Baumsarg
Alamannischer Baumsarg aus Oberflacht

Ein Baumsarg oder Totenbaum ist ein Sarg, der aus einem Baumstamm gefertigt wurde, der längs gespalten und ausgehöhlt wurde. Bei Verwendung von Eichenholz führte das tanninreiche Holz oft zu einer guten Erhaltung organischer Materialien, insbesondere von Textilien. Oft geben allerdings nur noch Verfärbungen im Erdreich einen Hinweis auf Bestattungen in Baumsärgen.

Baumsärge wurden vor allem in der nordischen Bronzezeit in Grabhügeln deponiert. Einige frühbronzezeitliche Hügel in Jütland (Dänemark) nehmen eine Sonderstellung in der archäologischen Forschung ein. Die großen Hügel von Borum Eshøj, Guldhøj, Muldbjerg, Skrydstrup und Trindhøj wurden in der Regel aus Torf errichtet, das über den Gräbern eine massive, feuchte Decke bildete. Eisensalze, die natürlicherweise im Torf vorkommen, schufen eine Schicht aus Eisensandstein. Die Schicht verhinderte, dass Luft in das Hügelinnere eindrang. So waren die Eichensärge mit Inhalt in einer schützenden Umgebung eingeschlossen, die der von Mooren sehr ähnlich ist. Der Erhaltungsgrad der Skelette variiert von Hügel zu Hügel. Die bekannteste Baumsargbestattung ist das Mädchen von Egtved. Auch das Grab von Muldbjerg enthielt gut erhaltene Textilien. Das Haar ist häufig gut erhalten. Manchmal lassen sich sogar Gesichtsmerkmale erkennen. Die gut erhaltene Haut der jungen Frau von Skydstrup offenbart schöne Gesichtszüge. Sie trägt eine Frisur mit einem Netz aus schwarzem Pferdehaar. Neben ihre Ohren lagen Goldringe. Aus dem Grab des Mannes im Guldhøj wurde ein Otterfell und einige hölzerne Gegenstände geborgen, darunter Schalen und ein Klappstuhl aus Holz. Im Gürtel steckte ein Dolch in einer hölzernen Scheide. Wie in den meisten übrigen Gräbern lag der Leichnam auf einer Rinderhaut. Die Männer vom Muldbjerg und Trindhøj lieferten Informationen über Kleidung und Schmuck, Beide waren in lange Lendentücher gekleidet, die mit Lederriemen gehalten wurden. Hosen gab es noch nicht. Beide Männer trugen einen nierenförmigen Umhang über der Schulter und eine runde Kappe. Schwerter, Spangen, Doppelknöpfe und Gürtelschmuck vervollständigten ihre Ausstattung.

Insgesamt sind aus Dänemark und Schleswig ca. 60 Baumsärge bekannt. Sie stammen, so weit dendrochronologisch datierbar (28 Stück), vor allem aus der Zeit zwischen 1391-1344 v. Chr. Nur drei sind jünger [1]. Im Hügel von Eldsberga (Schweden) wurden zwei Baumsärge auf dem Dach eines Ganggrabes deponiert und mit einer Röse überdeckt, die letztlich von einem Erdhügel bedeckt wurde.

Baumsärge wurden auch in der Völkerwanderungs- und Wikingerzeit verwendet. Sie finden sich z.B. in Bülach (CH), im Münster zu Bern, in der Merowingerkapelle St. Stephan in Biel-Mett (7.Jh.) und Zillis /GR (8. Jh.). Besonders gut erhalten sind eine Reihe von Baumsärgen aus dem alamannischen Gräberfeld von Oberflacht bei Tuttlingen aus dem 6. Jahrhundert; dort sind auf den Deckeln Darstellungen von Schlangen oder Drachen eingeschnitten. In Magdeburg wurden neben dem Dom (ev. Standort einer Pfalz) zahlreiche Gräber, darunter auch Baumsärge gefunden.

Aus Frankreich ist bisher nur ein Fund mit einer Kopfaussparung im Baumstamm auf dem Friedhof des Priorates Sainte-Foy in Coulomiers (Seine-et-Marne) bekannt. In den Niederlanden gibt es in Walcheren (Seeland) Funde aus dem 6.-10 Jh. In Großbritannien wurden in Selby auf dem Church Hill (Yorkshire), wo einst die Kirche stand, 14 Eichenbaumsärge gefunden. Eine andere Fundstelle liegt auf dem Schlosshügel von Edinburgh (Schottland). In Skara (Schweden) wurden 1889 bei Kanalisationsarbeiten knapp außerhalb der Domkirche vier Baumsärge entdeckt. 72 West-Ost gerichtete Baumsärge wurden in Wernigerode am (Harz) gefunden. Die Forschungsergebnisse über fränkische Baumsargbeisetzungen von Wesel/Bislich, wo rund 800 Baumsärge liegen, Eick (Stadt Moers), Junkerdorf bei Köln und Hohenfels (Daun) sind erst teilweise veröffentlicht.

Einzelnachweise

  1. Acta Archaeologica 77/1, 2006, 187

Literatur

  • K. Randsborg, K. Christensen: Bronze Age Oak-Coffin Graves. Acta Archaeologica 77, 2006.
  • K. Zimmermann: Baumsarg und Totenbaum: Zu einer Bestattung unter dem Berner Münster. Acta Bernensia 1992.

Weblinks


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