Wald-Bingelkraut
Wald-Bingelkraut
Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Gattung: Bingelkräuter (Mercurialis)
Art: Wald-Bingelkraut
Wissenschaftlicher Name
Mercurialis perennis
L.

Das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), auch Wildhanf genannt, gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Der Gattungsname Mercurialis leitet sich ab vom Gott Merkur, der angeblich die Heilkräfte des Bingelkrauts entdeckt haben soll[1].

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 30 cm. Obwohl zu den Wolfsmilchgewächsen gehörend, besitzt sie keinen Milchsaft. Sie hat einfache, vierkantige, am oberen Abschnitt beblätterte Stängel (unten nur mit Schuppenblättern). Die Laubblätter sind deutlich gestielt, elliptisch bis länglich-eiförmig und etwa dreimal so lang wie breit.

Die Art ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also weibliche und männliche Pflanzen mit entweder weiblichen oder männlichen Blütenständen. Die Blüten sind klein, grün und reduziert. Die männlichen Blüten haben zahlreiche Staubblätter. Blütezeit ist von April bis Mai. Die Art ist windblütig.

Ökologie

Das Wald-Bingelkraut ist ein Rhizom-Geophyt, der im atlantischen Klima möglicherweise wintergrün ist. Seine Blätter riechen unangenehm. Die Blüten sind streng zweihäusig und riechen durch Amine fischartig. Sie werden von Insekten und durch den Wind bestäubt. Die Früchte sind zwei- bis dreifächrige Kapselfrüchte mit einsamigen Teilfrüchten. Die Entwicklung von Samen ist auch bei ausbleibender Bestäubung möglich (Apomixis). Es findet reichlich vegetative Vermehrung durch verzweigte Ausläufer statt, weswegen männliche und weibliche Pflanzen oft getrennt stehen. Beim Trocknen z. B. im (Herbarium) nimmt die Pflanze gewöhnlich durch Bildung von Indigo einen blauschwarzen Metallglanz an.

Verbreitung und Standort

Das Wald-Bingelkraut ist in Europa und Vorderasien verbreitet.

Man findet es häufig und gesellig in krautreichen Buchen- und Nadelwäldern, auch in Eichen- und Eschenauenwäldern oder in Hochstaudenfluren. Es bevorzugt feuchten, nährstoff- und basenreichen, lockeren Boden an eher schattigen Standorten. Es zeigt Sickerwasser an. In Lehm- und Kalkgebieten tritt es oft in großen Gruppen auf. Nach Ellenberg ist es ein Stickstoffzeiger und eine Ordnungscharakterart der Edellaub-Mischwälder und verwandter Gesellschaften (Fagetalia sylvaticae).

Besonderheiten

An dieser Art entdeckte Rudolf Jacob Camerer 1694 in Tübingen die Sexualität der Pflanzen.

Medizinische Bedeutung

Heilwirkung

Die abführende Wirkung ist belegt.[2] Als Heilpflanze wird Wald-Bingelkraut heute selten verwendet.

Inhaltsstoffe und Giftigkeit

Die ganze Pflanze gilt insgesamt als wenig giftig. Als Hauptwirkstoffe sind Saponine, Methylamin und Trimethylamin enthalten. Die Saponine bewirken die abführende Wirkung des Bingelkrauts. Der Mensch kann sich kaum durch Einnahme von Wald-Bingelkraut vergiften. Bei Tieren, wie Pferde, Schweine und Wiederkäuer, die Wald-Bingelkraut fressen, kann es zu einer Gastroenteritis und zu Schädigungen der Nieren und der Leber kommen.[2]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Helmut Genaust, Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Basel und Stuttgart 1976, S. 244
  2. a b L. Roth et al.: Giftpflanzen - Pflanzengifte - Giftpflanzen von A-Z, Notfallhilfe, Allergische und Phototoxische Reaktionen, 5. erweiterte Auflage, Nikol-Verlag, 2008, S. 495+496, ISBN 3-8682-0009-6

Literatur

  • Fischer, M. A., Adler, W. & Oswald K.: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Linz, 2005. ISBN 3-85474-140-5
  • Dankwart Seidel: Blumen, München 2001, ISBN 3-405-15766-8

Weblinks

[1] [2]

 Commons: Wald-Bingelkraut – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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