Baureihe 99.77-79
Baureihe 99.77–79
Nummerierung: 99 771–794
99 1771–99 1794 (ab 1970)
Anzahl: 24
Hersteller: VEB Lokomotivbau Karl Marx, Babelsberg
Baujahr(e): 1952–1956
Ausmusterung: ab 1976
Bauart: 1’E1’ h2
Gattung: K 57.9
Spurweite: 750 mm
Länge über Kupplung: 11.300 mm
Höhe: 3.550 mm
Gesamtradstand: 7.600 mm
Leermasse: 44,0 t
Dienstmasse: 58,0 t
Reibungsmasse: 45,0 t
Radsatzfahrmasse: 9,0 t
Höchstgeschwindigkeit: 30 km/h
Indizierte Leistung: 565 PSi / 42 kW
Anfahrzugkraft: 83,35 kN
Treibraddurchmesser: 800 mm
Laufraddurchmesser: 550 mm
Steuerungsart: Heusinger
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 400 mm
Kolbenhub: 450 mm
Kesselüberdruck: 14 bar
Rostfläche: 2,57 m²
Strahlungsheizfläche: 8,50 m²
Überhitzerfläche: 27,00 m²
Verdampfungsheizfläche: 76,10 m²
Wasservorrat: 5,8 m³
Brennstoffvorrat: 3,6 t Kohle
Lokbremse: Knorr-Druckluftbremse
Zugbremse: Hardy-Saugluftbremse,
Heberleinbremse nicht mehr vorhanden
heute Knorr-Druckluftbremse

Die Lokomotiven der Baureihe 99.77–79 der Deutschen Reichsbahn sind Schmalspurlokomotiven mit 750 mm Spurweite, die für die Schmalspurbahnen Sachsens und die thüringische Trusebahn gebaut worden sind. Die Lokomotiven gleichen weitgehend den in den 1930er Jahren gebauten Einheitslokomotiven der Baureihe 99.73–76. Zur Unterscheidung von dieser Vorgängerbauart werden die Lokomotiven als Neubaulokomotive bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren von der sowjetischen Besatzungsmacht etliche der modernsten und leistungsfähigsten Schmalspurbahnlokomotiven als Reparationsleistung beschlagnahmt und nach Osten abtransportiert worden. Seitdem herrschte auf den Sächsischen Schmalspurbahnen ein permanenter Lokomotivmangel, u.a. auch weil durch die Aufnahme des Uranbergbaues im Erzgebirge durch die Wismut AG die Transportleistungen erheblich gestiegen waren. So wurde 1950 der VEB Lokomotivbau Karl Marx mit der Entwicklung einer neuen Lokomotive beauftragt. Diese lehnte sich weitgehend der in den 1930er Jahren konstruierten Einheitslokomotiven der Baureihe 99.73–76 an. Von 1952 bis 1957 wurden insgesamt 24 Lokomotiven geliefert. Sie erhielten die Betriebsnummern 99 771 bis 99 794. Die Lokomotiven wurden in den Bahnbetriebswerken Thum und Wilsdruff beheimatet.

Ende 1980er Jahre mussten die ersten Lokomotiven wegen starker Rahmen- und Kesselschäden abgestellt werden. Ursprünglich war vorgesehen, alle Lokomotiven ab 1995 durch Diesellokneubauten zu ersetzen. Durch die politische Wende in der DDR wurden alle derartigen Pläne jedoch gestoppt. Daraufhin baute die zuständigen Reichsbahnausbesserungswerke Meiningen und Görlitz-Schlauroth 1991/1992 für 14 Lokomotiven neue Rahmen und neue Kessel, um die Lokomotiven auch weiterhin einsatzfähig zu halten.

Heute sind die Maschinen auch weiterhin auf ihren angestammten Strecken vor allen Zügen im Einsatz. Weitere Lokomotiven befinden sich heute auf Rügen bei den Rügenschen Kleinbahnen. Eine Lok, die 99 788, ist zur Museumsbahn WarthausenOchsenhausen (Öchsle) nach Baden-Württemberg verkauft worden und fährt dort.

Technische Merkmale

Entsprechend den damals modernen Baugrundsätzen sind die Lokomotiven komplette Schweißkonstruktionen.

Im Unterschied zu ihren Vorgängern haben die Maschinen einen Blechrahmen erhalten. Wie aber auch dort ist die dritte Achse Treibachse und die Laufachsen werden in einem Bisselgestell geführt. Als Speiseeinrichtung sind zwei saugende Dampfstrahlpumpen vorhanden. Für den Braunkohleeinsatz wurde die Rostfläche gegenüber der Einheitslok vergrößert.

Die Fahrzeuge führen 5,8 m³ Wasser und je 3,6 Tonnen Kohle mit.

Einsatz

Die ersten Einsatzgebiete waren das Thumer Netz mit den Strecken Schönfeld–Wiesa–Thum–Meinersdorf und Wilischthal–Thum‎, die Strecke Cranzahl–Kurort Oberwiesenthal (Fichtelbergbahn) und die Strecke Freital-Hainsberg–Kurort Kipsdorf (Weißeritztalbahn). Einige Lokomotiven wurden auch in Thüringen bei der Trusebahn beheimatet.

Nach der Stilllegung des Thumer Netzes Anfang der 1970er Jahre kamen die Lokomotiven dann auch auf der Lößnitzgrundbahn (Radebeul Ost–Radeburg) zum Einsatz. Erst in den 1980er Jahren gelangten einige Lokomotiven auch zur Rügenschen Schmalspurbahn und zum Zittauer Netz, um dem dortigen Lokmangel abzuhelfen.

Literatur

  • Jürgen U. Ebel, Bernd Seiler: Die Baureihe 99.73–79 – Einheitslok auf schmaler Spur. EK-Verlag, Freiburg 1994, ISBN 3-88255-119-4. 
  • Wolfram Wagner, Reiner Scheffler: Die sächsische VII K. Die Geschichte der Baureihe 99.73–79. Bufe-Fachbuchverlag, Egglham 1993, ISBN 3-922138-47-0. 
  • Dirk Endisch: Baureihe 99.77–79. 1. Auflage. transpress Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-71178-8. 

Galerie



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