Velbert-Neviges

Neviges ist ein Stadtteil von Velbert im Kreis Mettmann im Land Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland. Neviges hat gegenwärtig 19.376 Einwohner (Stand: 1. Juli 2008).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Ortschaft liegt in Niederberg im Bergischen Land im Tal des Hardenberger Baches. Der Velberter Stadtbezirk grenzt an Wuppertal, Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) und Wülfrath (Kreis Mettmann).

Wappen

ehemaliges Nevigeser Wappen (bis 1975)

Das Nevigeser Wappen zeigt einen Turm des Schloss Hardenberg mit dem Wappen der Herren von Hardenberg. Das angedeutete Gewässer darunter bezieht sich heraldisch auf den für Neviges namensgebenden Hardenberger Bach.

Geschichte

Der Ortsname ist abgeleitet von Navigisa, der Bezeichnung des Hardenberger Bachs. Beide Namensbestandteile (nava, gisa) bedeuten soviel wie Gewässer, Fluss. Erstmals erwähnt wurde die Ortschaft 1220 als Bestandteil der unabhängigen Herrschaft Hardenberg.

Zum Ortsgebiet gehörten damals 13 Bauerschaften. Bereits 1354 wurde die Herrschaft jedoch von ihrem damaligen Inhaber, dem Ritter Heinrich von Hardenberg, aus finanziellen Gründen an den Grafen Gerhard von Jülich-Berg und Ravensberg verkauft. Nach 142 Jahren, in denen Hardenberg von bergischen Amtleuten verwaltet wurde, ging Neviges 1496 als erbliches Lehen an Bertram von Lützerode über.

Als Unterherrschaft bewahrte sich der Ort eine gewisse Selbständigkeit; Steuer- und Gerichtshoheit verblieben etwa bis 1806 in Hardenberg. Ähnliches kam auch in einer stärkeren Unabhängigkeit gegenüber den Landesherren zum Ausdruck, die sich unter anderem darin zeigte, dass sich die Nevigeser bereits 1551 das Recht erkaufen konnten, ohne Einspruch der Herrschaft zu heiraten. 1573 konnten sie zudem die Ablösung von Hand- und Spanndiensten, 1615 die Einschränkung der Wachtdienste erwerben.

Im Gefolge der Reformation wurde Neviges 1589 zum Tagungsort der ersten Bergischen Synode. Der damalige Inhaber der Herrschaft Wilhelm von Bernsau und seine Nachfolger wurden bis zu ihrer Rückkehr zum Katholizismus im Jahre 1649 zu Schutzherren der Reformation.

Auf eine angebliche Marienerscheinung des Dorstener Franziskanermönches Antonius Schirley ging die Stellung von Neviges als Wallfahrtsort zurück. Als der Fürstbischof von Paderborn und Münster, Ferdinand von Fürstenberg, nach schwerer Krankheit unerwartet seine Gesundheit wiedererlangte, unternahm er zum Dank eine Pilgerfahrt nach Neviges und finanzierte auch die Fertigstellung des dort als Teil einer katholischen Gegenbewegung bereits im Bau befindlichen Franziskanerklosters. 1688 wurde die Pilgerfahrt durch den Kölner Generalvikar offiziell genehmigt. Durch Papst Klemens XII. wurde allen Hardenberg-Pilgern völliger Sündenablass versprochen.

Bereits 1847 begann in Neviges durch die Prinz-Wilhelm-Bahn zwischen (Essen-)Steele und (Wuppertal-)Vohwinkel das Zeitalter der Eisenbahn. Der alte, seit dem 27. April 2003 stillgelegte Bahnhof hat sich bis heute erhalten und steht unter Denkmalschutz. In der Folge der Industrialisierung wurde 1861 von der Firma David Peters eine „Unterstützungskasse für Krankheit und Sterbefälle“ eingeführt, die heute noch als vorbildlicher Schritt zu einer betrieblichen Sozialabsicherung gilt.

1894 von seinem ursprünglichen Namen Hardenberg in Hardenberg-Neviges umbenannt, erhielt die Ortschaft im Jahre 1922 Stadtrechte; dreizehn Jahre später erfolgte die endgültige Umbenennung in Neviges. Langenberg, ursprünglich Bestandteil des Gemeindeverbands, hatte sich bereits 1859 von Neviges getrennt.

1968 wurde der von dem Architekten Gottfried Böhm als großes Zelt konzipierte Nevigeser Wallfahrtsdom fertiggestellt und erhielt den Namen „Maria, Königin des Friedens“.

Im Rahmen der Gemeindereform von Nordrhein-Westfalen verlor Neviges am 1. Januar 1975 seine Stadtrechte und wurde - wie auch der Nachbarort Langenberg - in die Stadt Velbert eingemeindet. Der bis dahin zur Stadt Neviges gehörende Ortsteil Dönberg fiel an Wuppertal. Gleichzeitig wurde der Velberter Stadtteil Tönisheide dem Stadtbezirk Neviges zugeordnet.

Religionen

In Neviges gibt es seit Jahrhunderten, für einen katholischen Wallfahrtsort ungewöhnlich, eine evangelische Mehrheit. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Neviges trifft sich in der von einem Oval von Fachwerkhäusern umgebenen Stadtkirche und der im Ortsteil Siepen in den 60er Jahren erbauten Kirche. Ökumenisch sind u.a. das Sternsingen und das Pfarrgemeindefest.

Wirtschaft

Die Wirtschaft ist dominiert durch mittelständische Industriebetriebe, die u. a. in der Metallverarbeitung tätig sind.

Verkehr

Neviges ist seit 2003 durch eine zweigleisige S-Bahn-Linie, die auf der Strecke der historischen Prinz-Wilhelm-Eisenbahn verkehrt, an die Städte Essen im Norden und Wuppertal im Süden angebunden. Von den zwei behindertengerecht ausgestatteten Haltepunkten befindet sich einer im Zentrum und einer, Velbert-Rosenhügel, am südlichen Stadtrand. Die planmäßige Fahrtzeit vom Zentrum beträgt etwa 26 Minuten zum Essener Hauptbahnhof und 22 Minuten zum Hauptbahnhof Wuppertal.

Außerdem bestehen Buslinien in das Stadtzentrum von Velbert, in den Ortsteil Langenberg sowie nach Wuppertal. Die A 535, ehemals Bundesstraße 224, verbindet Neviges nicht nur mit Velbert-Mitte, sondern über das Sonnborner Kreuz in Wuppertal auch mit der A 46.

Freizeiteinrichtungen

Sehenswürdigkeiten

Sport

  • Am 1. März 1972 wurde der Rollsport-Club Neviges gegründet, der Mitglied im Rollsportverband Nordrhein-Westfalen ist.
  • Im Jahre 1862 wurde der NTV (Nevigeser Turnverein) gegründet, er bietet bis heute verschiedene Sportarten an, wobei die Schwerpunkte im Turnen, Handball, Leichtathletik und im Jazzdance liegen.
  • Seit 1968 gibt es den Mini-Golf-Club Neviges.
  • Seit dem Jahre 1945 gibt es den TuS Neviges, auch ein Breitensportverein, dessen Hauptaugenmerk in den Bereichen Fußball, Tischtennis, Tennis und Gymnastik liegen.
  • Der Schwimmverein Neviges besteht seit dem 28. Oktober 1974 und wurde als Reaktion auf den Bau des Nevigeser Schwimmbads gegründet. Neben der Schwimmausbildung ist der Verein im Wettkampfsport aktiv; sowohl Herren- als auch Damenteam waren zeitweilig in der 2. Bundesliga vertreten. Herausragende sportliche Erfolge waren die Auszeichnung zum Vize-Europameister in der Lagen-Mixed-Staffel und der Gewinn einer Bronzemedaille 1995 im italienischen Riccione durch die Freistilstaffel.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter

Literatur

  • Christoph Schotten: Neviges - Bewegte Zeiten. Die 50er Jahre. Gu­dens­berg: Wartberg-Verlag 1999.
  • Gerd Haun / Uwe Holtz / Willi Willebrand: 50 Jahre Stadtrechte Neviges. Neviges: Bühner-Druck 1972.
  • Kurt Wesoly: Rheinischer Städteatlas 077. Neviges. Köln Böhlau-Verlag 2001, ISBN 3-412-11601-7.

51.3127777777787.08694444444447Koordinaten: 51° 19′ N, 7° 5′ O


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