Bayerische Patriotische Partei

Bayerische Patriotenpartei auch Bayerische Patriotische Partei genannt war eine 1869 gegründete katholisch orientierte politische Partei im Königreich Bayern. Sie ging 1887 in der bayerischen Zentrumspartei auf.

Inhaltsverzeichnis

Gründung

Der Hintergrund der Parteigründung war der Erlass eines von liberalen Ideen geprägten Schulgesetzes. Dies löste heftige Reaktionen im katholischen Milieu aus. Hinzu kam der Widerstand gegen einen möglichen Beitritt Bayerns zum norddeutschen Bund. Diese Aspekte führten zu hohen Stimmenanteilen für katholisch gesinnte Politiker bei den Wahlen zum Zollparlament von 1868. Diese Kräfte schlossen sich 1869 zur Patriotenpartei zusammen. Vorsitzender wurde Josef Edmund Jörg.

Programmatik

Die Partei stellte den bayerischen Partikularismus und katholische Interessen in den Mittelpunkt ihrer Politik. Sie war mehrheitlich konservativ, föderalistisch und großdeutsch eingestellt.

Allerdings gab es von Anfang an unterschiedliche Strömungen. Diese zeigten sich bereits bei der Entscheidung, ob Bayern 1871 dem deutschen Reich beitreten sollte oder nicht. Dies führte zu Absplitterungen.

Organisation

Eine feste Struktur hatte die Partei noch nicht. Nominiert wurden die Abgeordneten durch Bauernvereine, städtische Casinovereine oder andere katholische Vereine. Eine wichtige Rolle als organisatorische Basis spielten auch die Geistlichen, die selbst häufig etwa ein Fünftel der Landtagsfraktion stellten.

Wahlergebnisse

Bei den bayerischen Landtag von 1869 errang sie die Mehrheit. Im Jahr 1874 auf dem Höhepunkt des seit etwa zehn Jahre andauernden bayerischen Kulturkampfs stimmten fast zwei Drittel der bayerischen Wähler für die Patriotenpartei.

Regionale Verteilung

Eine Hochburg war Altbayern, wo die Patriotenpartei bei hoher Wahlbeteiligung häufig über 90% der Stimmen erhielten. Der hohe Stimmenanteil erklärt sich nicht zuletzt durch den politischen Einfluss der lokalen Geistlichen. Ein etwas geringerer Stimmenanteil in der Diözese Passau geht auch auf das Verbot des dortigen Bischofs gegen die politische Tätigkeit der Geistlichen zurück.

Die neubayerischen Gebiete waren zwischen Liberalen und Klerikalen umkämpft. Hier wurden bei ebenfalls hoher Wahlbeteiligung nur knappe Mehrheiten erzielt. Mit einigen Ausnahmen setzten sich auch in diesem Gebiet die Patriotenpartei auf Dauer durch. Dagegen dominierten bei niedriger Wahlbeteiligung im protestantischen Mittelfranken weiterhin die Liberalen. Dies gilt auch für die Großstädte Nürnberg und München sowie für andere größere Städte. Trotz eines dominierenden katholischen Bevölkerungsanteils setzte sich im Allgäu die Patriotenpartei gegen die Liberalen nicht durch.

Übergang zum Zentrum

Innerhalb der Partei setzte sich schließlich ein radikaler Flügel durch, was 1881 zum Rücktritt des Vorsitzenden Jörg führte. Obwohl es bereits seit den 1870er Jahren die Zentrumspartei als reichsweite katholische Partei gab, schloss sich die Patriotenpartei erst 1887 dem Zentrum an.

Literatur

  • Walter Tormin: Geschichte der deutschen Parteien. Stuttgart u.a., 1967 S.63, S.85

Weblinks


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