A. N. Roquelaure
Anne Rice (2006)

Anne O'Brien Rice (* 4. Oktober 1941 als Howard Allen O’Brien in New Orleans) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Berühmt wurde sie vor allem mit ihrem zehnbändigen Zyklus von Vampirromanen, der Chronik der Vampire (OT: The Vampire Chronicles).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anne Rice wurde 1941 als Tochter irischer Einwanderer geboren. Sie erhielt den Namen Howard Allen O'Brien (Howard war der Name ihres Vaters, Allen der Geburtsname ihrer Mutter Katherine), da ihre Mutter der Meinung war, ein männlich klingender Name könne für ein Mädchen von Vorteil sein. Beim Eintritt in eine katholische Mädchenschule wurde der Vorname in Anne geändert; den Namen hatte sich die Sechsjährige selbst ausgesucht.

Anne O'Brien heiratete 1961 den Dichter Stan Rice. Ihre Tochter Michelle, die 1966 zur Welt kam, starb 1972 an Leukämie. 1978 wurde Anne Rices Sohn Christopher geboren, der heute selbst Autor mehrerer Romane ist. Annes Rices Schwester Alice Borchardt war ebenfalls Schriftstellerin.

Rice leidet an Diabetes mellitus. Die Krankheit brach im Dezember 1998 bei ihr aus und ließ sie zeitweilig in ein diabetisches Koma fallen. Seitdem setzt sie sich für die Früherkennung von Diabetes ein.

Anfang 2005 verkaufte Anne Rice ihr Wohnhaus im Garden District von New Orleans und zog nach San Diego, Kalifornien. Bereits ein Jahr später zog die Autorin erneut um. Seit Frühjahr 2006 lebt Anne Rice in Rancho Mirage, einer Siedlung im Coachella Valley in der kalifornischen Wüste nahe Palm Springs.

Die streng katholisch erzogene Anne Rice hat nach ihrer Abkehr vom kirchlichen Glauben während ihrer Collegezeit und ihrem Bekenntnis zum Atheismus nach dem Tod ihrer Tochter mittlerweile zum katholischen Glauben zurückgefunden. Sie möchte daher nicht mehr über Vampire und Hexen schreiben, sondern sich christlichen Themen widmen.[1] Neben ihrer Arbeit an der Jesus Christus-Reihe beendete Rice 2008 die Arbeit an dem ersten Band einer neuen Serie Songs of the Seraphim, die Autorin bezeichnet die Reihe als „metaphysische Thriller“.[2]

Werk

Vampirchronik und Hexensaga

1976 erschien Rices Debütwerk, der Vampirroman Interview with the Vampire (deutsche Titel siehe Buchliste unten). In der tragischen Geschichte des Vampirkindes Claudia, das nicht erwachsen werden kann, verarbeitete Anne Rice den frühen Tod ihrer kleinen Tochter.

Der weltweit große Erfolg des Buches veranlasste Anne Rice schließlich, weitere Vampirromane zu schreiben. Die erste Fortsetzung erschien 1985: The Vampire Lestat (dt.: Fürst der Finsternis). Ursprünglich wollte Rice die Serie 1992 nach vier Bänden mit dem Roman The Tale of the Body Thief (dt.:Nachtmahr) beenden.

Anne Rice hatte 1990 mit The Witching Hour (dt.: Hexenstunde) eine zweite Buchreihe begonnen: die Hexen-Saga „Lives Of The Mayfair Witches“. Die Reihe blieb jedoch trotz guter Kritiken bei den Lesern langfristig weniger erfolgreich als die Vampirchronik, so dass Anne Rice die Mayfair-Saga zunächst wieder einstellte und stattdessen die Chronik der Vampire 1995 mit Memnoch the Devil (dt.: Memnoch der Teufel) fortsetzte.

Ende der 1990er plante Anne Rice eine neue Serie über die Vampire: „New Tales of the Vampires“, die aber nach nur zwei Bänden (Pandora und Vittorio) wieder von ihr eingestellt wurde. Der dritte, bereits von ihr begonnene Band dieser Reihe Blood and Gold (dt.:Blut und Gold) erschien als Titel der Vampire Chronicles.

Mit Merrick und Blackwood Farm vereinigte Anne Rice schließlich Vampirchronik und Hexensaga. Die Verbindung von Vampiren und Hexen stieß bei Kritik und Lesern auf ein gemischtes Echo. Beide Serien enden mit dem zehnten Band der Vampirchronik: Blood Canticle (dt.: Hohelied des Blutes).

Christ the Lord

Seit 2003 arbeitet Anne Rice an ihrer neuen Serie über das Leben Jesu Christi. Im November 2005 erschien der erste Band: Christ the Lord: Out of Egypt. Der zweite Band The Road to Cana kam im März 2008 in den Handel.

Weitere Werke

Anne Rice schrieb außerdem zwei historische Romane ohne fantastische Elemente: The Feast of all Saints (nicht auf Deutsch erschienen) und Cry to Heaven (dt.: Falsetto), zwei Fantasy-Romane: The Mummy (dt.: Die Mumie oder Ramses der Verdammte) und Servant of the Bones (dt.: Engel der Verdammten) und einen autobiographischen Roman: Violin (nicht auf Deutsch erschienen).

1985 entstand die Vampirgeschichte The Master of Rampling Gate (dt.: Der Herr von Rampling Gate) als Anne Rices Beitrag für die Anthologie „Vampire Stories by Women“.

Zudem verfasste Anne Rice auch Drehbücher, u.a. zu der amerikanischen Fernsehserie Earth Angels (wurde nicht in Deutschland ausgestrahlt) und dem Mystery Krimi Rag and Bone (dt: Im Angesicht von Gut und Böse). Rices Drehbuch „The Mummy or Ramses The Damned“ wurde nie filmisch umgesetzt, sie schrieb die Story daher zu einem Roman um. Ein weiteres Filmprojekt, das nicht realisiert wurde, ist The Bride of Frankenstein. Auch hier plante Rice, das Drehbuch zu einem Roman umzuschreiben. Doch als ihr das Vorhaben zu kompliziert wurde, ließ sie den Plan fallen.

Ende der 1970er bis Mitte der 1980er schrieb Anne Rice teils unter Pseudonym für verschiedene Magazine, darunter den „Playboy“ und die „Vogue“.

Rice hat teilweise unter den Pseudonymen Anne Rampling, A. Roquelaure und A.N. Roquelaure diverse Erotik-Romane mit starkem BDSM-Bezug veröffentlicht. Die unter dem Pseudonym A.N. Roquelaure verfasste Dornröschen-Trilogie ist in Deutschland indiziert; der ebenfalls sadomasochistische Roman Exit to Eden (dt.: Verbotenes Verlangen) ist frei erhältlich. Belinda erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einem erwachsenen Mann und einem minderjährigen Mädchen.

Adaptionen

  • Interview mit einem Vampir wurde 1994 von Neil Jordan mit Tom Cruise, Brad Pitt, Antonio Banderas, und Kirsten Dunst in den Hauptrollen verfilmt und war ein großer kommerzieller Erfolg. Im Vorfeld der Dreharbeiten monierte Anne Rice öffentlich die Besetzung von Tom Cruise als Lestat. Nachdem sie den Film gesehen hatte, nahm sie die Vorwürfe zurück und ließ auf eigene Kosten in der „Variety“ eine selbstverfasste ganzseitige lobende Rezension des Filmes abdrucken.
  • 2002 folgte mit Queen of the Damned („Königin der Verdammten“) die Verfilmung des zweiten und dritten Romanes aus der „Chronik der Vampire“ (mit Stuart Townsend als Lestat). Der Film floppte jedoch an den Kinokassen.
  • Ihr Roman The Feast of All Saints wurde 2001 als TV-Miniserie verfilmt und gesendet.
  • Das Musical „Lestat“ von Elton John und Bernie Taupin, welches von Interview with the Vampire und The Vampire Lestat inspiriert wurde, hatte am 17. Dezember 2005 in San Francisco Uraufführung. Die ersten Kritiken fielen gemischt aus, die negativen Stimmen überwogen jedoch. Deshalb startete das Musical am 15. März 2006 in einer überarbeiteten Version am Broadway. Doch auch in New York waren Publikum und Kritik von „Lestat“ enttäuscht. Das Musical wurde nach nur einem Monat vom Spielplan genommen.

Werke

Chronik der Vampire

OT: The Vampire Chronicles

  • Interview with the Vampire, 1976 (Schule der Vampire, 1978, Gespräch mit dem Vampir, 1989, Interview mit einem Vampir, 1994, Gespräch mit einem Vampir, 2004)
  • The Vampire Lestat, 1985 (Der Fürst der Finsternis, 1990)
  • The Queen of the Damned, 1988 (Die Königin der Verdammten, 1991)
  • The Tale of the Body Thief, 1992 (Nachtmahr, 1994)
  • Memnoch the Devil, 1995 (Memnoch der Teufel, 1998)
  • The Vampire Armand, 1998 (Armand der Vampir , 2001, Der Duft der Unsterblichkeit, 2008 )
  • Merrick, 2000 (Merrick oder die Schuld des Vampirs, 2003, Das Blut der Verführung, 2008)
  • Blood and Gold, 2001 (Blut und Gold, 2004)
  • Blackwood Farm, 2002 (Blackwood Farm, 2005)
  • Blood Canticle, 2003 (Hohelied des Blutes, 2006)

siehe auch Artikel: Chronik der Vampire

Die Mayfair-Hexen

OT: Lives Of The Mayfair Witches

  • The Witching Hour, 1990 (Hexenstunde, 1993)
  • Lasher, 1993 (Tanz der Hexen, 1995)
  • Taltos, 1994 (Die Mayfair-Hexen, 1996)

Neue Chronik der Vampire

OT: New Tales of the Vampires

  • Pandora, 1998 (Pandora, 2001, Die Herrin des Schattenreichs, 2008)
  • Vittorio the Vampire, 1999 (Vittorio, 2002, Der Kuss der Dämonin, 2008 )

Die Jesus Christus Serie

OT: Christ The Lord Series (laut Anne Rice als Tetralogie geplant)

  • Out of Egypt, 2005 (Jesus Christus. Rückkehr ins Heilige Land, 2007)
  • The Road to Cana, 2008 (Jesus Christus. Die Straße nach Kanaa, 2008)

Einzelromane

  • The Feast of All Saints, 1979
  • Cry to Heaven, 1982 (Falsetto, 1998)
  • The Mummy or Ramses the Damned, 1989 (Die Mumie oder Ramses der Verdammte, 1992)
  • Servant of the Bones, 1996 (Engel der Verdammten, 1999)
  • Violin, 1997

Kurzgeschichten

  • October 4th, 1948, 1965
  • Nicholas and Jean, 1966 - später als Abschlussarbeit in Creative Writing umgeschrieben zu: Katherine and Jean, 1972
  • Interview with the Vampire (Urfassung), 1968
  • The Art of the Vampire at its Peak in the Year 1876, 1979
  • The Master of Rampling Gate, 1985 (Der Herr von Rampling Gate, 1992) (Vampirgeschichte ohne Bezug zur Chronik der Vampire)

Autobiographie

  • Called Out Of Darkness, 2008.

Artikel

  • David Bowie and the End of Gender (Vogue, 1983)

Drehbücher

  • The Mummy or Ramses The Damned, 1988 (Film wurde nicht realisiert)
  • The Bride of Frankenstein, 1992 (Film wurde nicht realisiert)
  • Interview with the Vampire, 1994 (zusammen mit Neil Jordan)
  • Rag and Bone, 1997 (Fernsehfilm)
  • Earth Angels, 2001 (Fernsehserie)

Erotische Romane

Die Dornröschen Trilogie

OT: The Sleeping Beauty Trilogy – unter dem Namen „A.N. Roquelaure“

  • The Claiming of Sleeping Beauty, 1983 (Dornröschens Erwachen, 1990) (in Deutschland indiziert)
  • Beauty's Punishment, 1984 (Dornröschens Bestrafung, 1991) (in Deutschland indiziert)
  • Beauty's Release, 1985 (Dornröschens Erlösung, 1991)

Weitere Romane

Unter dem Pseudonym „Anne Rampling“

  • Exit to Eden, 1985 (Verbotenes Verlangen, 1996)
  • Belinda, 1986

Literatur

  • Rebecca Cordes: Anne Rices "Vampire Chronicles". Myth And History. Der andere Verlag, Osnabrück 2004, ISBN 3-89959-159-3.
  • Joy Dickinson: Haunted City. An unauthorized guide to the magical magnificent New Orleans of Anne Rice. Citadel Press, New York 2004, ISBN 0-8065-2525-8.
  • Gary Hoppenstand (Hrsg.): The Gothic World Of Anne Rice. University Press, Bowling Green, Ohio 1996, ISBN 0-87972-707-1.
  • Jana Marcus: In The Shadow Of The Vampire. Reflections from the world of Anne Rice. Thunder's Mouth Press, New York 1997, ISBN 1-56025-147-6.
  • Katherine M. Ramsland: Prism Of The Night, A biography of Anne Rice. Plume Books, New York 1994, ISBN 0-452-26862-1.
  • Michael Riley: Conversations With Anne Rice. Ballantine, New York 1996, ISBN 0-345-39636-7.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. www.stern.de Stern-Magazin, Heft 37/2007
  2. www.annerice.com Mitteilung auf Anne Rices Homepage vom 17. November 2008

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