Baum der Erlösung
Filmdaten
Deutscher Titel: Baum der Erlösung
Produktionsland: Österreich
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 90 Minuten
Originalsprache: Deutsch, Türkisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Harald Sicheritz
Drehbuch: Felix Mitterer
Produktion: ORF
Kamera: Thomas Kiennast
Besetzung

Baum der Erlösung ist der Titel des 717. Tatort-Krimis. Der ORF-Fernsehfilm nach einem Drehbuch von Felix Mitterer wurde am 4. Jänner 2009 erstgesendet. Besondere Aufmerksamkeit insbesondere in Österreich erregte er durch die Verarbeitung des realen Minarettstreits von Telfs in der Krimihandlung.

Der ORF bettete den Film in einen Themenabend „Islam“ ein. Mit 1,039 Millionen Zuschauern und 35 % Marktanteil[1] erreichte der Tatort in Österreich eine ungewöhnlich hohe Einschaltquote.[2]

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Die junge Türkin Ayşe Özbay, Tochter des Patriarchen Kâzım, wird erhängt an einem Baum aufgefunden. Dieser Baum wird in der Bevölkerung, speziell unter den Migranten nur Der Baum der Erlösung genannt, da sich hier schon innerhalb des vergangenen Jahres vier junge Menschen aufgehängt haben, die zwangsverheiratet werden sollten. Die Polizei geht zunächst von Suizid aus. Moritz Eisner ermittelt gemeinsam mit einem Tiroler und einem türkischstämmigen Telfer Kollegen, er glaubt nicht an Selbstmord, zumal an der Toten Spuren von Gewalt gefunden werden. Der einheimische Freund des jungen Mädchens wird vermisst und schließlich mit eingeschlagenem Schädel in einem See gefunden. Der ältere Bruder des Mädchens, Serkan Özbay, hatte sich in der Nacht ungefähr zur Todeszeit auffällig bei der Mutter des Jungens nach ihrem Sohn erkundigt, ob er denn heute nicht im Lokal sei und bei ihr mithelfe - so als wolle er sich ein Alibi verschaffen.

Zu diesem Zeitpunkt war gerade das umstrittene Minarett fertiggestellt worden und die Stimmung im Dorf ist zwischen den einheimischen Tirolern und den islamischen Zuwanderern zum Teil nicht die Beste. Ihnen voran stehen zwei Clans, der der türkischen Familie mit Kâzım Özbay als Führer, dem Vater des toten Mädchens, und auf der Gegenseite der Patriarch Klaus Larcher.

Schließlich gerät der Sohn Larchers, Georg, in Verdacht, da auf seiner Arbeitszange Spuren gefunden werden, die vom Blut des ermordeten Jungen stammen könnten.

Begleitsendungen

In direktem Zusammenhang mit dem Film produzierte der ORF die Diskussionsrunde im Zentrum und ein Am Schauplatz spezial, der sich der derzeitigen Lage in Telfs widmete. Diese Sendungen wurden nur im nationalen Fernsehen ausgestrahlt. In der deutschen ARD lief der Baum der Erlösung unkommentiert.

Rezeption

Der Film wurde in österreichischen wie deutschen Medien überwiegend positiv aufgenommen. Bei einer Preview in Telfs zeigten sich bereits zuvor sowohl Einheimische wie Zuwanderer von dem Film „begeistert“.[3] Der renommierte Autor Mitterer, der das Drehbuch als Aufruf zur Versöhnung und als Geschenk an die Gemeinde Telfs verfasst hatte, äußerte erfreut: „Man hat nur selten das Gefühl, dass man etwas bewirkt hat.“ Das deutsche Nachrichtenmagazin Focus sah später indes insbesondere auch für die ARD-Zuschauer eine besondere Rezeptionschance: Der Blick auf Österreich erlaube „deutschen Zuschauern den Luxus der Distanz, durch die vieles klarer zu sehen ist. Ausländerhass der Einheimischen einerseits, radikale Abschottung der Zuwanderer andererseits dürften dies- wie jenseits der Alpen beunruhigende Phänomene sein. Doch wenn sie nicht am eigenen Beispiel vorgeführt werden, ist man nicht so empfindlich mit der (Selbst-)Erkenntnis“.[4]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Teletest – ORF-Quoten vom Sonntag, 4.1.2009 (abgerufen am 9. Jänner 2009)
  2. APA: 1,823 Millionen sahen ORF-Themenabend ‚Islam‘. Tiroler Tageszeitung online, 5. Jänner 2009 (abgerufen am 9. Jänner 2009)
  3. APA/DPA: ORF widmet Sonntagabend ‚Integration und Rassismus‘ Der Standard, 2. Jänner 2009 (abgerufen am 9. Jänner 2009)
  4. Gregor Dolak: Die Döner-Saga. Focus online, 5. Jänner 2009 (abgerufen am 9. Jänner 2009)

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