Bayernticket

Das Bayern-Ticket ist ein Fahrkartenangebot aus der Familie der Ländertickets. Das 1997 eingeführte Angebot erlaubt die Nutzung aller Regionalverkehrszüge (einschließlich S-Bahnen) in Bayern. Im Dezember 2003 wurde es um die Variante Bayern-Ticket Single ergänzt, im Dezember 2005 um das Bayern-Ticket Nacht. Des Weiteren gibt es noch das Bayern-Ticket Single 1. Klasse.

Inhaltsverzeichnis

Konditionen

Das Bayern-Ticket gilt an Werktagen (montags bis freitags) von 9 Uhr am Erwerbstag bis 3 Uhr des Folgetages in allen Regionalzügen und Bussen in Bayern. Am Wochenende und an Feiertagen beginnt die Gültigkeit bereits um 0 Uhr.

Es ist in vier Varianten erhältlich (Stand: Dezember 2010):

  • Das Bayern-Ticket gilt für fünf Personen oder zwei (Groß-)Elternteilen mit allen eigenen Kindern/Enkeln bis einschließlich 14 Jahre. Es kostet 29 Euro.
  • Das Bayern-Ticket Single gilt für eine Person. Der Preis liegt bei 21 Euro. Es ist darüber hinaus in einer Variante für die 1. Klasse zum Preis von 31 Euro erhältlich.
  • Das Bayern-Ticket Nacht gilt für fünf Personen zwischen 18 Uhr und 6 Uhr des Folgetages (am Wochenende: bis 7 Uhr des Folgetages). Es kostet 21 Euro.

Die angegebenen Preise gelten für den Kauf am Automaten und im Internet. Für personenbedienten Verkauf wird ein Aufschlag von zwei Euro erhoben.

Der Reisende muss auf der Fahrkarte seinen Namen in Druckbuchstaben einschreiben. Bei mehreren Reisenden derjenige, der das weiteste Fahrtziel hat bzw. die Karte zuletzt benutzt. Bei Fahrtantritt müssen alle mit der Fahrkarte Reisenden gemeinsam die Fahrt antreten – ein Zustieg an Unterwegsbahnhöfen ist nicht möglich.

Verschiedene Freizeitveranstalter gewähren Rabatte für Bayern-Ticket-Inhaber. Im Frühjahr 2005 boten mehr als 100 Partner Preisnachlässe bei Vorlage des Bayern-Tickets Rabatte auf Eintrittspreise an.[1]

Geschichte

Das Angebot wurde zum 3. März 1997 auf Initiative des Freistaats Bayern[2] eingeführt. Für 35 D-Mark konnten Familien oder zwei Erwachsene alle Nahverkehrszüge, Regionalbahnen sowie Stadt- und Regionalexpresszüge in Bayern nutzen. Ausgeschlossen waren dabei Reisen zwischen 6 und 9 sowie zwischen 16 und 19 Uhr. Für einen Aufpreis von 20 D-Mark konnten darüber hinaus Interregio- und D-Züge in Bayern benutzt werden. Wesentliches Ziel des Angebotes war, die Auslastung der Züge in Schwachlastzeiten zu verbessern.[3] Ausgeschlossen war ferner die S-Bahn München.[4] Der dafür verantwortliche Münchner Verkehrsverbund habe laut Angaben des damaligen Wirtschaftsministers Wiesheu zunächst den Erfolg des neuen Fahrscheins abwarten wollen.[4]

Nach einer Testphase bis Juli 1997 sollte noch vor den Sommerferien die endgültige Variante des Tickets vorgestellt werden.[4] Das Angebot war ursprünglich bis zum Jahresende befristet. Durchschnittlich 800 Fahrkarten pro Werktag habe die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben verkauft. Ende Oktober 1997 wurde bekannt, dass das Angebot über die Erprobungsphase hinaus angeboten werden solle. Das Bayerische Verkehrsministerium setzte sich dabei dafür ein, die Nutzung auch während der Hauptverkehrszeiten zu ermöglichen. Auch die S-Bahn München sollte in das Angebot mit einbezogen werden.[5]

Im April 1998 wurde der Geltungsbereich auf die S- und U-Bahn München sowie auf alle Verkehrsmittel der Deutschen Bahn im VGN und den Räumen Augsburg und Würzburg ausgedehnt. Der Preis lag unverändert bei 35 D-Mark, das Ticket war montags bis freitags gültig.[6]

Zum 26. Dezember 1999 wurde das Angebot auf fünf Erwachsene ausgedehnt, der Preis wurde von 35 auf 40 D-Mark angehoben.[7]

Im März 2000 wurden 60.000 Bayerntickets als Entschädigung für Probleme der S-Bahn München im vorherigen Winter an Reisende verschenkt.[8]

Im Juli 2000 lehnte die Deutsche Bahn die Bitte von Bayerischen Verkehrsministerium und Bayerischer Eisenbahngesellschaft ab, die Nachmittags-Sperrzeit (16 bis 18 Uhr) abzuschaffen, nachdem in Rheinland-Pfalz und im Saarland Ländertickets ohne eine Ausschlusszeit am Nachmittag eingeführt wurden.[9] Die Nachmittagssperrzeit wurde schließlich zum Fahrplanwechsel im Juni 2001 aufgehoben.[10]

Im September 2003 lag der Verkaufspreis des Bayern-Tickets bei 21 Euro[11], im Juli 2004 bei 22 Euro[12].

Ab 2004 waren die Bayern-Tickets für Fahrten am Samstag und Sonntag erhältlich.[12] Im August 2004 wurde der Geltungsbereich auf den Verkehrsverbund Würzburg ausgedehnt.[12] Ende 2004 wurde der Preis des Tickets erhöht.[1]

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2005 wurde die Gültigkeit auf alle öffentlichen Buslinien Bayerns ausgedehnt und der Preis der Fahrkarte von 24 auf 25 Euro erhöht. Einzige Ausnahme unter den mehr als 400 Verkehrsunternehmen, die von DB Regio Bayern in Verhandlungen zur Anerkennung des Tickets bewogen wurden, blieben zunächst die Schweinfurter Verkehrsbetriebe. Weitere Ausnahmen blieben darüber hinaus grenzüberschreitende Busverkehre sowie mautpflichtige Angebote (beispielsweise in Reit im Winkl).[13]

Seit 1. April 2010 kann das Bayern-Ticket auch als Online-Ticket ausgestellt werden. Seither gelten bei der Gruppen- sowie der Nacht-Variante des Tickets auch Hunde als Mitreisende.[14]

Seit 1. August 2010 sind die Bayern-Tickets auch bei der Schweinfurter Verkehrsbetriebe (Stadtwerke Schweinfurt) gültig, aber derzeit nur auf Probe und befristet bis zum 31. Januar 2011.[15]

Nach der Probezeit der Gültigkeit der Bayern-Tickets in Schweinfurt, wurde von der Regierung von Unterfranken die Gültigkeit der Tickets in allen Tarifzonen der Stadtwerke Schweinfurt unbefristet anerkannt, begründet wurde dies u. a. durch die hohe Akzeptanz und der positiven Entwicklung. Somit gelten die Bayerntickets im gesamten Verkehrsbedienungsgebiet der Stadtwerke Schweinfurt.[16]

Weitere Varianten

Bayern-Ticket Single

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2003 wurde das Bayern-Ticket Single eingeführt. Für 15 Euro reiste dabei eine Person zu denselben Konditionen wie des Bayerntickets. Das Single-Variante wurde auf Druck des Bayerischen Verkehrsministeriums in Verhandlungen über den im September 2003 über zehn Jahre verlängerten Verkehrsvertrag eingeführt.[11] Bis Anfang März 2003 wurden mehr als 200.000 Bayern-Tickets Single verkauft.[17] Bis Mitte 2004 wurden 899.000 Bayern-Tickets Single verkauft.[12]

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2005 wurde der Preis auf 18 Euro erhöht.[13]

Zum 1. April 2010 wurde eine Erste-Klasse-Variante zum Preis von 30 Euro eingeführt. Der Preis in der 2. Klasse lag dabei bei 20 Euro.[14] Aktuell (Mai 2011) liegt der Preis bei 21 Euro.

Bayern-Ticket Nacht

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2005 wurde das Bayern-Ticket Nacht als zusätzliches Angebot eingeführt. Zum Preis von 18 Euro konnten Gruppen von bis zu fünf Personen von 19 Uhr abends bis sechs Uhr morgens fahren (das reguläre Bayernticket galt zu dieser Zeit von neun Uhr morgens bis drei Uhr nachts).[13]

Verkaufszahlen

1997 wurden 335.000 Bayern-Tickets verkauft.[6] 1998 wurden rund 627.000 abgesetzt, im Jahr 1999 lag die Zahl bei 866.000.[9] 2003 wurden 1,47 Millionen Fahrgäste gezählt. In der ersten Jahreshälfte 2004 wurden 645.808 Stück der 22-Euro-Variante abgesetzt.[12] 2004 wurden 1,6 Millionen Bayern-Tickets sowie knapp zwei Millionen Bayern-Tickets Single verkauft. In den ersten vier Monaten des Jahres 2005 nahm die Nachfrage im Jahresvergleich um weitere 15 Prozent zu.[1] 2005 lag die Zahl der verkauften Bayern-Tickets bei 1,7 Millionen.[18]

Ende März 2006[19] wurde das zehnmillionste Bayern-Ticket verkauft. Es ist damit, nach Bahnangaben, das meistverkaufte Länderticket in Deutschland. Durchschnittlich seien drei Reisende mit der Fahrkarte unterwegs.[18] Bis Mitte Juni 2010 wurden von allen Bayern-Ticket-Varianten insgesamt 30 Millionen Stück verkauft, darunter 17,5 Millionen Exemplare der klassischen Variante.[2]

Mit mehr als vier Millionen verkauften Bayerntickets (davon 1,9 Millionen Bayern Tickets Single) wurde 2010 ein neuer Verkaufsrekord erzielt.[20]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Bahn verkauft 10 000 Bayern-Tickets pro Tag. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 105, 2005, ISSN 0174-4917, S. 44.
  2. a b DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Drei Tickets 30 Millionen Mal verkauft. Presseinformation vom 14. Juni 2010
  3. Für 35 Mark auf allen Nahverkehrsstrecken. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 47, 1997, ISSN 0174-4917, S. 56.
  4. a b c Klaus Ott: Für 35 Mark quer durch Bayern. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 48, 1997, ISSN 0174-4917, S. 55.
  5. Freie Fahrt für das Bayernticket. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 245, 1997, ISSN 0174-4917, S. 56.
  6. a b Familienspaß auf ganzer Linie. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 71, 1998, ISSN 0174-4917, S. 56.
  7. Bahn lockt mit neuem Bayern-Ticket. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 211, 1999, ISSN 0174-4917, S. L5.
  8. Klaus Ott: Was die S-Bahn braucht. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 65, 2000, ISSN 0174-4917, S. L1.
  9. a b Klaus Ott: Beschränktes Ferienvergnügen. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 173, 2000, ISSN 0174-4917, S. L7.
  10. Schneller in Sachsen. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 130, 2001, ISSN 0174-4917, S. 55n.
  11. a b Für 15 Euro durch Bayern. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 211, 2003, ISSN 0174-4917, S. 15.
  12. a b c d e Klaus Ott: Bahn hat Erfolg mit Single-Tickets. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 170, 2004, ISSN 0174-4917, S. 47.
  13. a b c Der ganze Freistaat soll es sein. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 283, 2005, ISSN 0174-4917, S. 49.
  14. a b DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Bayern-Ticket Single nun auch für die erste Klasse sowie als Online-Ticket erhältlich. Presseinformation vom 31. März 2010
  15. Stadtwerke Schweinfurt: Bayern-Tickets ab dem 1. August 2010 auch bei der Stadtwerke Schweinfurt gültig. Presseinformation vom 12. Juli 2010
  16. Stadtwerke Schweinfurt: Bayerntickets in Schweinfurt weiterhin gültig. Presseinformation vom 23. März 2011.
  17. Bahn entdeckt die Singles. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 51, 2004, ISSN 0174-4917, S. 47.
  18. a b Bahn verkauft zehn Millionen Bayern-Tickets. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 110, 2006, ISSN 0174-4917, S. 45.
  19. Meldung 10 Millionen Bayern-Tickets. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 5/2006, ISSN 1421-2811, S. 217.
  20. DB Mobility Logistics AG (Hrsg.): Verkaufsrekord: Über 4 Millionen Bayern-Tickets in 2010. Presseinformation vom 2. März 2011.

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