Bauwagenplatz
Bauwagenplatz Wagabanda, Bielefeld. Feier zum 10jährigen Bestehen, August 2004

Ein Bauwagenplatz ist eine Wohnsiedlung aus mobilen Fahrzeugen, meist Bauwagen.

Bauwagenplätze entstanden beispielsweise nach dem Krieg, als Flüchtlinge keine andere Unterkunft hatten. Aus dieser Zeit stammen auch Gesetze, die später das Wohnen in Bauwagen (mit Ausnahmen) untersagen.

Die heutigen Bauwagenplätze sind, ähnlich wie viele besetzte Häuser, Orte alternativer Kultur. Diese Wagendörfer entwickelten sich Mitte der 1980er Jahre aus der Hausbesetzerszene. Oft werden Wagendörfer von den Grundbesitzern und Behörden nur geduldet und sind ständig in Gefahr, geräumt zu werden. Bewohner betrachten das Leben in Wagendörfern als einen „Ausstieg aus der konsumorientierten Gesellschaft“ und einen „Schritt hin zu selbstbestimmter Lebensweise“, aber auch als Möglichkeit mobilen Lebens. Man findet auf den Plätzen manche fantasievolle Eigenbauten.

Einige Bauwagenplätze befinden sich auf illegal besetzten Flächen, andere haben Mietverträge mit der jeweiligen Stadt, fast alle haben einen Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss usw. Die Bewohner haben diese Wohnform selbst gewählt.

Viele Bauwagenplätze sind, speziell von konservativer Seite, umstritten. Ein umstrittener Bauwagenplatz war der Bambule-Platz in Hamburg, dessen Räumung einen monatelang anhaltenden Konflikt nach sich zog. Auch der Bauwagenplatz der Schattenparker in Freiburg im Breisgau wird seit zehn Jahren immer wieder geräumt. Zaffaraya in Bern/Schweiz existiert seit 21 Jahren; seine Existenz ist aber bedroht.

Gegner halten diese Wohnform für nicht tolerabel, hinterfragen etwa die hygienischen Zustände auf Bauwagenplätzen oder den legalen Status und fordern Verbote und Räumungen. So wurde im Hamburger Konflikt von der Stadt die Forderung erhoben, die Bauwagenbewohner sollten einzeln ihnen angebotene Wohnungen am Stadtrand beziehen, oder andernfalls außerhalb Hamburgs gemeinsam im ländlichen Gebiet leben.

Befürworter des Bauwagen-Lebensstiles verweisen auf die geringen Lebenshaltungskosten, die Möglichkeit zur Mobilität, das soziale Leben im Gegensatz zur Vereinzelung in der Single-Wohnung, und fordern Toleranz für selbstbestimmtes Wohnen und die Legalisierung ihrer Wohnform (siehe auch: Kommune (Lebensgemeinschaft)). Im Hamburger Konflikt forderten sie das Recht auf Teilhabe an der Stadt, die Respektierung ihrer Lebensform und die Abschaffung der Bauwagengesetzgebung.

Bekanntheit erhielten die Bauwagenszene und damit die Bauwagen durch den „Spießer“-TV-Werbespot der LBS in den Jahren 2004 bis 2007[1]: Auf einem Bauwagenplatz sagt ein Mädchen, gespielt von Lena Beyerling, zu ihrem alternativen Vater, dass sie, wenn sie groß sei, lieber auch als „Spießer“ in einem normalen Haus leben möchte.

Literatur

  • Stefan Canham: Bauwagen. Mobile Squatters. Peperoni Books, Berlin 2006, ISBN 3-9809677-1-9 (Bildband)
  • Hubertus Janssen (Red.): Auf zur grundrechtlichen Verteidigung der Wagenburgen. Gegen den Missbrauch von Recht und Polizei zugunsten herrschender Ordnungsvorstellungen; am Exempel Ostfildern. Komitee für Grundrechte und Demokratie, Köln 1998, ISBN 3-88906-076-5.
  • Anke Schulz: Fischkistendorf Lurup. Siedlungsprojekte, Schrebergärten, Bauwagen und Lager, 1920 bis 1950. VSA-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-87975-892-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. www.lbs.de, abgerufen am 22.3.2009

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