Bayerische Seenschifffahrt
Bayerische Seenschifffahrt
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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Januar 1997 (Nachfolge)
Sitz Schönau am Königssee (Landkreis Berchtesgadener Land)
Leitung RR Walter Stürzl
Mitarbeiter ca. 150
Branche Fahrgastschifffahrt
Schaufelraddampfer Diessen der Schifffahrt Ammersee (vor der Generalüberholung 2005/06)

Die Bayerische Seenschifffahrt betreibt Schifffahrt auf vier bayerischen Seen, nämlich dem Königssee, dem Starnberger See, dem Ammersee und dem Tegernsee.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen

Die Bayerische Seenschifffahrt GmbH ist am 1. Januar 1997 durch die Privatisierung der Staatlichen Seenschifffahrt entstanden, die auf die im 19. Jahrhundert auf den vier Seen begonnenen Schifffahrtsunternehmen zurückging. Der Freistaat Bayern besitzt 100 % der Geschäftsanteile der GmbH. Der Sitz des Unternehmens ist Schönau am Königssee in Oberbayern (Seestraße 55, Ortsteil Königssee). Mit einer Flotte von 34 Motorschiffen, mit jährlich rund 1,2 Mio. Fahrgästen und etwa 150 Mitarbeitern gehört sie zu den größten Binnenschifffahrtsunternehmen Deutschlands.

Betriebsteile

Schifffahrt Königssee

Ein Elektroboot der Bay. Seenschifffahrt am Königssee für ca. 80 Passagiere

Auf dem Königssee verkehren 18[1] weitgehend baugleiche Elektrofahrgastschiffe mit etwa 20 m Länge für je 85 Personen, die in der eigenen Werft in Schönau gebaut und überholt werden - der höchstgelegenen und südlichsten Werft Deutschlands. Hinzu kommt ein kleineres Elektrofahrgastschiff mit 9,50 m Länge für 25 Personen, bei dem es sich um das Meisterstück des Bootsbauers handelt. Während die Bootsrümpfe bis 1998 aus Holz gebaut wurden, erhielten die letzten drei Neubauten (1998, EMB Bischofswiesen, 2003, EMB Berchtesgaden und 2011, EMB Maria Alm) einen Stahlrumpf.[2]

Die Boote verkehren von der Seelände im Ortsteil Königssee an der Nordspitze des Sees zu den Anlegestellen St. Bartholomä unter der Watzmann-Ostwand, Saletalm am Südende des Sees und zum Bedarfsanleger Kessel am Ostufer. Auf etwa halber Fahrtstrecke nach St. Bartholomä wird den Gästen mit einem Flügelhorn oder einer Trompete vom Bootsführer das beeindruckende Echo an der Echowand demonstriert, das einfach oder selten auch zweifach zu hören ist. Früher wurde vom Schiff aus mit einem Böller geschossen und ein bis zu siebenfaches Echo erzeugt; allerdings ist das Mitführen von Schwarzpulver aus Sicherheitsgründen heute verboten.

Die Schifffahrt auf dem See wird ganzjährig betrieben (außer am 24. Dezember), soweit nicht eine seltene Vereisung des Sees im Winter zur Einstellung des Schifffahrtbetriebes zwingt.

In dem Betrieb sind 80 Personen beschäftigt. Er ist der umsatzstärkste der vier Betriebe.

Schifffahrt Starnberger See

MS Starnberg

Die Flotte auf dem Starnberger See besteht aus sechs Schiffen. Das größte Schiff ist die MS Seeshaupt mit 60 m Länge für 900 Personen, gefolgt von dem Katamaran MS Starnberg mit 56 m Länge für 800 Personen, der MS Bayern mit 48 m Länge für 700 Personen, der MS Bernried mit 34 m Länge für 300 Personen, der MS Berg mit 24 m Länge für 160 Personen und dem Museumsschiff MS Phantasie. Die MS Tutzing wurde 1995 außer Dienst gestellt und liegt seitdem als Museumsschiff vor Tutzing. Am 11. September 2011 hatte die MS Seeshaupt ihre letzte Fahrt und wurde außer Dienst gestellt [3].

Die Schiffe fahren von Ostersonntag bis Mitte Oktober vom Hafen bzw. den Stegen neben dem Bahnhof in Starnberg zu Anlegestellen in Berg, Leoni, Possenhofen, Tutzing, Ammerland, Bernried (Buchheim Museum), Ambach und Seeshaupt. Hochwasser kann dazu führen, dass nur noch Tutzing angefahren werden kann. Neben dem fahrplanmäßigen Verkehr werden eine Reihe von Sonderfahrten durchgeführt.

Der Betriebsteil erzielt mit rund 30 Mitarbeitern den zweithöchsten Umsatz des Unternehmens.

Schifffahrt Ammersee

Am Ammersee verkehren die beiden, jeweils 400 Personen fassenden Schaufelraddampfer RMS Diessen (Baujahr 1908, Generalsanierung 2005/06) und RMS Herrsching (Baujahr 2002) sowie die MS Utting für 400 Personen, die MS Augsburg für 300 Personen und die MS Schondorf für 170 Personen.

Die Schiffe verkehren von Ostersonntag bis Mitte Oktober vom Hafen in Stegen am Nordende des Ammersees zu Anlegestellen in Buch, Schondorf, Breitbrunn, Utting, Holzhausen, Herrsching, Riederau und Dießen.

Schifffahrt Tegernsee

Auf dem Tegernsee sind die beiden baugleichen Schwesterschiffe MS Rottach-Egern und MS Tegernsee für je 250 Personen, die MS Wallberg für 164 Personen, die MS Gmund und die MS Kreuth für je 130 Personen im Einsatz.

Auf den Rundfahrten werden die jeweils drei Anlegestellen in Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee sowie der Steg in Gmund-Seeglas angelaufen. Die Schiffe fahren ganzjährig mit einer Betriebspause von Anfang November bis Mitte Dezember.


Historie der Schifffahrtsbetriebe

Schifffahrt Königssee

Bis zum Beginn der Motorschifffahrt auf dem See waren Ruderboote das einzige Verkehrsmittel.

Der Bau der heute nicht mehr existierenden Eisenbahnverbindung von Berchtesgaden nach Königssee, deren Fertigstellung der 29. Mai 1909 war, ließ aufgrund der verbesserten Verkehrsanbindung eine Steigerung der Königsseebesucher erwarten. Die Zeit über die Einführung einer Motorschifffahrt zu entscheiden drängte.

Mit Zustimmung des Prinzregenten Luitpold bestellte der Obersthofmeisterstab im Januar 1909 vier Boote, nämlich ein Elektroboot und zwei mit Petroleum befeuerte Dampfmaschinenboote und ein kleines Elektroboot ausschließlich für Hofdienstzwecke.

Eröffnet wurde die Motorschifffahrt auf dem Königssee schließlich am 15. Juli 1909 mit dem von der Firma Siemens-Schuckert gelieferten Elektromotorboot „Accumulator“. Es fasste 38 Personen, war 12 m lang und 2,15 m breit. Der Bootskörper und die Kajüte waren aus Mahagoniholz. Die Motorleistung betrug etwa 15 PS. Die erforderliche Energie lieferte eine Bleibatterie, was bei einer Geschwindigkeit von 10 km/h einen Aktionsradius von rund 100 km ermöglichte.

Einige Tage nach der Indienststellung des „Accumulator“ wurden die beiden Dampfmaschinenboote „Tristan“ und „Isolde“ für je 18 Personen, 8,50 m lang und 1,75 m breit, gewassert.

Das entsprechend seiner Bestimmung für hofdienstliche Zwecke hochherrschaftlich ausgestattete Elektromotorboot „Gemse“ kam wenig später hinzu und war für 20 Personen bestimmt. Obwohl es zunächst für Hofdienstzwecke bestimmt war, wurde dieses Boot schon bald auch zur Fahrgastbeförderung eingesetzt.

Die Motorbootzeit war damit auch am Königssee endgültig angebrochen, die Fahrzeiten über den See haben sich mehr als halbiert. Die Eröffnung der Motorschifffahrt auf dem Königssee brachte einen allgemeinen Aufschwung des Fremdenverkehrs. Weitere Elektromotorboote wurden angeschafft. Diese hatten sich wegen ihres ruhigen Dahingleitens, ihrer Abgasfreiheit und wegen der geringen Betriebskosten schon bald auf dem Königssee durchgesetzt. Die günstige Stromversorgung mit nächtlicher Aufladung der Batterien war durch den Bau der „Königssee-Eisenbahn“ möglich geworden.

Seit 1. April 1934 betreibt der Bayerische Staat die Schifffahrt auf dem Königssee in Eigenregie.

Schifffahrt Starnberger See

Sehr früh war der Starnberger See auch beim Adel beliebt geworden. Er lag der Haupt- und Residenzstadt München am nächsten und war über die Alte Poststraße schnell und bequem zu erreichen. Bereits 1550 ließ sich Herzog Albrecht V. von Bayern von Starnberger Zimmererleuten eine „Fregatte“ bauen.

Kurfürst Ferdinand Maria war es schließlich, der sich im 17. Jahrhundert eine Flotte mit höchstem Luxus erbauen ließ. Das Prachtschiff „Bucentaur“ kostete nicht weniger als 18.269 Gulden. Es hatte ein Fassungsvermögen von 500 Personen, wurde von 110 Ruderern fortbewegt, hatte daneben aber auch Segel. Bei den See- und Jagdfesten war es von bis zu 34 Begleitschiffen (darunter z.B. ein Küchenschiff) umgeben. Im Jahre 1758 beschloss Kurfürst Max II. wegen der anstehenden hohen Reparaturkosten den Abbruch des „Bucentaur.“ Es folgte ursprünglich dem Vorbild des venezianischen Bucentaur, ital. bucintoro (goldene Barke), dem repräsentativen Staatsschiff der Dogen von Venedig.

Ab 1851 begann auf dem Starnberger See das Zeitalter der Dampfschifffahrt. Im Beisein von König Max II. lief in Starnberg der erste Raddampfer vom Stapel, finanziert vom Königlichen Baurat Ulrich Himbsel. 1864 wurde der Schifffahrtsbetrieb an eine Aktiengesellschaft verkauft und am 1. Januar 1915 vom Bayerischen Staat übernommen. Die Schifffahrt wurde, wie am Ammersee, zunächst von den Königlich Bayerische Staatseisenbahnen bzw. deren Rechtsnachfolger Reichsbahn/Deutsche Bundesbahn und ab 1959 von der Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen betrieben.

Schifffahrt Ammersee

1878 wurde am Ammersee eine Aktiengesellschaft gegründet, die in Zürich ein neues Schiff für 150 Fahrgäste bauen ließ. 1880 übernahm Reichsrat von Maffei die Aktienmehrheit der „Aktiendampfschiffahrtsgesellschaft Ammersee“.

Da eine Bahnverbindung zwischen München bzw. Augsburg und dem Ammersee nicht bestand, wurde schließlich im selben Jahr auf dem Fluss Amper nördlich des Ammersees ein Zubringerverkehr von Stegen (heutiger Heimathafen der Ammersee-Flotte) nach Grafrath mit dem Flussdampfer „Maria Theresia“ eingerichtet.

Der Bayerische Staat erwarb 1906 für 110.000 Gulden die Schifffahrt auf dem Ammersee mit ihren Anlagen, Geräten und Schiffen und unterstellte sie zunächst den Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen später der Reichsbahn sowie der Deutschen Bundesbahn.[4]

1959 ging die Führung des Betriebs von der Deutschen Bundesbahn auf die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen über.

Schifffahrt Tegernsee

1894 wurde erstmals einem Fischer durch Prinzregent Luitpold gestattet, eine Motorschifffahrt zu betreiben. Bis zum Zweiten Weltkrieg standen auf dem Tegernsee 5 Motorboote zur Verfügung.

Während des II. Weltkriegs bildeten drei Privatunternehmen eine Notgemeinschaft, um die Schifffahrt auf dem Tegernsee aufrechterhalten zu können. Infolge des Treibstoffmangels erlebte die Schifffahrt einen Niedergang. In diese Misere griff der Bayerische Staat ein und zweigte 1944 vom Königssee zwei Elektroboote für den Tegernsee ab. Für die sich langsam normalisierende Schifffahrt mietete der Staat von der Fa. Höß sowie von der Gemeinde die Fahrgastschiffe an. Die beiden Königssee-Boote kehrten 1951 wieder an den Königssee zurück.

Zwischen 1951 und 1954 gingen sämtliche gemieteten Schiffe durch Kauf an den Freistaat Bayern über. Die Betriebsführung der Schifffahrt erfolgte am Tegernsee durch die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Am 1. Januar 1984 wurden die vier Schifffahrtsbetriebe als Staatliche Seenschifffahrt, einem Regiebetrieb des Freistaats Bayerns, zusammengeführt. Die Privatisierung erfolgte am 1. Januar 1997.

Weblinks

 Commons: Bayerische Seenschifffahrt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

Archiv Bayerische Seenschifffahrt GmbH

Einzelnachweise

  1. Die Königssee-Schiffsflotte. Internetseite der Bayerischen Seen-Schifffahrt, abgerufen am 12. August 2011
  2. Pressemeitteilung vom 15. Juli 2011 zur Schiffstaufe des neuen Elektro-Fahrgastschiffes am Königssee
  3. Pressemitteilung vom 7. September 2011 BR-Online, abgerufen 16. Oktober 2011
  4. www.seenschifffahrt.de Unternehmen – Geschichte

Siehe auch


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