Baureihe V 51
DB-Baureihe V 51 (1964–1968)
DB-Baureihe 251 (ab 1968)
V51 901 der RüKB  in Putbus (2001)
Nummerierung: V 51 901–903
Anzahl: 3
Hersteller: Gmeinder & Co.
Baujahr(e): 1964
Ausmusterung: Bei der DB:
V 51 901: 23.02.1971
V 51 902: 31.03.1983
V 51 903: 31.03.1983
Achsformel: B'B' dh
Spurweite: 750 mm
Länge über Puffer: 9.810 mm
Höhe: 3.434 mm
Breite: 2.400 mm
Drehzapfenabstand: 4.080 mm
Drehgestellachsstand: 1.700 mm
Gesamtradstand: 5.860 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 50 m
Dienstmasse: 39,00 t
Reibungsmasse: 39,00 t
Radsatzfahrmasse: 10,00 t
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Installierte Leistung: 2×198 kW
Anfahrzugkraft: 13.200 kg
Treibraddurchmesser: 850 mm
Motorbauart: MWM MWM TRHS 518A
Nenndrehzahl: 1.800 U/min
Tankinhalt: 1.800 l
Antrieb: hydraulisch
Bremse: Knorr-Druckluftbremse

Die Baureihe V 51 (ab 1968: Baureihe 251) bezeichnet eine kleine Serie von drei modernen Schmalspur-Diesellokomotiven, die im Jahre 1964 für die Deutsche Bundesbahn gebaut wurden. Die der Baureihe V 100 äußerlich ähnlichen V 51 sollten den Betrieb mit den völlig überalterten Dampfloks auf den verbliebenen 750 mm-Strecken in Baden-Württemberg modernisieren. Die drei V 51 sind bis auf die Spurweite mit den beiden Maschinen der V 52 baugleich und gingen 1964 jeweils an die Federseebahn (V 51 901), die Schmalspurbahn Warthausen-Ochsenhausen (V 51 902) und die Bottwartalbahn (V 51 903), wobei sie sich vor allem im Güterverkehr auf der Strecke Warthausen-Ochsenhausen gut bewährten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

In den frühen 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts verkehrten auf den verbliebenen Schmalspurbahnen in Baden-Württemberg größtenteils noch Züge, die von noch 13 betriebsfähigen, aber völlig überalterten Dampflokomotiven gezogen wurden. Um den Betrieb auf diesen ansonsten von der Stilllegung bedrohten lokalen Strecken mit einer Spurweite von 750 bzw. 1000 mm zu modernisieren und zu rationalisieren, stellte das Land Baden-Württemberg Zuschüsse der Deutschen Bundesbahn für Entwicklung und Bau zeitgemäßer Diesellokomotiven bereit.

Entwicklung

Gefordert wurde von der Deutschen Bundesbahn daraufhin eine zugstarke Lokomotive mit nicht zu hoher Achslast, die sowohl zum Einsatz vor Personen- als auch Güterzügen selbst auf kleineren Gleisradien geeignet sein sollte. Dabei wurde weniger Wert auf hohe Geschwindigkeit als auf robuste und wartungsfreundliche Konstruktion gelegt. Aufgrund der Zuschüsse der Landes kam für den Auftrag nur eine Firma innerhalb Baden-Württembergs in Betracht.

Die Firma Gmeinder in Mosbach/Baden entwarf daraufhin eine vierachsige Drehgestell-Diesellokomotive, deren Grundkonstruktion auf eine im Jahre 1958 von MaK (heute Vossloh Locomotives GmbH) in Kiel an die Alsen'sche Portland-Cement-Fabriken KG (die spätere Alsen AG) in Itzehoe gelieferte Maschine mit einer Spurweite von 860 mm zurückging. Diese Schmalspur-Diesellokomotive, die ihrer Zeit voraus war und sich gut bewährte, besaß lange schmale Vorbauten und ein in der Mitte angeordnetes Führerhaus, was ihr ein der ebenfalls 1958 eingeführten DB-Baureihe V 100 (der späteren Baureihe 211/212) sehr ähnliches Aussehen verlieh. Nach ihrem Einsatz bei den Zementwerken wurde sie 1966 an die Kleinbahn Leer-Aurich verkauft und dort auf Meterspur (1000 mm) umgespurt. Die von Gmeinder entworfenen Maschinen übernahmen wesentliche Merkmale dieser Werkslokomotive, inklusive der hydraulischen Kraftübertragung.

Bau

Im Jahre 1963 nahm die Deutsche Bundesbahn den stark an die Baureihe V 100 erinnernden Entwurf von Gmeinder & Co. an, woraufhin die bekannte Mosbacher Lokomotivfabrik von MaK eine entsprechende Lizenz zum Bau der neuen Schmalspur-Diesellokomotiven für Baden Württemberg erhielt. Der Bau der Lokomotiven verlief problemlos, und Gmeinder & Co. lieferte im Jahre 1964 insgesamt drei Diesellokomotiven der Baureihe V 51 für die Spurweite 750 mm an die DB. Außerdem wurden im gleichen Jahr zwei Diesellokomotiven der Baureihe V 52 ausgeliefert, die bis auf die Radsätze für 1000 mm-Spurweite (Meterspur) baugleich waren.

Die Fabriknummern von Gmeinder lauteten:

  • V 51 901: 5327
  • V 51 902: 5328
  • V 51 903: 5329

Einsatz

Die drei Diesellokomotiven für 750-mm-Spurweite wurden 1964 unmittelbar nach der Auslieferung an die entsprechenden Schmalspurbahnen verteilt: Jeweils eine Maschine kam zur Federseebahn (V 51 901), eine zur Schmalspurbahn Warthausen-Ochsenhausen-Biberach (V 51 902) und eine zur Bottwartalbahn (V 51 903), wo sie die überalterten Dampflokomotiven ersetzten. Alle drei Lokomotiven erwiesen sich von Anbeginn als gelungene Konstruktionen und bewährten sich in jeder Hinsicht. Allerdings konnten auch diese damals modernsten schmalspurigen Diesellokomotiven der Welt den Niedergang der entsprechenden Baden-Württembergischen Lokalstrecken letzten Endes nicht aufhalten, da es trotz aller Rationalisierung nicht mehr gelang, auf allen Schmalspurbahnen einen wirtschaftlich rentablen Betrieb wieder herzustellen. Nur die Bottwartalbahn konnte ein weiterhin beachtliches Fahrgastaufkommen vorweisen, und so hielt der Einsatz der V 51 bei der Deutschen Bundesbahn nicht auf allen drei württembergischen 750-mm-Schmalspurbahnen lange an.

Als noch im selben Jahr 1964 die Federseebahn stillgelegt wurde, unterstützte die dort stationierte V 51 901 den Abbau der Strecke und kam danach für dieselbe Aufgabe zur Bottwartalbahn, die – trotz eines großen Fahrgastaufkommens vor allem im Berufsverkehr – stillgelegt wurde. Am 1. Januar 1968 wurden die Maschinen nach dem neuen Baureihenschema der DB mit computerlesbaren Fahrzeugnummern als Baureihe 251 bezeichnet.

1970 kamen beide Lokomotiven als Ersatz für die Dampflokomotiven zur Bahn von Biberach an der Riß nach Ochsenhausen (die 99 633 aus Bad Buchau blieb einzige Ersatz-Dampflok), die zu diesem Zeitpunkt noch einen ganz erheblichen Güterverkehr betrieb. Die Kühlschrank-Fabrik von Liebherr in Ochsenhausen sicherte den Weiterbetrieb des Güterverkehrs nach Warthausen mit zum Teil normalspurigen Güterwagen auf Rollböcken für fast 20 weitere Jahre nach der Einstellung des Personenverkehrs und dem Abbau des Streckenabschnitts nach Biberach (der stets nur für Personen- und Stückgutverkehr genutzt worden war). Allerdings waren die drei Lokomotiven dieser Baureihe auf dieser nunmehr etwas verkürzten Strecke nicht voll ausgelastet, so dass die 251 901 im Jahr 1971 nach Österreich an die Steiermärkische Landesbahn (StLB) verkauft und dort auf 760-mm-Spurweite (Bosnische Spur) umgespurt wurde. Dort fand sie in der weiterhin originalen Farbgebung als „VL 21“ einen langjährigen Einsatz, bevor sie zu Beginn der Jahres 1999 von den Rügenschen Kleinbahnen gekauft wurde, um nach erneuter Umspurung auf die ursprüngliche Maß von 750 mm wiederum als V 51 901 die eigenen Dampflokomotiven zu unterstützen. Die nunmehr auf der Strecke von Biberach nach Ochsenhausen vorhandenen beiden anderen Dieselloks 251 902 und 251 903 blieben bis zur Stilllegung der Strecke am 31. März 1983 vor Güterzügen im Einsatz.

251 902-3 bei der Einfahrt in den Bahnhof Warthausen am 17.6.1988

Die 251 903 wurde danach im Jahre 1984 über einen Zwischenhändler (NEWAG in Oberhausen) an die italienische Firma Gleismac Italiana S.p.A. in Gazzo di Bigarello/Provinz Mantua verkauft. Dort wurde sie 1985 mit Wechseldrehgestellen für 1000-mm-Meterspur, 1435-mm-Normalspur sowie 1668-mm-Breitspur ausgestattet und nach Spanien verkauft, wo sie bis heute von der Gleisbaufirma COMSA aus Barcelona im Bauzugdienst eingesetzt wird. Die 251 902 verblieb auf ihrer Heimatstrecke Warthausen-Ochsenhausen, war nach der offiziellen Stilllegung etwa zwei Jahre remisiert und kam am 29. Juni 1985 zur 1964 auf gleicher Strecke wieder eröffneten „Öchsle“-Museumsbahn.

Nach internen Streitigkeiten wurde sie 1996 von ihrem privaten Eigentümer in Bad Waldsee hinterstellt, ab 2002 in Biberach. Im April 2006 wurde die Lok dann in Kanzach zerlegt.

Technik

Die vierachsigen schmalspurigen dieselhydraulischen Lokomotiven mit zwei Drehgestellen waren eine zur damaligen Zeit richtungsweisend moderne Konstruktion, die mit ihrem mittig zwischen den beiden langen Vorbauten liegenden Führerhaus nicht nur optisch an die von MaK entwickelte und gebaute Baureihe V 100 (der späteren Baureihe 211/212) aus dem Jahr 1958 angelehnt war. Technisch eng verwandt waren die Maschinen mit einer von MaK im Jahr 1959 an die Alsen'schen Portland-Zementwerke in Itzehoe ausgelieferte MaK 400 BB für 860-mm-Spur, bei der die Kraftübertragung ebenfalls über Hydraulik und ein Nachschaltgetriebe erfolgte. Das etwas hochbeinige und relativ schmale Aussehen der Fahrzeuge kam daher, dass diese von Anbeginn konstruktiv für die kleinste geforderte Spurweite von 750 mm ausgelegt werden mussten und es nur so möglich war, die Komponenten der hydraulischen Kraftübertragung mitsamt den Achsantrieben unterzubringen. Alle Maschinen besaßen zwei MWM-Dieselmotoren mit einer Leistung von jeweils 270 PS (199 kW) bei 1600 U/min im vorderen längeren Vorbau, wobei im kürzeren hinteren Vorbau der Hilfsdieselmotor, die Batterien, der Kompressor sowie die Druckluft- und Diesel-Tanks ihren Platz hatten. Die Kraftübertragung erfolgte über einen Drehmomentwandler vom Typ TwinDisc 11500 MS450 sowie ein von MaK hergestelltes Nachschaltgetriebe vom Typ MaK 3.162.04. Die Lokomotiven waren für eine maximal zulässige Dienstgeschwindigkeit von 40 km/h ausgelegt, die tatsächlich mögliche Höchstgeschwindigkeit lag bei etwa 65 km/h. Die Anfahrzugkraft lag für eine Diesellokomotive dieser Größe bei beachtlichen 13.200 kg (132,00 kN) maximal und 11.770 kg (117,70 kN) im Mittel. Die Lokomotiven verfügten über eine Sicherheitsfahrschaltung (Sifa), jedoch nicht über eine Zugbeeinflussung (Indusi), da diese auf Nebenbahnen mit geringen Geschwindigkeiten nicht eingesetzt wird. Alle Maschinen dieser Baureihe verfügten über eine für Schmalspurbahnen typische Trichterkupplung.

Verbleib

  • V 51 901 (ab 1968: 251 901-0): Einsatz seit 1999 bei den Rügensche Bäderbahnen auf der Insel Rügen
  • V 51 902 (ab 1968: 251 902-3): Einsatz seit 1985 bei der Museumsbahn Das Öchsle von Warthausen nach Ochsenhausen (1996 in Bad Waldsee und 2002 in Biberach hinterstellt, April 2006 in Kanzach zerlegt vorhanden)
  • V 51 903 (ab 1968: 251 903-1): Einsatz seit 1983 bei der Gleisbaufirma COMSA vor Bauzügen mit Wechseldrehgestellen von 1000 mm, 1435 mm und 1668 mm in Spanien

Technische Daten

Konstruktionsdaten der Baureihe V 51 von 1964 nach Gmeinder & Co. GmbH

Abmessungen

  • Kleinste befahrbare Abrundung am Ablaufberg: 50 m

Gewichte

  • Gewicht je lfd. Meter: 4,07 t

Maschinenanlage

  • Betriebsdrehzahl: 500-1600 U/min

Hilfsmotor

  • Anzahl Hilfsmotoren: 1
  • Hersteller Hilfsmotoren: MWM
  • Typ: MWM AKD 412Z
  • Leistung: 21,75 PS (16,20 KW)
  • Betriebsdrehzahl: 2000 U/min

Kraftübertragung

  • Hersteller Drehmomentwandler: TwinDisc
  • Typ: 11500 MS450
  • Hersteller Nachschaltgetriebe: MaK
  • Typ: 3.162.04
  • Übersetzungsverhältnis: 1,31:1
  • Steuerung: pneumatisch

Kraftübertragung

  • Hersteller Achsgetriebe: Gmeinder & Co.
  • Vorlegeachstrieb Typ: GM 170 EVA/398
  • Übersetzungsverhältnis: 3,98:1
  • Achstrieb Typ: GM 170 E/285
  • Übersetzungsverhältnis: 2,85:1
  • Hersteller Gelenkwellen: GWB
  • Motor-Getriebe: 367,5
  • Getriebe-Achstrieb: 167,5
*Achstrieb-Achstrieb: 167,5

Zugkraft

  • Max. Anfahrzugkraft am Radumfang: 13.200 kg (132,00 kN)
  • Mittlere Anfahrzugkraft am Radumfang: 11.770 kg (117,7 kN)
  • Zugkraft bei Vmax: 2.000 kg

Bremse

  • Knorr-Druckluftbremse mit Führerbremsventil und direkter Bremse über Feinregelventil
  • Höchster Betriebsdruck: 10 atü
  • Antrieb: hydrostatisch (max. 8,7 PS)

Siehe auch

Weblinks


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