Vierwaldstättersee


Vierwaldstättersee
Vierwaldstättersee
Blick vom Berg Pilatus auf den Vierwaldstättersee
Blick vom Berg Pilatus auf den Vierwaldstättersee
Geographische Lage Zentralschweiz
Zuflüsse Reuss, Sarner Aa, Engelberger Aa, Muota
Abfluss Reuss
Städte am Ufer Luzern, Küssnacht am Rigi, Horw, Brunnen SZ
Daten
Koordinaten (673175 / 208048)47.0194444444448.4011111111111Koordinaten: 47° 1′ 10″ N, 8° 24′ 4″ O; CH1903: (673175 / 208048)
Vierwaldstättersee (Schweiz)
Vierwaldstättersee
Höhe über Meeresspiegel f1434 m ü. M.
Fläche 113,72 km²f5
Volumen 11,9 km³dep1f8
Maximale Tiefe 214 mf10
Besonderheiten

viergegliedert

BFS-Nr.: 9179
Karte Vierwaldstättersee.png

Der Vierwaldstättersee (französisch Lac des Quatre Cantons, italienisch Lago dei Quattro Cantoni/Lago di Lucerna, rätoromanisch Lai dals Quatter Chantuns, englisch Lake Lucerne) ist ein von Bergen umgebener See in der Zentralschweiz (434 m, 114 km², bis 214 m tief). Die Uferlänge beträgt 161,9 km.[1]

Inhaltsverzeichnis

Name

Seinen Namen hat der Vierwaldstättersee von den vier hier angrenzenden Waldstätten: den Kantonen Uri, Unterwalden, Schwyz und Luzern.

Entstehung

Der Vierwaldstättersee wurde in der letzten Eiszeit vom Reussgletscher geformt. Der See selbst bildete sich als Gletscherrandsee am Ende der Eiszeit vor rund 12'000 Jahren.

Im Luzerner «Gletschergarten» schildert eine Dokumentation die Geschichte der Alpen, der Eiszeiten und ihrer Gletscher.

Zufluss

In den Vierwaldstättersee fliesst aus dem Gotthardmassiv die Reuss. Sie führt grosse Mengen Material mit sich, so dass sich das Delta im Laufe der Zeit um 10 km nördlich in den Urnersee verschoben hat.

Im Bereich des Reussdeltas zwischen Flüelen und Seedorf wird der See teilweise wieder aufgeschüttet. Aus dem Ausbruchmaterial des Umfahrungstunnels Flüelen und des Gotthard-Basistunnels entstehen wieder Flachwasserzonen, die durch den Kiesabbau verschwunden waren.

Abfolge der Buchten und Seeteile

Blick von Seelisberg auf den Urnersee bis nach Flüelen
Urnersee bei Seedorf
Buochser Bucht
Rad-/Fußweg am Vierwaldstädter See
Der Vierwaldstättersee bei Luzern
Bürgenstock Kehrsiten

Der Vierwaldstättersee besteht aus mehreren Armen und Buchten:

  • Der Urnersee erstreckt sich von der Einmündung der Reuss bei Seedorf 11 km in nördlicher Richtung bis nach Brunnen
  • Der Gersauer See (auch Gersauerbecken) führt 14 km von Ost nach West von Brunnen nach Ennetbürgen, wo die Engelberger Aa in den See mündet. In der Mitte der Bucht von Buochs erreicht der See mit 214 m Tiefe seine tiefste Stelle.
  • Der Chrüztrichter (Kreuztrichter) bildet im Westen des Weggiser Beckens das eigentliche Zentrum dieses Seeteils. Von ihm zweigen vier Hauptarme (Trichter) ab:
  • Das Vitznauerbecken (östlicher Arm des Kreuztrichters) liegt südlich von Weggis und verläuft von Ost nach West. Es führt zwischen Hertenstein im Norden und dem Bürgenstock im Süden hin zur Seemitte. Es wird auch Vitznauer Becken genannt.
  • Der Stanser Trichter (südwestlicher Arm des Kreuztrichters) . Im Südwesten davon liegen
    • die Horwerbucht und
    • der Alpnachersee, der zwischen Acheregg und Stansstad durch eine nur 100 Meter breite Engstelle und eine Brücke vom restlichen See abgetrennt wird und am Südfuss des Pilatus liegt.
  • Der Luzernersee (nordöstlicher Arm des Kreuztrichters) führt vom Kreuztrichter aus nach Nordosten nach Luzern, wo die Reuss den See verlässt und zur Aare weiter fliesst.
  • Der Küssnachtersee (nordwestlicher Arm des Kreuztrichters) führt zwischen Merlischachen und Meggen in nordöstlicher Richtung nach Küssnacht am Rigi.

Strömungen

Durch das verhältnismässig warme Wasser der Reuss und den Föhn, der das Wasser ständig umschichtet, ist der Urnersee am Grund wärmer und leichter als das Wasser im Gersauer Becken. Durch diesen Temperaturunterschied strömen jeden Frühling gewaltige Wassermassen vom Gersauerbecken in die Tiefen des Urnersees. Ähnliche Tiefenwasserströmungen bestehen auch vom Alpnachersee in das Gersauerbecken.[2]

Wasserqualität und Temperaturen

Das Wasser bleibt durchschnittlich dreieinhalb Jahre im Seebecken und hat Trinkwasserqualität. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Limnologie der Eawag überwacht die Wasserqualität. Im Sommer erreicht der See eine Temperatur von 22 °C. 1929 und 1963 froren der Alpnachersee und die Luzerner Bucht zu. Aus dem 17. und 19. Jahrhundert sind Vereisungen des ganzen Vierwaldstättersees dokumentiert. 1684 und 1685 konnte das Gersauer Becken auf dem Eis überquert werden.

Klima und Vegetation

Das Klima rund um den föhnbegünstigten und von Bergen geschützten Vierwaldstättersee ist im Vergleich zu anderen Regionen der deutschsprachigen Schweiz relativ mild; die Vegetation gleicht zum Teil derjenigen des Kantons Tessin. Die mittlere Tageshöchst-/-tiefsttemperatur beträgt in Luzern 2,6°C / -3,1°C (Januar) bzw. 23,5°C / 13,3°C (Juli). In Altdorf südlich des Sees liegen die Werte bei 3,9°C / -2,7°C (Januar) bzw. 23,0°C / 13,2°C im Juli (Klimamittel der Jahre 1961 - 1990).[3] An den Seeufern wachsen Hanfpalmen, Feigen, Yuccas, Zypressen, Opuntien und andere südländische Pflanzenarten.

Verkehr

Auf dem See verkehren die Schiffe der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees zu den Schiffstationen. Bis zum Bau der Axenstrasse (1863 bis 1865) war der Wasserweg die einzige mögliche Verbindung zum Kanton Uri, zum Gotthardpass und damit auch der einzige Weg von den Städten im Norden zu den Häfen und Handelsstädten am Mittelmeer. Noch heute verkehren auf dieser Strecke ihre Raddampfer Stadt Luzern (Flaggschiff), Uri, Unterwalden, Gallia und Schiller. Auch nach dem Bau der Gotthardbahn und der Gotthardautobahn ist die Gegend um den Vierwaldstättersee immer noch ein Verkehrsknoten. Der 1991 auf alten Verkehrswegen angelegte Weg der Schweiz führt rund um den südlichsten Teil des Sees, den Urnersee.

Flüelen und Axenstrasse

In Flüelen wechselten früher die Reisenden vom Maultier oder der Postkutsche auf das Schiff. Am östlichen Ufer führt die Axenstrasse mit vielen Tunnels und Galerien von Flüelen über Sisikon nach Brunnen. Sie ist Bestandteil der A4. Die Bahnlinie führt mehrheitlich unterirdisch von Flüelen nach Brunnen. Auf dem Weg nach Küssnacht erinnern alte, stilvoll restaurierte Hotelbauten an die Zeiten des aufgekommenen Tourismus im 19. Jahrhundert.

Flugaktivitäten

Zwischen Buochs und Ennetbürgen bei Stans liegt ein Flugplatz, der früher fast nur von der Schweizer Armee und den Pilatus Flugzeugwerken benutzt wurde. Heute steht der Flugplatz für den zivilen Flugverkehr offen. Der Militärflugplatz Alpnach wird von der Schweizer Armee als Helikopterbasis genutzt.

Hängegleiter und Gleitschirme nutzen bei entsprechendem Wetter die Thermik der Felswände oder halten sich mittels geeigneter Luftströmungen an den steilen Felswänden. Die beliebtesten Fluggebiete für Gleitschirme um den Vierwaldstättersee sind Pilatus, Rigi, Emmetten, Stanserhorn und das ganze Engelbergertal. Beim Fliegen ist hier zu beachten, dass teilweise in der Kontrollzone des Flugplatzes Alpnach geflogen wird.

Geschichte

Historischer Kartenausschnitt der vier "Waldstätte" anno 1645
Abendstimmung am Pilatus

Auf der Rütliwiese oberhalb des Vierwaldstättersees sollen sich die drei Schweizer Urkantone Uri, Unterwalden und Schwyz anfangs August 1291 die ewige Treue geschworen haben (Rütlischwur). Auch nach der Schweizer Reformation blieb hier die Urschweiz katholisch: In Unterwalden hatte der Schweizer Nationalheilige Bruder Klaus seine Klause, und am Ende des Tals liegt das Kloster Engelberg. Hier werden auch die Rekruten für die Schweizergarde im Vatikan ausgebildet.

Am See führten schon früher Pilgerwege nach Rom vorbei. Auch der westwärts nach Santiago de Compostela führende Jakobsweg führt von Einsiedeln nach Brunnen. Von hier führt er weiter westlich mit dem Schiff nach Luzern oder über den Alpnachersee nach Süden zum Brünigpass.

Tourismus

Auf dem Weg in den Süden entdeckten Engländer die Bergwelt der Innerschweiz. Es entstanden mehrere Kur- und Badeorte wie beispielsweise Weggis oder Gersau. 1871 eröffnete man die allererste Zahnradbahn Europas, die Vitznau-Rigi-Bahn. 1889 baute man von Alpnachstad auf den Pilatus die heute immer noch steilste Zahnradbahn der Welt. Einen Aufstieg auf die Rigi beschrieb Mark Twain als Journalist, was in den USA des 19. Jahrhunderts zum Aufblühen des Schweizer Tourismus führte. Auf dem Vierwaldstättersee verkehrt mit fünf Dampfschiffen eine der größten Dampfschiffflotten Europas.

Am Vierwaldstättersee war der allererste Schweizer Alpen-Club beheimatet, damals als eine rein britische Angelegenheit.

Diverses

Belastung mit Munition

Zwischen 1918 und 1967 entsorgten Schweizer Munitionsfabriken ihre Produktionsabfälle im Vierwaldstätter-, Brienzer- sowie Thunersee. Die Gesamtmenge, welche in bis zu 200 Metern Tiefe im Vierwaldstättersee versenkt wurde, wird auf 3300 Tonnen geschätzt (2800 Tonnen im Urnersee, sowie 500 Tonnen im Gersauerbecken [4]). Von den 35 unterschiedlichen Substanzen, welche in den alten Geschossen enthalten sind, werden acht als ökologisch gefährlich eingestuft (u.a. Blei, Quecksilber und Dinitrobenzol). Obwohl Messungen ein Entweichen toxischer Substanzen aus den Abfällen bisher nicht nachweisen konnten, ist ungewiss, wie sich dies in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die Schweizer Behörden werden aus diesem Grund in den nächsten Jahren zwei Millionen Franken in die Forschung und das Monitoring der betroffenen Seen investieren, um eventuelle Gefahrenlagen frühzeitig erkennen zu können.

Eine Bergung der Munition wäre aufgrund der grossen Tiefe höchst kostspielig. Zudem würde ein solches Unterfangen hohe ökologische Risiken bergen, da Schwefel-, Stickstoff- und Phosphor-Verbindungen in den Sedimenten aufgewirbelt werden würden.[5]

Tauchsport

Es gibt etwa zehn Plätze an denen man ohne Boot im Vierwaldstättersee tauchen kann. Das Wasser ist ganzjährig eher kühl und deshalb meist sehr klar. Im Urnersee kann man bei Sisikon, am nördlichen Portal des Schieferneggtunnels, eine zerklüftete Steilwand betauchen.[6] Vor Brunnen liegt das Lediwrack Bruno auf 15 Meter Tiefe.[7] Weiter bekannte Tauchplätze liegen vor Vitznau, Weggis, Gersau und Hergiswil.[8]

Hochwasser und Erdbeben

Hochwasser in Luzern August 2005

Nach dem Erdbeben vom 18. September 1601 entstanden Tsunamis im Vierwaldstättersee mit vermutlich bis zu 4 Meter hohen Flutwellen.[9]

Die Folgen der allgemeinen Erderwärmung in den Alpen werden auch für den Vierwaldstättersee und seine Umgebung diskutiert. Das Hochwasser 2005 mit diversen Muren und Erdrutschen könnte als Warnsymptom verstanden werden[10].

Gewerbe

Seit 1891 baut die Firma Arnold+Co.AG mit riesigen Schwimmbaggern gewerblich Kies ab, wofür sie der Korporation Uri Kiessteuer bezahlt. Heute sind nur noch der vierte und fünfte Schwimmbagger aus den 1950er und 1960er Jahren in umgebautem Zustand im Einsatz. Die Flotte der Arnold+Co.AG umfasst ca. fünfzehn Nauen.

Aufsehen erregte die Firma zwischen 2001 und 2005, als im Urnersee mit Schutt aus dem Neatstollen Amsteg und der Umfahrung Flüelen sechs Inseln errichtet wurden. Auch bei Beckenried und anderen Orten im See wird Kies abgebaut.

Namensvetter

Der Jacobiweiher im Stadtwald von Frankfurt am Main wird im Volksmund wegen seiner Form Vierwaldstättersee genannt.

Literatur

  • Vierwaldstättersee – Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen, Brunner Verlag Kriens, 2007

Weblinks

 Commons: Vierwaldstättersee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gemessen an der Wasserlinie, inkl. Alpnacher See: Lebensraum Vierwaldstättersee (PDF), Präsentation der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee (AKV) zur Tagung Seeuferschutz am Vierwaldstättersee am 23. Juni 2005
  2. Aufsichtskommission Vierwaldstättersee (AKV)
  3. http://www.meteoschweiz.admin.ch/web/de/klima/klima_schweiz/tabellen.Par.0005.DownloadFile.ext.tmp/temperaturmaximum.pdf
  4. AKV Infomagazin Nr.3
  5. Spiegel-Online Explosiver Militärmüll in Schweizer See-Idyll versenkt
  6. Tauchplätze Vierwaldstaettersee, Local Diving, zugegriffen: 11. Juni 2011
  7. Brunnen, Eichwald (Wrack "Bruno"), www.swiss-divers.ch, zugegriffen: 11. Juni 2011
  8. Tauchplatz Verzeichnis - Veriwaldstättersee, www.swiss-divers.ch, zugegriffen: 11. Juni 2011
  9. Tsunami und Tanzverbot 1601. Staatsarchiv Luzern
  10. In: Neue Luzerner Zeitung 2006-Aug-19

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