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TPB-Logo Piratenschiff und integriertem Logo der Kampagne Home Taping Is Killing Music
Cartoon auf der Hauptseite von TPB, der Kritik an der Medienindustrie übt.

The Pirate Bay (häufig abgekürzt: TPB) ist eine BitTorrent-Suchmaschine und -Tracker. Sie bezeichnet sich selbst als den größten BitTorrent-Tracker der Welt und ist mittlerweile auf Platz 102 der weltweit am meisten besuchten Websites.[1][2] Nach einer Beschlagnahmung ihrer in Schweden gelegenen Server am 31. Mai 2006 erfuhr TPB Aufmerksamkeit durch schwedische und internationale Medien.

Das Projekt wurde Anfang 2004 von der schwedischen Anti-Copyright-Organisation Piratbyrån (schwedisch: das Piratenbüro) gegründet. Da sich der Tracker unerwartet hoher Beliebtheit erfreute, ist TPB seit Oktober 2004 eine separate Organisation.

Ein BitTorrent-Tracker stellt selbst keine zu tauschenden Daten zur Verfügung, sondern lediglich Informationen zu diesen in Form von .torrent-Dateien, anhand derer sich Anbieter und Nachfrager bestimmter Dateien untereinander verbinden können. Dem schwedischen Urheberrecht zufolge konnte TPB, da sie als Tracker selbst keine urheberrechtlich geschützten Dateien anbietet, nicht belangt werden.

Inhaltsverzeichnis

Juristische Gegenmaßnahmen

Beschlagnahmung im Mai 2006

Am 31. Mai 2006 wurden die Pirate-Bay-Server von der schwedischen Polizei beschlagnahmt und drei Personen zum Verhör vorläufig festgenommen. Sie wurden jedoch im Laufe des Tages wieder auf freien Fuß gesetzt. In einem Interview[3] gab „darknite“ von Piratbyrån bekannt, dass den drei Personen Verstoß gegen das Urheberrecht vorgeworfen wird.

Die Server befanden sich in einem Bankgebäude. Diese gelten nach schwedischem Gesetz als Schutzräume und unterliegen weitgehenden Schutzbestimmungen, welche zum Beispiel das Eindringen durch die Polizei nur unter genau definierten Bedingungen und Freigabebestimmungen erlaubt. Diese Schutzbestimmungen wurden bei der Aktion verletzt. Des Weiteren wurden bei der Beschlagnahmung nicht nur die tracker-relevanten Server vom Netz genommen, sondern auch die Server mit Informationsseiten sowie Server von unbeteiligten Firmen und Vereinen. Von einem der Beschuldigten (der laut eigener Aussage der juristische Berater von TPB ist) wurde eine DNA-Probe genommen. Kurz nach der Beschlagnahmung wurden die Videos[4] der Überwachungskameras des Gebäudes auf der Videobroadcasting-Plattform YouTube veröffentlicht.

Am 3. Juni 2006 war The Pirate Bay wieder online. Nach der Beschlagnahmung wurde der Server in den Niederlanden betrieben. Inzwischen wurde der Server wieder in Schweden eingerichtet. Mehrere Backupserver, die weltweit aufgestellt werden sollen, sind in Planung. Nach der Beschlagnahmung folgte am 3. Juni eine Demonstration in Stockholm, auf der Vertreter des Piratbyrån sowie anderen Organisationen und Parteien Reden hielten, die sich vor allem gegen die schwedische Regierung richteten.

Wie sich später herausstellte, wurde die Schließung auf Verlangen der USA durchgeführt, die Handelssanktionen im Rahmen der WTO gegen Schweden androhte, falls die Server nicht abgeschaltet würden.[5] Als bekannt wurde, dass die USA Auslöser der Razzia waren, wurde eine DDoS-Attacke gegen die schwedischen Polizeiserver[6] ausgeübt.

Am 24. August 2006 wurde der erste Teil einer Serie von Filmen mit dem Namen Steal This Film auf ThePirateBay.org veröffentlicht, der die Beschlagnahmungen im Mai 2006 und deren Folgen dokumentiert.

Domainsperrung und Einstufung als Kinderpornografie-Seite 2007

Laut einer Mitteilung der schwedischen Piratenpartei Piratpartiet vom 6. Juli 2007 beabsichtigen die schwedischen Behörden eine Sperrung von „The Pirate Bay“. Hierfür soll die Seite als Verbreiter von Kinderpornographie eingestuft werden. Würde die Seite in die Sperrlisten der schwedischen Internetprovider aufgenommen werden, wäre sie für unerfahrene Besucher nicht mehr erreichbar. Der Vorsitzende der schwedischen Piratenpartei, Rick Falkvinge, kritisierte die geplante Aktion als „einen erheblichen Vertrauensbruch zwischen der Polizei und der Internetgemeinde“, der Zensur bedeute und Schweden auf dieselbe Stufe mit Ländern wie China oder Saudi-Arabien stelle.[7]

Domain- und IP-Sperrung in Italien

Von Mitte August bis Ende September 2008 war die Domain und die IP-Adresse von ThePirateBay.org in Italien gesperrt, italienische Besucher wurden zudem auf IFPI-Server umgeleitet.[8] Kurz nach der Sperrung wurde ein Mirror unter der Adresse labaia.org (ital. für „die Bucht“) eingerichtet, aber auch diese wurde wenig später von den italienischen ISPs gesperrt. Angeordnet wurde die Sperre von einem Gericht in Bergamo, das auf Drängen von Staatsanwalt Giancarlo Mancusi handelte. Die Inhaber von ThePirateBay beschuldigten den italienischen Premierminister und Medienmogul Silvio Berlusconi der direkten Einmischung in die Schließung, da sich sein Medienkonzern in direkter Konkurrenz mit dem Internetangebot befände.[9]

Angriffe auf die Domain

Seit dem Abend des 2. März 2009 war die Domain nicht mehr erreichbar. Dies änderte sich für kurze Zeit am nächsten Tag wieder[10], ging jedoch wieder offline. Gründe dafür sind nicht bekannt. In einigen Foren wird vermutet, dass TPB einer DDoS-Attacke zum Opfer fiel. TPB beschuldigt in ihrem Blog die IFPI.[11] Am 5. März 2009 war die Seite wieder abzurufen.

Anklage wegen Beihilfe zur Verletzung des Urheberrechts

Die Betreiber Fredrik Neij, Gottfrid Svartholm Warg, Peter Sunde Kolmisoppi und Carl Lundström standen vom 16. Februar bis zum 17. April 2009 in Stockholm vor Gericht. Ihnen drohten bis zu 2 Jahre Gefängnis.[12] Das Gericht hat die Betreiber wegen Verletzung des Urheberrechts verurteilt. Die vier Angeklagten wurden zu einjährigen Haftstrafen verurteilt. Außerdem müssen sie Schadenersatz in Höhe von 30 Millionen Kronen (2,74 Millionen Euro) an verschiedene Musik- und Filmunternehmen leisten, darunter Warner Bros., Sony Music Entertainment, EMI und Columbia Pictures. Schon vor dem Urteil hatten die Angeklagten angekündigt, im Falle eines Schuldspruchs in die Berufung zu gehen.[13]

Folgen der Verurteilung

Das Urteil gegen die Betreiber von TPB führte dazu, dass die Schwedische Piratenpartei einen massiven Mitgliederzuwachs von 3000 Menschen in wenigen Stunden erfuhr, was sie laut eigenen Angaben zu einer der größten Parteien Schwedens macht. Außerdem demonstrierten in Stockholm etwa 1000 überwiegend junge Menschen gegen das Urteil.[14]

Aus Protest auf das Urteil fanden DoS-Attacken auf die Webseiten der Musikindustrie (IFPI) und ihrer Anwälte statt.[15]

Nach dem Urteil wurde bekannt, dass der Richter, Tomas Norström, Mitglied der schwedischen Copyright-Vereinigung ist, der gleichen Organisation, der auch Mitglieder der Klägerseite angehören. TPB und andere Organisationen wie die Piratpartiet warfen ihm darauf hin Befangenheit und Korruption vor.[16]

Finanzierung durch Rechtspopulisten

Ende April 2007 sind in der schwedischen Talkshow Bert[17] auf dem Sender TV8 Gerüchte bestätigt worden, dass The Pirate Bay vom Rechtspopulisten Carl Lundström finanziert wird. Der Sprecher Tobias Andersson fügte außerdem hinzu: „Ohne die Unterstützung von Carl Lundström hätte Pirate Bay nicht starten können.“[18]

The Pirate Bay weist diese Vorwürfe jedoch zurück.[19][20] In einem Interview erklärte der Mitgründer Peter Sunde, dass die Förderung durch Lundström in einem rabattierten Vertrag für Bandbreite und Serverkapazität zu Beginn des Betriebs von Pirate Bay bestand.[21]

BuySealand

Seit Januar 2007 sammelte The Pirate Bay für den Kauf der Mikronation Sealand, um darauf Filesharing zu legalisieren. Bereits nach drei Tagen gingen über 17.000 Dollar an Spendengeldern ein. „Fürst Michael Bates“ von Sealand erklärte allerdings im Februar 2007, nicht an die schwedischen Interessenten verkaufen zu wollen. Einerseits könnten sich die Interessenten den von ihm veranschlagten Preis von 750 Mio. Euro nicht leisten, andererseits betonte der „Fürst“ auch, dass die Schweden gegen internationales (Urheber-)Recht verstoßen und dies kein angestrebter Nutzungszweck für Sealand sei. Der Website zufolge wird anscheinend auf Plan B umgeschwenkt, in dem der Kauf einer Insel vorgesehen ist.

BAYIMG

BAYIMG (zu Deutsch etwa Bucht der Bilder / Bilderbucht) ging als neuestes Projekt der Macher von The Pirate Bay im Juni 2007 an die Öffentlichkeit. BAYIMG ist eine Website, auf der kostenlos Bilder gehostet werden können.

Es können knapp 140[22] verschiedene Bild-Dateiformate per Webbrowser hochgeladen und mit sogenannten Tags (Schlagwörtern) näher gekennzeichnet und kategorisiert werden, um später eine Suche und Filterung anhand der Tags zu ermöglichen. Ferner können auch komprimierte Archivdateien (ZIP und RAR) hochgeladen werden, die BAYIMG automatisch entpackt, indiziert und dann als digitale Fotoalben online präsentiert[22].

Ein weiteres Merkmal ist das Dateigrößenlimit von 100 Megabyte, was im Zeitalter von Multimegapixel-Digitalkameras eine enorme Verbesserung gegenüber vielen anderen Grafik-Hostern ist. Bilder und Fotoalben können mit einem selbst wählbaren Löschcode später auch wieder entfernt werden.

Im Zuge der im Juni 2007 neu eingeführten Benutzerregeln von Flickr für einige seiner internationalen Benutzer gewann das BAYIMG-Projekt an Attraktivität. BAYIMG wirbt mit einer (fast) absoluten Zensurfreiheit und ist bereit, alle Bilderarten zu hosten, die nach schwedischem Recht legal sind[23].

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Alexa.com Top 500 (Seitenabruf am 20.05.2008
  2. Gulli.com: The Pirate-Bay laut Alexa einer der 100 der meistbesuchten Seiten weltweit
  3. Interview nach der Server-Beschlagnahmung in diesem Blog von Zeitspuk.de
  4. Videofilm der Überwachungskameras mit der Beschlagnahmung der Server auf YouTube.com
  5. „USA nutzten WTO als Druckmittel beim ‚Problem PirateBay‘“ auf heise.de, 21. Juni 2006
  6. News mit Reaktionen nach der ThePiratyBay-Schließung: STV meldet USA als Anstifter, Piratenpartei meldet Beitrittsflut, schwedische Polizei meldet DDoS von Gulli.com, 2. Juni 2006
  7. Swedish Police will censor The Pirate Bay 6. Juli 2007
  8. Prozess gewonnen - Italienische Provider dürfen nicht mehr sperren
  9. Futurezone.orf.at: "China auf Italienisch"
  10. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/piratebay104.html
  11. http://www.thepiratebay.org/blog
  12. Showdown zwischen Pirate Bay und Medienindustrie heise online, 13. Februar 2009
  13. Pirate Bay: Berufung gegen "bizarres Urteil". heise online (17. April 2009). Abgerufen am 19. April 2009.
  14. http://www.gulli.com/news/schweden-ffentliche-proteste-2009-04-19/
  15. http://www.tvinfo.de/exe.php3?target=news_detail.inc&newsID=761098&&eigenenews=0
  16. http://www.gulli.com/news/the-pirate-bay-war-der-richter-2009-04-23/
  17. Mitschnitt der Talkshow auf youtube.com
  18. Finanzierung durch Rechtspopulisten Carl Lundström auf spiegel.de
  19. „Pirate Bay weist Vorwürfe rechtsextremer Verbindungen zurück“ bei heise online
  20. Bericht bei TorrentFreak.com
  21. Interview beim Netzmagazin Zuender
  22. a b BAYIMG-Website
  23. Slyck.com Artikel zur Entstehung von BAYIMG (Englisch)

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