Baureihe ET 168
DRG-Baureihe ET/ES 168
DRG-Baureihe ET/ES 168
Anzahl: 50 Triebwagen
50 Beiwagen
Hersteller: Linke-Hofmann, O&K, Wegmann, WUMAG
Baujahr(e): 1925–1926
Achsformel: Bo'Bo'+2'2'
Spurweite: 1.435 mm
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Stundenleistung: 460 kW
Stromsystem: 800 v DC
Stromübertragung: seitliche, von unten bestrichene Stromschiene
Anzahl der Fahrmotoren: 4
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung

Der ET 168 ist ein elektrischer Triebwagen der Berliner S-Bahn. Die ab 1925 ausgelieferte, zunächst als Typ Oranienburg bezeichnete Baureihe hatte einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung des Berliner S-Bahnnetzes.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der als „Jumbo“ bezeichnete Gerätezug ist der letzte noch einsatzfähige Vertreter der „Oranienburger“

Nachdem bereits zuvor der elektrische Betrieb mit den Zügen vom Typ Bernau am 8. August 1924 begann, wurde schnell klar, dass die bisher eingesetzten Fahrzeuge technisch überholt waren. Ein neuer, effizienterer Typ musste her. Vor allem die Technik der späteren Baureihe ET 169, aber auch die ungewöhnliche Anordnung von zwei langen vierachsigen Trieb- und drei kurzen zweiachsigen Beiwagen, welche unruhige Laufeigenschaften hervorrief, machte den Reichsbahnern große Sorgen.

Die Hersteller Wegmann, O&K, Linke-Hofmann und WUMAG wurden mit dem Bau einer moderneren Baureihe beauftragt, das Ergebnis war der 1925 ausgelieferte Typ Oranienburg, benannt nach dem ersten Einsatzziel der Züge, die spätere Baureihe ET 168.

Die Züge hatten gleich zweimal die Berliner S-Bahn, damals noch Stadt-, Ring- und Vorortbahnen genannt, revolutioniert. Zum einen bildete die kleinste Einheit diesmal ein sogenannter Viertelzug, gebildet aus einem Trieb- und einem Steuerwagen. Der Viertelzug ist bis heute die kleinste betriebsfähige Einheit bei der Berliner S-Bahn. Die sich neben dem Viertelzug aus ihr bildenden Einheiten werden Halbzug (vier Wagen), Dreiviertelzug (sechs Wagen) und Vollzug (acht Wagen) genannt. Insgesamt 50 solcher Viertelzüge verließen das Werk.

Die zweite Revolutionierung erfolgte zwar erst 1928, hat allerdings bis heute seine Gültigkeit nicht verloren. Der ab 1942 bezeichnete ET 168 043 war der erste, der in den Farben bordeauxrot-ocker umlackiert wurde. Diese Farbgebung ist seitdem unangefochten bei der Berliner Bevölkerung angekommen und ein Markenzeichen des Betriebs.

Bereits ab Mitte der 1930er Jahre setzte man die Baureihe ET 168 zusammen mit den ET 169 fast ausschließlich im Berufsverkehr auf der Ringbahn und auf der Siemensbahn nach Gartenfeld ein, wozu reine 3. Klasse Züge gebildet wurden, nachdem 1933 und 1938 in zwei Stufen die 2.-Klasse-Abteile in 3.-Klasse-Abteile umgebaut worden waren.

Beheimatet waren zu diesem Zeitpunkt die Züge der Baureihe ET 168 fast ausschließlich im Bw Westend, wo sie Anfang 1944 bei schweren Bombenangriffen auf die Siemenswerke stark dezimiert wurden, als das Bw Westend fast völlig zerstört wurde.

Nach dem Krieg fuhren die restlichen Viertelzüge oft mit Wagen der Baureihe ET 165 gekuppelt im Berufsverkehr der Ringbahn und wurden bis zum Mauerbau voll unterhalten.

Das Aus kam mit dem Bau der Mauer 1961. Durch den West-Berliner S-Bahn-Boykott als Reaktion auf den Bau der Mauer ging der Verkehr im Westteil der Stadt so stark zurück, dass die älteren Fahrzeuge abgestellt werden konnten. Einige wurden in Rangierfahrzeuge umgebaut, bevor sie in den 1970er Jahren verschrottet wurden. Teile der meisten Oranienburger durften allerdings im Typ E-III/1 auf der Linie E der Berliner U-Bahn weiterleben. Hierzu wurden wesentliche elektrische und mechanische Komponenten (Steuerung, Drehgestelle, Fahrmotoren etc.) der alten Züge in neuerbauten schmäleren Wagenkästen montiert, während die alten Aufbauten verschrottet wurden. So überlebten Teile dieser Berliner S-Bahnfahrzeuge bis in die 1990er Jahre.

Erhalten ist in der Sammlung des Vereins Historische S-Bahn Berlin der Viertelzug ET 168 029/EB 168 030 ehemaliger ES) aus dem Jahr 1926. Der Viertelzug ist rollfähig.

Weiterhin existierte bis 2003 von dieser Baureihe noch der Schlepptriebwagen 488 008 des AW Schöneweide. Dieses Fahrzeug hat einen zweiten Führerstand und Kupplungen an beiden Wagenenden erhalten und wurde für innerbetriebliche Schlepp- und Überführungsfahrten verwendet. Er besitzt heute eine rote Lackierung (ähnlich der Baureihe 485) und erhielt den Spitznamen Jumbo (siehe Bild), und bleibt erhalten.

Technik

Die kleinste betriebsfähige Einheit ist ein sogenanntes Steuerviertel, bestehend aus einem Trieb- und einem Steuerwagen. Ab 1936 wurden die Steuerwagen in Beiwagen zurückgebaut, da ohnehin die im Betrieb kleinste genutzt Einheit ein Halbzug war (heute kommen Viertelzüge lediglich im Nachteinsatz auf Außenstrecken vor).

Bemängelt wurde das für häufiges Halten und Wiederanfahren viel zu hohe Leergewicht, welches man bei der Nachfolgebaureihe „Stadtbahn“ ( ET 165) tatsächlich um etwa sieben Tonnen pro Wagen verringern konnte.

Im Gegensatz zu den späteren Baureihen, erhielten die Züge des Typs „Oranienburg“ eine mehrlösige Druckluftbremse, weshalb diese Zügen nicht mit denen der späteren Baureihen kuppelbar waren. Ab Mitte der 1930er Jahre wurde diese Bremse gegen die bei der Berliner S-Bahn übliche einlösige Kp-Bremse ( Knorr-Personenzugbremse) ausgetauscht, was die Baureihe ET 168 nun auch mit anderen Baureihen (außer 165.8 und 167 wegen abweichender Schaltwerksbauartpro) kuppelbar machte.

Durch den Ausbau des ehemaligen Steuerabteils ab 1936 konnten das Fahrzeuggewicht reduziert und zusätzliche Sitzplätze geschaffen werden. Die Fahrzeuge weisen schon Ähnlichkeiten mit ihren Nachfolgern, den Stadtbahnern auf. Wie diese, besitzen auch die Oranienburger pro Wagen und Seite je vier Taschenschiebetüren, die jedoch anfangs (ebenfalls bis etwa 1935) NICHT vom Führerstand aus, sondern von den Fahrgästen geschlossen werden mussten. Auch fand auch eine Unterteilung in 2. und 3. Wagenklasse statt.

Angetrieben wurden die Fahrzeuge von je zwei 115 kW-Tatzlagermotoren pro Triebgestell (Anordnung Bo'Bo'+2'2') mit insgesamt 460 Kilowatt pro Viertelzug.

Siehe auch

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