Baureihe 610
DB-Baureihe 610
DB 610 003-6 in Sulzbach-Rosenberg
Nummerierung: 610 001/501–610 020/520
Hersteller: MAN, DUEWAG, MBB, AEG, ABB, Siemens
Neigetechnik: Fiat
Dieselmotoren: MTU
Baujahr(e): 1992
Achsformel: 2'(A1)'+(1A)'(A1)'
Länge über Kupplung: 51.750 mm
Dienstmasse: 47,45 t + 47,9 t = 95,35 t
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Motorentyp: wassergekühlte MTU-Dieselmotoren
Sitzplätze: 136

Die Baureihe 610 bezeichnet Züge der Deutschen Bundesbahn und später der Deutschen Bahn AG, welche als Pendolino bekannt wurden.

Die Deutsche Bundesbahn orderte mit dieser Baureihe zum ersten Mal Triebzüge mit dieselelektrischem Antrieb und aktiver Neigetechnik im größeren Umfang. Die DB bestellte 1988 und 1990 insgesamt 20 Züge dieser zweiteiligen Baureihe, die im Jahr 1992 ausgeliefert wurden. Die Wagen erhielten die Nummern 610 001 bis 610 020 und 610 501 bis 610 520.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Triebwagen kamen 1992 in den Dienst, mussten aber im Jahr 2000 für ein Jahr stillgelegt werden, weil Risse an der Aufhängung der Schlingerdämpfer auftraten. Nach der Sanierung kamen die Züge 2001 wieder in Fahrt. Im Mai 2007, also 15 Jahre nach Betriebsaufnahme, hat die 610-Flotte insgesamt 70 Mio. Kilometer zurückgelegt.

Entwicklung

Die Deutsche Bahn sah sich nach einem schleichenden Passagierrückgang im fränkischen Regionalverkehr veranlasst, Gegenmaßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Regionalverkehrs einzuleiten. Da die vorhandenen Gleisanlagen keine höheren Geschwindigkeiten zuließen und ein Ausbau eben dieser den finanziellen Rahmen gesprengt hätte, intensivierte man die Bemühungen um einen neigefähigen Nahverkehrstriebwagen zu entwickeln. Die DB beauftragte hierzu MAN als Konsortialführer für den wagenbaulichen Teil (gemeinsam mit DUEWAG und MBB), Siemens als Konsortialführer für den elektrischen Teil (gemeinsam mit ABB und AEG). Die Drehgestelle und die Neigetechnik lieferte Fiat, die bereits seit den 60er Jahren weitreichendes Know-How im Bereich der Neigetechnik erworben haben.

Wagenkasten

Die Wagenkasten wurden aus Aluminium-Strangpressprofilen zusammengeschweißt und selbsttragend ausgeführt. Die Wagenkasten werden an jeweils zwei Drehgestellen freischwingend aufgehängt.

Der türkis/lichtgraue Anstrich wurde durch einen verkehrsroten ersetzt.

Neigetechnik

Zweck der Neigetechnik ist, die Reisegeschwindigkeit zu erhöhen. Mit Neigetechnik kann bei der Kurvenfahrt die Seitenbeschleunigung im Wagenkasten verringert werden. Das ist für die Fahrgäste angenehmer und die Kurve kann schneller durchfahren werden.

Fiat baute in die Wagen Gyroskope (Kreisel) ein, mit denen Hydraulikzylinder angesteuert werden. Die Neigung der freischwingend aufgehängten Wagenkästen beträgt gleisbogenabhängig maximal 8°.

Antrieb

Die Baureihe 610 besitzt zwei wassergekühlte MTU-Dieselmotoren, mit einer Leistung von jeweils 485 kW aus zwölf Zylindern. Diese Dieselmotoren treiben Drehstromsynchrongeneratoren an. Diese Einheit wird als Kraftwerk verwendet und mit dessen Strom werden über einen Gleichrichter und einen GTO-Pulswechselrichter drei Drehstromfahrmotoren angetrieben. Diese übertragen ihr Drehmoment über eine Gelenkwelle zur innenliegenden Achse eines jeden Drehgestells. Das vierte Drehgestell ist antriebslos.

Sonstige Technische Ausrüstungen

Der Zug ist mit punktförmiger Zugbeeinflussung und Geschwindigkeitsüberwachung Neigetechnik, welche aber noch mit Induktionsspulen im Gleis arbeitet und nicht mit den heute verwendeten Balisen kompatibel ist, ausgerüstet und kann in Mehrfachtraktion bis zu vier Triebzüge von einem Führerstand aus steuern. Die zwei Wagen sind untereinander kurzgekuppelt und haben an ihren Stirnseiten automatische Scharfenbergkupplungen.

Fahrgasträume

Über den gepolsterten Sitzen wurden Gepäckablagen montiert. Die zum ersten Mal im Regionalverkehr eingesetzte Vakuum-Toilette fand ihren Platz in der Mitte der Doppelwagen.

Einsatz

Im Betrieb verwendet man die Züge als Flügelzüge von Nürnberg aus im schnellen Regionalverkehr nach Oberfranken und in die Oberpfalz. Die Züge trennen sich auf den Strecken an Verzweigungsstationen mehrmals und treffen wieder aufeinander. Solche Stationen sind Hersbruck (rechts Pegnitz), Neukirchen (bei Sulzbach-Rosenberg) und Pegnitz. Stationiert sind die Triebwagen z. Z. in Nürnberg Hbf.

Derzeit werden folgende RegionalExpress-Leistungen mit der Baureihe 610 gefahren:

  • Nürnberg Hbf–Hersbruck (rechts Pegnitz) (Zugflügelung) –Neukirchen (bei Sulzbach-Rosenberg)–Amberg–Schwandorf / Neuhaus (Pegnitz)–Pegnitz (Zugflügelung) –Creußen–Bayreuth Hbf / Kirchenlaibach–Marktredwitz (–Cheb)
  • Nürnberg Hbf–Hersbruck (rechts Pegnitz)–Neukirchen (bei Sulzbach-Rosenberg) (Zugflügelung) –Vilseck–Weiden (Oberpf)–Neustadt (Waldnaab) / Sulzbach-Rosenberg–Amberg–Schwandorf (–Regensburg Hbf)

Mit einzelnen Zugleistungen kommen die Fahrzeuge auch auf andere Strecken in der Region um Nürnberg. Außerdem befindet sich meistens mindestens ein Fahrzeug dieser Baureihe in Hof Hbf.

Nachfolger

Ursprünglich waren weitere Triebzüge dieser Baureihe mit der Bezeichnung 610.1/610.6 geplant. Wegen eines billigeren Angebotes für Neigetechnikzüge der späteren Baureihe 611 von Adtranz wurden diese Pläne wieder verworfen. Die Neigetechnikzüge von Adtranz dürfen nicht den geschützten Markennamen Pendolino tragen, weil die Baureihe 611 nicht mit dem Neigetechnik-System des Herstellers Fiat-Ferrovia, sondern mit einem neuentwickelten elektrischen (anstatt hydraulisch bei der Baureihe 610) Neigetechnik-System des damaligen Herstellers Adtranz ausgestattet ist. Wegen großen Problemen mit der Neigetechnik wurde die Bestellung der 611 dann auf die ebenfalls von Adtranz (später Bombardier Transportation) hergestellten Fahrzeuge der Baureihe 612 (sog. "Regio-Swinger") umgewandelt, die ebenfalls mit einer elektrischen Neigetechnik ausgestattet sind.

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