Baumveredelung
Angeplatteter Trieb bei einem Olivenbaum
Auf einen Feigenblattkürbis veredelte Honigmelone

Unter Veredelung versteht man eine traditionelle Form der künstlichen vegetativen Vermehrung (xenovegetative Vermehrung) von verholzenden Pflanzen, typischerweise Rosen- und Obstsorten. Im Prinzip handelt es sich um eine Transplantation eines Pflanzenteiles auf eine andere Pflanze. Nur zweikeimblättrige Pflanzen und Nacktsamer können veredelt werden; einkeimblättrige Pflanzen besitzen nicht das für den Verwachsungsprozess benötigte vaskuläre Kambium. Da beim Veredeln ein genetisches Individuum vervielfältigt wird, handelt es sich dabei um eine traditionelle Form des Klonens. Dabei wird eine so genannte Unterlage mit einem Edelreis oder Edelauge verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Zweck

Hauptzweck ist immer die Erhaltung der Sortenreinheit, also um spezielle Eigenschaften der Ursprungssorte zu bewahren. Es gibt aber auch weitere Gründe für eine Veredelung, z. B. das Wurzelsystem des Edelreises passt nicht zum Boden (kalkunverträglich, bevorzugt saure Böden aber Standort ist basisch, etc.), das Wurzelsystem des Edelreises krankheitsanfällig ist (z. B.: auf Mehltau), zu schwaches Wurzelsystem des Edelreises (z. B.: Pflanze würde beim ersten Sturm aus dem Boden gerissen werden), Beeinflussung der Wuchsstärke (Ziel: schwachwüchsige bzw. starkwüchsige Formen), um Zierformen zu erzeugen (z. B.: Trauer-, Hänge-, Kugelformen, Hochstämme, etc.)

Je enger die Verwandtschaft zwischen Unterlage und Edelreis ist, umso wahrscheinlicher ist das Zusammenwachsen der Veredelungspartner. Beispiel: Pfirsich-Mandel-Aprikose, (Prunus Gattung). Normalerweise werden jedoch solche Partner verwendet, die sich in der Praxis bewährt haben.

Neue Obstsorten entstehen generativ aus Zufallssämlingen und aus Züchtungen. Eine weitere Form der Entstehung ist die Mutation einzelner Knospen, aus denen Nachkommen mit neuen Eigenschaften gewonnen werden können. Heutzutage eröffnen sich durch die moderne Gentechnik völlig neue Möglichkeiten in der Züchtung.

Veredelungsarten

Ammenveredelung ist die Veredelung mithilfe einer zusätzlichen Sorte:

Handveredelung oder Tischveredelung ermöglicht das ungestörte Veredeln auch im tiefen Winter.

Geschichte

Die Kunst der Veredelung ist seit der Antike bekannt. Wo und wie sie erfunden wurde ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich stammt sie aus dem Mittelmeerraum. Spätestens seit dem Mittelalter wird sie auch in Mitteleuropa praktiziert. Die vermutlich älteste Veredelungstechnik ist das Spaltpfropfen. Durch Veredeln können genetische Individuen über Jahrhunderte erhalten werden. Die heute leider immer weniger angebaute Apfelsorte Goldparmäne, (Reine des Renettes), die wohl aus der Normandie stammt und möglicherweise schon seit 1510 bekannt ist, ist eine der ältesten, heute noch angebauten Apfelsorten. Noch älter ist die ebenfalls aus Frankreich (Kloster Morimond) stammende Graue französische Renette, die seit 1500 kultiviert wird. Ein Gutteil unserer heutigen Apfel- und Birnensorten stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde seitdem durch Pfropfung vermehrt. Die Sorte Cox Orange wurde z. B. um 1825 von einem Herrn Cox in England als Zufallssämling entdeckt, Golden Delicious wurde um 1890 ebenfalls als Zufallssämling in einem Garten in West-Virginia entdeckt.

Verwachsungsprozess der Veredelungsstelle

  1. Kambium des Edelreises liegt auf Kambium der Unterlage
  2. Bildung eines Intermediärgewebes aus dem Kambium der Unterlage
  3. Vollständige Füllung des Hohlraumes mit Intermediärgewebe -->Gewebedruck; Voraussetzung für die Bildung differenzierten Gewebes
  4. Bildung eines Periderms, zum Abschluss der Wunde
  5. Kambium der Unterlage wächst und vereinigt sich mit dem Kambium des Edelreises
  6. Bildung von neuem Holzgewebe in der Unterlage und dem Edelreis, dabei vereinigen sich die zwei Partner
  7. Verbindung des Phloems der Unterlage und des Edelreises

Dauer: ca. 2–4 Wochen

Natürliche Veredelung

Bei manchen Baumarten (Ulme) können manchmal die Wurzeln von verschiedenen Individuen zusammenwachsen, wenn sie sich berühren. Über dieses gemeinsame Wurzelsystem können die Bäume Wasser und mineralische Nährstoffe teilen, was schwächeren Pflanzen einen Vorteil bringt. Allerdings können auch bestimmte Krankheiten über diese gemeinsamen Wurzeln von einer Pflanze auf die andere übertragen werden, etwa das Ulmensterben. Eine andere Form der natürlichen Veredelung tritt auf, wenn manchmal Äste von Bäumen, Büschen oder Kletterpflanzen bei Berührung zusammenwachsen.

Siehe auch

Weblinks


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