Baumhummer
Baumhummer
Präparierter männlicher Baumhummer (Dryococelus australis)

Präparierter männlicher Baumhummer (Dryococelus australis)

Systematik
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Unterordnung: Verophasmatodea
Familie: Phasmatidae
Unterfamilie: Eurycanthinae
Gattung: Dryococelus
Art: Baumhummer
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Dryococelus
Gurney, 1947
Wissenschaftlicher Name der Art
Dryococelus australis
(Montrouzier, 1855)

Der Baumhummer (Dryococelus australis) ist ein lange für ausgestorben gehaltenes Insekt aus der Ordnung der Gespenstschrecken (Phasmatodea) und der einzige Vertreter der Gattung Dryococelus.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Adulte Baumhummer sind flügellose, meist völlig schwarze, seltener dunkelbraun gefärbte Insekten. Nur Präparate oder Tiere unter Kunstlicht zeigen eine eher rotbraune Färbung. Der massige Körper ist annähernd frei von Dornen oder Stacheln. Lediglich die Männchen haben an den Schenkeln (Femuren) der Hinterbeine zwei kräftige, lange Dornen, wie sie auch bei vielen anderen Vertretern der Unterfamilie Eurycanthinae zu finden sind. Mit 100 bis 112 Millimetern bleiben sie etwas kleiner als die Weibchen, die eine Länge von 120 bis 133 Millimetern erreichen. Das Abdomen der Weibchen endet in einem schnabelförmigen, sekundären Legestachel, der die Geschlechtsorgane einschließlich des aus Anhängen des achten und neunten Abdominalsegments bestehenden eigentlichen Legeapparates (Ovipositor) umgibt. Verglichen mit dem Legestachel anderer Vertreter dieser Unterfamilie ist der obere Anteil, das als Subgenitalplatte oder Operculum bezeichnete achte Sternum, kürzer. Dadurch wird der obere Anteil des Legestachels vom verlängerten zehnten Abdominaltergum auf der Unterseite überragt.[1]

Lebensweise und Fortpflanzung

Die nachtaktiven Phasmiden verstecken sich tagsüber in Hohlräumen und kommen nur nachts zum Fressen an ihren Nahrungspflanzen heraus. Die Männchen sind untereinander aggressiv und paaren sich oft mit den Weibchen, die sie teilweise sogar bewachen. Wie auch andere Vertreter der Unterfamilie sitzen die Tiere oft übereinander in den Verstecken. Die Weibchen legen etwa alle zehn Tage Gelege von neun bis zehn Eiern in den Boden ab. Insgesamt werden pro Tier etwa 300 Eier produziert. Die Eier, die zunächst blass beige sind, werden bei dauerhaftem Kontakt mit dem feuchten Erdreich zunehmend dunkler, bis sie dunkelbraun oder fast schwarz sind. Aus ihnen schlüpfen nach sechs bis sieben Monaten die 16 bis 22 Millimeter langen Nymphen. Sie sind zunächst hellgrün, werden aber mit jeder Häutung dunkler. So werden sie zunächst hell-, dann dunkelbraun, bis sie schließlich als Imago schwarz sind.[1]

Ursprüngliche Verbreitung und scheinbare Ausrottung

Ursprünglich fand man den Baumhummer auf der gesamten Lord-Howe-Insel, 580 Kilometer östlich von Australien. Die Art trägt deshalb im englischen Sprachraum den Trivialnamen „Lord Howe Island stick insect“. Von den Inselbewohnern wurde sie allerdings „Landhummer“ genannt, wovon sich wohl der deutsche Name „Baumhummer“ ableitet. Die ursprünglich häufigen Tiere wurden als Fischköder verwendet. Als am 14. Juni 1918 das Versorgungsschiff SS Makambo auf der Lord-Howe-Insel strandete, gelangten von dem havarierten Schiff Ratten auf die Insel. Diese breiteten sich auf der Insel mit katastrophalen Folgen für die endemische Fauna aus. Der Bestand der Baumhummer wurde so stark dezimiert, dass die Art bereits 1930 als ausgestorben galt.[1][2]

Wiederentdeckung und Schutzmaßnahmen

Blick auf Ball's Pyramid, den Fundort der letzten Baumhummer

Nachdem Felsenkletterer auf der kleinen Felsinsel Ball’s Pyramid, 23 Kilometer südöstlich der Lord-Howe-Insel, 1964 und 1969 einen bzw. zwei tote Baumhummer entdeckt hatten, untersuchten Forscher den kargen Felsen im Jahr 2001 genauer. Sie fanden zwei Weibchen und eine weibliche Nymphe. Bei einer zweiten Untersuchung 2002 wurden auf einer kleinen Felsenterrasse von 6 m x 30 m, auf der ein kleiner Teebaum der auf der Lord-Howe-Insel heimischen Art Melaleuca howeana stand, 24 Exemplare gefunden, darunter lediglich zwei Männchen. Wie diese Population auf diese Felseninsel gelangen konnte, ist nicht endgültig klar. Die Tiere könnten auf Treibholz angespült worden sein. Außerdem käme auch die Möglichkeit in Frage, dass Fischer die ersten Tiere als Köder mitgebracht haben.[1][2]

Im Jahr 2003 entnahm Stephen J. Fellenberg der Population zwei Pärchen und startete ein Zuchtprogramm, um eine genügend große Population zu erhalten und den Baumhummer wieder auf der Lord-Howe-Insel auszuwildern, sobald diese von den Ratten befreit ist. Das soll durch großflächigen Gifteinsatz geschehen. Dieses Zuchtprogramm ist nach anfänglich großen Problemen sehr erfolgreich. Schon 2005 gab es in Gefangenschaft wieder mehr als einhundert Baumhummer, die neben dem schon genannten Teebaum auch Großblättrige Feige (Ficus macrophylla), Sprossenden Zwergginster (Chamaecytisus proliferus), Brombeeren, Zitronenbaum und andere Futterpflanzen annehmen.[1][2]

Systematik

Im Jahr 1855 beschrieb Montrouzier die Gattung Karabidion mit den neuen Arten Karabidion micranthum (jetzt Eurycantha micrantha) und Karabidion australe, dem Baumhummer. Außerdem überstellte er die schon 1835 von Boisduval beschriebene Eurycantha horrida in diese Gattung. Sämtliche Arten wurden schon 1859 von Westwood in die ältere Gattung Eurycantha überführt, wodurch Karabidion synonymisiert wurde. Kirby beschrieb 1904 den Baumhummer fälschlich erneut. Er stellte ihn in die Gattung Eubulides, welche heute zur Familie der Heteropterygidae gerechnet wird und nannte ihn Eubulides spuria. Der gültige Gattungsname Dryococelus geht auf Gurney zurück, welcher diese monotypische Gattung 1947 aufstellte.[3]

Quellen

  1. a b c d e Paul D. Brock & Jack W. Hasenpusch: The complete fiel guide to stick and leaf insects of Australia, Csiro Publishing, Collingwood, Auaralia, 2009, S. 74-75, ISBN 978-0643094185
  2. a b c www.heise.de - Artikel von Wolf-Dieter Roth vom 19. Juli 2006 über Baumhummer auf der Seite Telepolis
  3. Paul D. Brock: Phasmida Species File Online. Version 2.1/3.5. (abgerufen am 8. März 2010) http://Phasmida.SpeciesFile.org

Weblinks

 Commons: Baumhummer – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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