Bauer Maas

Josef Maas (* 19. Januar 1931 in Kalkar-Hönnepel/Niederrhein; † 3. Juni 2008 in Blomberg/Ostwestfalen) war ein politischer Aktivist und eine Symbolfigur der jungen ökologischen Bewegung in Deutschland. Bekannt als Bauer Maas, führte er den juristischen und öffentlichen Widerstand gegen das Kernkraftwerk Kalkar an. Vor allem aufgrund dieses Widerstands ging der Schnelle Brüter letztlich nie in Betrieb – und die Technologie wurde in Deutschland aufgegeben. Als ein Kristallisationspunkt des Antiatomprotests war "Kalkar" zugleich ein wichtiger Anstoß zur Gründung der Partei Die Grünen.

Josef Maas setzte sich seit den späten 1960er Jahren mit beharrlicher Unbeugsamkeit gegen die Errichtung des Brutreaktors zur Wehr. Ab 1972 führte er als Hauptkläger einen fast vierzehn Jahre dauernden Rechtsstreit gegen das Projekt, für den sich Maas mit 1,5 Mio. D-Mark verschuldete. Zugleich sensibilisierte und mobilisierte Maas mit seinen Unterstützern die Öffentlichkeit; die Demonstrationen in Kalkar Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre zählen zu den größten Anti-AKW-Kundgebungen in Deutschland. Im Verlauf dieses Kampfes gegen Energieindustrie, Politik und Kirche entwickelte sich "der Held von Kalkar" ("Der Spiegel") vom konservativen CDU-Mitglied und Kirchenvorstand zum Öko-Rebellen und Grünen-Landtagskandidaten.

Zu Jahresbeginn 1985 informierte Maas seine Mitstreiter, dass er seinen Hof – den er in zehnter Generation bewirtschaftete – wegen Überschuldung verkaufen muss. Im Februar beschloss die NRW-Landesregierung, dem Schnellen Brüter die Betriebsgenehmigung zu verweigern. Als Maas bis Jahresende keinen Käufer für seinen Hof gefunden hatte, erhielt er von den Kraftwerksbauern ein Kaufangebot, das an die Bedingung geknüpft war, seine Klage fallen zu lassen. Josef Maas, inzwischen auch "gesundheitlich und nervlich ausgelaugt vom langen Streit" ("Die Zeit"), verkaufte. Nachdem die Landesregierung die Betriebsgenehmigung für den Reaktor immer wieder hinausgezögert hatte, verkündete die Bundesregierung im März 1991 das endgültige Aus für den Schnellen Brüter.


Quellen

"WDR"-Beitrag vom 25. März 2006 u.a. zur Verweigerung der Betriebsgenehmigung für den Brutreaktor durch die NRW-Landesregierung http://www.wdr.de/tv/aks/sowars/20060325_kalkar.jhtml

"Spiegel"-Leserbrief des ehem. Landesschatzmeisters der Grünen Klaus Stawitzki vom 2. Dezember 1985 zur mangelnden finanziellen Unterstützung der NRW-Grünen für Josef Maas http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=13514507&top=SPIEGEL

"Zeit"-Beitrag vom 22.11.1985 zu den Umständen des Verkaufs von Maas' Hof http://hermes.zeit.de/pdf/archiv/1985/48/Bauer-Ma-gibt-auf.pdf

"Spiegel"-Interview mit Minister Friedhelm Farthmann vom 1. Juli 1985 über den Kurswechsel der NRW-Landesregierung hinsichtlich des Reaktors http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=13513564&top=SPIEGEL

Solidaritäts-LP "Bauer Maas. Lieder gegen Atomenergie" von 1978 http://neu.frank-baier.de/index.php?id=52


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