Bauerchen

Bauerchen (auch Bauersche oder Bauersches) ist ein Stich-Kartenspiel, das regional begrenzt in der Pfalz und vor allem rund um Kaiserslautern gespielt wird. Gerne wird es in der Freizeit als Alternative für die bekannteren Kartenspiele wie Schafkopf oder Skat genutzt. Daneben finden regelmäßig Bauerchen-Turniere statt.

Inhaltsverzeichnis

Spielerzahl

Bauerchen wird mit vier Spielern gespielt, wobei die beiden Spieler, die sich diagonal gegenüber sitzen, ein Team bilden, was zu zwei Teams führt.

Spielmaterial

Farben des französischen Blattes
Karo Herz Pik Kreuz
SuitDiamonds.svg SuitHearts.svg SuitSpades.svg SuitClubs.svg

Gespielt wird mit 20 Karten mit französischem Bild. Es kann dazu ein Deck Skat-Karten verwendet werden, aus denen alle Spielkarten der Werte 7 bis 9 entfernt werden.

Rangfolge der Karten

Stichkraft

Innerhalb jeder der vier Farben (Kreuz, Pik, Herz, Karo) existieren fünf Kartenwerte in der Reihenfolge (beginnend mit dem höchsten Kartenwert): Ass > Zehner > König > Dame.

Trümpfe

Ständige Trümpfe sind die so genannten Bauern (Buben), von denen das Spiel seinen Namen erhalten hat. Zusätzlich sind immer alle Kartenwerte einer Farbe Trumpf, wobei die Rangfolge der Kartenwerte innerhalb dieser Farbe erhalten bleibt. Folglich sind stets acht Trümpfe im Spiel. Diese sind vom besten Bauer zum schlechtesten Farbtrumpf abgestuft: Kreuz-Bauer > Pik-Bauer > Herz-Bauer > Karo-Bauer > Trumpf-Ass > Trumpf-10 > Trumpf-König > Trumpf-Dame.

Augenzahl

Die Augenzahlen der einzelnen Kartenwerte betragen wie folgt:

Karte Symbol Augen
Ass A 11
Zehn 10 10
König K 4
Dame D 3
Bauer (Bube) B 2

Zudem bringt der letzte Stich in einem Spiel 10 Punkte extra, so dass in einem Spiel insgesamt 130 Punkte zu verteilen sind.

Ein Spiel bedeutet einen Durchgang mit 5 Stichen, eine Runde sind mehrere Spiele - bis ein Team 12 Punkte erreicht hat. Den Stein, oder auch Knoddel genannt, bekommt das Team, das 2 Runden gewonnen hat und danach wird ein neuer Stein ausgespielt.

Spielweise

Kartenverteilung

Die Kartenverteilung erfolgt - ebenso wie das eigentliche Spiel - im Uhrzeigersinn. Derjenige, der die Karten mischt, gibt sie zum Abheben an die Person, die rechts von ihm sitzt. Danach werden die Karten ausgeteilt. Beginnend bei der Person, die links vom Kartengeber sitzt, bekommt jeder Spieler zuerst zwei, dann drei Karten.

Bestimmung der Trumpffarbe

Der Spieler, der als ersten die Karten bekommt (der Spieler links des Kartengebers, Vorhand), betrachtet seine Karten und sagt an, welche Farbe im aktuellen Spiel Trumpf sein soll. Haben alle Spieler ihre Karten aufgenommen, spielt der Trumpfansager seine erste Karte aus. Ist ein Spiel beendet, mischt der Trumpfansager die Karte neu.

Bedienregeln

Jeder Spieler muss nach folgenden Regeln den Stich bedienen:

1. Man MUSS immer die Farbe bedienen, die ausgespielt wird (Farbzwang).

2. Kann man nicht bedienen, MUSS man trumpfen (Trumpfzwang).

3. Kann man nicht trumpfen, ist eine andere Karte zu legen (wobei man möglichst dem eigenen Teampartner Karten mit hoher Punktzahl (sog. "schmieren") und dem Gegner Karten mit kleiner Punktzahl in die jeweiligen Stiche legt).

4. Wird Trumpf gespielt, MUSS stets der beste Trumpf im Stich übertrumpft werden. Ist dies nicht möglich, MUSS trotzdem Trumpf gespielt werden. Falls auch dies nicht möglich ist, gilt Regel 3.

Weitere Besonderheiten im Spielverlauf

  • Naturstich: Ein Farbstich liegt dann vor, wenn kein Trumpf ausgespielt wurde und der Stich somit "natura" über den Tisch geht, d.h. das Ass den Stich macht (Ass, 10, König, Dame).
  • Melden: Hat man König und Dame von einer Farbe auf der Hand und spielt eine Karte von beiden an, kann man "20" melden, d.h. auf dem Punkteblatt wird ein extra Rundenpunkt gutgeschrieben. Ist die Farbe sogar Trumpf, meldet man "40" und es werden 2 Punkte gutgeschrieben. Ein Spiel kann NICHT ausgemeldet werden zu 12 Punkten.
  • Spritzen: Die Mannschaft, die Trumpf ansagt, spielt "zuhause" und die gegnerische Mannschaft somit "auswärts". Ein Spieler der gegnerischen Mannschaft hat das Recht zu "spritzen", wenn er siegessicher ist, d.h. am Ende eines Spiels werden die Punkte des aktuellen Spiels verdoppelt. Die Heimmannschaft kann jedoch zurückspritzen ("retour", "re",...), was als Konsequenz eine weitere Verdopplung der Spielpunkte hat. Spritzen kann man beliebig oft zurückgeben und steigern, wobei meist 3-4 ausreichen, um eine Runde zu beenden.
  • Kart' ab: Ist man sich sicher, dass man alle Stiche alleine macht (also ohne die Hilfe seines Partner zu benötigen), dann kann man "Ledig", "Buckel" oder "Kart' ab" ansagen, was bedeutet, dass der eigene Partner seine Karten verdeckt auf den Tisch legt und nicht mehr mitspielt. Der Gewinner eines "Ledig-Spiels" bekommt automatisch 12 Punkte und beendet die Runde.

Punkteverteilung

Gespielt wird bis man 12 Punkte erreicht hat. Hat man 12 Punkte erreicht, bekommt die gegnerische Mannschaft einen "Knoddel". Hat der Gegner 2 Knoddel, gewinnt man selbst einen "Stein", was früher bedeutete, dass der Gegner nun einen Stein Bier, d.h. einen Liter Bier, spendieren muss.

Haben beide Gegner jeweils einen Knoddel, kommt das entscheidende Spiel, genannt "Gehampelter" oder "Hängo", wobei es viele andere Bezeichnungen gibt.

Je nach den Augenzahl (Spielpunkten) werden folgende Rundenpunkte notiert:

Gegnerische Mannschaft erzielt...

              0 Augen ("nackig gespielt"):         3 Rundenpunkte   
        8  - 32 Augen ("Schneider gespielt"):      2      "
        33 - 64 Augen ("Schneider frei"):          1      "

bei Punktgleichheit, sprich 65:65 Punkten gewinnt stets die Auswärtsmannschaft. Gewinnt die Auswärtsmannschaft erhält sie immer einen Punkt extra zusätzlich zu den Rundenpunkten (also 2,3 oder 4 Punkte). Bei "Spritzen" werden die Punkte jeweils um die Anzahl der Spritzen verdoppelt.

Optionale Regeln

  1. "Weiterschreiben": Eine Runde endet mit 12 Punkten, aber überzählige Punkte werden mit in die nächste Runde übernommen.Auch als Siegelbacher Regel bekannt.
  2. "40er-Regel bei 10 Rundenpunkten": statt die zusätzlichen 2 Rundenpunkte wird 1 Punkt notiert.
  3. "Die Letzte": bekommt man gleich zu Beginn 2 Bauern auf die Hand und muss Trumpf ansagen, kann man die eigene fünfte Karte, die letzte, rumdrehen und diese Farbe ist dann Trumpf im Spiel.
  4. "Ledig": Im Gehampelten gibt es kein "Ledig-Spiel".

Turniere

Bauersche Turniere finden unregelmäßig in verschiedenen Kneipen in und um Kaiserslautern statt. Die Startgebühr wird vom veranstaltenden Wirt ausgemacht.[1][2]

Einzelnachweise

  1. http://www.cdu-gv-otterbach.de/aktuelles.html
  2. http://www.mgv-dansenberg.de/start_download.php?datei=info28.

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