Baʿth-Partei
Die Baath-Partei machte sich die Panarabische Revolutionsflagge zu eigen, auch die Palästinenser führen diese Flagge

Die Baath-Partei (französisch Parti Baas arabe socialiste; vollständiger Name hizb al-baʿth al-ʿarabī al-ischtirākī / ‏حزب البعث العربي الإشتراكي‎ / ḥizb al-baʿṯ al-ʿarabī al-ištirākī /‚Arabische Sozialistische Partei der Wiedererweckung‘, aus arab. Baʿth / ‏بعث‎ / baʿṯ /‚Wiedergeburt, Auferstehung, Erneuerung, Erweckung‘) ist eine politische Partei, die mit Ablegern in zahlreichen arabischen Ländern aktiv ist.

Die Ideologie des Baathismus verbindet nationalistischen Panarabismus und revolutionären Säkularismus mit den Elementen eines arabischen Sozialismus. Der Baathismus ist auch die Ideologie der so genannten Neo-Baath-Partei, einem Ableger der Baath-Partei in Syrien. Der Baathismus wird deshalb zumeist als Nationaler Sozialismus eingeordnet (nicht zu verwechseln mit Nationalsozialismus); die Einordnung in die Kategorie Islamfaschismus im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg 2003 sollte eine „liberale Intervention“ im Irak rechtfertigen[1] und ist daher aus strategischen Motiven gewollt falsch, um eine nahe Verwandtschaft der Baath-Partei zum Islamismus zu suggerieren, was jedoch irreführend ist. Im Laufe der Zeit bildeten sich eine syrische und eine irakische Partei heraus, die sich untereinander befehdeten. Nach 40 Jahren Herrschaft im Irak (1963–2003) ist der Baathismus heute nur noch in Syrien Staatsideologie.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Partei wurde 1940 von dem Syrer und griechisch-orthodoxen Christen Michel Aflaq und dem sunnitischen Muslim Salah ad-Din al-Bitar in Damaskus gegründet. Über das Gründungsdatum gibt es unterschiedliche Auffassungen sowie konkurrierende irakische und syrische Versionen. Offenbar gab es bereits von Anfang an zwei Strömungen. Nach 1939 hatten sowohl der aus Alexandrette vertriebene Intellektuelle Zaki al-Arsuzi als auch die Damaszener Sorbonne-Absolventen Michel Aflaq und Salah ad-Din al-Bitar politische Klubs gegründet, 1940 erschien erstmals (fortan zunächst unregelmäßig) das Parteiblatt al-baʿth, ab 1944 arbeiteten beide Klubs zusammen. Der offizielle Vereinigungs- und Gründungstag der Partei der arabischen Wiedergeburt wird auf den 7. April 1947 datiert, und ab Juli 1947 erschien die Zeitung al-baʿth regelmäßig. Die überwiegend intellektuellen Anhänger vereinten zunächst kleinbürgerliche (nichtmarxistische, französische) Sozialismusvorstellungen und nationalistische Ideen (z. B. von Antun Sa'ada) anstelle religiöser Orientierungen.

„Einheit, Freiheit, Sozialismus“

Das Motto „Einheit, Freiheit, Sozialismus“ auf einem vom irakischen Informationsministerium für Propaganda-Publikationen verwendeten Parteilogo

Entsprechend ihrem nationalistisch-laizistischen Programm predigte die Baath-Partei Einheit (des arabischen Vaterlandes), Freiheit (und Unabhängigkeit von den Kolonialmächten, aber auch bürgerliche Rechte) und (einen islamischen) Sozialismus der „Dritten Art“. Aufgrund des ersten Punktes war die Baath-Partei eine treibende Kraft für die Vereinigung Syriens mit Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik (1958–1961) und deren Neuauflage von 1963, die beiden letzteren Ziele führten sowohl zur Übernahme westlicher Lebensvorstellungen als auch aus dem Ostblock stammender Auffassungen von einer modernen sozialistischen Gesellschaft.

In gewisser Weise war Baathismus zunächst auch im Gegensatz zur Sunna entstanden. Nachdem der überwiegend sunnitische Panislamismus damit gescheitert war, den Kolonialismus zu verhindern, trat der Panarabismus mit ähnlicher Motivation an seine Stelle. Statt religiöser Einheit aller (sunnitischen) Muslime über nationale Grenzen hinweg, fordert der Baathismus nationale Einheit aller Araber über religiöse Grenzen hinweg – einschließlich Schiiten, Christen usw. – mit der ausschließlichen Beteiligung von Türken und Persern. Die Baath-Ideologie ist daher im Grundsatz säkularistisch und deutet den Islam zu einer Religion der Araber um.

Parteigeschichte

Die Baath-Partei ist deshalb ein Beispiel für die Vermischung von nichtsunnitischen mit sozialistischen Anschauungen. Neben dem Sunniten al-Bitar zählten zwei Nichtsunniten zu ihren Vordenkern und Gründern: der orthodoxe Christ Michel Aflaq und der Alawit Zaki al-Arsuzi.

Vereinigung mit den Sozialisten 1953

Akram al-Haurani (links) mit Michel Aflaq (1957)

Die syrische Version der Parteigeschichte berichtet im Jahr 1953 über die Vereinigung der Partei mit den Sozialisten. Die vom Westen übernommene irakische Version ignoriert al-Arsuzi und schreibt an seiner Stelle dem Sunniten Akram al-Haurani die führende dritte Rolle zu. Mit Hauranis Arabischer Sozialistischer Partei hatte sich die Baath-Partei 1953 zur Sozialistischen Partei der Arabischen Wiedergeburt (Sozialistische Arabische Baath-Partei) zusammengeschlossen. Haurani wurde Parteivorsitzender, Aflaq Generalsekretär, und seit 1952 war auch im Irak eine Sektion der Baath-Partei unter dem Schiiten Fuad ar-Rikabi entstanden.

Gegen die Vereinigung, Kursänderung und Erweiterung protestierte allerdings al-Arsouzi und wendete sich ab vom Umfeld der Baath-Partei, was später ideologisch ausgeschlachtet werden sollte.

Struktur

Mit der Gründung des irakischen Ablegers war eine irakische Regionalleitung der Partei entstanden, daneben existierte eine syrische Regionalleitung und weitere Regionalleitungen in jedem weiteren arabischen Land sowie eine übergeordnete gesamtarabische Nationalleitung, zunächst noch einheitlich. 1958 löste Gesamt-Generalsekretär Aflaq die Partei in Syrien als Bedingung für die Vereinigung mit Ägypten auf, Haurani wurde ägyptischer Vizepräsident, doch schon 1959 verließen Aflaq, Bitar und Haurani die Allianz mit Nasser und flohen in den Libanon.

Die irakische Baath-Partei unter Regional-Generalsekretär ar-Rikabi bestand aber weiter und beteiligte sich an der Revolution von 1958 und an Putschversuchen gegen Abd al-Karim Qasim 1959. Nach dem Scheitern dieser Putschversuche wurde ar-Rikabi aus der Partei ausgeschlossen und lief 1961 über zur pronasseristischen Splittergruppe um den ehemaligen Baath-Generalsekretär Jordaniens, Abdallah ar-Rimawi, über. Aflaq und das Nationalkommando beriefen daraufhin zunächst Hamdi Abd al-Madjid, einen entfernten Onkel Saddam Husseins, zum neuen Generalsekratär der irakischen Baath-Partei.

Gemeinsame Machtergreifung 1963

Drei Sterne in der Flagge Syriens bis 1972 und der Flagge Iraks bis 1991/2008

Nach der Auflösung der Vereinigten Arabischen Republik kam es 1961 zur Neugründung in Syrien und zum Parteiausschluss al-Hauranis. Im Irak wurde anstelle al-Madjids der schiitische kurdisch-arabisierte Salih as-Sa'di Regional-Generalsekretär. Im Frühjahr 1963 ergriff die Baath-Partei sowohl im Irak (8. Februar) als auch in Syrien (8. März) die Macht, al-Bitar wurde Premier in Syrien, as-Sa'di Vizepremier im Irak unter Premier Ahmad Hasan al-Bakr.

Die im April 1963 beschlossene Vereinigung beider Staaten mit Ägypten kam jedoch nicht zustande. Lediglich die drei Sterne in der irakischen Flagge (zwischenzeitlich auch in der syrischen Flagge) erinnerten noch an das Vorhaben.

Abspaltungen und Spaltung

Bereits vor dem bekannteren Schisma von 1966 hatte die Baath-Partei mehrere Spaltungen und Abspaltungen durchlaufen

  • Die „Rimawi-Gruppe” hatte sich 1960 anstelle des von Syrien nach Libanon emigrierten „aflaqistischen” Nationalkommandos zum rivalisierenden „Revolutionären Nationalkommando der Baath-Partei” erklärt. Nach dem Zusammenbruch der Union mit Ägypten aber mußte sich Rimawi 1961 nach Kairo zurückziehen.
  • Da man Aflaq, Bitar und Haurani sowohl die Auflösung der Partei als auch den Zusammenbruch der Union vorwarf, verließen sowohl die Anhänger Hauranis als auch die eifrigsten Anhänger der Union 1961 die Baath-Partei. Der ausgeschlossene Haurani gründete seine ehemalige „Arabische Sozialistische Partei” als Arabische Sozialistische Bewegung neu, der Unionist Jamal al-Soufi die Bewegung der Einheitssozialisten (Socialist Unionist Movement). Beide Bewegungen spalteten sich in weitere Parteien auf.
  • Statt der Einheit forcierte as-Sa'di beim Nationalkongress der Baath-Partei in Damaskus im Oktober 1963 mit Hilfe des syrischen Linksbaathisten Yasin al-Hafiz die Abwahl Aflaqs und Bitars. As-Sa'dis Versuch, im November 1963 durch einen außerordentlichen Regionalkongress in Bagdad auch irakische Rivalen aus der Partei auszuschließen, mündete in die Ramadan-Revolte und endete mit dem Ausschluss as-Sa'dis, Yasin al-Hafiz´ und Abd al-Madjids sowie dem vorübergehenden Machtverlust der Baath-Partei im Irak. Abd al-Madjid und Yasin al-Hafiz gründeten daraufhin die „Revolutionäre Arbeiterpartei”, und auch as-Sa'di gründete eine eigene Splitterpartei, beide Parteien versanken jedoch rasch in der Bedeutungslosigkeit.
  • Nach dem Auseinanderbrechen der erneuten baathistisch-nasseristischen Allianz von 1963 verließ auch der Chefideologe der syrischen Baathisten, Jamal al-Atassi, die Partei und schlug sich auf Nassers Seite. Zusammen mit anderen antibaathistischen Splittergruppen gründete er 1964 die Arabische Sozialistische Union in Syrien. (Neuer Chefideologe wurde zunächst der von den Einheitssozialisten zur Baath zurückkehrende Sami al-Jundi.)

Februarrevolution in Syrien

Im Februar 1966 wurden Syriens Ministerpräsident al-Bitar und Präsident Amin al-Hafiz gestürzt durch alewitische und drusische Rivalen innerhalb der syrischen Baath-Partei (Salah Dschadid). Diese schlossen im März die Gründer al-Bitar und Aflaq aus und bildeten in Damaskus sowohl eine neue Regionalleitung als auch einseitig eine neue gesamtarabische Nationalleitung unter Nureddin al-Atassi. Die irakische Regionalleitung (seit 1964 unter al-Bakr) erkannte die neue Nationalleitung in Damaskus nicht an.

Beide Regionalparteien bekämpften einander fortan als „Abweichler” und „Regionalisten”, was die Niederlage der Syrer im Sechstagekrieg trotz irakischer Waffenhilfe wesentlich mitverursachte. Das syrische Baath-Regime hatte Elitetruppen von der Front nach Damaskus abgezogen, um irakische Verstärkungen an einem Putsch zugunsten der gestürzten Baath-Fraktion zu hindern, während die Israelis in die Frontlücke nachstießen.

Juli-Revolution im Irak

Im Juli 1968 kam durch Militärputsch im Irak wieder al-Bakr an die Macht, während 1970 in Damaskus alewitische Baath-Offiziere unter Hafiz al-Assad ihre drusischen und sunnitischen Waffenbrüder verdrängten. Trotz gemeinsamen Kampfes syrischer und irakischer Truppen im Jom-Kippur-Krieg 1973 bildete al-Bakr neben seiner Regionalleitung 1974 in Bagdad eine rivalisierende Nationalleitung der Baath-Partei. Der alte Parteigründer Aflaq wurde Gesamt-Generalsekretär, al-Bakr (1979–1989 Saddam Hussein) sein Stellvertreter.

Im Gegensatz zu Aflaqs Nationalleitung wird die 1966 gebildete Nationalleitung in Damaskus deshalb auch als Neo-Baath-Partei bezeichnet.

Weitere Abspaltungen

Durch die baath-internen Richtungskämpfe bzw. die Regierungswechsel von 1966 und 1970 in Syrien kam es zu weiteren Abspaltungen.

  • Die 1966 von Dschadid und al-Atassi gestürzten "Altbaathisten" unter dem in den Irak geflohenen syrischen Ex-Präsidenten Amin al-Hafiz bildeten im irakischen Exil (und mit Unterstützung der irakischen Baath-Partei) ein rivalisierenden syrisches Regionalkommando (und unterstützten 1982 den Aufstand der Moslembrüder in Hama)
  • Nach dem Sturz Dschadids und al-Atassis 1970 spalteten sich deren "linke" Anhänger als Arabische Sozialistische Demokratische Baath-Partei ab und schlossen sich 1980 der demokratischen Oppositionsbewegung an. Da Dschadid und al-Atassi inhaftiert waren, wurde Ex-Vizepremier bzw. Ex-Außenminister Ibrahim Makhous (*1930, Alawit) Vorsitzender der ASDBP.
  • Nach 1973 wiederum bildeten irakische Baathisten im syrischen Exil (und mit Unterstützung der syrischen Baath-Partei) ein rivalisierendes irakisches Regionalkommando unter Abd al-Jabar al-Kubaisi.

Unterschiede

Fortan bemühten sich sowohl syrische als auch irakische Baathisten um eine ideologische Rechtfertigung ihrer Position und ihres Führungsanspruchs. Die wiederholte Selbstbezeichnung bzw. Geißelung des jeweils anderen Flügels als links oder rechts, altbaathistisch oder neobaathistisch, zivil oder militärisch, regionalistisch oder nationalistisch, sunnitisch oder alewitisch, radikal oder pragmatisch usw. hilft jedoch nur bedingt, die Spaltung umfassend einzuordnen.

Links oder rechts

Beide Seiten beschuldigten sich sowohl als „linke“ als auch als „rechte“ Abweichler sowie des Verrats am Ziel der arabischen Einheit. Bereits as-Sa'di hatte seine irakische Gruppe als revolutionäre „Linke“ (Marxisten) sowie Aflaq und Bitar als „Rechte“ bezeichnet, auch die syrischen Neo-Baathisten von 1966 wurden daher als radikale „Linke“ angesehen.

Diese Kategorisierungen aber scheinen sinnlos. Denn es war doch gerade as-Sa´dis Parteimiliz, die die kommunistische (marxistische) „Linke“ Iraks vernichtete, während der „rechte“ al-Bakr mit Aflaqs Zustimmung ab 1974 die irakische Baath-Partei in eine „linke“ Koalition (Nationale Progressive Front) mit Kommunisten und sunnitischen Kurden führte.

Auch in Syrien, wo Hafiz al-Assad 1970 die „Linken“ wieder entmachtete, schloss die Neo-Baath-Partei eine ähnliche Koalitionsfront mit Kommunisten, Nasseristen und den 1961 abgespaltenen, linken Ex-Baathisten. Die entmachteten "Linken" bezeichneten sich daraufhin als "Demokraten". In Irak hingegen wurde Saddam Hussein ursprünglich zum „linken“ Baath-Flügel gerechnet, obwohl unter ihm die Zusammenarbeit mit den Kommunisten beendet wurde und Irak die Sowjetunion für ihren Einmarsch in Afghanistan verurteilte.

Nationalistisch oder regionalistisch

Logo der Baath-Partei, wie es von ihrem syrischen Ableger verwendet wird

Ein weiterer Vorwurf ist die gegenseitige Diffamierung, die jeweils andere Seite habe den Panarabismus und den Kampf für die palästinensische Sache aufgegeben, Syrien neige seit Antun Sa'ada nur zu Großsyrien, Irak seit Abd al-Karim Qasim zum irakischen Arabismus (Regionalpatriotismus).

„Der Hauptunterschied zwischen dem Bathismus in Syrien und Irak vor der Spaltung der Partei im Jahre 1966 bestand darin, daß die Bewegung in Syrien, der Heimat des Arabismus, tiefe Wurzeln hatte. Diese Tradition war jedoch im Irak sehr viel weniger ausgeprägt.“

– Sluglett, S. 102f[2]

Tatsächlich aber hatte die irakische Baath-Partei 1963 Abd as-Sallam Arif gegen Kassim zur Macht verholfen, und die syrische Baath-Partei wiederum unternahm 1970–80 im Rahmen des arabischen Einheitsstrebens mehrere Wiedervereinigungsanläufe mit Ägypten und Libyen. Im innerpalästinensischen Machtkampf unterstützten beide Parteien rivalisierende Fraktionen, Irak die Verbündeten Jassir Arafats, Syrien dessen Gegner.

Alawitisch oder sunnitisch

Um die Rivalität dennoch ideologisch zu begründen, beruft sich die Neo-Baath-Partei in Damaskus auf al-Arsuzi, der die Baath-Neuausrichtung unter Aflaq abgelehnt hatte, während die Baath-Partei in Bagdad sich als Bewahrer des „rechten“ Weges Aflaqs sehen wollte.

Während al-Arsuzi schon 1968 gestorben war und seitdem je nach Bedarf interpretiert werden kann, soll in Bagdad Aflaq vor seinem Tode 1989 noch zum sunnitischen Islam übergetreten sein. Darin ist zumindest einer der „echten“ Unterschiede zu finden. Während sich die irakische Baath-Partei seit ar-Rikabis Ersetzung vor allem aus dem Sunnitischen Dreieck rekrutierte und über eine schiitische Bevölkerungsmehrheit regierte, stammen die Führer der syrischen Baath-Partei seit 1970 fast nur noch aus der Region der Alawiten-Minderheit und beherrschen eine sunnitische Bevölkerungsmehrheit.

„Seit dem Sturz Qasims hat sich jede Gruppe, die an die Macht kam, auf die Rückendeckung durch die Region oder Familie verlassen. Eine wichtige Funktion der ‚Partei‘ im Irak und ähnlichen Staaten (z. B. Syrien) ist es, diese personalisierten politischen Systeme zu stützen und ihren tatsächlichen Herrschaftsmechanismus zu verschleiern.“

– Sluglett, S. 224[2]

Für die sunnitischen Baathisten Iraks hätte also die 1978 beschlossene Aussöhnung mit ihren syrischen Genossen und geplante syrisch-irakische Vereinigung eine gewisse Verbreiterung ihrer Machtbasis gebracht, die alewitischen Baathisten Syriens wären hingegen zu einer noch kleineren Minderheit in einem größeren Staat geworden. Dennoch ließen nicht die syrischen Baathisten, sondern die irakischen Baathisten dieses Projekt 1979 platzen. Der religiöse Unterschied spielt angesichts der weltlichen Ausrichtung der Baath-Partei ohnehin nur eine untergeordnete Rolle.

„Der harte Kern der Anhänger des syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad sind Mitglieder seiner eigenen Gemeinde, der Alawiten, einer Minorität aus den Bergen hinter Latakia (Antiochia). Der Bathismus ist in der Tat flexibel genug, um von jeder Gruppierung im arabischen Mittleren Osten (ob ‚Mehrheit‘ oder ‚Minderheit‘) übernommen zu werden, weil er äußerst vage ist und weder einen analytischen Hintergrund noch klar definierte Ziele hat. Deshalb reichte und reicht gelegentlich auch heute noch die bloße Wiederholung frommer Sprüche, z. B. die Herstellung der ‚arabischen Einheit‘ aus, um den falschen Eindruck zu erwecken, als strebten Bath-Parteien oder Bath-Regime dieses Ziel ernsthaft an.“

– Sluglett, S. 120f[2]

Militärisch oder zivil

Einen weiteren Unterschied macht das Verhältnis von Militär und Parteiapparat aus. Im Irak war nach 1965 mit dem Ausschluss as-Sa'dis der „militärische“ Flügel der Baath-Partei entmachtet worden, mit der Amtsübergabe des Militärs al-Bakr an Saddam Hussein 1979 setzte sich endgültig der nichtmilitärische bzw. „zivile“ Flügel der Partei durch. Um das Militär aber zu kontrollieren und mit seiner Hilfe die Macht zu sichern, wurden die Streitkräfte mit Hilfe von Parteioffizieren (ähnlich den Politkommissaren des Ostblocks) „baathisiert“.

„An dieser Stelle sollte betont werden, dass der zivile Anstrich des Regimes, der dadurch zum Ausdruck kommt, dass im Revolutionären Kommandorat seit 1969 die Zivilisten zahlreicher vertreten waren als die Militärs, dadurch relativiert wird, dass die Zivilisten immer von einem Offizierscorps gestützt wurden, das mit der Zeit zunehmend ‚bathisiert‘ wurde, sodass die Unterscheidung zwischen ‚zivil‘ und ‚militärisch‘ wenig aussagekräftig ist.“

– Sluglett, S. 132[2]

„Obwohl das Regime kein reines Militärregime ist wie in Ländern, in denen wenige Generäle die Macht übernehmen und anschließend pro forma eine Partei bilden, ist die Armee einer seiner Stützpfeiler. Deshalb ist es irreführend, das Regime eher als ‚zivil‘ denn als ‚militärisch‘ zu charakterisieren, da im Falle des Irak keine klare Trennungslinie zwischen beiden Bereichen gezogen werden kann.“

– Sluglett, S. 218[2]

Im Falle Syriens ist das Gegenteil Realität. Die Baath-Partei ist dort spätestens seit 1970 nur noch verlängerter Arm einer kleinen Gruppe alawitischer Generäle, der zivile Parteiapparat den ausschließlich alawitischen Militärs unterstellt. Doch bereits zuvor hatten sich „linke” bzw. „rechte” Zivilisten immer wieder mit „linken” bzw. „rechten” Militärs zum Sturz der jeweils anderen Gruppe zusammengeschlossen.

Ausbreitung

Neben der syrischen und irakischen Regionalleitung waren bis zur Spaltung von 1966 Baath-Parteien auch in anderen arabischen Regionen (Ländern) entstanden

Baath-Parteien in arabischen Staaten

  • 1947: Syrien
  • 1949: Palästina
  • 1951: Libanon
  • 1952: Irak
  • 1954: Jordanien
  • 1956: Bahrain
  • 1958: Südjemen
  • 1964: Sudan

Darüber hinaus existierten oder existieren regionale Baath-Parteien auch in Libyen (1952–1962), Saudi-Arabien und Mauretanien. Meistens wurden sie nach erfolglosen Putschversuchen (zuletzt 2003 und 2004 in Mauretanien) verboten und aufgelöst. Nach der Spaltung stellte sich für die Regionalparteien zudem die Frage, welcher der rivalisierenden Nationalleitungen sie fortan folgen sollten.

Bemerkenswert ist die Wandlung der libanesischen Baath-Partei von einer nach 1966 Bagdad-orientierten bzw. Pro-Bitar/Aflaq-Partei zu einer Damaskus-orientierten Partei nach dem syrischen Einmarsch im Libanon 1976 (der proirakische Flügel spaltete sich ab und ging 1990 unter). Nach dem Tod des syrischen Präsidenten Assad soll die libanesische Baath-Partei jedoch in einen Machtkampf zwischen dessen Bruder Rifaat und Sohn Bashir verwickelt worden sein.

Zwei palästinensische Baath-Parteien

Bei den Palästinensern gibt es sogar zwei Baath-Parteien, die 1949 gegründete einheitliche Baath-Partei war mit der Spaltung 1966 und der israelischen Besetzung seit 1967 untergegangen. An ihrer Stelle und aus ihren Resten gründete eine prosyrische Baath-Fraktion 1968 die as-Saiqa-Pioniere der Volksbefreiungskriege, während eine proirakische Baath-Fraktion 1969 die Arab Liberation Front (ALF; Arabische Befreiungsfront) ins Leben rief. Beide palästinensischen Baath-Parteien sind Mitglieder der PLO und des Palästinensischen Nationalrates (PNC) sowie von den jeweiligen Nationalleitungen in Damaskus und Bagdad anerkannt.

Die as-Saiqa-Offiziere stehen der von Damaskus aufgestellten und in Syrien stationierten Palästinensischen Befreiungsarmee (PLA) vor, gerieten aber nach der Niederlage im Machtkampf mit Arafat und durch die Ablehnung eines Friedens mit Israel zunehmend in Isolation. Die zahlenmäßig kleinere ALF unterstützte sowohl Arafat als auch Saddam Hussein, fiel aber mit dem Sturz des Baath-Regimes in Bagdad.

Ausblick

Izzat Ibrahim ad-Duri wurde 2007 im Untergrund zum neuen Generalsekretär der irakischen Baath-Partei gewählt

Neben der syrischen Baath-Partei und der irakischen Baath-Partei existiert in Syrien seit 1966 bzw. 1970 außerdem noch eine proirakische Absplitterung der syrischen Baath-Partei (sunnitische Zivilisten), die bis 2003 von altbaathistischen Führern (z. B. Amin al-Hafiz) im irakischen Exil geführt wurde. Zudem gibt es seit 1965 bzw. 1979 eine prosyrische Abspaltung der irakischen Baath-Partei im syrischen Exil. Seit 2003 befindet sich auch die von Izzat Ibrahim ad-Duri neu gegründete irakische Baath-Partei teilweise im syrischen Exil. Irakische Exil-Baathisten sind aber zuversichtlich, dass es sich (wie schon 1963) nur um einen vorübergehenden Machtverlust handelt.

Einzelnachweise

  1. Paul Berman: Terror and Liberalism. W W Norton & Company, 2003, ISBN 0-393-05775-5.
  2. a b c d e Marion und Peter Sluglett: Der Irak seit 1958 – von der Revolution zur Diktatur. Frankfurt 1990.

Literatur

  • Michel Aflaq: Auszüge aus Reden, Erklärungen und Interviews. Varese 1978.
  • Abu-Lughod Said, Zureik Hallaj: Porträt des palästinensischen Volkes. Wien 1983.
  • Hassan Tawalba: The Ba'th and Palestine. Bagdad 1982.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Baʿth-Partei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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