Bassevi

Jacob Bassevi von Treuenberg (* 1580; † 2. Mai 1634 in Mladá Boleslav) war böhmischer Hoffaktor und Finanzier.

Leben

Jacob Bassevi, auch Bashevis, war ein Sohn des aus Italien stammenden Abraham Basch. Bassevi begann früh mit geschäftlichen Aktivitäten und spezialisierte sich zuerst auf den Silberhandel.

Aufgrund seines Vermögens konnte er wesentlich zur Finanzierung der Habsburger Kaiser Rudolf II., Matthias, und Ferdinand II beitragen. Gemeinsam mit anderen leistete er ihnen finanzielle Unterstützung, speziell Ferdinand, der große Summen für die Durchführung des Dreißigjährigen Krieges benötigte. So pachtete er ab dem 1. Februar 1622 zusammen mit Hans de Witte, Albrecht von Wallenstein, Karl von Liechtenstein und Paul Michna von Vacínov von Kaiser Ferdinand II. das Münzregal von Niederösterreich, Böhmen und Mähren auf ein Jahr. Nach außen trat Hans de Witte als Vertreter des Konsortiums in Erscheinung. Zur Finanzierung der Pacht und um Mittel für die wachsenden Kriegskosten aufzubringen, wurden Münzen geprägt, die teilweise nur ein Sechstel des angegebenen Silbergehaltes aufwiesen. Der Handel mit ausländischen Münzen wurde vom Kaiser verboten. Damit leisteten sie einen gewaltigen Beitrag zur Münzverschlechterung der Kipper- und Wipperzeit. Mit dem Geld kauften Liechtenstein und Wallenstein die Güter zwangsenteigneter Gutsherrn. Wallenstein finanzierte seine Feldzüge im Dreißigjährigen Krieg.

Als Anerkennung für seine Dienste wurde Bassevi in den Adelsstand erhoben und erhielt den Titel „von Treuenberg“ sowie ein Wappen, bestehend aus einem blauen Löwen mit acht roten Sternen auf blauem (Graetz zufolge) bzw. schwarzem Untergrund. Ferdinand II. verlieh ihm, zusätzlich zu den bereits von seinen Vorgängern erteilten Privilegien, weitere Rechte. So durfte Bassevi ungeachtet der sonst den Juden auferlegten Beschränkungen geschäftlich tätig sein, egal in welchem Teil des Reiches, egal ob in Städten, Dörfern oder auf Marktplätzen, in Prag und Wien und in anderen Orten - egal ob Juden dort üblicherweise das Recht hatten, zu wohnen, oder nicht. Sein Eigentum war von Steuern, Auflagen und anderen Verpflichtungen befreit; er hatte das Recht am Hof zu wohnen und musste sich vor keinem Tribunal außer dem des Hofmarschalls verantworten.

Als Vertreter der jüdischen Gemeinde wird Bassevi erstmals 1616 erwähnt. Er übte seinen Einfluss auch im Namen der Juden des Reiches und Italiens aus. Es ist seinen Anstrengungen und denen anderer jüdischer Geldgeber zu verdanken, dass nach der Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1621 die Prager Judenstadt von der Plünderung Prags und den Einquartierungen verschont blieb. Bassevi war ein enger Freund des obersten Rabbis von Prag, Yom-Tov Lipmann Heller. Dieser wurde am 5. Tammus (26. Juni) 1629 verhaftet und musste sich vor einer Kommission in Wien verantworten, offiziell weil er einen Talmudkommentar verfasst hatte. Bassevi steuerte ein Fünftel der Strafe in Höhe von 10.000 Reichstalern bei und trug damit zur Verhinderung der öffentliche Auspeitschung Hellers bei. Bassevs spendete auch große Summen zur Unterstützung der Armen in Palästina. Mit dem Verlust der kaiserlichen Gnade für seinen Geschäftspartner Wallenstein fiel auch Bassevi in Ungnade und musste im Jahr 1631 nach Jičín, dem Zentrum von Wallensteins Herzogtum Friedland, flüchten, wo er zunächst als dessen Hoffaktor weiterhin tätig war. Am 2. Mai 1634 starb Bassevi in Mladá Boleslav. Sowohl in der großzügigen Ausstattung mit Privilegien, als auch in seinem jähem Fall stellt Bassevi den Prototyp des jüdischen Hoffaktors dar.

Literatur

  • Heinrich Graetz: Geschichte der Juden. Von den ältesten Zeiten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Leipzig: Friese 1853-1876 (11 Bände). Reprint Directmedia Publications, Berlin 2004, ISBN 3-89853-444-8 (1 CD-ROM), S. 40 ff.
  • Gerson Wolf: Die Juden unter Ferdinand II. Nach Aktenstücken in den Archiven der K. K. Ministerien des Innern u. Äussern. In: Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums, Institut zur Förderung der Israelitischen Literatur, Leipzig 1. Jg. (1860) S. 238-239
  • Johannes B. Rietstap: Armorial Général. Précéde d'un dictionnaire des termes du blason, Heraldry Tody Historique, London 1972 (Repr. d. Ausg. London 1884) S. 128 (Hinweis darauf, dass Bassevi den Titel „von Treuenfeld“ erhielt).



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