen (subtypes), die auf den ersten beiden Funktionen basieren. Ein INTj beispielsweise kann noch einen logischen und intuitiven Untertyp unterteilt werden.

Der Grund warum trotz unterschiedlicher Funktionen und Interpretationen Typen in beiden Systemen dennoch vergleichbar sind, ist das beide dasselbe Axiom haben (nämlich Jung) und beide auf Beobachtungen basieren.

In der Praxis gibt es jedoch Typen, die unverändert in beiden Systemen übereinstimmen und welche, die gänzlich unterschiedlich sind.
Beispiele: (Keirsey → Sozionik)

Anmerkung: Die Typen entsprechen denen, die auf offizieller Seite postuliert werden und müssen nicht von jedem geteilt werden.

Weblinks:

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