Bautastein
Dänischer Bautastein bei Reerslev Seeland
"Nähnadel Mariens" an der Olavskirche Norwegen

Ein Bautastein (in Schweden auch "Rest sten" oder Residual sten genannt) ist ein schlanker, oft hoher unbeschrifteter Stein, der in einigen Gebieten Skandinaviens und den angrenzenden Regionen aufgestellt wurde. Bautasteine werden allgemein in die Zeit vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. datiert, sollen aber auch auf spätbronzezeitlichen Grabhügeln vorgekommen sein. Primär werden aufgerichtete Steine ohne Schalen, Bilder oder Runeninschrift Bautastein genannt.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Den Begriff prägte E. Vedel im Jahre 1886. Das Wort wird von einigen Forschern aus dem altnordischen *bautuðr = Phallus hergeleitet. Andere leiten es von bautaðar, dem Genitiv von bautaðr „Stoßer“, „Schäger“ (= gewaltiger Kriegsmann) ab. Nach der ersten Lesart symbolisierte er anfänglich die Fruchtbarkeit, später wurde er zum Gedächtnisstein für einen Verstorbenen. Tatsächlich sind einige phallisch zugearbeitete Steine gefunden worden, z. B. der von Steinkjer in Norwegen.

Verbreitung

Bautasteine sind in Skandinavien sowohl einzeln als auch in Gruppen (Årbakka (7) Grinde (6), Norheim (5) alle in Norwegen); am Bøgebjerg bei Reerslev Dänemark stehen die fünf "Skrædderens falske vidner" (des Schneiders falsche Zeugen) und auf Gräberfeldern zu finden.

Auch in England und im heutigen Polen finden sie sich vereinzelt. Steine dieser Art werden in Polen zum Teil den frühen Goten zugeordnet. Oft findet man sie auch auf der Südseite von Brandgräbern. Sie können die Mitte einer Grabanlage markieren. Sie kommen dort vor, wohin Normannen und Wikinger gelangten.

Aussehen

In Dänemark wurden Findlinge (selten höher als 2 m) und ansonsten Steine verwendet die u. U. aus dem Fels gebrochen wurden. Letztere sind unbearbeitet und daher mehr oder weniger unregelmäßig in der Form, manche haben einen ungefähr dreieckigem, quadratischen oder rechteckigen Querschnitt. Ihre Höhe variiert zwischen 30 cm und 7,2 m. Die Nähnadel Mariens an der Olavskirche in Avaldsnes auf Karmøy (Norwegen) und der Trollpila (Trollpfeiler) von Bolsøya mit 5,1 m sind die höchsten. Die Dicke ist umso geringer, je höher der Stein ist, so dass einige als Nadeln bezeichnet werden. Häufig ist beinahe die Hälfte im Boden eingegraben oder das obere Ende zugespitzt. Auf Gotland wurden bevorzugt Kalksteinplatten aufgestellt, die heute (wegen Beschädigung oder Verwitterung) noch nur unwesentlich aus dem Boden ragen.

Abgrenzung

Bautasteine tragen weder Inschriften noch Bilder. Später, teilweise noch vor der Wikingerzeit, sind Erinnerungstexte, meist in Runenschrift, festzustellen. Solche Steine heißen jedoch Runensteine (z. B. Helland in Sola (Norwegen): „Skard errichtete diesen Stein für Bjalv, seinen Sohn, einen vortrefflichen Mann“. Auf diese Erinnerungsfunktion weist auch die Hávamál hin:

sjaldan bautarsteinar
standa brautu nær,
nema reisi niðr at nið.
Selten stehen Bautasteine
nahe dem Weg
wenn nicht ein Verwandter sie errichtet nach dem Verwandten.

Damit dürften die Steine ihre Funktion geändert haben. Sie verloren an Bedeutung, und der nüchterne Text lässt darauf schließen, dass sie auch keine (in unserem Sinn) religiöse Bedeutung mehr hatten. Man geht davon aus, dass die Änderung auf christliche Einflüsse zurückgeht, wo bereits Grabsteine mit Inschrift üblich waren.

Literatur

  • E. Vedel: Bornholms oldtidsminder og Oldsager 1886

Siehe auch

Hellig Kvinde

Weblinks


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