Bayerisches Leibregiment

Das Infanterie-Leib-Regiment war das Hausregiment (Garderegiment) der bayerischen Könige vom Ende der napoleonischen Kriege bis zum Untergang der Wittelsbacher Monarchie und der damit verbundenen Auflösung der bayerischen Armee.

Inhaltsverzeichnis

Vorläufer

Bereits vor dem eigentlichen Leibregiment führten in Bayern zwei Infanterieregimenter diesen Namen:

Geschichte

Oberleutnant des Grenadier-Garde-Regiments 1814

Aufstellung

Das Regiment wurde laut Allerhöchstem Entschluss zum 16. Juli 1814 als "Grenadier-Garde-Regiment" aus den Grenadierkompagnien der bayerischen Linieninfanterie-Regimenter gebildet. Die größten und schönsten Leute (sic!) wurden zum Grenadier-Garde-Regiment versetzt, die überzähligen zum 1. Infanterie-Regiment. Das Regiment bestand damals aus drei Bataillone zu je 6 Kompanien. Der erste Oberstkommandant (ab 1872 wurde die Bezeichnung Kommandeur gebräuchlich) war Franz Freiherr von Hertling (1780 - 1844), der das Kommando bis 11. Februar 1824 inne hatte. Am 13. April 1815 erhielt das Regiment seine Fahnen in München. Aus allen Bataillonen wurde am 14. April 1815 ein Feld-Bataillon zusammengestellt und unter der 6. Reserve-Infanterie-Brigade zum Wachdienst in Mannheim und Auxerre eingesetzt. Nach dem Waffenstillstand wurden das II. und III. Bataillon nach Auxerre nachgezogen. Am 22. September 1815 wurden die Fahnen in der Kathedrale von Auxerres geweiht.

Garnison war grundsätzlich die Residenzstadt München, zeitweilig waren Bataillone des Regiments ausgelagert (I. Bataillon 1851-1853 in Germersheim, 1862 in Landau; II. Bataillon 1853 in Landau, 1859 in Landsberg, 1871 in Augsburg; III. Bataillon 1873 in Fürstenfeldbruck).

Unmittelbar nach dem Tod Max I. Joseph verordnete sein Sohn und Nachfolger Ludwig I. die Auflösung der kostspieligen Garderegimenter. Das Regiment führte ab dem 6. Dezember 1825 fortan den Namen "Linien-Infanterie-Leib-Regiment" bestehend aus 2 Bataillone zu je 6 Kompanien (20 bis 30 Mann). Seit 28. Oktober 1835 nur noch als "Infanterie-Leib-Regiment" benannt stand es ohne Regimentsnummer in der Rangfolge an der Spitze der Infanterie. Faktisch behielt es jedoch seinen Gardestatus. Schnell entwickelte sich "Leiber" zum Spitznamen der Regimentsangehörigen.

1848 wurde das III. Bataillon wieder aufgestellt. Das Regiment wurde am 4. April 1848 während der Revolutionswirren in Alarmbereitschaft versetzt und bezog vor der Residenz Stellung. Am 30. Juni 1848 wurde als erster Bürgerlicher Jakob Ermarth zum Oberstkommandant ernannt. Das I. und II. Bataillon wurden am 5. Oktober 1848 nach Sigmaringen in Marsch gesetzt, um den Fürsten Karl August von Hohenzollern-Sigmaringen zu schützen und die dortige provisorische Regierung aufzulösen. Nach ähnlichen Einsätzen unter einem "Observationskorps" im Raum Ulm und Günzburg kehrten die Bataillone bis zum 31. Dezember 1849 wieder nach München zurück. Zur 50-Jahr-Feier des Regiments am 16. Juli 1864 rückten seine Offizíere mit ihrem Oberstkommandanten Karl Graf von Spreti zu einem "Festbanquette" im Hotel Vier Jahreszeiten (München) ein, seine Unteroffiziere und Mannschaften erhielten von König Ludwig II. 500 Gulden, von Prinz Otto 100 Gulden Menagezulage.

Krieg gegen Preußen 1866

Im Krieg gegen Preußen 1866 wurde das Infanterie-Leibregiment nicht geschlossen eingesetzt; während das I. Bataillon in der Bundesfestung Mainz stationiert war, wurden das II. und III. Bataillon unter Oberstkommandant Siegmund Freiherr von Pranckh der 1. Brigade unterstellt. In vier Gefechten hatte das Regiment 17 Gefallene und 136 Verwundete zu beklagen, wobei eigentümlicherweise bereits nach der ersten Schlacht des Regiments (bei Nüdlingen) der Oberstkommandant von dem nicht adeligen Adalbert Högenstaller (2. bürgerlicher Oberstkommandant) abgelöst wurde.

Deutsch-französischer Krieg 1870/1871

Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 wurde das Regiment geschlossen der 1. Brigade, im weiteren der 1. Division, unterstellt. Es stellte im Lager Lechfeld Abmarschbereitschaft in Stärke 66 Offiziere und 2879 Mann her. In den Schlachten bei Wörth am 6. August 1870 und bei Sedan am 1. September stand das Leiber-Regiment in den Brennpunkten der Kämpfe und musste einige Verluste hinnehmen. Für die militärischen Leistungen bei Sedan (1. September 1870) erhielt der Kommandant des III. Bataillons Major Joseph Graf von Ioner-Tettenweiß das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens. Nach dem Gefecht bei Artenay am 10. Oktober 1870 besetzte das Regiment am 11. Oktober Orléans, musste es jedoch am 9. November 1870 gegen weit überlegenen französischen Kräften (Loire-Armee) wieder räumen. Durch das umsichtige und tapfere Verhalten des Hauptmann Karl Hoffmann, Kompagnie-Chef der 9. Kompanie des Regiments, verhinderte er in der Schlacht bei Villepion am 1. Dezember 1870, dass überlegene französische Abteilungen durchbrechen konnten, und hielt die bereits stark gefährdete Stellung bis Tagesschluss. Hierfür wurde er mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Am 2. Dezember 1870 bewährte sich das Regiment in der verlustreichen Schlacht bei Loigny und Poupry bei Bazoches, wofür Oberlieutenant Hermann Ehrne von Melchthal (8. Kompagnie) wegen Tapferkeit vor dem Feind mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens ausgezeichnet wurde. Das Regiment eroberte Orléans am darauffolgenden Tage zurück. Am 7. Dezember 1870 wies Unterlieutenant Friedrich Krieger als Kompagnieführer der 11. Kompagnie bei Lemons (Meung, rechtes Loire-Ufer) den Ansturm überlegener französischer Kräfte auf eine Artilleriestellung zurück und ging nach eigenem Entschluss zum Gegenangriff über. Er nahm bei der Verfolgung zahlreiche Franzosen gefangen und eroberte eine feindliche Batterie. Für sein energisches Eingreifen erhielt er das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens. Ebenfalls am 7. Dezember 1870 zeichnete sich im Gefecht bei Le Bardon (nordwestlich von Meung am rechten Loire-Ufer) Unterlieutenant Alfred Meyer für sein tapferes Verhalten aus, wofür er am 24. Mai 1871 das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens erhielt. In der Schlacht bei Beaugency am 8. Dezember 1870 konnte das Regiment seine Stellungen gegen die französischen Angriffe halten. Das Regiment wurde bei der Belagerung von Paris in Bereitschaft gehalten, musste jedoch in die Kampfhandlungen nicht mehr eingreifen.

Das königlich bayerische Infanterie Leibregiment war nach amtlichen Quellen mit 66 Offizieren und 2879 Mann ausmarschiert. 54 Offiziere und 2193 Mann machten den Siegeszug am 16. Juli 1871 in München mit.

In 8 Transporten wurden 34 Offiziere und 2333 Mann als Ersatz nachgesandt, so dass das Regiment einen Gesamtverlust an Toten, Verwundeten und Kranken von 46 Offizieren und 3019 Mann hatte, also über 100 Mann mehr, als anfangs ausmarschierten. (Florian Kühnhauser - statistischer Anhang)

Im Jahre 1872 bestanden die Kompagnien aus 4 Offizieren, 14 Unteroffizieren und 124 Mannschaften. Die 4. und 12. Kompagnie bildete zusammen mit je einer Kompagnie des 1. und 2. Infanterie-Regiments das Lehrbataillon in München.

Am 7. Juli 1881 hatte ein Angehöriger des Hauses Wittelsbach, Arnulf von Bayern, das Kommando über das Regiment bis 20. März 1884 inne, danach à la suite. Außerdem waren als Kommandeure eingesetzt u.a. Felix Graf von Bothmer (1901 bis 1903, ab 1912 à la suite) und Friedrich Kreß von Kressenstein (1903 bis 1905), darüber hinaus als à la suite auch Rupprecht von Bayern (1899).

Das 1893 aufgestellte IV. Halbbataillon (13. und 14. Kompanie) wurde vier Jahre später zum neu aufgestellten 20. Infanterie-Regiment abgegeben. Im Jahre 1911 wurde eine Maschinengewehr-Kompanie aufgestellt.

Erster Weltkrieg

1914

Im Ersten Weltkrieg trat das Leibregiment in Gefechtsstärke von 65 Offizieren und 2.962 Mann (Stand: 7. August 1914) zunächst in der 1. Infanteriebrigade (zusammen mit dem 1. Infanterieregiment "König") in Frankreich als Teil der 6. Armee an, wobei das Regiment beim Sturmangriff auf Badonviller am 12. August 1914 die erste Feuerprobe zu bestehen hatte. Bei ca. 450 Mann eigenen Verlusten an Toten und Verwundeten brachte es 800 französische Gefangene und reiche Kriegsbeute ein. Nach den Gefechten bei Badonviller komponierte Georg Fürst den Badonviller Marsch, der als Badenweiler Marsch bekannt wurde. Am 19. August 1914 traf der erste Ersatz in Stärke 2 Offiziere und 432 Unteroffiziere/Mannschaften ein. In der Schlacht von Péronne am 24. und 25. September 1914 endete der Vormarsch aufgrund heftiger französischer Gegenangriffe. Das Regiment hatte bis dahin schon über 1.000 Mann verloren. Oberstleutnant Franz Epp folgte am 24. Dezember 1914 Oberst Friedrich Freiherr von Pechmann als Kommandeur nach.

1915

Das Regiment grub sich bei Péronne ein und hielt über den Winter 1914/15 seine Stellungen. Es erholte sich wieder auf 81 Offiziere und 3.245 Unteroffiziere/Mannschaften (1. April 1915). Im Mai 1915 wurden die 13. und 14. Kompanie wieder aufgestellt und zur Neuaufstellung des 24. Infanterie-Regiments abgegeben. Am 19. Mai 1915 schied das Regiment aus der 1. Infanteriedivision aus und wurde als eine der Kerntruppen des neu aufgestellten Deutschen Alpenkorps nach Südtirol verlegt. Am 1. Juli 1915 wurden die Gebirgs-M.G.-Abteilung 205 und die Reserve-M.G.-Abteilung 4 dem Regiment für längere Zeit unterstellt. Am 31. Juli 1915 wurden die Regimentsfahnen an das Zeugamt in München übergeben, da sie in der modernen Kriegsführung keine Bedeutung mehr hatten. In den Tiroler Bergen nahm es bis Oktober 1915 bei verhältnismäßig geringen Verlusten ca. 750 Italiener gefangen. Das Alpenkorps wurde ab Winter 1915/16 zwischen der West- und Ostfront hin und her verschoben, um als Elitetruppe an den Brennpunkten der Kämpfe einzugreifen. Im Oktober 1915 wurde es in die Champagne beordert, um nach kurzem Einsatz an die serbische Front geschickt zu werden.

1916

Nach halbjährigen Einsatz auf dem Balkan fuhr das Regiment wieder nach Frankreich, wo es im Sommer 1916 an der Schlacht um Verdun teilnahm. Dabei gelang es dem Regiment, am 23.Juni 1916 das Dorf Fleury mit der westlich vorgelagerten Höhe zu nehmen, wofür das Infanterie-Leib-Regiment im Heeresbericht genannt wurde. Aufgrund der Situation in benachbarten Frontabschnitten unterblieb jedoch ein weiterer Vormarsch nach Westen. Allein im Juni 1916 verlor es dabei 22 Offiziere und 1.163 Unteroffiziere und Mannschaften. Im Juli 1916 erbeutete es 20 französische Maschinengewehre und führte 2000 Franzosen in Gefangenschaft. Nach den Gefechten im Argonnerwald (18. August - 8. September 1916) meldete das Regiment ein Fehl von 36 Offizieren und 1000 Unteroffizieren/Mannschaften. Von Herbst 1916 an kam das Regiment in Rumänien zum Einsatz, wo es den strategisch wichtigen Roten Turmpaß sperrte und maßgeblich zum Erfolg der Offensive der Mittelmächte gegen Rumänien beitrug. Während dieser Kämpfe wurde am 7. November 1916 Prinz Heinrich von Bayern als Kommandeur des III. Bataillons in vorderster Linie schwer verwundet und erlag am folgenden Tage seinen Verletzungen. Das Regiment zeichnete sich bei der Verfolgung der russisch-rumänischen Verbände bis zum Fluss Putna aus und machte über 1000 Gefangene.

1917

Am 3. Januar 1917 betrug die Gefechtsstärke des Regiments nur noch 1.354 Mann. Am 24. April 1917 wurden die 2. und 3. Maschinengewehrkompanie aufgestellt. Von Mai bis Juli 1917 kehrte das Regiment kurzfristig an die Westfront (Oberelsaß) zurück, um im Sommer wieder nach Rumänien zurückverlegt zu werden. Am 24. Juli 1917 wurde der sog. "Leiberring" für 24 Monate Netto-Frontdienstzeit gestiftet und an 61 Offiziere sowie 1.087 Unteroffiziere und Mannschaften verliehen. Ende August war das Regiment auf 1.055 Mann zusammengeschmolzen, als im Oktober und November 1917 endlich 1.000 Mann Ersatz eintrafen. Im Oktober 1917 nahm das Regiment in Oberitalien (jetzt Slowenien) an der12. Isonzoschlacht teil, wobei es sich besonders bei der Erstürmung des stark befestigten Kolowrat-Rückens und des Monte Matajur auszeichnete. Dabei drang das I. Bataillon des Regiments als erste in Cividale del Friuli ein. Der strömende Regen und die deshalb angeschwollenen Torrenten verhinderten die völlige Niederlage des italienischen Heeres. Bei "nur" 280 Mann Verlusten wurden 11.000 Italiener gefangen genommen und 97 Maschinengewehre, 10 Minenwerfer, 100 Geschütze und ein Panzerwagen erbeutet.

1918

Das Regiment nahm dann an der erfolglosen Frühjahrsoffensive von 1918 in Westflandern (Operation "Georgette") teil. Nach den äußerst blutigen Kämpfen bei Kemmel und Scherpenberg (18. bis 29. April 1918) musste es an Gefallenen und Verwundeten 55 Offiziere sowie ca. 1.400 Mann beklagen. Die Kompanien waren auf je ca. 80 Mann dezimiert. Noch im Herbst 1918 wurde es nach Abwehrkämpfen an der Somme (Gesamtstärke des Regiments am 20. September 1918: 380 Mann!) nach Serbien verlegt, um den deutschen Rückzug zu decken. Am 10. Oktober 1918 wurden die 4., 5. und 6. Kompanie des königlich bayerischen Radfahrer-Bataillons Nr. 3 unterstellt. Beim Rückmarsch vom Balkan vom 12. bis 23. November 1918 musste sich das Regiment durch Gebiete mit feindlich gestimmter Bevölkerung über Ungarn nach Bayern durchschlagen. Etwa 60 Mann wurden bis zur Ankunft in München fahnenflüchtig, ein untrügliches Zeichen für die Auflösung der inneren Ordnung. Das Regiment wurde am 23. November 1918 in München bis auf einen geringen Stamm demobilisiert.

Das Infanterie-Leib-Regiment hatte während des ersten Weltkriegs Gesamtverluste an

  • Toten: 98 Offiziere und 3304 Unteroffiziere/Mannschaften
  • Vermissten: ca. 450 Mann
  • Kriegsgefangenen: 533 Mann

Pour le Mérite

Militär-Max-Joseph-Orden-Ritterkreuzträger des Regiments 1914 bis 1918

  • 15. November 1915 OLt Hans Freiherr von Speidel (gefallen am 28. Dezember 1916)
  • 25.Juni 1916 Heinrich Prinz von Bayern (gefallen am 8. November 1916)
  • 23. Juni 1916 Oberstlt Franz Epp
  • 11. Juli 1916 Hptm Emmerich Freiherr von Godin
  • 24. Juni 1916 Hptm d. Res. Günther Freiherr von Pechmann
  • 20. Juli 1916 Lt d. Res. Dr. Ing. Wilhelm Meng
  • 6. Januar 1917 Maj Robert Graf von Bothmer (gefallen am 28. September 1918)
  • 6. Januar 1917 OLt Ludwig Graf von Bothmer
  • 10. August 1917 Lt d. Res. Hans von Ruckteschell
  • 27. Oktober 1917 Lt d. Res. Karl Halt
  • 28. Mai 1918 Lt d. Res. Dr. Franz Wimmer
  • 18. September 1918 Hptm Hans Freiherr von Pranckh

Uniformierung

Die Uniformierung unterschied sich zunächst von der Linieninfanterie insbesondere durch die offensichtlich vom Vorbild der französischen Gardegrenadiere inspirierten Bärenfellmützen, außerdem weiße Knöpfe, Kragenborte und Litzen auf Brust und Ärmelaufschlägen sowie längere Rockschöße. Mit der Umwandlung zum Leibregiment wichen die Bärenfellmützen dem Raupenhelm; Kragenborte, Brustlitzen und längere Rockschöße fielen weg,. Mit der Einführung des preußischen Waffenrockes beim bayerischen Heer (1872) trug das Leibregiment anders als der Rest der Infanterie weiße Knöpfe, Gardelitzen und schwedische Aufschläge.

Prominente Angehörige des Regiments

  • Anton Graf von Arco auf Valley (1897–1945) Mörder des Begründers des Freistaates Bayern, Kurt Eisner
  • Erhard Auer (1874–1945) Innenminister der bayerischen Räterepublik und SPD-Vorsitzender in Bayern
  • Adolf von Bomhard (1891–1976) SS-Gruppenführer, Befehlshaber der Ordnungspolizei in der Ukraine sowie später 1. Bürgermeister und Ehrenbürger von Prien am Chiemsee
  • Karlfried Graf Dürckheim (1896-1988) Freikorpskämpfer, Diplomat (Betreuung des Auslandsdeutschtums 1935-1945) und Zen-Lehrer
  • Carl Duisberg (1861–1935) Einjährig-Freiwilliger beim Regiment (1882/83), Begründer der I.G. Farben
  • Franz von Epp (1868-1946) Kommandeur des Regiments vom 26. Dezember 1914 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und später NS-Reichsstatthalter in Bayern
  • Georg Fürst (1870–1936) Regimentskapellmeister und Komponist des vom Gefecht bei Badonviller inspirierten Badonviller-Marsches, der bald inoffizieller Regimentsmarsch war und dann als Lieblingsmarsch Adolf Hitlers bekannt wurde.
  • Adolf von Heinleth (1823–1895) bayerischer Kriegsminister von 1885 bis 1890 und Großvater Bomhards
  • Ernst Hoferichter (1895–1966) bayerischer Schriftsteller, Journalist und Schauspieler
  • Hans Lex (1893-1970) deutscher Politiker und Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (1961-1967).
  • Otto von Lossow (1868–1938) bayerischer General und Militärberater in der Türkei
  • Thomas Mann (1875–1955) Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, wurde 1900 nach drei Monaten als dienstuntauglich entlassen.
  • Fritz Schäffer (1888–1967) bayerischer Ministerpräsident und Bundesminister für Justiz bzw. Finanzen
  • Ferdinand Schörner (1892–1973) im zweiten Weltkrieg Generalfeldmarschall
  • Franz Xaver Schwarz (1875–1947) Reichsschatzmeister der NSDAP 1925/45

Tradition nach 1918

Laut Jakob Knab schlossen sich in den Nachkriegswirren viele Angehörige des Regiments völkischen Wehrverbänden und reaktionären Freikorps an [1]. Treffpunkt für ehemalige Offiziere war das "Leiberzimmer" im Münchner Sterneckerbräu - dieses Lokal war auch die erste Geschäftsstelle der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), die sich 1920 in NSdAP umbenannte [2] [3]. Nach Übergang der Wehrhoheit Bayerns auf das Reich 1919 wurde die Tradition des Regiments auf die 1. und 2. Kompanie des (bayerischen) Infanterie-Regiments 19 der Reichswehr übertragen, das 1935 in Infanterie-Regiment 19 und 1942 in Grenadier-Regiment 19 umbenannt wurde. Am 31. August 1944 übernahm es vom aufgelösten Grenadier-Regiment 199 den Traditionsnamen "List" in Erinnerung an das bayerische Reserve-Infanterie-Regiment 16 aus dem 1. Weltkrieg, welches ebenfalls diesen Beinamen getragen hatte. Als das Hitler-Regime unterging, fand das Regiment beim Rückzug auf die Danziger Bucht sein Ende. Aufgrund der Brüche in der deutschen Militärgeschichte verbot sich die Zuweisung einer konkreten Verbandstradition für die Bundeswehr. Ansprechpartner für Fragen über das Leibregiment ist dort das Feldjäger-Bataillon 451 in München, nachdem zunächst ein Münchner Panzergrenadier-Bataillon und dann das Führungsunterstützungs-Regiment 60 diese Funktion wahrgenommen hatte. In der Sanitätsakademie der Bundeswehr besteht ein Traditionsraum. Außerdem pflegt der Kameraden- und Freundeskreis Leibregiment e.V. mit Sitz in München seit 1984 die Tradition des Regiments.

Spuren in der Gegenwart

  • Am Münchner Ostfriedhof steht in der Nähe des Haupteingangs ein von der Leibregiments-Vereinigung e.V. errichtetes Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten des Regiments.
  • Von der für das Regiment 1826 im klassizistischen Stil errichteten Türkenkaserne (so genannt wegen ihrer Lage an der Münchner Türkenstraße) steht heute nur mehr das imposante Haupttor, die Kaserne selbst wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und später abgerissen. Auf dem Gelände befindet sich jetzt die Pinakothek der Moderne.
  • Die Stadtkapelle Germering trägt zu vielen Auftritten die historische Gala-Uniform der Musiker des Grenadier-Garde-Regiments von 1814 bis 1826.
  • 1892 wurde in München die Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Regiments gegründet; 1907 baute der Verein ein im Wald bei Waldperlach gelegenes Erholungsheim für das Regiment, das auch heute noch unter dem Namen „Leiberheim“ existiert und inzwischen ein öffentlicher Biergarten ist.
  • Die Feldzeichen des Infanterie-Leib-Regiments sind im bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt aufbewahrt.

Literatur

  • "Das k.-b. Infanterie-Leib-Regiment 1814 bis 1914" bearbeitet von Oskar Illing, München 1914
  • Konrad Krafft von Dellmensingen, Friedrichfranz Feeser, "Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914-1918", I. Band, Chr. Belser AG, Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1930
  • "Das k.-b. Infanterie-Leibregiment im Weltkrieg 1914/18" - Hg.: Josef Reiss, München 1931 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, bayer. Anteil, Band 70)
  • Günter Wegner, Deutschlands Heere bis 1918, Band 10 Bayern, Biblio-Verlag, Osnabrück 1984, ISBN 3-7648-1199-4
  • "Das Alpenkorps: Aufbau, Organisation und Einsatz einer Gebirgstruppe im Ersten Weltkrieg" - Günther Hebert, Boppard 1988, ISBN 3-7646-1860-4
  • Jakob Knab, "Unangreifbare Traditionspflege" - Der Bayerische Militär-Max-Joseph-Orden und das Königlich-Bayerische Infanterie-Leib-Regiment, in: GESCHICHTE QUER - Zeitschrift der bayerischen Geschichtswerkstätten, Heft 12 (2004)
  • Wegner, Günter, Deutschlands Heere bis 1918, Band 10 Bayern, Biblio Verlag, Osnabrück 1984
  • Florian Kühnhauser, Kriegserinnerungen eines Soldaten des königlich bayerischen Infanterie Leibregiments, erschienen Partenkirchen 1898, Verlag Leonhard Wenzel

Quellen

  1. Jakob Knab, Angaben s.o. bei Literatur, Seite 27
  2. Jakob Knab, Angaben s.o. bei Literatur, Seite 26
  3. Benedikt Weyerer, Sterneckerbräu, München, in: Historisches Lexikon Bayerns, (16. Mai 2007)

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