Bateau-Lavoir
Le Bateau-Lavoir, Foto aus heutiger Zeit

Le Bateau-Lavoir war ein verwahrlostes Haus auf dem Montmartre in Paris, gelegen in 13 Rue Ravignan (heute 11bis Place Émile Goudeau). Der Name des Hauses ging in die Kunstgeschichte ein, da um die Wende zum 20. Jahrhundert eine Gruppe von später berühmt gewordenen Künstlern dort gelebt und Ateliers gemietet hatte.

Inhaltsverzeichnis

Das Haus

Maxime Maufra war im Jahr 1892 der erste Mieter in dem Haus, das zu diesem Zeitpunkt noch „Maison du Trappeur“ (Haus des Fallenstellers) genannt wurde. Es folgten spanische und italienische Künstler im Umkreis des Sammlers und Malers Paco Durio.[1] Der deutsche Maler Friedrich Ahlers-Hestermann, Schüler der Académie Matisse, beschrieb das Atelierhaus als „eine unheimlich große Holzbaracke, die, nach der Place Ravignan zu einstöckig, sich hinten fünf Stockwerke tief am Abhang erstreckte.“[2] Der Name bedeutet „Waschboot“, da das Haus den Booten von Waschfrauen auf der Seine ähnelte; der Schriftsteller und Maler Max Jacob verlieh ihm seinen Namen.

Anfang des 20. Jahrhunderts lebten eine Reihe bekannter Künstler und Schriftsteller im Bateau-Lavoir. Einer der Bewohner war Picasso, der dort von 1904 bis 1909 mit seinem Hund Frika lebte. Hier malte er die ersten kubistischen Werke, und auch sein Gemälde Les Demoiselles d’Avignon entstand an diesem Ort. Das Atelierhaus Bateau-Lavoir kann daher als Geburtsort des Kubismus bezeichnet werden. Außerdem fanden Kees van Dongen, Otto Freundlich, Pablo Gargallo, Juan Gris, Max Jacob, Amedeo Modigliani, Pierre Reverdy und André Salmon hier ihre bezahlbare Unterkunft in dem sonst teuren Paris.

Nach Aussagen seiner Tochter Jeanne hat Amedeo Modigliani im Bateau-Lavoir eines Nachts in betrunkenem Zustand eine Anzahl Bilder von befreundeten Malern zerstört. Weiterhin war das Haus ein Treffpunkt vieler bekannter Personen der Avantgarde, wie beispielsweise Guillaume Apollinaire, Georges Braque, Henri Matisse, Jean Cocteau und Gertrude Stein, die die dort lebenden Künstler besuchten.

Seit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 zogen viele Künstler in die Siedlung La Ruche im Quartier Montparnasse um.

Am 12. Mai 1970 wurde das Gebäude durch einen Brand zerstört[3] und durch einen Neubau, der wiederum Künstlerateliers beherbergt, ersetzt. Heute ist der Ort ein Ziel für ausländische Kunstinteressierte.

Das Bankett für Rousseau

Henri Rousseau: Portrait de femme, auch Yadwigha genannt, um 1895, Musée Picasso, Paris

Im Jahr 1908 fand ein Bankett für Henri Rousseau in Picassos Studio im Bateau-Lavoir statt, an dem alle Montmartre-Künstler teilnahmen. Dieses Bankett ist ebenfalls in die Kunstgeschichte eingegangen. Der Anlass war der Verkauf des ersten Bildes von Rousseau, übrigens an Picasso, der das Bild Portrait de femme 1907 für fünf Francs gekauft hatte. Dieses Gemälde nahm Picasso bei allen Umzügen mit und behielt es bis zu seinem Tod.

Teilnehmer des bekannten Festes waren unter anderem Apollinaire, Braque, Salmon, Marie Laurencin, Modigliani, der Galerist Wilhelm Uhde, Gertrude und Leo Stein sowie Gertrudes Freundin Alice B. Toklas.[4] Rousseau war vom Wert seiner Malwerke so vollkommen überzeugt, dass er unter den Zeitgenossen neben sich nur noch Picasso gelten ließ, dessen Malweise er aus unerklärlichen Gründen für „ägyptisch“ hielt. „Wir sind die beiden größten Maler dieser Zeit“, sagte er auf dem Bankett zu Picasso, „du im ägyptischen Stil und ich im modernen.“

Henri Rousseau: Selbstporträt, 1902/03, Musée Picasso, Paris

Über dieses historische Essen, eines der berühmtesten Ereignisse aus der Kinderzeit der modernen Kunst, gibt es mindestens fünf Zeugenberichte, die einander jedoch erheblich widersprechen. Nach Auskunft der Gastgeberin, Picassos damaliger Gefährtin Fernande Olivier, saß der Zöllner auf einem „Thron“, einem Stuhl, der auf einer Kiste stand; das Atelier war mit Fahnen und Lampions geschmückt, und auf einem Spruchband stand: „Hoch lebe Rousseau!“[5][6]Die Schriftstellerin Ursula von Kardorff berichtet in ihrem Buch „Adieu Paris“ über das Fest, dass Rousseau sich gerührt bei den Rednern bedankte und seine Violine holte, um auf ihr zu spielen: „Dabei bemerkte er nicht, wie das Wachs der Kerzen auf seine Glatze heruntertropfte und einen kleinen Hügel bildete. Braque spielte Ziehharmonika, alles tanzte. Jedermann war schön blau. Nüchtern blieben nur die Geschwister Gertrude und Leo Stein und die Freundin Alice Toklas. […] Das Fest endete, als die Sonne schon am Himmel stand. [7]

Literatur

  • Ursula von Kardorff: Adieu Paris. Rowohlt Verlag, Reinbek 1993, ISBN 3-499-13159-5, S. 29–32.

Einzelnachweise

  1. Le Bateau-Lavoir. montmartrenet, abgerufen am 2. Dezember 2008.
  2. Wilfried Wiegand: Picasso. Rowohlt 1973, S. 42
  3. William Rubin: Pablo Picasso. A Retrospective, with 758 plates, 208 in colour, and 181 reference illustrations. The Museum of Modern Art, New York, Thames and Hudson, London 1980, S. 421
  4. Tony Perrottet: Partying with Pablo. Drexel University 8. Juli 2008, abgerufen am 19. September 2008.
  5. Der Spiegel, 5. April 1961; Titel: Zöllner Rousseau. Aus dem Warenhaus. Zugriff am 20. September 2008
  6. John Malcolm Brinnin: Das Banquet Rousseau, in: Die dritte Rose. Gertrude Stein und ihre Welt. www.tangentenberührung.de, abgerufen am 20. September 2008.
  7. Ursula von Kardorff: Adieu Paris. Rowohlt, Reinbek 1993, S. 29/30

Weblinks

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