Baureihe ET 27

Baureihe ET 27
DB-Baureihe ET 27
427 verlässt Geislingen West Richtung Plochingen
Anzahl: 5
Baujahr(e): 1963
Ausmusterung: 1985
Bauart: Bo'Bo'+2'2'+Bo'Bo'
Länge: 73.850 mm
Dienstmasse: 134,0 t
Radsatzfahrmasse: 16,0 t
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Dauerleistung: 1.200 kW
Raddurchmesser: 900 mm
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz AC
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: 185 mm

Die Triebwagen der Baureihe ET 27 (ab 1968 Baureihe 427) der Deutschen Bundesbahn wurden für den Nahschnellverkehr in Ballungsräumen konzipiert. Sie bestanden aus zwei Triebwagen und einem kurzgekuppelten Mittelwagen. Der Zug führt die 1. und 2. Wagenklasse und hatte einen Gepäckraum.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

427 104 mit „Zahlendreher“-Kollegen Baureihe 472 in München-Freimann

Die Deutsche Bundesbahn stellte 1963 fünf Einheiten in Dienst. Wegen ihrer gebogenen Frontfenster und den 3 Einstiegs- und Ausstiegsräumen haben sie Ähnlichkeit mit den Triebwagen der Baureihe 420/421. Sie sind jedoch keine unmittelbaren Prototypen, dienten aber als Erprobungsträger für den schnellen Ballungsraumverkehr.

Im Alltag konnten sich diese Triebzüge aufgrund des schwachen Trafos und der geringen Motorleistung, die durch den niedrigen Fahrzeugboden von 800 Millimeter bedingt ist, nicht bewähren. Damals waren bei der Bundesbahn Bahnsteighöhen von 38 Zentimetern üblich. Nur wenige Perrons hatten bereits damals 55 oder 76 Zentimeter Höhe.

Unausgereift war auch die Benutzerfreundlichkeit der Türen. Weit entfernt von der Knopfdruckbequemlichkeit heutiger S-Bahn/U-Bahn-Türen waren öfters Fahrgäste zu beobachten die die 427er Türen einfach nicht geöffnet bekamen und Hilfe von Mitreisenden bzw. Zugpersonal benötigten.

Die Betriebserfahrungen führten dazu, die neuen S-Bahnzüge der Baureihe ET 420 mit einer Thyristorsterung und für Bahnsteighöhen von 76 bzw. 95 Zentimetern (Hamburg und Berlin) zu entwickeln.

Die Triebwagen waren ausschließlich im Großraum Stuttgart im Einsatz, so z. B. auf den Strecken nach Böblingen, Ulm/Neu-Ulm. In den 80er Jahren war der Abschnitt Plochingen–Göppingen–Geislingen Einsatzschwerpunkt.

Stationiert waren die ET 27 in Esslingen am Neckar und später in Tübingen.

1968 erhielten sie die Baureihenbezeichnung 427 (Triebköpfe) bzw. 827 (Mittelwagen). Bei der letzten Hauptuntersuchung im Ausbesserungswerk Cannstatt wurde die Lackierung von purpurrot in ozeanblau-beige geändert.

Am 31. Dezember 1984 waren noch vier Züge im Bestand des Bw Tübingen (427 101.., 102.., 104.. und 105..).

1985 wurden die Triebwagen komplett ausgemustert und standen dann noch einige Zeit im Bw Tübingen abgestellt.

Die fünfte Einheit wurde von einem Eisenbahnhändler erworben, der diese an die BLS Lötschbergbahn verkaufen wollte. Wegen des schlechten Zustandes, darunter die undichten Frontfenster, kam der Handel jedoch nicht zustande.

Das Fahrzeug wurde in der Schweiz von Eisenbahnfreunden entdeckt. Die Einheit ist derzeit in Stuttgart hinterstellt. Mit einer betriebsfähigen Aufarbeitung ist nicht zu rechnen.

Modelleisenbahnen

Wegen der lediglich regionalen Bedeutung und des schwierigen Verkaufs von Triebwagen überhaupt, ist kein Modell in Großserie auf dem Markt.

Literatur

  • Obermayer: Taschenbuch Deutsche Triebwagen. Kosmos, Stuttgart 1996, ISBN 3-44-004054-2
  • Die Triebfahrzeuge der Deutschen Bundesbahn 1985, EK Verlag 1985, ISBN 3-88255-785-0

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