Bayernkolleg Schweinfurt
Bayernkolleg Schweinfurt
Schulform Staatliches Institut zur Erlangung der Hochschulreife (Kolleg)
Gründung 1967
Ort Schweinfurt
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 2′ 47″ N, 10° 12′ 16,7″ O50.04638888888910.204638888889Koordinaten: 50° 2′ 47″ N, 10° 12′ 16,7″ O
Träger Freistaat Bayern
Schüler etwa 300 (Januar 2011)
Lehrer 40 (Januar 2011)
Leitung OStD Johanna Bonengel
Website www.bayernkolleg-sw.de

Das Bayernkolleg Schweinfurt in Schweinfurt ist eine staatliche Einrichtung des Zweiten Bildungsweges. Sie ermöglicht es jungen Erwachsenen, die bereits im Berufsleben gestanden oder einen Haushalt geführt haben, in drei Jahren das Abitur nachzuholen.

Im Unterschied zu der Oberstufe des beruflichen Schulwesens – Fachoberschule (FOS) und Berufsoberschule (BOS) –, die in verschiedene Ausbildungsrichtungen gegliedert ist, vermittelt das Bayernkolleg eine breite Allgemeinbildung mit der Kenntnis zweier Fremdsprachen. Es verfolgt damit das gleiche Ziel wie das Gymnasium, dessen Lehrpläne in den Klassenstufen 11 und 12 auch für das Kolleg gelten. In den beiden letzten Jahrgangsstufen wird nach dem System der bayerischen reformierten Oberstufe des Gymnasiums unterrichtet. Auch die Abschlussprüfung für die Absolventen des Kollegs ist die gleiche zentrale bayerische Abiturprüfung wie für die Gymnasiasten.

Das Bayernkolleg Schweinfurt existiert seit 1967. Bis jetzt (Stand: Anfang 2008) haben 1700 Abiturienten diese Schule erfolgreich absolviert. 39 Lehrkräfte unterrichten zur Zeit rund 300 Schüler. Es gibt fünf erste Klassen und vier Vorkurse. Der Schule ist ein Wohnheim angeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Schulprofil

Das Bayernkolleg Schweinfurt ist ein Gymnasium besonderer Art, das es jungen Erwachsenen nach der Berufsausbildung bzw. mehrjähriger beruflicher Tätigkeit ermöglicht, die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Sein Ziel besteht darin, den Kollegiatinnen und Kollegiaten grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, die ein Studium an allen Fakultäten der Universitäten und Technischen Hochschulen ermöglichen. Dies geschieht am Bayernkolleg im Rahmen eines Unterrichts, der den besonderen Lernbedingungen von Erwachsenen Rechnung trägt und deren persönliche Situation berücksichtigt (erwachsenengerechter Unterricht). Darüber hinaus versteht sich die Schule aber auch als Lebensraum, der die Begegnung mit Kunst und Wissenschaft und vielfältige menschliche Kontakte ermöglicht.

Ausbildungsverlauf

Die Ausbildung dauert drei Schuljahre (ohne Vorkurs). Es wird – wie am Gymnasium – vormittags, teilweise auch nachmittags in 45-Minuten-Stunden unterrichtet; der Samstag ist frei. Die Ferientermine entsprechen denen an allen anderen bayerischen Schulen. Eine berufliche Tätigkeit kann und darf während der Dauer des Schulbesuchs nicht ausgeübt werden.

Die Ausbildung gliedert sich in eine einjährige Eingangsphase (Jahrgangsstufe 1) und eine zweijährige Qualifizierungsphase (Jahrgangsstufen 2 und 3).

Eingangsphase

In der Jahrgangsstufe 1 werden in 34 Wochenstunden folgende Fächer unterrichtet:

Deutsch, Englisch, eine weitere Fremdsprache (Latein, Französisch, Russisch), Geschichte mit Sozialkunde, Wirtschafts- und Rechtslehre mit Geographie, Religion (ev./kath.) bzw. Ethik, Mathematik, Physik, Biologie, Chemie.

Zusätzlich gibt es einen einstündigen Rhetorik-Kurs. Bei entsprechendem Interesse können Wahlfächer angeboten werden, z. B. Informatik/Internet, Kunst, Musik, Theater, Japanisch.

Der erfolgreiche Abschluss der Jahrgangsstufe 1 beinhaltet den mittleren Schulabschluss.

Qualifizierungsphase

In den Jahrgangsstufen 2 und 3 findet der Unterricht in Klassen, Kursen und Seminaren statt. Das Fächerangebot gliedert sich in:

  • ein Pflichtprogramm, zu dem die Fächer Deutsch, Fremdsprache, Mathematik, Religion/Ethik, Geschichte und Sozialkunde gehören;
  • ein Wahlpflichtprogramm, in dem es möglich ist, individuelle Schwerpunkte zu setzen: Man kann ein naturwissenschaftliches Fach, eine weitere Fremdsprache oder Informatik wählen und hat die Wahlmöglichkeit zwischen Geographie und Wirtschaft/Recht;
  • frei wählbare Fächer zur individuellen Profilbildung, wie Dramatisches Gestalten, Kunst, Musik, Psychologie, Japanisch.

Voraussetzungen für die Aufnahme

Bedingungen für den Eintritt in die Jahrgangsstufe 1 sind:

  • ein Mindestalter von 18 Jahren
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. eine regelmäßige zweijährige Berufstätigkeit (Arbeitslosigkeit, Wehr- oder Zivildienst sind bis zu einem Jahr anrechenbar; die Führung eines Familienhaushalts ist einer Berufstätigkeit gleichgestellt)
  • Nachweis eines mittleren Schulabschlusses, z.B. Fachschulreife, Abschluss einer Real- oder Wirtschaftsschule, erfolgreicher Abschluss der 10. Klasse eines Gymnasiums oder einer Hauptschule, qualifizierter beruflicher Bildungsabschluss, Abschlusszeugnis einer Berufsschule oder einer Berufsfachschule, erfolgreicher Besuch der Vorklasse der BOS
  • Bestehen der Probezeit am Kolleg. Diese dauert bis zum Ende des ersten Schulhalbjahres (Mitte Februar); erst dann wird auf der Grundlage der erbrachten Leistungen, der Arbeitshaltung und gegebenenfalls unter Berücksichtigung besonderer persönlicher Umstände entschieden, ob ein Erreichen des Bildungsziels und somit ein Verbleib am Kolleg möglich ist.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann man auch ohne mittleren Schulabschluss in die Jahrgangsstufe 1 oder direkt in die Jahrgangsstufe 2 eintreten. In beiden Fällen wird eine spezielle Aufnahmeprüfung verlangt.

Nicht aufgenommen werden kann,

  • wer einen Vorkurs nicht bestanden hat,
  • wer sich der Abiturprüfung am Gymnasium oder der Abschlussprüfung an der FOS/BOS zweimal ohne Erfolg unterzogen hat,
  • wer aus bestimmten Gründen vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen wurde.

Vorkurs

Der einjährige Vorkurs bietet Bewerbern, die keinen mittleren Schulabschluss haben, die Möglichkeit, in das Kolleg einzutreten. Der erfolgreiche Abschluss des Vorkurses berechtigt dazu in die Jahrgangsstufe 1 des Kollegs einzutreten.

Für den Vorkurs gelten die gleichen Aufnahmebedingungen wie für die Jahrgangsstufe 1 (siehe oben) - außer dem mittleren Schulabschluss. Eine Aufnahmeprüfung findet im Vorkurs nicht statt. Die Eignung für die Ausbildung am Kolleg wird in einem Vorstellungs- und Beratungsgespräch geklärt.

Der Unterricht erstreckt sich über ein Schuljahr und findet - wie in den Jahrgangsstufen 1 bis 3 - als Vollzeitunterricht statt, allerdings in der Regel nur vormittags (8 bis 13 Uhr). Der Fächerkanon umfasst: Deutsch, Englisch, Mathematik, Physik, (Chemie), Biologie, Geschichte und Geographie. Hinzu kommt nach Möglichkeit ein Kurs "Sprachpropädeutik" zum Erwerb grammatikalischer Grundkenntnisse als Ergänzung zum Unterricht in Deutsch und den Fremdsprachen.

Aufnahmeverfahren

Die Anmeldung zum Vorkurs oder zu den Jahrgangsstufen muss jeweils bis Mitte Juni erfolgen. Nähere Angaben zu den erforderlichen Unterlagen für eine Anmeldung können bei der Schule erfragt werden. [1]

Für eine Zulassung zum Besuch des Bayernkollegs Schweinfurt ist entweder ein Vorstellungsgespräch mit der Schulleitung erforderlich oder ein Eignungstest mit anschließender Beratung.

Dem Eignungstest geht ein dreiteiliger Einführungskurs voran; dieser ist kostenlos und findet im Schulgebäude des Bayernkollegs Schweinfurt statt. In diesem Einführungskurs erhalten die Bewerber Aufschluss darüber, welches Vorwissen in den einzelnen Fächern nötig ist und über welche Fähigkeiten sie verfügen müssen, um die Anforderungen am Beginn der Jahrgangsstufe 1 bewältigen zu können. Der abschließende Test in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wird als ganztägige Veranstaltung durchgeführt.

Sonderlehrgänge

Seit 1977 gibt es am Bayernkolleg Schweinfurt Sonderlehrgänge, die es Spätaussiedlern und Kontingentflüchtlingen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ermöglichen, die Hochschulreife zu erwerben.

Voraussetzung für die Aufnahme in den Sonderlehrgang ist die Anerkennung als Spätaussiedler nach dem Bundesvertriebenengesetz bzw. der Bescheid über den Status als Kontingentflüchtling. Darüber hinaus müssen die Lehrgangsteilnehmer/innen:

  • ein „Attestat“ (Abschluss-Zeugnis) über den erfolgreichen Besuch einer vollständigen Mittelschule im Herkunftsland besitzen,
  • ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen. Das geschieht in der Regel durch den erfolgreichen Abschluss eines Sprachkurses der Otto-Benecke-Stiftung vor dem Sonderlehrgang.

Die Zuweisung zum Sonderlehrgang erfolgt für das Land Bayern zentral durch die Zeugnisanerkennungsstelle beim Bayerischen Kultusministerium.

Studierfähigkeit

Das Bayernkolleg vermittelt eine breite und vertiefte Allgemeinbildung als Basis für ein erfolgreiches Studium in allen Fachrichtungen oder für eine berufliche Neuorientierung. Es fördert die sprachliche, mathematisch-naturwissenschaftliche und soziale Kompetenz der Kollegiatinnen und Kollegiaten gleichermaßen ohne Spezialisierung auf bestimmte Ausbildungsrichtungen. Die individuelle Schwerpunktsetzung im Rahmen der reformierten Oberstufe ermöglicht es jedoch, persönlichen Vorlieben und Begabungen Rechnung zu tragen. Die Schule bemüht sich deshalb, ein möglichst vielfältiges Kursprogramm mit zahlreichen Wahlmöglichkeiten anzubieten. Die Ausbildungsdauer von drei Jahren garantiert, dass genug Zeit für eine fundierte Bildung und Ausbildung zur Verfügung steht - auch bei ungünstigen persönlichen Startbedingungen.

Schule als Lebensraum

Über den Unterricht hinaus ermöglicht das Bayernkolleg Begegnungen unterschiedlichster Art:

  • Theater- und Musikgruppen, Autorenlesungen und Kunstausstellungen vermitteln Kunsterfahrungen und geben Raum für eigene kreative Gestaltung.
  • Vortragsveranstaltungen und Studientage verschaffen Einblick in die wissenschaftliche Beschäftigung mit bestimmten Themen.
  • Exkursionen und Studienfahrten ergänzen nicht nur das Lernen im Unterricht, sondern verbinden es auch eng mit gemeinschaftlichen Unternehmungen in der Freizeit.
  • Das der Schule angeschlossene Wohnheim ist ein Ort vielfältiger sozialer Kontakte und gemeinsamer Freizeitaktivitäten.
  • Die hauseigene Cafeteria ist täglicher Treffpunkt, an dem das entspannte Gespräch im Mittelpunkt steht.

Das Bayernkolleg versteht sich als „Lernort“ im umfassenden Sinn: Es will Wissen vermitteln, Arbeitsformen einüben, neue Erfahrungen ermöglichen und so dabei helfen, eine persönliche Perspektive für die zukünftige Lebensgestaltung zu entwickeln.

Wohnheim

Das Schülerwohnheim des Bayernkollegs befindet sich direkt neben dem Schulgebäude. Es verfügt über 60 Einzelzimmer auf fünf Stockwerken. Jedes Zimmer ist vollständig möbliert und mit einem Küchenblock ausgestattet. Auf jedem Stockwerk befinden sich außer den Zimmern ein Aufenthaltsraum sowie Duschen und Toiletten. Im Keller steht ein Waschraum mit Waschmaschine und Trockner sowie Bügeltischen zur Verfügung.

Förderung

Der Besuch des Bayernkollegs ist kostenlos. Die meisten Lehrmittel, wie Bücher, werden gestellt. Allerdings werden Kosten für die Kopien, die im Unterricht verwendet werden, erhoben.

Alle Kollegiaten, die vor Vollendung des 30. Lebensjahres in die Jahrgangsstufe 1 des Kollegs eintreten, werden maximal vier Jahre lang nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) gefördert. Die Höhe der monatlichen Beihilfe, die im Unterschied zum Studenten-BAföG später nicht zurückgezahlt werden muss, ist u. a. davon abhängig, ob der Vorkurs oder die Jahrgangsstufen 1 bis 3 besucht werden. An zusätzlichen Leistungen werden Krankenversicherungs-, Pflegeversicherungs- und Wohnzuschläge gewährt. [2]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.bayernkolleg-sw.de/index.php?id=122
  2. http://www.bayernkolleg-sw.de/index.php?id=128

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